Donnerstag,
den 14. August 19A
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er Redaktion von 10—11 und
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Marburger rasesaWiger
«'M LanMeMg
SbechMsche Zeitung
Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
Rr.M SZ.SNW. Marburg Ooen
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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachung«« fHr Stadt und Kreis Marburg.
Nie Kämpft im Ararai-Äebiel
Blutiges Gefecht zwischen persischen Grenzwachen und Kurden.
Teheran, 13. Aug. Persische Grenzwachen hatten einen blutigen Zusammen- stotz mit Kurden aus dem Ararat-Gebiet. Auf Seiten der Kurden fielen u. a. zwei Häuptlinge. Die Perser verloren 2 2 Tote und elf Verwundete.
Die Türkei dementiert.
Konstantinopel, 13. Aug. An zuständiger türkischer Stelle werden die ausländischen Meldungen, wonach türkische Truppen in persisches Gebiet eingedrungen sein sollen, als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet. Am 19. Juli hätten die Türken, wie gemeldet, vorübergehend die persische Grenze überschritten. Neue Vorstöße seien feit jenem Tage nicht zu verzeichnen.
Die „Friedensoerhandkungen" in Gandhis Gefängnis.
London, 13. Aug. Im Gefängnis von Paona hat am Mittwoch eine zweite Aussprache zwischen den beiden Nehrus und Gandhi stattgefunden. Außerdem nahmen an den Besprechungen auch die beiden gemäßigten Hinduführer Sapru und Jayakar teil, sowie Frau Neidu, die nach der Verhaftung Gandhis die Bewegung des passiven Widerstandes geleitet hat. lieber den Verlauf der Verhandlungen, denen weitere Besprechungen in den nächsten Tagen folgen sollen, wird vorläufig Stillschweigen bewahrt.
Estländisch-sowjetrussischer Zwischenfall.
Reval, 13. Aug. Ein somfetrussisches Flugzeug erschien gestern nachmittag über estlän- dischem Gebieten der Nähe der Narwa-Mündung. Ein estländischcs Küstenwachtschiff eröffnete das Feuer gegen das Flugzeug, das das Feuer erwiderte. Nach einer kurzen Beschießung kehrte das Flugzeug nach der Grenze zurück. Wahrscheinlich ist es getroffen worden; denn man sah, wie es jenseits der Grenze steil niederging. Wie verlautet, hat der estländische Minister des Auswärtigen bei dem sowjetrufsischen Gesandten gegen die wiederholten Grenzverletzungen durch sowjetrussische Flugzeuge energisch protestiert.
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Statt Wtlfteftrb im DMttslug
St. Louis. 13. Aug. Die beiden amerikanischen Flieger Bals Jackson und Forest O'Brien haben heut? nachmittag den kürzlich vo« den Brüder Hunter aufgestellten Rekord von 554 Stunden ununterbrochenen Dauerfluges gebrochen. Die beiden Fliege, setzten ihren Flug fort.
MMoburung ter Kmftlft
Berlin, 13. August. Der Zwölfer- Äusfchuß des Wirtschaftlichen Ausschusses des Reichswirtschaftsrates hat der Reichsregierung das Gutachten über die Preisgebarung der Kartelle am Mittwoch zugestellt. Es wird am Donnerstag zur Veröffentlichung gelangen. Ein Berliner Blatt gibt bereits jetzt einige Grundgedanken aus dem Eutachetn wieder. Danach bejaht der Reichswirtfchaftsrat die Möglichkeit und Notwendigkeit einer Senkung der Preise für Lebens- und Eenugmittel des täglichen Bedarfes. Seine Vorschläge richten sich in erster Linie auf die
dringend notwendige Verminderung der Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen.
Es soll zunächst der Versuch unternommen werden, durch eine freiwillige Vereinbarung mit den Preiskartellen des Handels und der Produktion eins Senkung der Verkaufspreise zu erzielen. Erst wenn diese Versuche fehlgeschlagen seien, sollte die Reichsregierung dar<n denken, mit Hilfe der Notverordnung eine Senkung der kartellmätzig gebundenen Preise zwangsweise herbeizuführen.
Neuregelung -er preußischen Diözesen
tofunbigung ter päpstlichen Bulle
Berlin, 14. Aug. Am gestrigen Jahrestage der Ratifikation des Konkordates zwischen dem Heiligen Stuhl und Preußen, dem 13. August, ist in Rom die apostolische Bulle „Pastoratis officii Rostri" unterzeichnet und verkündet worden.
Die Hauptbedeutung dieser Bulle liegt, wie die „E e r m a n i a" erfährt, darin, daß den Bestimmungen des Konkordates bezüglich der Errichtung neuer Diözesen, die Erhebung einzelner Diözesen zu Erzbistümern und der Schaffung neuer Domkapitel kirchliche Rechtskraft verliehen wird. Mit dem Erscheinen der Bulle sind die neuen Diözesen Berlin und Aachen sowie die Prälatur Schneidemühl rechtskräftig errichtet worden. Ferner haben mit dem gestrigen Tage die Diözesen Breslau und Paderborn
den Eharakter von Erzdiözesen und Kardinalfürstbischof Dr. Bertram - Breslau und Bischof Dr. Klein- Paderborn den Titel Erzbischof erhalten. Damit ist die Neuordnung der preußischen Kirchenprovinzen, wie sie im Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem preußischen Staat vorgesehen war, in Kraft gesetzt worden.
Der Staat Preußen umfaßt nach der jetzigen Neuordnung drei Erzbistümer, neun Bistümer und eine Prälatur. Er ist aufgeteilt in die Kirchenprovinzen Köln, Breslau und Paderborn. Zur Kirchenprovinz Köln gehören Diözesen Aachen, Limburg. Münster, Osnabrück und Trier. Zur Kirchenprovinz Breslau die Diözesen Berlin, Ermland, und die Prälatur Nullius Schneidemühl, zur Kirchenprovinz Paderborn endlich die Diözesen Hildes- und Fulda.
Wilf EMM an das Landvolk
„Mrmwsklungstewußft Marte» im Staat“
Berlin, 13. August. Reichsernährungs- minister Dr. h. c. Schiele erläßt unter der Ueberschrist „Schließt die Reihen" einen Aufruf an das Landvolk, in
dem es u. a. heißt-
Nachdem die große Koalition an der Unfähigkeit gescheitert war, die dringlichsten Aufgaben der Gegenwart zu meistern, ergriff der Reichspräsident im Bewußtsein seiner staatspolitischen Verantwortlichkeit persönlich die Initiative und berief eine Regierung, die sich unabhängig von Parteibindungen nur den großen Aufgaben verantwortlich fühlen sollte, die es vordringlich zu lösen galt: Der Sanierung der Finanzen, der Rettung der Landwirtschaft und des Ostens.
Der wie ich der Ueberzeugung ist, daß wir nur durch persönliche verantwortungsbewußte Mitarbeit im Staat unsere wirtschaftlichen, sozialen, staats- und nationalpolitischen Ziele erreichen können, der durfte sich dem Rufe des Reichspräsidenten nicht versagen. Ueber wichtige agrarpolitische Fortschritte und mannifaltige finanzpolitische Klippen hinweg ging der Lauf der politischen Entwicklung dem 18. Juli entgegen, wo das Staatsschiff kurz vor dem rettenden Nothafen — der Vollendung der Osthilfe und der Wiedergewinnung der finanziellen Bewegungsfreiheit — im Reichstag an der politischen Unvernunft derjenigen strandete, die zur Mitwirkung an den von Hindenburg der Regierung gestellten Aufgaben besonders berufen gewesen wären. Der Reichspräsident war aus Gründen der Staatsraison und aus eigenstem persönlichen Verantwortungsgefühl entschlossen, sich gegen die Verantwortungsscheu des Parlaments durchzusetzen. Marxisten und radikale Gruppen auf der Rechten fielen ihm dabei in den Arm. Damit wurden die Meinungsverschiedenheiten über die politischen Methoden im Lager der Rechten zu einer unüberbrückbaren Kluft in den stattspolitischen Erundauffaffungen.
Der Austritt aus der Deutschnationalen Dolkspartei war damit für mich und meine Gesinnungsfreunde zu einer schmerzlichen, aber unerläßlichen Selbstverständlichkeit geworden. Politisch heimatlos ist nunmehr das Landvolk gezwungen, sich eine neue Plattform für seinen politischen Kampf um das eigene Geschick und das des Vaterlandes zu schaffen. Geben wir uns keinem Zweifel darüber hin: weiteste Kreise des Landvolkes drohen aus Verzweiflung dem Radikalismus in die Hände zu fallen — für einen vielleicht noch größeren Teil besteht sogar die Gefahr, daß er erschüttert im Glauben an die Partei, der er zehn Jahre die Treue gehalten hatte, enttäuscht, hoffnungslos und kampfesmüde die politische
Wahlstatt verläßt und damit — ohne es zu wollen — seinen politischen Gegnern zum Siege im politischen Machtkämpfe verhilft. Angesichts dieser Lage ist
die Sammlung der politisch obdachlos gewordenen und der Verzweiflung überlieferten Kräfte im Landvolk nur noch unter bernssständischer Parole möglich.
Diese Sammlung des Landvolks ist aber nicht nur berufsständisch von Wichtigkeit. Das Landvolk ist die Kerntruppe der konservativen bodenständigen und staatserhaltenden Volkskräfte überhaupt. Stellt sich das Landvolk straff organisiert mitten hinein in die Front der Sammlung der großen Rechten, so erfüllt es damit seine naturgegebene Berufung zu staatspolitischer Führung. Nicht klassenkämpfe- rischer Verufsegoismus, nicht falsches Streben, das zur politischen Isolierung führt, sondern der Glaube an die staatspolitische Mission des Landvolkes machen es seinen Führern zum Gebot der Stunde, alle Kräfte des Landes auf der berufsstände-politischen Grundlage zu sammeln.
MMMM bei der M.W.
Der Landesverband Hannover-Süd der D.N.V.P. meldet eine wachsende Eintrittsbewegung früher ausgeschiedener Parteimitglieder. U. a. ist in Hildesheim, wo sich in den letzten zwei Wochen besonders zahlreiche Mitglieder neu aufnehmen ließen, der bekannte Admiral Höpfner, der nach der Dawes-Ab st immun g ausgetreten war, nach der endlich erfolgten Klärung der D. N. V. P. wieder Beigetreten. Im ganzen Wahlkreis ChemnitzZwickau, in dem bei der Landtagswahl am 14. Juni 1930 insgesamt 45 434 Stimmen für die Deutschnationale Volkspartei abgegeben wurden, hat ein einziger Wähler seinen Austritt aus der Partei erklärt. Täglich sind neue Eintritts- und Wiederanmeldungen früherer Mitglieder zu verzeichnen, die bei der Dawes-Krise der Partei den Rücken gekehrt hatten.
R 100 flieg! na» England
Montreal, 14. Aug. Das englische „R 100" ist 9.28 Uhr abends von Montreal zum Flug nach England ausgestiegen.
rngesftiegel
Die Verhandlungen über die personelle Seite der O st h i l f e, die gestern abend in der Reichskanzlei zum Abschluß gelangt sind, haben als Ergebnis die unmittel« bare Anterstellung des Apparates der Ost« Hilfe unter den Reichskanzler gebracht. In die Berliner Zentralstelle werden seitens des Reiches außer dem Minister Trevi« r a n u s der Ministerialdirektor im Reichs« ernährungsministerium Wachsmann, der die Osthilfe bisher ressortmäßig Beat« beitet hat, sowie der bisherige demokra« tische Abgeordnete Rönneburg entsandt werden. Die preußische Regierung wird durch den Wohlfahrtsminister Hirt sie« f er, den Staatssekretär Krüger und Dr« Lau ff er vertreten sein. \
Heber die Besetzung der fünf Anter« kommissariate in den Ostprovinzen ist ebenfalls eine Verständigung erfolgt. Für Ostpreußen wird Ministerialrat Mussehl vom preußischen Landwirtschaftsministe« rium, für Pommern von Drewitz, für die Grenzmark Ministerialrat Frankenbach für Breslau der dortige Regierungs-Vizeprä« sident Dr. Schwendh und für Oberschle« fien Oberregierungsrat Tietmann die Ge« schäfte des Osthilfekommissariats versehen«
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Die Reichsregierung hatte ursprünglich die Absicht, auch das Straßenbahn-Ar« beitSbeschaffungsprogramm einzubeziehen. Diese Bemühungen laufen auch äugen« blicklich noch weiter, doch ist es sehr frag« lich ob dis schwebenden Verhandlungen zu einem positiven Ergebnis führen wer« den. Der Grund für die verzögerte Inan« griffnahme des Ambaues, der Erweiterung und Reuschaffung von Straßen liegt na« türlich im Fehlen der notwendigen Mit« tel. Die am deutschen Straßenbau interessierten Organisationen haben den Geld« bedarf für ein Straßenbau-Programm, das sich natürlich über mehrere Jahre erstreckst auf etwa 3 bis 5 Milliarden Mark geschätzt. Die Reichsregierung, die sich im Rahmen des allgemeinen Arbeits« beschaffungsprogramm auch mit der Finan« zierung des Straßenbaus beschäftigte, hat auf Grund gründlicher Ressortbesprech« ungen, an denen auch der Reichsbank« Präsident teilnahm, die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von etwa 300 Millionen Mark für diesen Zweck geplanst also nur 10 Prozent der eigentlich von den Straßen« bau-Sachverständigen für notwendig ge« haltenen Summe. Es stellte sich aber bald heraus, daß die Aufnahme einer Anleihe in dieser Höhe nicht möglich toar, sodaß man von 300 auf 200 Millionen Mark her« unterging. Zu einem endgültigen Ergebnis ist man in dieser Frage auch jetzt noch nicht gelangst obwohl das allgemeine Arbeitsbeschaffungsprogramm schon in Angriff genommen wurde. Es wäre sehr zu wünschen, daß die langwierigen Derhand« Ringen schon in Anbetracht der hohen Zahl der Arbeitslosen im Baugewerbe bald zu einem Abschluß gelangen könnten.
Wenn man an die deutsche Handelsflotte denkt, so sieht man vor sich die großen Dampfer der Columbus-Klasse oder die stolzen Ozeanriesen „Bremen" und „Europa". Die Welterfolge dieser Schiffe können leicht zu der Auffassung verführen, daß die deutsche Handelsschiffahrt von der allgemeinen Wirtschaftsnot nicht betroffen sei, und daß das Leben, das wir von Bil- dem her aus dem Hamburger Hafen kennen, auch heute noch die Mündungen Bet' Elbe und Weser beherrscht. In Wirklich« keit sieht es jedoch auch hier traurig aus. Zahlreiche Ozeandampfer aller Art und Größen liegen zur Antätigkeit verdammt Reihe an Reihe in den seitlichen Hafenbecken. Alteingesessene Hamburger Reedereien mußten im Laufe des Sommers drei Viertel ihres Schiffsparkes stillegen, und niemand kann Voraussagen, wann den Schloten wieder Rauch entguillen wird und die Ankerketten wieder aufgerollt werden. Aach den Mittellungen des Verbandes