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Sonnabend, deaS.AuguitlSM

iu »Oberhesfilch« ZeUmig" et- ch«wt sechsmal wSchonlltch. Be- i«g«pr«i« monatlich 2220 SM.au«- ichlioßl. Znstkllnngsgobübr, durch die Post 2^5 GM. Für etwa durch Streit, Maschine»defekt oder de* mentare Ereigntst« anofavende Simmnern wird kein Ersao xe- eistet. Verlag Dr. §. Hitzervth. Druck der Unib.-Bnchdrnckere« 2oh. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Sir. 54. v. Sir. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit 2er Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Nr. IS) «5.Mkg.

Marburg a.Lahn

Der Anzeigenpreis beträgt für de» 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. kleine Anzeigen nnd Familienanzdgen bei Barzahlung 0.07 ®9R amtlich« und aus­wärtige Anzeige« 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» Vorschrift SO0!, Aufschlag. Sammeianzeiqen 100 °k Auf­schlag. Reklam.-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt al« Barrabatt.

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Anzeiger der amtliche» Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

FranMche Spionage in DeutWand

Eia ehemaliger Siuten« in Berlin verhaftet Er legi eia Geständnis ab

Stea der chinesischen Regiernngs- trappen

Berlin, 9. August. Die politische Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums hat den ehemaligen Studenten Eugen Gantner, der im Jahre 1925 unter dem Verdacht des Mordes an der Hausangestellten Elisabeth Stengiers- l i am Arnswalder Platz längere Zeit unschuldig in Haft gesesien hatte, unter dem drignenden Verdacht verhaftet, S p i - ouage zugunsten Frankreichs getrieben zu haben. Gantner legte ein Geständnis ab und gab zu, von einer französischen Nachrichtenstelle Spionage- aufträge entgegengenommen und ausge­führt z« haben. Es konnte ihm nachge­wiesen werden, daß er als Gegenleistung erhebliche Geldbeträge emp­fangen hat.

Dor etwa drei Monaten tauchte er in eine Pension am Fasanen-Platz auf, deren Besitzer Tschernow, vor einigen Tagen von Einbrechern niedergeschossen worden ist, und mietete ein Zimmer. Tschernow hatte von Anbeginn an Miß­trauen gegen feinen East, der keinen ge­regelten Beruf hatte, dafür aber über reichliche Geldmittel verfügte. Vor etwa drei Wochen kam es zwischen Tschernow und Gantner zu einer schweren Auseinandersetzung, in der Tschernow an­scheinend ziemlich deutlich zu verstehen gab, daß er gegen Gantner Verdacht habe. Im Verlauf der Ausenandersetzung fetzte Tschernow Gantner an die Luft. Gantner wurde, da die politische Polizei unterdes­sen Verdacht geschöpft hatte, unauffällig überwacht und schließlich am 30. Juli in feinem neuen Quartier in Haft genom­men. Eine Haussuchung förderte zahl­reichen Schriftwechsel zutage, aus dem die Spionagetätigkeit Eantners her­vorging.

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Berlin, 9. Aug. Der Reichsanzei- ger veröffentlicht die Verordnung zur Durchführung des dritten Abschnittes (Ost­hilfegesetzes, der Verordnung des Reichs- prüsidenten zur Behebung finanzieller, wittschaftlicher und sozialer Notstände vom 26. Juli 1930), welche die Reichsregie­rung im Einvernehmen mit der preußischen Staatsregierung erläßt. Danach werden in den nachgenannten Gebieten die Maß­nahmen der Amschuldung und des Voll- streckungsschutzes durchgeführt:

1. In der Provinz Ostpreußen,

2. in der Provinz Pommern im Reg.-- Bez. Köslin und im Kreis Regenwalde,

3. in der Provinz Grenzmark-Posen- Westpreußen,

4. in der Provinz Brandenburg in- den Kreisen Arnswalde, Friedeberg-Reumark, Landsberg a. d. Watthe, Sternberg- Ost und Züllichau-Schwiebus,

5. in der Provinz Riederschlesien in den Kreisen Grünberg, Freystadt, Glogau, Guhrau, Stenau, Wohlau, Militsch, Treb­nitz, Groh-Wattenberg, OelS, Äamslau sowie in den rechts der Oder gelegenen Teilen der Kreise Ohlau und Brieg, ferner in den Kreisen Waldenburg, Aeurode, Glatz und Habelschwerdt,

6. in der Provinz Oberschlesien. Fünf Land stellen werden errichtet: in Königsberg in Pr., Köslin, Schneide­mühl, Breslau und Oppeln. Die Land­stelle wird durch einen Kommissar gelei­tet, über dessen Person von der Reichs­regierung Einvernehmen mit der Preu­ßischen Staatsregierung hergestellt wird.

Der Beginn der Geschäftstätigkeit der Landstellen wird durch Verordnung be­kanntgegeben.

Berlin. 8. August. Die chinesische Gesandtschaft in Berlin erhielt eine amt­liche Nachricht ans dem Hauptquartier der chinesischen Nationalarmee in Lmho, daß die Regiernngstruppen einen großen Sieg über die aufständigen Truppen der Nord­partei in der Provinz Schantnng davon­getragen haben. Nach der Einnahme von Taian am 5. August rückten sie über Fei- scheng hinaus vor «nd nähern sich Tfinan- fu. Die Aufständischen ziehen sich in gro­ßer Unordnung zurück. Ueber 19 000 Ge­fangene wurden gemacht, 11000 Gewehre und 105 Geschütze wurden erbeutet.

In einer Unterredung mit einem Ver­treter derVossijchen Zeitung", führte der vom Reichsarbeitsminister zur Ueber- wachung des Wohnungsbauprogramms des Reiches nach Berlin berufene Mini­sterialrat Imhoff aus:

Das Programm soll die Wohnungsnot und die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Die­ses Ziel ist nur zu erreichen, wenn die Bauten so billig hergestellt werden daß die Mieten auch für Arbeiter und Ange­stellte erschwinglich werden, und wenn das Programm ein zusätzliches ist, durch das neue Arbeitskräfte Beschäftigung finden. Es wird dafür gesorgt werden, daß nicht etwa Gemeinden und Bauherren durch Zuweisung von Mitteln aus dem 100 Mil­lionenfonds gewissermaßenErsparnisse" machen.

Die Wohnungen von 32 bis 45 Qua­dratmeter. die höchstens 40 <M. Miete kosten sollen, find in erster Linie für kinderlose Ehepaare, die von 60 Qua­dratmeter, die big z« 50 M Miete ko­sten sollen, sind für Ehepaare mit Kindern bestimmt.

Alle gesundheitlichen Momente sollen be­achtet werden, unter Verzicht auf Komfort, wie Warmwasier, Bad und Zentralhei­zung, doch soll möglichst überall eine Dusche eingerichtet werden. Von dem an­deren Wettbewerb, zu dem die Reichsfor­schungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen 20 namhafte Architekten aufforderte, und dessen Ergeb­nis in etwa 14 Tagen bekanntgegeben wird, erwartet man eine gewisse Verein­heitlichung der Grundlinien für die Durch­führung der Bauten.' -

Von den verfügbaren 100 Millionen Mark wurden zunächst 85 Millionen an die Länder verteilt, davon an Preußen 53 Millionen. Die vorläufig verbliebe­nen 15 Millionen sollen dort eingesetzt werden, wo besonders gute Projekte vor­liegen oder besondere Notlage herrscht.

Die Mittel, die für das Wahnuugs- bauprogramm zur Verfügung stehen, gehe« über 100 Millionen Mark hinaus.

Zunächst geben die Landesversicherungs­anstalten weitere 150 Millionen in Form von ersten Hypotheken und Zusatzhypothe­ken zu 4y2 bs 5y2 Prozent. Weilers Gel­der wird die Bau- und Bodenbank zu niedrigem Zinssatz beschaffen, durch das

zunächst mindestens 300 Millionen

Ein bedeutsames Zeugnisangebot zum Streit um Cuvelier.

Halle, 8. August. Bei der Oberstaats­anwaltschaft in Naumburg ist eine An­zeige eingegangen, die, wenn sie sich be- stättgen sollte, von Bedeutung für die Ent­wickelung des Falles Cuvelier fein dürfte. Bekanntlich hat Cuvelier bestritten, im Besitze eines Messers gewesen zn sein. Ein Zimmermädchen eines Zeitzer-Hotels will nun beim Ausräumen des Zimmers, in dem Cuvelier wohnte, in einem offenen Koffer ein großes Messer gesehen haben, das dort ne­ben Brot «nd Schinken lag. Die Ober­staatsanwaltschaft ist mit der Nachprüfung dieser Angaben beschäftigt.

z-cr Verfügung stehen. Den, Gemeinden wird empfohlen werden, die Aufschtte- ßungsarbeiten für Wasser, Kanalisation, Straßenbau usw. möglichst niedrig zu be­rechnen. Die Straßen sollen in den rernen Wohnvierteln schmaler gehalten und das Straßenpflaster möglichst einfach herge­stellt werden. Die sehr erheblichen Wider­stände seitens zahlreicher privater und öffentlicher Bauherren müssen überwun­den werden. Durch das gute Beispiel er­hofft man eine allgemeine Verbilligung der Herstellung auch der Wohnungen,, die mit Hauszinssteuermitteln und aus Stadtanleihen errichtet werden.

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2775000 MMIvst

Berlin, 8. Aug. Die Zeit vom 16. bis 31 Juli 1930 brachte nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung eme fühlbare Abschwächung des, Be­schäftigungsgrades. Auch in früheren Jahren trat um diese Zeit des Sommers, häu­fig ein gewisser Stillstand ein. Die jetzige Entwicklung bedeutet jedoch

unverkennbar eine roe^re Verschärfung der Depression,

deren tiefster Stand noch nicht erreicht zu sein scheint. Die Zahl der Hauptunterstlltzungs- empfänger, die im letzten Verichtabschniit nur unerheblich zugenommen hatte, ist jetzt um . rund 28 000 auf über 1479 000 in der Arbeits­losenunterstützung und um rund 23 000 auf 403 000 in der Krisenunterstützung gestiegen. Damit hat die Belastung der beiden Unter­stützungseinrichtungen mit zusammen über 1900 000 Unterstützten einen Stand erreicht, der mehr als eine Million über dem des Vorjahres liegt, wo die Zahl Mitte Juli v. I. noch 938 000 betrug. Dieser Entwicklung entspricht die Zunahme der Zahl der -verfügbaren Arbeitsuchenden, die bei den Arbeitsämtern eingetragen sind, in den Tagen vom 15. bis 31. Juli mit rund 42 000. Sie er­reicht nach Abzug derjenigen, die noch in ge­kündigter oder ungekündigter Stellung oder Notstandsarbeit beschäftigt waren, nunmehr einen Stand von

rund 2 775 000 Arbeitslosen.

Von dem Zugang entfällt zwar der größte Teil auf überwiegend von der Konjunktur ab­hängige Verufsgruppen, doch sind auch die saisonmäßigen Berufe bereits an ihm betei­ligt. Das allgemeine Bild, das sich aus diesen Zahlen ergibt, wird ergänzt und bestärkt durch Meldungen über weitere Zunahme von yreier- schichten und Kurzarbeit, sowie die , Ankündi­gung von Entlassungen und Stillegungs­anträgen, schließlich durch umfangreiche Aus­steuerungen von Arbeitslosen, deren Unter­stützungsansprüche erschöpft sind.

Hesunde «nd Sttttgr Wchlmngm

Das MhmmgSbauvrogrmnm der ReMregierms

Nas große Ael!

Von Reichsminister

Dr. jur-. Dr.-Ing. h. c. Scholz.

Die Bemübange« um eine Sammlung der bürgerlichen Mitte find gescheitert. Im folgenden Aussatz legt der Führer, der Deutschen Volkspartei, der bei diesen Verhandlungen besonders viel genannt wurde, noch einmal zusammenfassend seinen Standpuntt klar.

Das deutsche Volk steht vor ernsten Ent­scheidungen. Die polittschen Aufgaben, die der kommende Reichstag zu lösen hat, sind geradezu schicksalhaft. Es geht wirklich um Volk und Reich, um Leben und Ster* ben der deutschen Wirtschaft, und Arbeit und Brot oder Elend für Millionen Volksgenossen. > \

Entweder gelingt es, die deutsche Witt- schaft in allen Tellen von neuem zu be­leben und sie in den Stand zu setzen, Rot und Hunger zu beseittgen oder alle unsere bishettgen Opfer und Mühen wa­ren für lange Zell vergeblich.

Zur Bekämpfung der größten Notstände fordern Reich, Staat und Gemeinden fi­nanzielle Maßnahmen, die nur durch schwere Opfer gesichert werden können. Die Notverordnungen tragen dieser Sach­lage Rechnung. Trotz mancher Bedenken im einzelnen, hat die Deutsche Volks­pattei im Bewußtsein ihrer Verantwor­tung gegenüber Staat und Voll zuge­stimmt. Sie hat sich selbstverständlich ein­gereiht in die Front derjenigen Parteien, die dem Ruse Hindenburgs zur Rettung des Staates und der deutschen Arbeit ge­folgt sind.

Die parlamenkattsche Durchführung der getroffenen Maßnahmen wurde durch eine Mehrheit verhindert, die aus Kommunisten und Sozialdemokraten, Deutschnationalen und Nattonalsvzialisten bestand, also durch eine Mehrheit, die innerlich uneinig und regierungsunfähig ist. Ihr gilt es eine arbeitsfähige und regierungsfähige Mehr­heit gegenüberzustellen, die nicht nur be­reit und willens ist, Staat und Voll aus! der großen Not der Gegenwart zu retten, sondern auch gleichzeitig entschlossen, ein großzügiges Reformprvgramm für die Zu­kunft in Angriff zu nehmen. Nur durch Reformen auf allen Gebieten des öffent­lichen Lebens werden wir vor neuen Er- schütterungen bewahtt bleiben und die staatlichen Aufgaben der Gegenwatt und Zukunft erfüllen können. ,

Ist das möglich, wenn dem großen ge­schlossenen Block der Svzialdemvkrattschen Pattei 'und dem staatszerstörenden Radi­kalismus von links und rechts nur eine bunte Vielheit kleiner Patteien und Frak- ttonen der staatsbürgerlichen Richtung ge­genübersteht? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. >

Deshalb habe ich in Anknüpfung an die Bestrebungen unseres Sttesemann bereits auf dem ersten Parteitag der Deutschen Volkspattei, der unter meinem Vorsitz in Mannheim tagte, eine feste Zusammenfas­sung der staatsbejahenden Patteien als dringendste Aufgabe der Gegenwart be­zeichnet. Ich habe gleichzeitig hinzugefügt, daß die Existenz der eigenen Pattei und erst recht meine persönliche Stellung kein Hindernis sein werden. Diesen Stand­punkt habe ich bis heute unbeirrt durch­gehalten.

Ich habe die Parteien von Koch-Weser bis Graf Westarp zu einer Besprechung eingeladen und ihren Vertretern die Frage vorgelegt, ob sie, wie die Deutsche Volks­partei, bereit seien, ihre Sonderexistenz angesichts der schweren Notlage aufzu­geben, um in eine gemeinsame, staats­bürgerliche Front aufzugehen. Die Rich­tigkeit meines Vorschlages ift, von den befragten Parteien nicht grundsätzlich ver­neint worden, seine praktische Durchfüh­rung aber an Rücksichten verschiedener Art gescheitert, über die nachttäglich zu sprechen keinen Zweck hat. Trotzdem habe ich das aufgestellte Gesamtziel immer im Auge behalten und den in Frage kommenden