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Mittwoch, dtniz.AuguiliM

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Aufruhr im Osten

Türkischer E>

Ich In Wen

Konstantinopel, 12. Aug. Tür­kische Truppen haben die persische Grenze Werschritten.

*

Durch die ultimativen Forderungen, welche die Türkei Persien wegen seiner angeblich moralischen und materiellen Un­terstützung der jüngsten Kurdenaufstände stellen zu müssen glaubte und die bereits den Charakter einer kriegerischen Drohung an­genommen haben, ist eine sensationelle Wendung in der schon seit langem stritti­gen türkisch-persischen Erenzregulierungs- frage erfolgt. Man entsinnt sich, welches Aufsehen Ende Juli die öffentliche Rede des türkischen Ministerpräsidenten Ismet Pascha erregte, in der er in seiner Eigenschaft als verantwortlicher Leiterder türkischen Regierung Persien vor aller Welt der Teilhaberschaft an der Kurden- invafion beschuldigte und schon damals er­klärte,

die. Türkei sei bereit. Krieg zu führen und den inneren Frieden zu sichern. Seit­dem überstürzten sich die Ereignisse und drängten förmlich zu einer katastrophalen Lösung der bestehenden Streitigkeiten. Das Ersuchen der Türkei, das Araratge­birge in Erwartung einer durch die ver­mehrten Kurdeneinfälle notwendig gewor­denen türkisch-persischen Erenzregulrerung besetzen zu dürfen, wurde von Persien rundweg abgelehnt, worauf die Türkei be­kanntlich zum wirksamen Mittel der Kriegsdrohung griff und ihre Einmarsch­formationen an der Grenze bereit stellte. Wie aber konnte es überhaupt zu einer derartigen Verwicklung eines noch nicht bereinigten Grenzproblems durch eine Reihe mehr oder weniger lokalisierter Kurdenaufstände kommen?

Das eigentliche Kurdistan setzt sich heute aus den zu Persien gehörenden Teilen von Aserbeidschan und Ardilan sowie den türkischen Wilajets Mamuret ül Aziz, Di- arbekir, Bitlis, Mossul und Wan zusam­men, bildet also keineswegs eine politische Einheit. Außer Armeniern und Nestori­anern bevölkern rund 2,3 Millionen Kur­den diesen Eebietskomplex. Diese Völker­vermengung wurde noch durch die Ansied­lung zahlreicher Türken im persischen Teil Kurdistans (Aserbeidschan) vergrößert. Im 16. Jahrhundert fielen die bedeutend­sten kurdischen Gebiete Ostanatoliens an die Türkei. Der Versuch, in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einen kurdischen Tributärstaat unter türkischer Oberhoheit zu errichten, mißlang ebenso wie ein nach Beendigung des Weltkrieges unternommenes Experiment Frankreichs, sich nach seinem Verzicht aus Mossul in einem Teil von Kurdistan ein abhängiges Staatsgebilde zu schaffen. Die Kurden kämpften damals Schulter an Schulter mit den türkischen Nationalisten gegen die Jn- ttigen der Entente, so daß diese sich schließ­lich zur Aufgabe des Gedankens eines selbständigen Kurdenstaates gezwungen sah. Wen man aber ferner bedenkt, daß Kurden und Türken trotz mancher Reibe­reien im allgemeinen gut zusammengehal­ten haben Symphatien, die durch An­goras Kampf für die Rechte des Islams noch wesentlich gefestigt wurden so ver­steht man nicht recht, weshalb sich dieses gute Verhältnis in letzter Zeit so grund­legend verändern konnte. Der Gedanke, daß die systematisch inszenierten Kurden­aufstände

nur Mittel zum Zweck geheimer machtpolitischer Bestrebungen einzelner

Großmächte

waren, ein Gedanke, wie er verschleiert von türksichen Regierungsvertretern aus­gesprochen worden ist, drängt sich jedem : ernsthaften Beobachter dieser Dinge un­willkürlich auf. Schon einmal, zur Zeit

Kämpfe In Roeöwefilnrien

KommunAenherrichoft In Wim

türkischen Zwischenfalles Trüben zu fischen?

wie üblich im

mit einer Mastenerhebung indischen Mu­sters. Die Kurden von Suleimanisch und Arbil verlangen letztere bezeichnender­weise auch von England und nicht von Persien! vom Völkerbund die völlige Autonomie ihrer Gebiete.

Man ersieht aus allen diesen Vor­gängen: nicht von ungefähr fallen die Kurdenunruhen im Irak mit den Erenz- übergriffen räuberischer Kurden auf tür­kischem Boden zusammen, mögen auch die Mittel zur Zeit entgegengesetzt zur An­wendung gelangen, so ist doch die sich ihrer bedienende Kraft die gleiche. Sollte Eng­land inzwischen erkannt haben, daß über den Moffulvertrag hinaus der unter an­derem die Ausbeutung der Petroleum-

des Mosiulstreites zwischen England und der Türkei, wurde die kurdischeNation*" als Figur des brittschen Schachspiels in orderasien künstlich in Szene gesetzt, um der Ansicht Angoras, die Kurden seien keine Natton, sondern ein ottomanischer Stamm, wirksam entgegenzutreten. Seit­dem gibt es so etwas wie eine kurdische Autonomiebewegung, die, wenn nicht alle Zeichen trügen, sich in dem unter britischer Oberhoheit befindlichen Königreich Irak König Feisal weilt bekanntlich noch in Deutschland stark auszubreiten scheint. Die Geister des Aufruhrs, die es selbst heraufbeschworen, wird England jetzt dort nicht mehr los. Die jüngsten Nachrichten aus Bagdad und Mossul lassen jedenfalls deutlich erkennen daß die Lage in Süd­kurdistan während der Abwesenheit König Feisals weder für diesen noch für die Eng­länder als besonders rosig bezeichnet wer­den kann. Die extremen Nationalisten unter den Kurden des Irak boykottieren ganz offensichtlich den bestehenden englisch­irakischen Staatsvertrag und liebäugeln

quellen von Mossul regelt die Petro­leumschätze von Irak gehören seit 1926 für die Dauer von 75 Jahren der Türkisch Oil Company in Mesopotamien vorerst nicht viel zu holen ist, und nun versuchen wollen, bei derAustragung" des persisch-

ßankau genomMN?

BlutgerlM Keine RnWchl wtf IKanMn

Anzahl ihrer Anhänger in Zivilkleidung zurückgelassen. Man nimmt nun an, daß diese nach dem Einmarsch der Regierungs­truppen einen neuen Angriff auf die Stadt unternommen haben.

Tokio, 12. August. Nach hier einge- troffenen Nachrichten soll die Stadt Han- kau von kommunistischen Truppen besetzt sein. Nach heftigen Kämpfen seien die Kommunisten bereits Montag nachmittag bis dicht vor die Stadt vorgedrungen, da­rauf hätten die Nsgisrungstruppen die Stadt kampflos geräumt. Große Teile der Bevölkerung sollen mit de« Rsgierungs- truppe« geflohen fein.

Nach einer Reutermeldung aus Nanking. ist gegenwärtig jede Verbindung zwischen Nanking und der kürzlich durch die Re­gierungstruppen zurückeroberten Stadt Tschangtscha unterbunden. Nach der Wie­derbesetzung Tschangtschas durch die Regie­rungstruppen trafen in Nanking in regel­mäßigen Zwischenräumen Nachrichten ein. Auch verschiedene drahtlose Signale von Nanking aus blieben unbeantwortet. Man fürchtet daher, daß die Stadt erneut in die Hände der Kommunisten gefallen sein könnte. Di^ Kommunisten hatten bei der Räumung . von Tschangtscha eine große

Hinrichtung chinesischer Kommunisten.

Paris. 12. Aug. Nach einer Havas- Meldung aus Hankau hat der Gouverneur von Hunan täglich fast 2 5 0 verdäch­tige Kommuni st en hinrichten lassen. Die kommunistischen Elemente sol­len erklärt habe», daß sie, um sich zu rächen, sämtliche Personen zwischen 15 und 35 Jahren niedermetzeln würden.

43 Kriegsschiffe von Hankau.

L n o d o n. 13. Aug. Nach einer Havas- meldung liegen dort 29 amerikanische und englische, 9 japanische, 4 französische und 1 italienisches Kriegsschiff vor Anker, um die Sicherheit der Ausländer zu ge­währleisten.

Die KSMe bei WKawar

W Bomben men »le MM

London, 12. Aug. Britische Hilfstruppen, die sich am Dienstag auf dem Wege nach Pe­schawar befanden, find von den Afridis mehr­fach beschossen worden. Ebenso wurde ein Panzerzug, in dem sich gleichfalls Truppenver­stärkungen für Peschawar befanden, von den Afridis mit lebhaftem Feuer belegt. Die Ver­stärkungen bestehen sowohl aus regulären Truppen wie aus Miliz.

Die Eisenbahnlinie nach Peschawar ist' unterbrochen. Kleinere Abteilungen der Afri­dis sind in der Nähe der großen Attockbrücke aufgetaucht, die über den Indus führt und einen der wichtigsten strategischen Punkte an der Grenze darstellt, da über diese Brücke die entscheidende Eisenbahnverbindung über den Fluß läuft. Panzerwagen haben in der ver­gangenen Nacht das Gebiet östlich von Pescha­war durchfahren und sind verschiedentlich be­schossen worden.

In maßgebenden englischen Kreisen in La­hore werden die letzten Vorgänge an der Nordwestgrenze sehr ernst beurteilt. Man be­

fürchtet nunmehr, daß sich umfangreiche Ab­wehrmaßnahmen der britisch-indischen Armee gegen die Afridis kaum noch vermeiden lasten werden. In Peschawar sind zwar ausreichende Truppen verfügbar, doch besteht die Gefahr, daß die unter den Erenzstämmen herrschende Unzufriedenheit sich weiter ausdehnt, und daß die Afridis auch von anderen Stämmen erheb­lichen Zulauf erhalten. Von den britischen Luftstreitkästen werden an der Nordwest­grenze

Tag und Nacht große Menge» Bomben abgeworfen, während andere Teile der Luftstreitkräfte mit Ausklärungsdienst- beschäftigt sind. Das Gebier rund um Peschawar ist in einen besonderen Verwaltungsbezirk eingeteilt worden, in dem die Sicherheit- und Abwehrmaßnahmen be­sonders scharf sind. Kleinere Trupps von Afridis.sind trotzdem in diesem Bezirk festge­stellt worden,' konnten aber nach Aufgebot ziemlich starker Streitkräfte in die Flucht ge­schlagen werden.

Sngesieleeel

Der Besuch des Königs Fessal dvn I r a k hat die Aufmerksamkeit wieder ein­mal auf eine Triebkraft der international len Politik gelenkt, die im wahrsten Sinne des Wottes leicht entflammbar ist. näm­lich auf das Erdöl. Die Motorisierungs der Welt erfordert immer größere Wengen von Rohöl, Benzin und Leinöl; in einem künftigen Kriege wird die Macht den Sieg davontragen, die dem Gegner die Oel- zufuhr absperren kann. Auch indem Kon­flikt zwischen der Türkei und Persien wegen der angeblichen Unter­stützung des Kurdenaufstandes durch Per­sien spielt die Oelpoliük Englands eine entscheidende Rolle. Aach türkischen Mel­dungen soll der bekannte englische Oberst? Lawrence, der schon einmal den jetzt in Deutschland weilenden König Fessal auf seinem Kriegszug gegen die Türken bis zum siegreichen Einzug in Damaskus be- glettete, in Kurdistan erschienen sein und den Aufstand organisiett haben. Die tür­kische Regierung hat nun, nachdem bereits ihre Truppen die persische Grenze über- schtttten haben, eine Lage geschaffen, die in jedem nicht-orientalischen Staat sofort zum Ausbruch eines Krieges führen würde. Persien allerdings wird sich, falls nicht England besondere Absichten hat, mit einem Protest beim Völkerbund begnügen, den die Türkei als Nichtmitglied des Völ- ketbundes mit Ruhe abwarten wird. De- merkenswett ist, daß sich die Türkei 'vor Beginn ihres militärischen Vormarsches auf persiches Gebiet eine gewisse Rückver­sicherung in Moskau verschafft hat. Der russische Botschafter in Teheran ist be­müht zu vermitteln, aber diese Vermitt­lung würde einseitig auf Kosten Persiens gehen. Denn er schlägt nichts weniger vor, als daß Persien einen Gebietsstreisen wettvollsten Landes an die Türkei abtreten

solle. Das Spiel zwischen Moskau, An­gora, London und Teheran berührt durch­aus die große Polittk und könnte bei der ohnehin gespannten Lage Englands im gesamten Orient zu den allerschwersten Verwicklungen führen. Erst vor kurzem veröffentlichte zum Beispiel das im Kampf gegen England stehende zionistische Ko­mitee, daß die enAische Regierung Pa­lästina planmäßig zu einer Aufmarsch­basis für einen Krieg zu machen trachte, der sich gegen die mit Rußland verbündete Tüttei richte. Es ist für England offen­sichtlich, daß der immer stärker vor- dringende russische Bolschewismus mit der wirtschaftlichen und mllitärischen Ab­hängigkeit, in welche die Tüttei durch ihre Anleihe- und Bündnispolitik hineingeraten ist, für das Erdölgebiet von Mossul die Gefahr einer russischen Invasion näher­rückt und für das Vasallengebiet des Kö­nigs Fessal von Irak eine recht unheim­liche Nachbarschaft bedeutet: Vielleicht kann Oberst Lawrence, dessen BuchAufstand in der Wüste" vor einigen Jahren so gro­ßes Aufsehen machte, nach einigen wei­teren Jahren ein neues Buch erscheinen lassen:Der Brand in den Bergen von Kurdistan".

Unter den von der italienischen Presse lebhaft begrüßten Veranstal­tungen anläßlich des 11. Jahrestages der Weimarer Verfassung findet die Rede des Ministers Treviranus beson­dere Beachtung. DieTribuna" widmet ihren Leitartikel vom Dienstag dem Ein­druck, den die Rede in Frankreich hervor­gerufen hat und erklärt, Frankreich zeige sich immer wieder überrascht von der Hal­tung Deutschlands, weil die Franzosen sich durchaus kein klares Bild von der wahren Lage Deutschlands machen wollten. Es sei hohe Zeit, endlich einzusehen, wie die Dinge eigentlich lägen. Deutschland, ob­wohl keineswegs von kriegerischem Geiste beseelt, zeige deutlich, daß es nicht mehr gewillt sei, die Fesseln des Versailler Ver­trages zu dulden, es verlange die Gleich­berechtigung mit den anderen Staaten. Wenn England auch den status quo billige, so sei es doch keineswegs geneigt, der fran-