Sonnabend, den 2. MM m»
iie «Oixrhejsijch« Seihmg" tr- cheint sechsmal wöchentlich. Be- «gsprers monatlich 2LVGM.au«. Ichließl. Zustellunxsgebühr, durch bie Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschtnendefekt oder elementar» Eretqntste ausiallend« Nummern wird kein örsat ce- «tstet. Verlag Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei Job. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55'. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M Nr. 5015. - Sprechzeit er Redaktion von 10—11 und
*1,1-1 Uhr.
Zeitung
Wtbe
LlmdeZzeitung
Marrmger
Tamanzeiger
Anzeiger für (das frühere knrhessifche) Oberhessen
St. 179 65. WO.
Marburg a.8abn
Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. kleine Anzeigen nnd Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SM„ amtliche und auswärtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz» boeschrist 50»|„ Aufschlag. — Sammelanzeigen 100 °l« Auf- schlag. Reklam.-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Die SimnKnmg der ArbeMeWWng
Emxlikbrrung brr ReWbabn - Ausbau wertMstenber Anlagrn - Kontrolle durch Krrditvergebung
Amtlich wird mitgeteilt:
Die mit einem Bankenkonsortium unter Führung der Reichsbank gepflogenen Verhandlungen über die Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Deutschen Reichsbahn find erfolgreich abgeschlossen. Bon dem Gesamtbeträge von 150 Millionen 9L41 Schatzanweisungen sind bereits 75 Millionen UM begeben, während der Rest am Kapitalmarkt untergebracht werden soll. Die Schatzanweisungen sind mit fünfjähriger Lauffrist und einem Zinsfuß von 6 v. H. ausgestattet. Die Papiere werde« zu einem Ausgabekurs aufgelegt, der den Zeichnern eine günstige Effektivverzinsung fichert. Sie sind zur Lombardierung bei der Reichsbank und der Preußischen Staatsbank zugelassen. Die Verleihung der Mündelsicherheit ist beantragt, die Befreiung der Zinsscheine vom Stenerabzug vom Kapitalertrag sichergestellt.
Damit ist die im Auftrags des Reichs- Reichskabinetts vom Reichsverkehrsminister seit längerer Zeit auf das nachdrücklichste betriebene Eingliederung der Reichsbahn in das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung zur Tatsache geworden. Die Reichsregierung hofft, in der Belebung der deutschen Wirtschaft einen wesentlichen Schritt weiter gekommen zu sein und erwartet, daß das Ve- schaffungsprogramm der Reichsbahn im Nahmen des Gesamtbeschaffungspro- gramms »nd der damit zugleich angestrebten allgemeinen Reichssenkung wesentlich dazn beitragen wird, der Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Die dadurch gegebene Belebung der Wirtschaft wird auch die Tätigkeit der Reichsbahn selbst beleben."
deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.-G."
Am 1. August 1930 ist in Berlin die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten A.-E. mit einem Aktienkapital von 150 Millionen und ausgewiesenen Reserven im Betrage von 105 Millionen gegründet worden. Zweck der Gesellschaft ist, die Errichtung und den Ausbau wertschaffender Anlagen durch Aufnahme von Anleihen und Darlehen im Zn- und Auslande und die Gewährung von Darlehen im Jnlande an öffentlich-rechtliche oder gemischt-wirtschaftliche Unternehmungen zu fördern. Die Annahme von Depositen und der Betrieb von Bankgeschäften ist der Gesellschaft nicht gestattet. Die Tätigkeit der Gesellschafter ist gemeinnützig. Ihre Ee- S werden auftragsweise durch die
, he Bau- und Bodenbank A.-E. Berlin besorgt. Die Gesellschaft untersteht der Aufsicht des Deutschen Reiches, die durch einen Reichskommiffar ausgeübt wird.
Zum Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Reichsminister a. D. Dr. D e r n b u r g gewählt. Im übrigen gehören dem Auf- fichtsrat an: Dr. Kämper, Vorstandsmitglied der Deutschen Bau- und Bodenbank A.-E., Dr. P o e r s ch k e, Geheimer Regierungsrat, Ministerialrat im Reichsfinanzministerium, Dr. Pohl, Reichswirtschaftsministerium, Dr. Richter, Regierungsrat im Reichsarbeitsministerium, Ritscher, Vorstandsmitglied der Reichskreditgefellfchaft A.-G., Dr. S y r u p Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Weigert. Geheimer Regierungs
rat, Ministerialdirektor im Reichsarbeits- ministerium und Dr. Z s ch u ck e, Direktor bei der Rerchsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung.
Es ist beabsichtigt, in der nächsten Zeit auf den Aufsichtsrat durch Zuwahl weiterer Mitglieder aus Kreisen der Wirtschaft, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu ergänzen. Zum Vorstandsmitglied wurde Dr. W i l h e l m i, Direktor in der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, bestellt. Außerdem treten in den Vorstand der Gesellschaft die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bau- und Vodenbank, Dr. Friedrichs und Wil- dermuth, ein. Reichskommiffar ist Ministerialrat Dr. Beisiegel, Abteilungsdirigent im Reichsarbeitsministerium.
Keine öffentlichen Aufträge bei Massen- entläffnngen.
AmtNch wird mitgeteilt: Vorkommniffe der letzten Zeit haben den Reichsarveitsminister veranlaßt, die Bsschaffungsrefforts darauf hinznweisen, daß es nicht angängig ist. öffentliche Aufträge an solche Firmen zu vergeben, die in den Beziehungen zu ihren Arbeitnehmer ein offenbar unsoziales Verhalten an den Tag legen, oder durch ungerechtfertigte Ueberstunden oder Maffeu- entlaffungen, die nicht in der wirtschaftlichen Lage des einzelnen Betriebes begründet sind, den Zwecken zuwiderhandeln, die die Reichsregierung mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm verfolgt.
Vis bürgerMe Sammelbmegung
MtMe ilcbmmftimnumg, aber noch kein Ergebnis
Zm Reichstag wurden gestern die abgebrochene« Verhandlungen über das Zusammengehen der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei, der Christlich-nationalen Bauernpartei und der Konservativen Volkspartei fortgesetzt. Zn der Aussprache kam, wie das Nachrichtenbüro des Bdz. hört, zum Ausdruck, daß durch die ablehnende Haltung der neugegründete« Staatsparei eine Einigung auf breitester Grundlage vereitelt sei. Bezüglich des weiteren Vorgehens der beteiligten Parteien ergab sich eine weitgehende lleber- einstimmung. Die günstig verlaufenen Verhandlungen führten noch nicht zu einem endgültigen Abschluß. Sie werden in der nächsten Woche fortgesetzt.
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Der Verlauf der Verhandlungen wird in den beteiligten Kreisen außerordentlich optimistisch beurteilt. Das kommt , in der Protokollnotiz zum Ausdruck, die die Teilnehmer unterzeichnet haben. Man hat Dispositionen für den gemeinsamen Wahlaufruf beraten und sich im Prinzip soweit geeinigt, daß ein Redaktionsausschuß eingesetzt werden konnte, der wahrscheinlich bis Montag den Entwurf des Aufrufes vorlegen wird. Allerdings werden die Verhandlungen erst etwa am 8. oder 9. August abgeschlossen werden, da eine Reihe von Persönlichkeiten, denen der Aufruf
noch vorgelegt werden muß, kurz vor dem Verfaffungstaa zurückerwartet werden. Das Kernstück des Aufrufes wird
der Hinweis auf das spätere fraktionelle Zusammengehen der beteiligten
Parteien
sein. Man verspricht sich davon auch eine starke Wirkung auf die Wähler, für dre es bei der allgemeinen Parterzersplttt^ rung im bürgerlichen Lager schwer ist, sich für die eine oder die andere Parier zu entscheiden. Die optimistische Beurteilung hört man nicht nur aus den Kreisen der Deutschen Volkspartei, sondern auch allgemein bei den übrigen Parteien, die an den Verhandlungen beteiligt sind.
Dr. Moldenhauer will nicht mehr kandidieren.
Köln, 1. Aug. Wie die „Kölnische Zeitung" hört, hat Professor Dr Moldenhauer an den Wahlkreisvorstand Koln-Aachen dre Bitte gerichtet, von seiner Wiederaufstellung für die Reichstagswahlen Abstand zu nehmen.
Treviranus kandidiert in Hamburg.
Hamburg, 1. Aug. Reichsminister Treviranus, der ursvrünglich in seinem bisherigen Wahlkreis Westfalen, kandidieren wollte, hat nunmehr eine Kandidatur der Konservativen Volkspartei in Hamburg angenommen. An zweiter Stelle kandidiert in Hamburg der bisherige Abgeordnete Lambach.
Beitritte zur Konservativen Volkspartei.
Berlin, 1, Aug. Der württembergische Finanzminister Dr. Dehlinger und der Gesandte a. D. Wirkl. Eeheimerat Rasch- dau sind der Konservativen Volkspartei beigetreten.
R ioo getankt
Newyork, L Aug. Wie aus Montreal gemeldet wird, ist das englische Luftschiff „9L 100“ um 10.37 Uhr MEZ. auf dem Flugplatz St. Hubert glatt gelandet. Das Luftschiff konnte in kurzer Zeit am Ankermast befestigt werden.
„R. 100“ befand sich über dem St. Lorenzstrom längere Zeit in einer sehr kritischen Lage. Das Luftschiff geriet in einen heftigen Gewittersturm, der die Se- fchwindigkeit zeitweilig auf etwa 25 Kilometer in der Stunde herabminderte. Das Luftssttff, dessen eine Stabilisierungsfläche einen sieben Meter langen Riß aufwies, kämpfte mühselig gegen den starken Gegenwind und die sintflutartigen Regengüsse an. Der Schaden konnte nur notdürftig ausgebessert werden. Flieger, die „R. 100“ entgegengeflogen waren, berichten, daß die
Bespannung größtenteils in Fetzen ge- riffen war.
In Montreal gingen wilde Gerüchte über das Schicksal des Luftschiffes um. Es hieß, daß es in Quebec eine Notlandung in schwer havariertem Zustande vorgenommen habe. Die Gerüchte erwiesen sich jedoch als unbegründet.
Kleinluftschiff-Landung auf der „Bremen".
Newyork, 31. Juli. Am Donnerstag landete ein Kleinluftschiff der Goodyear- Werke auf dem riesigen Deck des Lloyd- dampfers „Bremen". Das Kleinluftschiff nahm den Präsidenten der Eoodyear-Eesell- schast und zwei andere Fahrgäste an Bord, unr sie auf dem Luftwege nach Hause zu bringen. Eine Wiederholung dieses erstmalig unternommenen Versuches ist in Aussicht genommen worden, um diese Art der Beförderung vielleicht zu einer ständigen Einrichtung zu machen.
SoocStoicgcl
Der „Gesellschaft für öffentliche Arbeiten“ widmet die „Germania“ längere Ausführungen, in denen die Gründung als ein weiterer tatkräftiger Schritt der Regierung zur Linderung der gegenwärttgen Arbeitslosigkeit charakteri- fiert wird. Die neue Gesellschaft, heißt es Wetter, muh im Zusammenhang mit den übrigen Maßnahmen der Reichsregierung zur Beschaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten gesehen werden, wie sie sich bereits in dem Aebereinkommen der Reichsregierung mit der Reichsbahn und der Reichspost zwecks Erteilung von Sonderaufttä- gen an die Wirtschaft auswirkten. Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten bildet in diesem Rahmen ein wesentliches Hauptstück. Verhandlungen zur Beschaffung einer ersten Ausländsanleihe dieses Instituts im Simfange von etwa 20 bis 25 Millionen Dollar sind bereits mit einem englischen und amerikanischen Dan- kenkonsortium ausgenommen worden, deren Mittel restlos zum Ausbau wettschaffender Anlagen verwendet werden sollen. Die Verteilung dieser Mittel wird in enger Zusammenarbeit mit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung durchgefühtt werden, und zwar in Form von Krediten, nicht von Subventionen, die von den Kreditnehmern zu verzinsen und zu amortist'e- ren sind. Durch diese Regelung wird ein heilsamer Zwang auf die Auswahl der zu bevorschussenden Projette ausgeübt, da nur solchen Kreditnehmern Vorschüsse ge- wähtt werden können, die in der Lage sind, die Rentabilität der vorgesehenen Anlagen nachzuweisen.
Gleichzeittg erhält die Regierung durch diese Gesellschaft ein neues wirksames Mittel, um ein unsoziales Verhalten solcher Firmen zu verhindern, die bei dieser Gesellschaft nm Kredite nachkommen. Denn es ist selbstverständlich, daß die Regierung nur solchen Unternehmungen mittels dieser Gesellschaft ihre Httfe gewähren wird, die ihren Wünschen in Bezug auf die Preis- und Sozialpolitik entgegen», kommen und ihre Maßnahmen zur Behebung der gegenwärttgen Wirtschaftsnot nicht durchkreuzen. Es besteht wohl kein Zweifel darüber, daß die Tätigkeit der neuen Gesellschaft allein nicht in der Lage ist, die gegentoärtrge Krise zu überwinden, sondern daß sie erst im Zusammenhang mit den von der Regierung vorgesehenen grüßen Reformen, die erst nach der Reichs- tagswahl zur Durchführung gebracht werden können, entscheidend und wirksam bekämpft werden kann. Trotzdem aber wird sie auch jetzt schon ein fühlbares Mittel zur Enttastung des Arbeitsmarktes und damit der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung sowie zur Stützung der Konjunktur bilden. .
Der Führer der Reichsgemeinschaft junger Vollspatteiler, Glatzel, gibt der R. L. C.f olgende Inf ormattvnen über seine Haltung in der Frage der Staatspartei und der staatspolitischen Sammlung. An der Sitzung des Reichsausschusses der D. V. P. haben auf Grund einer Einladung der Parteileitung eine Anzahl von Vorstandsmitgliedern der R. j.V. teilge- nommen, um an der entscheidenden Beschlußfassung über die Haltung der D. V. P. zu der neu gegründeten Staatspattei, ebenso wie zu der von Dr. Scholz unternommenenAttion zur staatspolitischen Sammlung, mitzuwirken. Den in der Reichsausschuhsitzung gefaßten Beschluß auf Ablehnung eines Anschlusses an die Staatspattei haben die anwesenden Vorstandsmitglieder der R. j. V. gebilligt. Den Argumenten, daß nach mehrfachen Erklärungen die Staatspattei auf eine Spaltung der D. V. P. hinziele, konnten sie sich nicht verschließen. Sie haben zugleich bedauert, daß in den Verhandlungen zur Bildung einer größeren Front, die auf Einladung der Deutschen Volkspartei geführt worden sind, die Staatspattei eine endgültige Absage erteilt hat, daß somit die weiteren