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ten 18. August ms

2i« ^Vlxrhessisch« Zelwng" «t- ch«i«t sechsmal wöchentlich. B«. ugSpre iS monatlich r^OGM.aus. Ichließl. ZuslellnngSgedLhr, durch die Post 2.45 EM. Für etwa durch Streik. Maschinrndefekt oder ele­mentar« Ereiyuiste ausfallende Nnmmern wird kein Srfar ««- eistet. Verlag Dr. §. Hitzerotb. Druck der Unib.-Dvchdrvckerei 3»b. Ang. Koch, Mark, 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr- 55. Postscheckkonto: Amt Franksurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit

er Redaktion von 1011 und »1,11 Ubr.

Anzerger* fiir (das frühere kuvhesfische) Obevhessen

MWr

Llmdesreitung

Marburger Tmekammer

Äbevkiessssche Zeitung

St. 19165.3n»te. Marburg a.Labn

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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Nie Lage in Wna

Nanking, 15. Ang. In Kuling (Kiangsi) herrscht wieder völlige Ruhe. Mehrere Ausländer, größtenteils Deutsche, find kürzlich von hier nach Kling abgereist. Der Staatsrat hat 100 000 Dollar zur Un­terstützung der chinefischen Einwohner von Tschangscha bewilligt, das kürzlich von den Kommunisten geplündert wurde. Die Truppen des Gouverneurs von Hunan halten Tschangscha noch immer besetzt. Es herrscht Ruhe in der Stadt.

Keine amerikanische Munition für China.

Washington, 15. Ang. Das Staats­departement hat ein Gesuch der Dupont- Pulvergesellschaft um sofortige Freigabe einer für die chinesische nationale Regie­rung bestimmten Munitionssendung, die morgen nach China versandt werden sollte, abgelehnt. Es wurde im Staatsdepar­tement erklärt, man werde bei der Ableh­nung bleiben, bis die chinesische Gesandt­schaft um Freigabe der Munitionssendung ersuche.

KrMreKt über Wchawar

Simla, 15. Aug. Die Stadt Peschawar wurde heute nachmittag «uter Standrecht gestellt. Zn Nauschara, Kohat und Ra­walpindi werden starke britische «nd in­dische Truppenmassen zusammengezogen.

Die Lage im Nordwesten Indiens.

Simla, 15. Aug. Amtlich wird ge­meldet, daß Truppenabteilungen aus ver­schiedenen indischen Garnisonen in die Garnisonen an der Nordwestgrenze ent­sandt werden. Eine amtliche Mitteilung bezeichnet die Lage an der Nordwestgrenze als sehr ernst und gefahrvoll. Sie bestätigt, daß es den angreifenden Afridis eine Zeitlang gelungen war, jeden Verkehr mit Peschawar abzuschneiden. Eine Abteilung sei in ein militärisches Vorrats­lager eingedrungen und habe dort be­trächtlichen Schaden angerichtet, bevor sie vertrieben wurde. Die Mitteilung besagt weiter: Eine militärische Aktion ist im Gange. Eine Anzahl Afridis haben den Bezirk verlasien und ziehen sich nach Tirah zurück, aber es treffen dauernd Verstärkun­gen ein, und die Lage mutz kritisch blei­ben, bis der letzte Gegner aus dem Bezirk vertrieben ist.

Die Afridis verlangen Freilassung Gandhis.

Daily Mail" meldet aus Lahore: Ein indischer Offizier der Poona- Kaval­lerie. der zu Beginn des Vormarsches der Afridis in Gefangenschaft geraten war, wurde gestern freigelasien. Der Befehls­haber der Afridis gab ihm eine Botschaft mit, in der die Freilasiung Gandhis gefor­dert und erklärt wird, den Afridis sei es nicht um persönliche Vorteile zu, tun; sie kämpften für mehr, für den indischen Na­tionalkongretz und die mohammedanische Bewegung.

GandhisFriedensbedingungen" unterwegs.

London, 15. August. Die Friedens­verhandlungen im Gefängnis von Veranda zwischen Gandhi, den beiden N e h r u s und anderen Kongretzführern nnd nach Gerüchten aus Bombay am Freitag nach­mittag abgeschlossen worden. Gandhi hat in Gemeinschaft mit den beiden Nehrus an den Hinduführer S a p r u einen Brief gerichtet, in dem seine Stellung zu der Frage eines Ausgleichs mit den britischen Behörden unter Einstellung der Boykott­bewegung und des passiven Widerstandes dargelegt und gleichzeitig seine Friedrns- bedingungen umschrieben werden. Sapru und Iayakar werden diesen Brief Gandhis dem britischen Vizekönig unterbreiten. Sie hoffen, anschließend mit Lord Irwin eine persönliche Aussprache zu haben. *

Reue Aerhaodluugeu mit Finnland

Ein druWrr Serfttiet nach SeiiingfcrS Mandl

Das Reichskabinett hat gestern die Beratung über die vom Reichsernäh­rungsminister Schiele geforderte Kün­digung des deutsch-finnischen Handelsver­trages fortgesetzt: Die Diskussion, die einer Kompromißlösung zustrebte, wurde kurz nach 1 Uhr abgebrochen und auf nachmittags vertagt.

Am Nachmittag setzte das Reichs­kabinett seine Beratungen fort. Wie wir erfahren, kam es am Abend zu dem Beschluß,

in direkten Verhandlungen mit Finn­land zu versuchen, zu einer Regelung der umstrittenen Handelsvertragsfragen zu gelangen die den deutschen Wünschen Wünschen und Interessen entspricht. Zu diesem Zweck wird ein Sonder- delegierter, und zwar der Leiter der Wirtschaftsabteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Dr. Ritter, nach Helsingfors entsandt werden.

In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß es gelingen wird, auf diese Weise im Laufe der nächsten Woche zu einer Verständigung mit der finni­schen Regierung zu kommen. In der Ber­liner Presse wurden bereits Angaben über den materiellen Inhalt einer Einigungs­möglichkeit gemacht. Nach Informationen unterrichteter Kreise handelt es sich dabei aber nur um Vermutungen. So ist es zum Beispiel falsch, daß die z e i t l i ch e B i n - dungdesZusatzabkommens, das im November vom Reichstag beschlossen wurde, gekürzt und die Geltungsdauer der höheren Zollsätze verlängert werden soll. Man kann wohl annehmen, daß der deutsche Delegierte die Aufgabe hat, die finnische Regierung davon zu überzeugen, daß eine Einigung im Interesse Finnlands erstrebenswert ist, weil dadurch die Kün­digung des Handelsvertrages ver­mieden wird, die für Finnland zweifel­los noch größere Nachteile bringen würde.

Pointare W weiter

AM vor vor Revision unWtoret Mirage

Poincarö veröffentlicht am Freitag einen neuen Artikel, in dem er sich mit der von Deutschland geforderten R e - vision der Verträge auseinander­setzt. Einleitend kommt der ehemalige Ministerpräsident nochmals auf die in einem letzten Artikel enthaltenen An­griffe gegen den Reichspräsidenten zu prechen. Poincarö verwahrt sich dagegen, daß er es an der nötigen Achtung habe fehlen lassen. Er habe im Gegenteil mit äußerster Ehrerbietung gesprochen, stellen­weise habe er sogar seine Schätzung und Bewunderung durchblicken lassen. Man könne dem Reichspräsidenten die An­erkennung nicht versagen, zum mindesten offen genug gewesen zu sein, und ehrlich das zum Ausdruck gebracht zu haben, was Stresemann verschwiegen habe. Man wisse in Frankreich leider nur zu gut, was Deutschland unter der Revision der Ver­träge verstehe. Das sei zunächst die Rück­gabe des Saargebietes ohne Ab­stimmung, dann die Aufhebung der ent- militarifierten Zonen, der österreichifcheAnfchluß, die Rück­gabe des Danziger Korridors, die Einmischung Deutschlands in die Ange­legenheit anderer Länder unter dem Vor­wande des Schutzes seiner nationalen Minderheixen und schließlich die Forderung nach Kolonien.

Kurz, eine triumphierende Revanche und eine unbeschränkte Vergrößerung des besiegten Deutschland.

Wenn Deutschland als Sieger aus dem Weltkriege hervorgegangen wäre, so würde es Frankreich gegenüber sicherlich nicht dieselbe Mäßigung (!!) gezeigt ha­ben, die wie jetzt umgekehrt der Fall sei.

Ponicare wird dann ironisch und be­tont, daß Deutschland trotz der dauernden Wiederholung desGott mit uns" den Krieg verloren habe. Es habe einen Ver­trag unterzeichnet, und wenn es wirklich den Wunsch hege, daß die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Deutschland auf- börten, so sei es seine Pflicht, diese Unter­schrift zu achten.

Durch die Unterzeichnung des Lo- earnovertrages und des Kellogg- paktes Habs Deutschland seine erste Unterschrift bestätigt.

Um so unerklärlicher sei die kolossale Aus­dehnung der Entwickelung, die die Reichs­wehr in den letzten Jahren gehabt habe, ttuch die Erziehung des deutschen Nach­wuchses sei nicht nur unvereinbar mit der europäischen Sicherheit, sondern auch mit der Möglichkeit der Aufrechterhaltung eines dauernden Friedens.

Poincaro kommt dann auf die eigent­lichen Revisionsforderungen zu sprechen. Er betonte dabei, wepn das Reich wirklich den Wunsch hege, in einem bestimmten Punkte eine Vertragsänderung zu for­dern, so solle es endgültig aufhören, an allen seinen Grenzen zu schüren, vielmehr solle es einen der ihm offenstehenden Wege einschlagen, indem es entweder in direkte Verhandlungen mit dem inter­essierten Land eintrete oder die An­gelegenheit vor den Völkerbund bringe. Ide Grenzveränderung beschwöre neue Unzuträglichkeiten herauf, wenn sie nicht das Ergebnis freier Verhandlungen zwi­schen zwei Staten fei.

Eine Rückgabe des Danziger Korri­dors würde sicherlich in Deutschland «nd besonders in Ostpreußen große Freude auslösen, die im Korridor an­sässigen Polen aber aufs äußerste er­bittern und damit zu neuen und viel­leicht größeren Schwierigkeiten als bisher Anlaß geben.

Aehnlich verhalte es sich mit dem An­schluß, mit dem sicherlich nicht alle Oesterreicher einverstanden seien. Eine Revision der Verträge würde also in Mit­teleuropa nur neue Feuerherde schaffen, was sich unter Umständen aus den ganzen Kontingent auswirken könne. Wenn bas' das Ziel Deutschlands fei, so müsse es dies offen' sagen. Frankreich werde dann nicht mitgehen.

Zu der amtlichen Mitteilung über die endgültige Ernennung der Osthilfebehör­den verlautet der ,,G e r m a n i a" zufolge ergänzend: Die Reichsregierung beabsich­tigt, im Herbst ein neues Gesamtprogramm zu unterbreiten, daß auch alle sonstigen Notstandsgebiete des Ostens einbeziehen soll. - , ; .......

MgeWesvl

Es trifft zu, daß der polnische Außen­minister Zaleski die Rede des Reichs­ministers Treviranus vom 10. d. M. zum Anlaß genommen hat, um gegen­über dem deutschen Geschäftsträger in Warschau Einspruch dagegen zu erheben. Er machte geltend, daß die Rückwirkungen auf die deutsch-polnischen Beziehungen un­günstige sein mühten. Der deutsche Ge­schäftsträger hat erwidert, daß ihm eine Diskussion über die Rede des Reichsmini- sters Treviranus nicht möglich sei. Er hat aber darauf hingewiesen, nach seiner Kenntnis sei in der Rede des Herrn Reichsministers nichts enthalten, was die Grundlage der deutsch-polnischen Bezie­hungen verändere oder mit den gelten­den Vetträgen nicht im Einklang stehe. Insbesondere sei es unsinnig zu glauben, der Reichsminister Treviranus habe an eine kriegerische Aenderung der Grenzen denken können. Die Stellungnahme des deutschen Geschäftsträgers entspricht der Auffassung in den maßgebenden politischen Kreisen. Sämtliche deutschen Regierungen haben hinsichtlich der deutsch-polnischen Grenzen stets dieselbe Auffassung vettre- ten und über diese Auffassung nie einen Zweifel aufkommen lassen.

Ein Berliner Mittagsblatt will wissen, daß der Kammerhexx vonOldenburg- I a n u s ch a u Reichsminister Schiele den Vorschlag gemacht habe,, seine Land­volkpattei aufzugeben und wieder zu Hu- genberg zurückzukehren. Angeblich soll diese Aktton auf den Reichspräsidenten zurückgehen. Das Blatt fügt hinzu, daß sie starke Aussichten habe, weil die finan­zielle Lage der Landvolkpattei ungünstig sei. Hierzu erfahren wir von unterttch- teter Seite, daß tatsächlich eine Besprech­ung zwischen Oldenburg-Ianuschau und. Schiele stattgefunden hat, daß aber alle Folgernngwen, die das Blatt daran knüpft, falsch sind. Die beiden Herren sind fett' langem befreundet, und sie h iben sich des­halb über die besonderen Verhältnisse in Ostpreußen ausgesprochen, well Olden-. burg-Ianuschau auf der dortigen Liste der. Deutschnativnalen Volkspattei und be8 Landwittschaftsverbandes kandidiert. Da­bei wurde festgestellt, daß Herr von Ol-i denburg durchaus auf der Polittschen Li-- nie Schieles steht. Es ist nach unseren. Informationen aber vollkommen falsch wenn man daraus auf eine Rückkehr, Schieles zur Deutschnattonalen Volkspattei schließen wollte. Sie steht nicht zur Er- ötterung und kommt nach den ganzen Vorgängen der letzten Zeit nicht in Frage. Herr von Oldenburg ist übrigens auch bei Hugenberg gewesen. Hierauf ist das Ge­rücht über den Wiedereintritt Schieles in die Deutschnativnale Volkspattei offenbar zurückzuführen. Aber auch diese Besprech­ung dürfte nur den ostpreußischen Fragen gegolten haben.

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Der Reichsinnenminister Dr. Wirth wurde bei den letzten Reichstagswahlen bekanntlich nicht in seiner badischen Hei­mat ausgestellt, da die verschiedenen Mei­nungsverschiedenheiten, die er mit der ^Parteileitung, vornehmlich mit dem frü­heren Reichskanzler Marx hatte, auch Mißhelligkeiten mit der badischen Pattei­führung und eine Entfremdung zwischen Dr. Witth und Dr. Schoser herbeigefühtt hat­ten. In der Zwischenzeit hatte sich aber vieles geändert, nicht zuletzt war Dr. Witth selbst sehr parteifromm geworden. Dennoch wurde er nicht in Baden auf­gestellt, sondern in Schlesien bezw. der Grenzmark. Seine erste öffentliche Rede in Liegnitz zeigt aber doch, daß er int Kerne der alte Wirth geblieben ist. Sein Wahllampfziel besteht in der Sicherung einer republikanischen Mehrheit. Wundern wird sich hierüber niemand. Dagegen ist ausfallend, daß er die Frage, ob der Youngplan für das deutsche Reich tragbar ist, dahin beantwottete, daß er unerfüll­bar ist. wenn die Wittschattskrise so wei-