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Äbecheffische

Marburger | MM WM

Tagesamelger W B B RS B U ||B Lan-Miwng

Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberheffen

M. 187 65.». Marburg a.Sabn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Künstliche Ansregung in Wels

Slum gegen Mvirmms Einmütige zurStkweisuug durch die drustche Preise

Die Rede des Reichsministers Trevi» ranus hat in Paris ein Presseecho her­vorgerufen, das nicht unwidersprochen blei­ben darf. Schon die Montagsfrühpresse beschäftigte sich eingehend mit den Aus­führungen des Ministers, die sie als eine offene Drohung an die Adresse Frank­reichs und Polens hinstellte.

Die Auseinandersetzungen des Mi­nisters Treviranus bedeutete« nichts mehr, und nichts wenige, als die Frei­heit, für einen Krieg zu rüsten, das linke Nheinufer militärisch zu orga- mfieren uud sich der Tributzahlungen zu entziehe«, die Deutschland zu lei­sten sich verpflichtet habe.

So oder ähnlich Lustern sich aufgeregt die Pariser Morgen- und Abendblätter natio­nalistischer Tendenz.

Der Reichsminister für die besetzten Ge­biete, Treviranus, hat am letzten Sonn­tag bei einer Kundgebung der Ostver­bände in Berlin eine Rede gehalten, die, was recht kennzeichnend ist, nicht nur im Ausland, sondern auch in gewissen Krei­sen Deutschlands eine nicht gelinde Auf­regung verursacht hat. Zunächst sei fest­gehalten, welcher Passus der Treviranus­rede den Anlaß zu dieser Kritik gab. Bei der Schilderung der Lage an der deutschen Ostgrenze fand sich Treviranus zu folgen­den Worten:Die Zukunft des polnischen Nachbars, der feine staatliche Macht nicht zum geringsten Teil deutschen Blutopfern verdankt, kann nur gesichert sein, wenn Deutschland und Polen nicht durch unge­rechte Grenzziehung in ewiger Unruhe ge­halten werden. Ostdeutschlands Blut- chimg bleibt eine europäische Sorge und Gefahr. Die Grenzen des Unrechts halten nicht stand gegen Volksrecht und natio- - nalen Lebenswillen. Wir wissen mit Her­mann Stegemann:Generationen gehen durch Helle Tage, Generationen wandeln durch Dämmerung und Nachts Aber keine Generation weiß, ob sie die letzte chres Volkes ist. Schon im Glauben an die Beharrung, im Willen zur Tat liegt Zu­kunft beschlossen! Weg mit dem Gerede von der Katastrophe, her mit dem Mut, alle Nöte zu bannen! Der Tag wird kom­men, wo der Kamps für das Recht Deutsch­land und Europa befreit hat." Liest man diese Ausführungen genau durch, so wird man zugeben müssen, daß sie mit keinem einzigen Wort und keinem einzigen Ge­danken etwas anderes sagen, als das, was feit der Schaffung des Versailler Vertra­ges nicht nur von allen namhaften deut­schen Politikern und Staatsmännern, son­dern auch von einer großen Anzahl füh­render Politiker des neutralen und sogar des ehemaligen feindlichen Auslandes be­tont wurde. Daß die ungerechte Grenz­ziehung im Osten Deuffchlands das deut­sche und das polnische Volk in ewiger Un­ruhe halten muß, daß sie durch diese Grenzziehung hervorgerufene Blut­stockung Ostdeutschlands eine europäische Sorge und Gefahr bedeutet, und daß ein­mal der Tag kommen muß, wo der Kampf für das Recht Deutschland und Europa be­freien wird das alles sind Wahrheiten, die nicht nur in der Erkenntnis und in der Willensbestimmung des gesamten deutschen Volkes wurzeln, sondern die auch zu wiederholten Malen aus offiziösen und halboffiziösen Reden verantwort­licher deutscher Staatsmänner geklungen haben.

Die-Germania" sagt: Irgend eine völkerrechtswidrige Aggressivität oder gar eine Revancherede aus den Worten des Ministers zu konstruieren, ist ein müßiges Beginnen. Für Deutschland gelten, unter welcher Regierung auch immer, die feier­lichen Verpflichtungen des Völkerbunds­

Paktes, und keine verantwortliche deuffche Regierung wird eine Grenzrevisivn mit an­deren friedlichen Mitteln erstreben. Man hat sich an der Seine und wahrscheinlich auch in Warschau umsonst aufgeregt. Die Treviranus-Rede bedeutet kein Ultimatum und keine Kriegserklärung und wird nichts an der loyalen vertragsmäßigen Haltung der deutschen Außenpolitik ändern.

ImBerliner Tageblatt" heißt es: Der Minister Treviranns hat in seiner Rede auf die heute schon so ziemlich in ganz Europa anerkannte Taffache hinge» wiesen, daß die ungelöste Korridorfrage eine europäische Sorge und Gefahr bleibt. Er hätte sich dabei u. a. sogar auf ernst­hafte französische Politiker berufen können, wie den Grafen dDrmesson.' Es muß den Pariser Blättern erwidert werden, daß der Minister kein Wort gesagt hat, das auf

deutsche Absichten schließen lassen könnte, eine andere Lösung als im Rahmen des 19. Artikels des Völkerbunds Paktes, des Revisionsartikels zu suchen. Das , Recht, eine solche anzustreben, kann und wird sich Deutschland allerdings nicht nehmen lassen.

DieVossische Zeitung" erklärt u. a.r Der Wortlaut der Rede gibt zu Beschwerden aus Warschau oder Paris oder gar London nicht den geringsten An­laß. Wir finden in der Treviranus-Rede nichts, was nicht vor ihm andere deuffche Politiker in verantwortlicher Stellung, was nicht auch Stresemann gesagt hätte. Auch der Sozialdemokrat Dr. Breitscheid hat einmal ähnlich gesprochen. Kein Deut­scher wird jemals die Grenzziehung im Osten als gerecht und zweckmäßig aner­kennen.

Blutige Kämpfe um Defchmvar

Ein Angriff nnf Ne Sind! »teilet

der Afridis und eine direkte Bedrohung

London» 11. August. Wie «ms Pe­schawar berichtet wird, haben die Afridis «unmehr Badama, etwa 160 Kilometer westlich von Peschawar angegriffen, wur­den jedoch wieder zurückgetrieben. Da sie an einer von Peschawar so weit entfernte« Stelle zum Angriff Lbergegangen sind, nimmt man an. daß die Ausstandsbewe­gung sich immer weiter ausbreitet.

lieber die Kämpfe unmittelbar vor den Toren von Peschawar liegen weitere Mit­teilungen vor, die offensichtlch durch die britische Zensur gegangen sind. Nach die­sen Meldungen, die eine deutliche Tendenz zeigen, die Vorgänge möglichst unbedeu­tend erscheinen zu lassen, sind britische Artllerieabteilungen, Panzerwagen und zahlreiche Flugzeuge am Sonntag nach­mittag gegen die bei Peschawar vordrin­genden Afridis eingesetzt wurden. In der Stadt war im Verlauf des Sonntags ununterbrochen Geschützfeuer zu verneh­men. Eine stärkere Abteilung der Afridis wurde in einem dichten Gehölz in der Nähe des Bahnhofes von Peschawar ent­deckt, nur wenige Kilometer von den bri­tischen Kasernenanlagen. Der Punkt wurde sofort von Flugzeugen m i t B o m - den beworfen und mit Artilleriege­schossen belegt, während Panzerwagen gleichzeitig einen Angriff vorbereiteten. Andere britische Militärflugzeuge warfen in weitem Umkreise von Peschawar Bom­ben auf die Afridis ab. Etwa 18 Kilometer von Peschawar entfernt, in der Nähe von Port Bara ist eine weitere Abteilung Afridis entdeckt worden. Das Ziel der Afridis bestand, wie man annimmt, darin, im Laufe des Sonntags möglichst unauf­fällig bis in die Nähe der Stadt heranzu­kommen, um dann im Schutze der Dunkel­heit einen gemeinsamen Angriff zu unter­nehmen. Die fortwährenden Bomben­abwürfe durch Flugzeuge und die Ent­deckung einzelner Abteilungen, haben die­sen Plan vorzeitig vereitelt. Seit Sams­tag find von den britischen Militär­kommandos des Bezirkes Peschawar noch verstärkte Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, um ein konzentrisches Vorgehen

der Stadt Peschawar unter allen Umstän­den zu vermeiden.

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FriMMonsmm mit 8mW

London, 11. Aug. Die beiden Nehrus sind am Sonntag von Allaha­bad nach Poona abgereist, um dort mit Ga n d hi zu verhandeln. Auch der Hindu­führer S a p r u, der die Friedensverhand­lungen mit Gandhi eingeleitet hätte, ist wieder nach Poona abgereist. Am kom­menden Mittwoch wird voraussichtlich im Gefängnis von Jeravda, wo Gandhi untergebracht ist, eine Friedenskonferenz zwischen Gandhi und den beiden Nehrus und anderen Hinduführern stattfinden. Von dem Ergebnis dieser Verhandlungen wird das weitere Verhalten der britischen Behörden gegenüber der Bewegung Gandhis abhängen, ebenso die Frage einer möglchen Zuziehung Gandhis oder eines Vertreters zu der späteren englisch­indischen Konferenz.

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Türkisches üilimotum an Persien

Persien, 11. August. Die türkische Regierung hielt am Montag in Angora einen Ministerrat ab, um sich mit der per­sischen Antwort ans die letzte türkische Note wegen der Kurdenüberfälle an der perfisch­türkischen Grenze zu befassen. Der Mi­nisterrat beschloß, eine neue Aufforderung an die persische Regierung zu richten, ge­eignete Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Erenzüberschreitungen durch die Kurden zu treffen. Die neue türkische Note wird i« außerordentlich deutlichen Worten aogefaßt sein und innerhalb 48 Stunden eine Antwort von Persien ver­langen. Sie läuft praktisch auf ein Ulti­matum hinaus. Zn politischen Kreisen Angoras verlautet noch nichts Näheres, ob und welche Maßnahmen der Minister­rat für den Fall beschlossen hat, daß Per­sien auch dieser Forderung nicht nachkom­men sollte.

JnsProMmmn tetoitoatiwn

Von Professor Dr. Otto Hvetzsch, - M. d. R.

Herr Professor Hvetzsch wird, wie wir hören, in Kürze in Marburg in einer Wahlversammlung sprechen. Seine programmatischen Ausführungen im folgenden Aufsatz sollen unsere Leser mit den Zielen und Forderungen der Konservativen Volkspattei be- kannt machen.

Endlich ist das Wott: konservativ wie­der zu Recht gekommen. 'And sehr be- mettenswett: nicht die Men haben das gegen alle Schwiettgkeiten wieder durch» gesetzt, sondern die Jungen. Es muß doch etwas Wittlich Lebendiges in demBegriffe stecken!

Konservativ sein heißt: das geschichtlich Gewordene erhalten und organisch weiter- bilden, im ewig wechselnden Leben des Volkes. Aber nun ist diese Kontinuität durch die Revolution zerrissen. Vieles ist unwiederbringlich verloren und unwieder» herstellbar. Vieles neu Enfftandene wird niemals wieder aus der Geschchte unseres Volles verschwinden. Aber die deuffche überindividuelle Dolkspersönlichkett bleibt ja mtt taufend Faden an die geschichtlichen Bedingtheiten ihres Seins gebunden. An die knüpfen wir an über den Zusammen­bruch hinweg, und in die Zukunft hinein.

Weder die Rückbildung, die unmöglich ist, noch die gewaltsame Ambildung, die uns nur in Bürgerkrieg und Zerfall des Reiches treiben würde, wollen wir. Kon­servativ sein heißt: reformerisch und schöp­ferisch Staat und Wittschaft organisch wei­terbilden, und dazu heute sie beide zunächst einmal aus Rot und Krise retten, heute, morgen, in der unmittelbaren Ge­fahr, in der wir sind und die nicht zur Katastrophe werden darf. Darum ist das Feld unserer Arbett der Staat von heute, so wie er dasteht, und unser Bekenntnis die Arbett in diesem Staat, der heute die Schicksalsgemeinschast der Ration ist. Grundsatz, Formel und Methode:dieser Staat ist nicht unser Staat" lehnen wir Vollskonservativen rundweg ab!

An dieser Stelle scheiden sich zunächst schon klar die Geister im Wahllanchf. Die­ser unser Staat ist in einer Krise seiner Funktionen, aus der wir ihn retten Helsen wollen, im Kampf um die Macht im Staat, um ihn umbilden zu können nach den kon- servativen Auffassungen von Wesen und Autorität und Ausbau eines Staates. And hat man in der alten Deutschnationalen Vollspartei je Wittlich über das nachge­dacht, was man an Reichs- und Vettoal- tungsrefvrm ernsthaft wollte und was darin möglich und darin notwendig war, und das Kar und bestimmt ausgesprochen? Diegrundsätzliche" Opposittvn gegen das System" bleibt eine Phrase, solange man nicht weiß und sagt, was man an seine Stelle setzen will. Die starke Staatsge- toatt aber, die unser Voll vor allem braucht, kann ihm nicht aus den reaktio­nären oder revolutionären Kräften ebenso­wenig aus den liberalen oder sozialistischen, sie kann ihm allein aus der Sammlung und dem Einsatz der wahrhaft konserva­tiven Kräfte erwachsen.

Wie die Geister in der Parterumschich­tung und im Wahlkampf sich so scheiden an der Stellung zum heutigen Staat, so scheiden sie sich an der anderen Frage: Klassen- und Massenherrschaft der Besitz­losen oder sozialer Ausgleich zwischen Be­sitz und Nichtbesitz im gemeinsamen Dienst zu Schutz und Rettung der Wittschaft.

Das bedeutet zuerst das Rot-und Opfer- Programm, damtt Staat und Wirtschaft überhaupt leben können. Das ist die Plattform, auf der zu einer Rettungs- mehrhett im neuen Reichstag zu kämp­fen ist.

Hinter dem Rot- und Opferprogramm steht der Kampf um den sozialen Aus­gleich. Eine konservative Hattet muß sozial sein oder sie wird nicht sein! Das heißt nicht nur konservative Sozialreform oder Sozialpolitik, deren Sinn ja niemals