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>ie ^»«hessisch« Zkittmg- et- cheint sechs««! wöchentlich. Be- ; »gspreis monatlich 2.20® SK.au»- ichließl. Zustellungsgebühr, dniä die Post 2.45 GM. Ftir etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder ele­mentar» Ereigniste «usfallende Rnmmern wird kein G«f«t ge­leistet. Verlag Dr. §. Litzervth. Druck der Unib.-Buchdrnckere« Job. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Skr. 64. tu Rr. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Skr. 5015. - Sprechzeit -er Redaktion bon 1011 und «kl1 vbr.

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Zagesmrjger Z g |L7 W g g W | g g Lmrötszettung

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

St. 196 65.<faBtfl. Marburg a.Labn

Der Anzeigenpreis beträgt fite bot 11 qespalt. Zeilenmillimeter 0.08 SM., sog. kleine Anzeigen mtb Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM amtliche und aus­wärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz- dorschrkst 50»k Aufschlag. Saurmrlanzeigen 100 Auf­schlag. Reklanu-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Auf dem Wege zur Einigung?

Srmrinjamrr »teurem ter BMpartei, der Kenirwastm und te WMaMartei

Die Deutsche Volkspartei, dre Wirtschaftsparter und die Kon- seroatioe Volkspariei haben ihren gemeinsamen Wahlaufruf veröffentlicht, der für die Deutsche Volkspartei von Dr. Scholz und Kemples, für die Wirtschastspartei von Drewitz und Sachsenberg und für die Kon­servative Volkspartei von Treviranus und von Lindeiner-Wildau unterzeichnet ist. Er hat folgenden Wortlaut:

Die unterzeichneten Parteien haben, sich im letzten Reichstag fürdasvomReichs- präsidenten von Hindenburg be­gonnene Reformwerk auf finanziel­lem, sozialem, wirtschaftlichen und staatlichem Gebiet und seine Sicherung und Erweiterung eingesetzt. Sie halten seine Durchfüh­rung für das dringendste Gebot der deutschen Innenpolitik zur Sicherung der deutschen Wirtschaft, insbeson­dere der deutschen Landwirtschaft, zur Ret­tung des deutschen Ostens, zur Erhaltung der Grundlagen der sozialen Gesetzgebung, gur Wiedereingliederung des Millionenheeres der Arbeitslosen in den Wirtschastsprozeh, gur Wiederherstellung der Autorität des Staates. Angesichts der Not von Volk und Vaterland halten sie an diesen Zielen fest und werden sich dafür im Wahlkampf einsetzen. Darüber hinaus aber werden die Parteien bei voller Aufrechterhaltung ihrer politischen und organi­satorischen Eigenart und Selbständigkeit da­für Sorge tragen, daß auch im künftigen Reichstag die Grundlagen parlamentarucher Zusammenarbeit zur Durchführung dieses Hindenburg-Programms geschaffen werden.

Zu dieser ursprünglich erst für Freitag mittag beabsichtigten Veröffentlichung teilt derNationalliberale Correspondenz", der Pressedienst der DVP. mit: Ein Berlmer Mittagsblatt veröffentlicht bereits heute wesentliche Teile des gemeinsamen Wahlauf­rufs, auf den sich die Deutsche Volkspartei, die Wirtschastspattei und die Konservative Volkspartei geeinigt haben. Dieser Auf­ruf war der Staatsparter mrt einem Schreiben der Deuts chen Volkspartei zugegangen, das die Staatspattei zur Mitunterzeichnung aufforderte. In ihm wurde gleichzeitig mrt- geteitt, daß die Veröffentlichung des ge­meinsamen Aufrufes erst morgen mittag er­folgen sollte. Durch die vorzeitige und teil­weise Veröffentlichung des der Staatsparter zur Unterzeichnung zugegangenen Aufrufes haben sich indessen die vorhergenannten drer Parteien gezwungen gesehen, den gesamten Wahlaufruf schon heute mittag der Oeffent- lichkeit bekannt zu geben.

Die Haltung der Wirtschaftspartei

Zu den durch die Presse gegangenen Kom­binationen, die sich an die Unterhaltungen der Herren Scholz, Trevftanus und Sachsen berg knüpfen, teilt der zwefte Patteivorsitzende der Wirtschastspartei, Abgeordneter C o - losser, für die Patteileitung mit: Diese Unterhaltungen stellen eine rein persönliche Fühlungnahme dar.

Di« Wirtschaftspatt«! hab« nicht mehr bk Absicht, irgendwelchen gemeinsamen Aktion«« der angedeuteten Att beizu- treten.

Von der Zenttalleitung der Wirtschafts- partei wird ferner mitgeteilt, daß der Aus­ruf von den Herren Drewitz und Sach- senberg vorläufig rein persönlich un- terschtteben worden sei. Die bekannt ge­gebene angebliche Erklärung der drei Par­teien sei ein Anfang der Woche ausgearbette- ter Entwurf, der noch die Genehmigung der zuständigen Patteiinstanzen haben finden sol­len. Deshalb sei vereinbar worden, eme Veröffentlichung erst am Freitag oder Sonn­abend oorzunehmen. Die vorzeitige Ver­öffentlichung sei also erfolgt ohne Zu- fiimmung der Leitung der Wirt- chaftspartei, die am Donnerstag auf telephonischen Anruf in der Patteizenttale ausdrücklich abgelehnt worden sei. Der Reichsausschub der Pattei, der in derattigen Dingen zu entscheiden habe, tage am 26. August.

Nach weiteren Informationen aus gut unterrichteten Kreisen der Wirtschastspartei kann es als zweifelhaft bezeichnet wer­den. ob sich in der Patteiausschubsitzung eine

Mehrheit für die Bestätigung der Unter­schriften von Drewitz und Sachsenberg unter den gemeinsamen Wahlaufruf finden wird.

Die schwankende Staatspatt«!.

Der Aktionsausschub der Staats­partei bettet am Donnerstag bis in die späten Abendstunden über die Reichsliste der Partei und die briefliche Anfrage der Deut­schen Volkspartei wegen einer Beteili­gung der Staatspartei an dem gemeinsamen Wahlaufruf. Da

man sich über verschiedene wahltechmsche An­gelegenheiten noch weiter zu unterhalten wünscht, ist mit der offiziellen Bekanntgabe des Beratungsergebnisses erst im Lause des Freitags zu rechnen. Es verlautet,, dah die k Staatspartei in ihrer Antwott an die DVP.

zwar an ihrem Grundsatz der Fernhaltung des Namens des Reichspräsidenten von Hindenburg aus dem Wahlkampf festhalten, aber sonst nicht alle Brücken zu einem gern einsam en Ein verneh­men abbrechen wolle.

Arbettsbefchilffung durch öle ReWpost

Artest für 125000 Menfchen - MM auf Die PrMstbimg

Berlin, 21. Aug. Im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichs­regierung ist nunmehr die Vergebung der Lieferungen durch die Deutsche Reichspost zu einem gewissen Abschluß gelangt. Das Seouls läßt sich dahin zusammen, daß

Millionen Reichsmark neue Aufträge an die deutsche Wirtschaft zur Belebung des Arbeitsmarktes gegeben worden sind, was einer jährlichen Beschäftigung von rund 125 000 Arbeitslosen entspricht, daß ferner fast durchweg eine Preissenkung von 10 v. H., zum Teil darüber hinaus, erzielt worden ist. Von den Aufträgen entfallen rund 132 Millionen Mark auf die Maschinenindustrie, 20 Millionen Mk. auf Bauten, der Rest auf übrige laufende Beschaffungen für Vetriebszwecke.

Die Preissenkung

stellt sich wie folgt dar:

Die Schwachstromindustrie (Telegraphen­bau, Fernsprecheinrichtungen, Kabel- und Rundfunkindustrie), die seit einem Jahre in einer rückläufigen Preisbewegung steht, hat Preisnachlaß bis zu 12 v. H. einge- läumt. Die Kraftfahrzeugindustrie ver­stand sich zu einer Preissenkung von 10 v. H. Die Bestellung von Gegenständen des laufenden Betriebsbedarfes wurde von der Gewährung eines Preisnachlasses von 10 v. H. abhängig gemacht, der auch zuge­standen wurde. Reue Bauten werden nur mehr vergeben, wenn ein Preisnachlaß

von mindestens 10 v. H. gegeben wird. Diese Forderung ist bisher vom beteilig­ten Baugewerbe fast allgemein angenom­men worden. Schwierigkeiten ergaben sich lediglich bei der Vergebung der Zement- ^lieferungen. Hier trat indes eine Reihe son Firmen auf, die von sich aus der Deut­schen Reichspost Angebote machten,' die er­heblich unter den Preisen des Zement- Kartells lagen, sodaß die Inanspruch­nahme des Zementkartells bis auf weite­res nicht erforderlich fein wird. Dagegen hält das Linoleum-Kartell an seinen Preisen, die erheblich über den Preisen gleichwertiger Bodenbeläge sich bewegen, fest.

Linoleum wird daher bei den neuen Bauten der deutschen Reichspost bis auf weiteres im allgemeinen nicht mehr verwendet werden.

Der außergewöhnliche Rückgang der Preise auf dem Rohgummimarkte, die zur Zeit nur mehr 16 v. H. des Friedenspreises betragen, führte zu Preisverhandlungen mit den Firmen der Gummireifen-Indu­strie, von denen die Mehrzahl bisher einen Preisnachlaß von 10 v. H. zugestanden hat. Die Verhandlungen über die weitere Sen­kung der Preise werden von der deutschen Reichspost mit sämtlichen für ihre Liefe­rungen in Betracht kommenden Firmen weiter fortgesetzt.

M MsturrvlM MMMMOs?

K o w n o, 21. Aug. Wie verlautet, haben die beiden Studenten, die den An­schlag auf Oberst Rusteika ausgeführt ha­ben, ein umfasiendes Geständnis abgelegt. Aus ihren Aussagen soll hervorgehen, daß

Woldemaras nicht nur der Anstifter, sondern auch bet tatsächliche Urheber einer Reihe geplanter Terrorakte ist. Nach den Aussagen der beiden Täter soll auch ein allgemeiner Umsturz geplant gewesen sein, bei dem 12 namhafte Per­sönlichkeiten, darunter der Staatspräsi­dent, mehrere Minister und einige Vor­standsmitglieder des Tautininkai-Verban- des erschossen werden sollten. Gestern und heute wurden Haussuchungen bei verdäch­tigen Woldamara-Anhänger vorgenom­men und mehrere Personen verhaftet, darunter drei Offiziere des in Kowno sta- ttonierten 5. Infanterieregiments. Die Voruntersuchung gegen die Täter ist be­endet und die Staatsanwaltschaft wird darüber entscheiden, ob die Schuldigenoor das Kriegsgericht oder vor das ordentliche Gettcht gestellt werden. Jedenfalls wird die gerichtliche Verhandlung in aller Oef- ientlichkeit stattfinden. Der Zustand des Obersten Rusteika hat sich seit gestern wei­ter verschlimmert.

Wim Muffen MnoerlW

Moskau, 21. Aug. Rach einer Mel­dung der Telegraphenagentur der Sowjet­union wurden heute neun Personen, die sich mit dem Ankauf von Silbermünzen und ausländischen Devisen beschäftigten und die gleichzeitig konterrevolutionäre Gerüchte verbreiteten, vom Kollegium der staatliche» politischen Verwaltung zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt.

Sprengstoffattentat auf das Gewerkschafts- Haus.

Hannover, 21. Aug. Heute in den frühesten Morgenstunden ist im hiesigen Ee- werkschaftshaus ein Paket niedergelegt wor­den, das später aufgefunden und geöffnet wurde. In dem Paket befand sich eine Höllen­maschine, die sehr sorgsam konstruiert war und als Sprengkörper eine Granate, mit einem hochbrisanten Sprengstoff enthielt. Durch einen glücklichen Umstand hat das auto­matische Werk der Höllenmaschine versagt und die Explosion ist unterblieben. Aus der Art der Anlage ist zu schließen, daß die Explosion eine schwere Verheerung angerichtet hätte. Der Täter ist unbekannt, die Ermittelungen sind in vollem Gange.

Der Vorsitzende der radikalsozialistischen Pattei und ehemalige Minister Dala- dier besaht sich in seinem OrganRe« publique" mit der Ausnahme, die das Buch General von Seeckts über die Landesverteidigung in der französischen Presse gefunden hat.. Er be­zeichnet die Aufnahme als geradezu lächer­lich. Frankreich wende jährlich 14 Milli­arden Francs für seine Verteidigung auf, d.h. mehr als die Hälfte der allgemeinen Ausgaben. Dies sei ein Satz, wie er in keinem anderen Lande der Well erreicht werde. Weitere Milliarden seien für den Ausbau der Ostgrenzen besttmmt und wie­der andere für die Auffüllung der Lager mit Munition und sonstigen Heeresaus- rüstungsgegenständen. Das französische Heer verfüge ttotz der einjährigen Dienst­zeit über eine halbe Million Soldaten, ebenfalls eine Zahl, die in keinem ande­ren Lande der Well erreicht werde, und dennoch gebe es Männer in Frankreich, die seit einigen Wochen nicht aufhötten, ihrer Beunruhigung über die Schwierig-

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Wenn sich um den anscheinend bevor­stehenden Rückttttt des Chefs der Heeres­leitung Generaloberst Heye eine Anmasse von Gerüchten gebildet hat, so trägt hieran vor allem die große Zurück- hallung des Reichswehrministeriums Schuld. Ob Generaloberst Heye zurück­treten wird oder nicht und wann und welche Gründe für einen Wechsel in der Obersten Heeresleitung maßgebend sind, darüber ist nichts Bestimmtes oder Auf­schlußreiches vom Reichswehrministerium zu erfahren. Da Generaloberst Hetze in den nächsten Monaten 62 Jahre alt wird, so wird auch die Behauptung, dah sein« Rückttttt wegen der erreichten Alters­grenze erfolgt, gegenstandslos. Die Ge- rüchte, die sich um den Wechsel bewegen, gründen sich in der Hauptsache auf Be­hauptungen, daß gewisse Kreise im Reichs- wehrministettum aus politischen Gründen mit einem Weiterverbleiben Heyes im Amt nicht einverstanden wären. Man sagt, daß diese Kreise immer noch mit dem Ge­danken spielten, die bei Friedensschluß ver­lorenen ehemaligen deutschen Ostgebiete mit Hilfe der Sowjetarmee wieder zurück­zugewinnen. Ganz abgesehen davon, dah ein solcher Plan vermutlich nicht ohne wei-l teres den Beifall Moskaus finden dürfte, so ist es doch kaum glaublich, dah nam­hafte Persönlichkeiten des Reichswehrmini- steriumS sich mit derartigen phantastischen Plänen ernsthaft beschäftigen. Es ist zus begrüßen, dah das Reichswehrministerium wenigstens hier etwas aus seiner Reserve hervvtttttt und erllärt, daß diese Be­hauptungen völlig aus der Luft gegriffen und ernsthafte Pläne eines Zusammen­gehens mit Rußland niemals im Reichs- wehrministettum erwogen worden sind.Da aber die Sache viel Staub aufgewirbelt hat, so wäre es zu begrühen, wenn das Reichswehrministettum sich möglichst rasch dazu finden würde, in ausführlicher und konkreter Weise zu all den Behauptungen, die im Laufe der letzten Tage aufgeworfen wurden, Stellung zu nehmen. Mit der Erllärung des Reichswehrministeriums, daß über eine Rachfolge des Generalober­sten Hetze noch keine Entscheidungen ge­fallen seien, ist es nicht getan. Gerade in Zetten des Wahlkampfes ist es doppelt er- forderlich, dah die große Masse der Be- völlerung über ernsthafte Entwicklungen innerhalb eines so wichtigen Ministetturns. wie das Reichswehrministettum es dar- stelll, eingehend informiert wird. Die An­gelegenheit wird vorläufig noch nicht ge- klätt werden können, da eine Entscheidung des Reichswehrministers, der im übrigen noch vor kurzem öffentlich General Schlei­cher sein Vettrauen ausgesprochen hat, höchstwahrscheinlich erst in der nächsten Woche fallen kann. Minister Groener hat nämlich im Augenblick, was ja zu ver­stehen ist, andere Sorgen er will, wie verlautet, am kommenden Montag hei­raten.