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Dienstag, den 5. August M«>

L-i« ^Oberhessisch« Sethmg" «. chetut sechsmal wöchentlich. B«. :«gSpreiSmmiatlrch2^VEM.au-. schNeßl. ZustellungSgebühr, dvrck dw Post 2*45 GM. Für etwa durch Streik. Maschinendefekl »der eie» «entart Ereignisse «msfallend« «mamern wird kein Ersae ge» ,<fM Verlag ®«. §. Higervth. Druck der Unib.-Bvchdruckerei Job. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. tu Sir. 65. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Sir. 5015. Sprechzeit eer Redaktion bon 1011 und

»1,11 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhesse«

Ar. 181 65.3nBrg' Marburg «.Lahn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

emstisrmi, die sofortige Emsiellung der ge­gen Deutschland gerichteten Bewegung erwür­

gen Deutsch tet werden.

mit denen die

Grundsatz genaue-

Gegen Kündigung von öandelsvertrügen

Dir Musick rrhrbt Einspruch

Licht, wenn man die Vorgänge innerhalb der Staatspartei, die dem Schreiben Kochs vorausgingen, in Betracht zieht. Herr Koch-Weser ist nicht etwa freiwillig auf Urlaub gegangen, sondern infolge der erheblichen Gegensätze, die über die taktische und grundsätzliche Haltung der Staatspartei Zwischen ihm und dem Fi- nanzpolitiker der Staatspartei, Stol­per, bestehen. Herr Stolper hat von Anfang an auf ein Zusammengehen mit der Volkspartei hingearbeitet, während gerade das Vorgehen Kochs diesen Zu­sammenschluß unmöglich gemacht hat. Erst als Herr Koch einsehen mutzte, daß er mit seiner Gründungsmethode völlig Schiffbruch erlitten hatte, verstand er sich

Vor neuen EinigungsvMMlmgen

Aussyrmhe Zwischen Ar. Schch und Kpker-Moff nm Donnerstag

Der Reichsverbcmd weist in diesem Zu­sammenhang auch auf die bedrohlichen An­zeichen einer Boykott bewegung in Holland hin. Hierzu wird festgestellt, datz nach dem Scheitern der von Holland scharf kritisierten prioatwirtschaftlichen Ab­machungen mit Finnland jeder Anlatz für einen wirtschaftlichen Kampf und eine Boy- wftbewegung gegen Deutschland weggefallen ist- Es, mutz daher von der Loyalität der holländischen Wirtschastskreise, deutsche Industrie in dem ster Erfüllung aller sich aus den Handelsver­trägen ergebenden Pflichten durchaus über-

WTB. verbreitet dazu noch folgende In­formation: Wir erfahren, datz eine Klärung in den deutsch-finnischen Handelsvertragsbe- ziehungen zur Zeit noch nicht vorliegt, auch insofern nicht, als von einem Schellern der privatwiftschaftlichen Verhandlungen mit Finnland im Augenblick nicht gesprochen wer­den kann. Diese Frage ist

noch völlig in der Schwebe.

Jedenfalls hat der Reichsverband darin völlig recht, datz er gegen die in Holland von In­teressenten künstlich und mit falschen Behaup­tungen hervorgerufene Boykoftbewegung pro- testieft. Wie unrecht die Kreise in Holland damit haben, ergibt sich schon daraus, datz zu einem Boykott aufgerufen worden ist, be­vor überhaupt feststand, welchen Inhalt diese Privatvetträge haben werden und ob sie Zu­standekommen.

.Preis-Besprechungen beim Kanzler.

Äerlin, 4. Aug. Im Laufe des heuti­gen Nachmittags empfing der Reichskanzler in Gegenwart des Staatssekretärs Dr. Tren­delenburg verschiedene Persönlichkeiten des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Die Aussprache hatte die Frage der Gestal­tung der Preise im Rahmen des Arbeits beschaffungs Programms zum Gegenstände. Die weiteren Besprechun­gen mit den einzelnen Zweigen der In­dustrie werden im Reichswiftschastsministerium geführt werden.

der oben abgedruckten Mitteilung,einem Gemisch von Salbaderei und tantenhafter Moralpaukerei", noch besonders rühmen zu müssen glaubt. Warum trägt denn die Staatspartei, wie neuerdings ver­lautet, Bedenken, Herrn Koch-Weser in Berlin kandidieren zu lassen? Ist ihr etwa doch bange geworden? Es ist nur zu wünschen, daß die Verhandlungen von Herrn H ö p k e r-A s ch o f f auf einer neuen Grundlage begonnen werden, denn die politische Aktionskraft des Bürger­tums ist durch die Methoden des Herrn Koch-Weser so sehr gefährdet worden, daß aus der Idee der Zusammenfassung nur neue Zersplitterung und sinnloser Bruderkrieg zu werden drohen.

»Alte Gesichter aus neuen Fenstern"

Im Großen und Ganzen steht die Be­setzung der einzelnen Bezirke durch die Spitzenkandidaten der Staatspartei fest und,wir können auf Grund guter Infor- mattonen bereits im wesentlichen die­jenigen Männer angeben, die von der neugegründeten alten Partei an ver­antwortlicher Stelle als führende Per­sönlichkeiten an die Spitze gestellt wer-

zu einem Brief, dessen naive Forderung von der Korrespondenz der Deutschen Volkspartei gebührend zurückgewiesen worden ist. Die telephonische Unterred­ung, die zwischen Koch und Scholz statt­gesunden hat und die jetzt alsAnknüp- fungsversuch" der Volkspartei hingestellt wird, ist aber lediglich eine Aussprache über diesen Brief gewesen, der wieder schon zu einem Zeitpunkt der Presse übergeben war, als er unmöglich in den Händen des Herrn Dr. Scholz sein konnte. So sieht es also in Wahrheit um die selbstlose Sachlichkeit und den politischen Weitblick des Herrn Koch- Weser aus, dessen Tugenden der Aktions­ausschuß der Deutschen Staatspartei in

den. In der Reichshauptstadt sollte bis­her der Führer der Demokratischen Partei, Abgeordneter Koch-Weser kandidieren. Der Wahlbezirk Potsdam I wird mit Dr. Fischer, dem Präsidial­mitglied des Hansabundes, besetzt wer­den. Der demokratische Abgeordnete Meyer wird wie bisher im Wahlkreis Potsdam II aufgestellt. Rach den vor­läufigen Abmachungen kandidiert der Ab­geordnete Lemmer in Pommern, der Demokrat Rönneberg in Liegnitz und die demokratische Abgeordnete Frau Dr. Gertrud Bäumer in Thüringen. Der frühere Reichsfinanzminister Dr. Reinhold wird im Wahlbezirk Hes­sen-Nassau an die Spitze treten, während der badische Wahlbezirk Karlsruhe. den neuen Reichsfinanzminister Dr. Die t - r i ch als Spitzenkandidat , erhält. Für das württembergische Gebiet, ist noch kein bestimmter Mann vorgesehen, doch wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch diejer Bezirk einen Demokraten an der Spitze sehen. Der ehemalige Neichsinnen- minister Dr. Külz kandidiert in Dres­den.

Für Donnerstag ist eine Aussprache zwischen Dr. Scholz und Dr.HöpKer- « s ch o s s in Aussicht genommen. Sie ist noch mit Koch-Weser vereinbart worden, der aber inzwischen bekanntlich von der Leitung der Staatspartei zurückgetreten und in Urlaub gegangen ist.

In politischen Kreisen sieht man in der Tatsache, daß diese Aussprache überhaupt möglich ist, ein, Zeichen dafür, daß die zu­gespitzte Polemik, die am Sonnabend zwi­lchen den beiden Parteikorrespondenten geführt wurde, doch noch nicht das letzte Wort bedeutet. Ob die Aussprache zu einem positiven Ergebnis führen wird, wird freilich vorläufig noch bezweifelt, da beide Parteien von verschiedenen Voraus­setzungen ausgehen. Bei der Deutschen Volkspartei stellt man sich die Entwick­lung nur so vor, daß die Deutsche Staats- partsi, in, die von Dr. Scholz erstrebte Kombination mit den anderen Parteien zurückkehrt. Auf der anderen Seite sieht die Staatspartei das Ziel in der Ver­schmelzung der Volkspartei mit ihr. Bei dieser Verschiedenheit der Ansichten über den möglichen Weg läßt sich eine Prog­nose für die Donnerstag-Besprechung nicht stellen. Man wird zunächst abwarten müs­sen, welche Entscheidung Dr. Höpker- Aschoff aus dem Urlaub mitbringt, aus dem er am Mittwoch zurückkehren wird.

Moralpauken der Staatsparte!

Berlin, 4. Aug. Der Aktionsaus­schuß der Deutschen Staatspärtei veröf­fentlicht folgende Mitteilung:

..Herr Erich Koch-Weser hat in einem Schreiben vom 1. August 1930 an den Führer der Deutschen Volkspartei, Herrn Dr. Scholz, diesem vorgeschlagen, daß beide Herren angesichts der Grün­dung der Deutschen Staatspartei sich ge­gebenenfalls von der Führung zurückhal- ten, um sachliche Entscheidungen ihrer politischen Gefolgschaft von hemmenden persönlichen Rücksichten zu befreien.

Herr Dr. Scholz hat dieses Schreiben mit einem telephonischen Anruf bei Herrn Koch-Weser beantwortet, in dem eine Aussprache für Donnerstag, den 7. August, vereinbart wurde. Trotz­dem hat die offizielle Korrespondenz der Deutschen Volkspartei bereits einige Stunden nach diesem Gespräche eine Ant­wort daraus veröffentlicht, die sich durch Ton und Inhalt vor allen loyalen Deut­schen von selbst richtet.

Es hat bisher zu den übelsten Gewohn­heiten deutscher Parteipolitik gehört, jedesmal beim Scheitern eines Verhand- lungs- oder Verständigungsversuches eine langwierige Erörterung der Schuldfrage Zu entfachen.

Die Deutsche Staatspartei, die es als ihre Aufgabe ansieht, mit solchen politi­schen Methoden zu brechen, denkt nicht daran, sich an einer solchen Erörterung zu beteiligen. Sie überläßt es Herrn Dr. Scholz, die Argumente der Nationallibe­ralen Korrespondenz zurückzuweisen, um die von ihm angeregte Unterredung noch Zu ermöglichen.

Herrn Koch-Weser gegen Verunglimp­fungen seiner Person oder seines politi­schen Wirkens in Schutz zu nehmen, kön­nen wir uns versagen, da er gerade durch seinen Brief an Herrn Dr. Scholz ein Bei­spiel selbstloser Sachlichkeit und politischen Weitblicks gegeben hat, wie es im deut­schen Parteileben leider allzuselten ge­worden ist.

Diese selbstlose Sachlichkeit und der politische Weitblick des Herrn Koch-Weser erscheinen doch in einem ganz anderen

B e r l l n, 4. Aug. Der Reichsverband der deutschen Industrie teilt mit: Die nach dem Schellernder privatwirtschaftlichen Verhand­lungen mit Finnland laut gewordene Forde­rung auf Kündigung des deutsch-finnischen Handelsvertrages hat den Reichsverband der deutschen Industrie zu dringenden Vorstellun­gen bei der Reichsregierung veranlaßt. Die einzelnen deutschen Handelsverträge sind un­ter sich eng verbunden. Die Kündigung eines Handelsvertrages wäre deshalb der erste Schritt zur Erschütterung aller deutschen Handelsverträge. Die deutsche Ausfuhr gibt mehr als drei Millio­nen deutscher Arbeller Beschäftigung. Diese Beschäftigung kann nur durch Aufrechterhal- iung der Haondelsvefträge gesichert bleiben. Der Reichsverband hat deshalb gegen die Be­strebungen auf Kündigung des deutsch- sinnischen Handelsvertrages bei dem Reichskanzler und den Reichsministerien in aller Form Einspruch erhoben.

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"Angesichts der wichtigen Tagesordnung, mit der sich die nächste Kabinetts», sitzung zu befassen haben wird, ist eS von Bedeutung, daß an ihr die Reichs-» Minister möglichst geschlossen teilnehmen. Dieser Amstand dürfte mit dazu beige» tragen haben, die große programmatische Sitzung des Reichskabinetts, die, wie wir berichteten, eigentlich im Laufe dieser Woche stattfinden jwllte, zu verschieben, um den einzelnen Ministern Gelegenheit zu geben, innerhalb einer genügend langen Zeitspanne ihre Dispositionen so zu tref­fen, daaß sie am Tage der Beratungen in der Reichshauptstadt weilen. Man hat sich daher entschlossen, die Kadinettssll- zung endgülttg aus den 18. August anzuberaumen. Bis dahin laufen selbst­verständlich über die großen Probleme, Wahlreform Pensionskürzung Streichungspläne für 1931 weitere Ver­handlungen und Besprechungen zwischen den einzelnen Ressorts und den in Berlin anwesenden Vettretern der Reichsregie­rung, die aber mehr einem informatorischen und beratenden Charakter tragen, während die offizielle Beschlußfassung des Ge­samtkabinetts an dem genannten Tage stattsinden soll. Sehr umstritten sind die Streichungsab sicht en des Veichs- finanzministers Dr. Dietrich am kommen­den Etat für 1931/32. Die Summe, um die es sich dabei handelt, es sind 50 Millionen ist relativ gering, aber augenblicklich besteht noch wenig Reizung» Streichungen aus eine so ferne Sicht ohne weiteres zuzusttmmen, umsomehr, als man nach den gemachten Erfahrungen damit rechnen muh, daß der Hauptleidtragende wiederum der Kulturfonds sein dürfte. Der Widerstand, den die einzelnen Res- sotts und speziell das Reichswehrmini­sterium Kürzungen an ihren Etats ent­gegensetzten, läßt die" Aussichten für die weitgehenden Zukunftspläne des Finanz­ministers vorläufig noch etwas bedenklich erscheinen. Diesmal ist übrigens das Reichswehrministerium in die Sparaktion der Regierung mll Streichungen in Höhe von 15 Millionen RM. eiybezogen worden.

Am Sonnabend ist in der Räche des Schlesischen Bahnhofs ein Baumeister am chellichten Tag von der Straße in ein Lokal gezerrt und dort seiner Brieftasche mit 2000 Mark Lohngeldern beraubt wor­den. Als er nach seiner Vernehmung aus dem Polizeipräsidium um 11 Ähr nachts nach Hause ging, überfielen ihn neuerdings Komplizen der Verbrecher, schleppten ihn in ein bereitstehendes Auw und entführ­ten ihn nach einem abgelegenen Vorort, wo sie ihm unter Todesdrohungen das Versprechen abnahmen, nichts mehr in die­ser Angelegenheit zu unternehmen. Der Baumeister war tatsächlich so eingeschüch­tert, daß er erst am Montag es wagte, neuerlich Anzeige zu erstatten. Er mußte aber unter polizeilicher Bedeckung zum Polizeipräsidium gefahren werden, da er naturgemäß Angst hatte, den Weg allein zurückzulegen. Diese Begebenhell ist sehr aufschlußreich. Sie ergänzt die ununter« brochene Serie von Wohnungseinbrüchen, die namentlich in den Vororten Berlins Rächt für Rächt von wohlorganisierten Banden durchgeführt werden, ohne daß die Polizei in der Lage wäre, die Herrschaft der Banden zu brechen. Jetzt dehnt sich die Gewalt dieser Banden auch auf die Straße aus. Daß es der Polizei am Sonnabend gelungen ist, zwei Mitglieder der Bande, die den Baumeister überfallen hat, zu fassen, will nicht viel heißen, denn zahlreiche Prozesse, vonZmmertreu" bis zu den Gebrüdern Saß haben gezeigt, daß die Polizei auch notorischen Verbrechern nichts nachweisen kann und daß die Ban­den in ihrer Organisation der Polizei well überlegen sind. Die Berliner Polizei, ver­legt das Schwergewicht ihrer Tätigkeit neuerdings auf die Politik. Sie entfaltet in der Bekämpfung der polittschen Rowdys eine Rührigkeit, die größer als die der