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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Das EM der Demokratischen Bartet
Sie Schl In brr Srutichrn Slimlsparltt naf und ftent die WrieiorganHalibn zur Berfügung
Berlin, 30. Juli. Im Sitzungssaal des Reichstages ist am Mittwoch vormittag der Demokratische Parteiausschuß zusammengetreten. Hauptpunkt der Tagesordnung ist die Frage, ob die Organisation der Demokratischen Partei der neugegründeten Deutschen Staatspartei zur Verfügung gestellt werden soll.
Die Verhandlungen begannen mit einer Rede des Parteiführers Koch- Weser, der Rechenschaft über die Notwendigkeit seines Schrittes ablegte. Er gab eingangs seiner tiefen Wehmut darüber Ausdruck, daß er die Aufgabe der Organisation der Partei vorschlagen müsse. Er tue das War schweren Herzens, aber doch mit der Befriedigung, daß
auch in Zukunft das gleiche Ziel verfolgt werde, wie bisher. Gewiß sei er vorgegangen, ohne den Parteiausschuß S befragen. Dieser habe aber in seiner gten Sitzung eine Entschließung angenommen, die das Ziel, auf das er nun los- gesteuert sei, gebilligt habe. Auch in einer Sitzung der Wahlkreisvorsitzenden habe er sich die Sicherheit dafür geholt, daß auch diese Organe zwar mit Entschiedenheit gegen eine Zusammenschmelzung be st ehender Parteien Stellung nähmen, aber mit ebenso großer Freudigkeit für die Neuschaffung einer größeren Partei einträten, namentlich in Anlehnung an die Volksnationale Reichsvereinigung.
Das Vorgehen des Vorsitzenden der Deutschen Bolkspartei Dr. Scholz beweise. daß man auf dem althergebrachten Wege zu gar keinem Ergebnis komme,
sondern nur Gelegenheit habe, die Schuld an dem Scheitern derartiger Verhandlungen nachher anderen zuzuschieben. Koch- Weser legte dann dar, weshalb es notwendig gewesen sei, diesen Weg geräuschlos zu gehen, wobei er allerdings hoffe, daß die Partei selbst ihm das Vertrauen dafür noch aussprechen werde, wenn er auch mancherlei Störungsfeuer aus der eigenen Partei erhalten habe. Die neue Partei habe einen starken Reformwillen auf wirtschaftlichem, sozialem und finanziellem Gebiet.
Sie wolle keinen Block gegen die Sozialdemokratie bilden. Sie stehe ihr ganz objektiv gegenüber und werde gegebenenfalls auch mit ihr zusammengehen.
Andererseits sei die Partei gegen jede Vermischung mit rechtsradikalen Gruppen. Die neue Partei sei sich einig in dem Ziele der Verteidigung der Re- blik gegenüber Angriffen der radikalen Parteien rechts und links. Ein starker Wille, die notwendigen Reformen, insbesondere die Wahlreform und die Reichsreform, zu vollziehen, erfülle die neue Organisation. Er selbst werde es als eine der nächsten Aufgaben der neuen Partei ansehen, zu gegebener Zeit Volksbegehren für eine Wahlreform und für die Reichsreform ins Leben zu rufen.
Mahraun habe ausdrücklich jeden Verdacht des Antisemitismus von sich ab- gewehrt und als Verleumdung bezeichnet. (Widerspruch.)
Die Republik dürfte nicht konservativ werden, sonst folgte die Revolution. Die neue Partei wird dazu beitragen, eine fortschrittliche revolutionäre Republik zu schaffen. Der Apparat der Demokratischen Patrei solle auf die neue Partei übertragen werden. Die Volksnationalen legten großen Wert darauf, daß viele junge Männer in den Reichstag einziehen, ferner sei erwünscht, daß' mindestens an
zweiter Stelle auf jeder Kandidatenliste eine Frau stehe.
An die Ausführungen des Parteivorsitzenden Koch-Weser schloß sich eine eingehende
Aussprache.
in der das Für und Wider der neuen Staatspartei eingehend besprochen wurde.
Besondere Bedenken machte Professor Hellpach-Heidelberg geltend, der vor allem eine Erneuerung iu der Füh- rerschicht forderte.
Erst dann könnten er und seine Freunde in der Deutschen Staatspartei Mitarbeiten. Der preußische Finanzminister Höp-
ker-Aschoff erklärt, die Grundlagen demokratischer Außenpolitik hätten mit der Anerkennung des Versailler Vertrages nichts zu tun. Die demokratische Polittk habe auf dem Protest gegen den Versailler Vertrag beruht. Es herrsche im Volke eine große und gewaltige Sehnsucht nach Neugruppierungen. Der Redner äußerte den Wunsch, daß die Einigung auf noch breiterer Grundlage erfolge. Der Erfolg der Deutschen Staatspartei hänge davon ab, ob es gelinge die politisch Heimatlosen zu begeistern und an die Herzen der jungen Menschen heranzukommen. Professor Quidde äußerte Bedenken gegen die Neugründung, erklärte aber, daß er den
Behandlungen über eine GememMaftsframon Ar 6rüniung einer tommelonrlei MrlrW
Berlin, 30. Juli. Gegen 3 Uhr nachmittags begann im Reichstag die vom Abgeordneten Dr. Scholz (D.Vpt.) angeregte Besprechung über ein eventuelles Zusammengehen der bürgerlichen Mitte. An der Sitzung nahmen neben dem Abg. Dr. Scholz, Minister Treviranus von der Konservativen Volkspartei, die Aba. Drewitz und Sachsenberg von der Wirtschaftspartei, sowie der Äbg. Koch-Weser teil. Außerdem waren zwei Vertreter der Reichsvereinigung junger Volksparteiler anwesend, sowie als Vertreter der inzwischen zur Staatspartei übergegangenen Gruppe junger Volksparteiler Dr. Eschenburg.
Die Besprechung erstreckte sich zunächst auf die Frage eines Zusammenschlusses dieser Parteien für den Wahlkampf, und man verständigte sich dahin, daß von den an der Besprechung beteiligten Parteigruppen ein gemeinsamer Wahlaufruf herausgegeben werden soll, in dem sich diese Parteien verpflichten, für das Finanzreformprogramm der Reichsregierung einzutreten. Der Aufruf soll am Donnerstag von einem Ausschuß entworfen werden. Nach Ablehnung seines ersten Vorschlages hat Dr. Scholz den vertretenden Parteien darauf die Frage vorgelegt, ob sie nicht über einen selbstverständlichen Burgfrieden im Wahlkampf hinaus bereit seien, im kommenden Reichstag eine Fraktionsgemeinschaft zu bilden, die die gesammelte parlamentarische Kraft des Bürgertums gerade in entscheidenden Augenblicken gemeinsam und einheitlich einzu
setzen vermag. Darüber sind die Verhandlungen noch nicht endgültig abgeschlossen. Sie werden noch fortgesetzt.
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In Kreisen der Deutschen Volkspartei bedauert man, daß die radikalere Lösung eines sofortigen Zusammenschlusses zu einer Partei nicht angenommen worden ist, weil die übrigen Parteien gewichtige Zweckmäßigkeitsgründe dagegen anführten. Sie wiesen z. B. darauf hin, daß es ihnen schwer sein würde, ihre Flügelleute im Wahlkampf mit denen der Gruppen auftreten zu lassen, die ihnen am entferntesten stehen. Immerhin sieht man in der grundsätzlichen Einigung, die dann über den zweiten Vorschlag des volksparteilichen Führers erzielt wurde, eine erhebliche Annäherung, die nach den Wahlen u. a. noch über die Fraktionsgemeinschaft hinaus entwickelt werden kann. Am stärksten haben sich die Vertreter der konservativen Volkspartei für das Zusammengehen ausgesprochen. Das wird auch insofern als ein günstiges Zeichen für die Sammelbestrebungen ausgelegt, als vielleicht auch die Landvolkpartei in die Kombination einbezogen werden kann. % Ihre Antwort steht noch aus. Naturgemäß hört man bei den beteiligten Parteien viele skeptische Stimmen, die darauf Hinweisen, daß die eigentlichen Schwierigkeiten erst in der Arbeit des Redaktions- ausschusses beginnen und daß man deshalb abwarten müsse, ob aus den Bemühungen mehr als ein einfacher Burgfriede herauskommt. ,
Schritt von Erkelenz nicht mitmachen werde.
Külz wies auf die staatspolitischen Notwendigkeiten hin, die zur Sammlung geführt hätten. Gustav S t ol p e r erklärte: Die Vertreter der kapitalistischen Wirtschaftsauffassung haben jetzt zu beweisen, daß der Kapitalismus sich in sozialer Gesinnung und in sozialer Reformarbeit nicht vom Sozialismus übertreffen läßt. Die neue Partei verheiße den Sieg des demokratischen Gedankens.
Der Parteiausschuß faßte nach Abschluß der Aussprache über die grundsätzlichen Fragen gegen vier Stimmen folgende
Entschließung:
Der Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei stimmt der Gründung der Deutschen Staatspartei zu und stellt die Parteiorganisation für den Wahlkampf zur Verfügung. Der Parteiausschuß wünscht und erwartet, daß die Deutsche Staatspartei mit größtem Ernst bemüht
sein werde, alle gesinnungsverwandten Kräfte zu vereinigen und zu einheitlicher politischer Arbeit zusammenzufassen.
Der zweite Satz dieser Entschließung fand Annahme gegen nur eine Stimme. Die Staatspartei auf der Wahlliste an 6.
Stelle.
Zwischen der Deutschen Staatspartei und dem Reichsministerium des Innern ist vereinbart worden, daß die Deutsche Staatspartei auf den Wahllisten die bisher von den Demokraten eingenommene 6. Stelle erhält.
Neue Mitglieder für Westarp.
Berlin. 30. Juli. Der frühere Reichsfinanzminister v. Sch lieb en, Staatssekretär a. D. Hagedorn, der frühere bayerische Minister v. Brenning und der Vizepräsident des Reichsverbandes der Industrie Abraham F r ow e i n, Elberfeld, haben ihre Mitgliedschaft bei der Konservativen Volkspartei angemeldet. •
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Es darf nicht Wunder nehmen, wenn die Bemühungen um eine Gemeinschaftsfraktion der bürgerlichen Mitte zu keinem Ergebnis führen sollten. Schon bet der Ausarbeitung eines gemeinsamen Wahlaufrufes müssen die Gegensätze schär- er hervortreten, als es in den über- kürzten Gründungssitzungen und Vorbe- prechungen der Fall war. Allein in der Staatspartei sind Strömungen grundsätz- lich völlig verschiedener Art vertreten. In dieser Partei sitzen Mahraun und Prof. Quidde, einer jener pazifistischen Schwärmer, denen Mahraun, wie er in seinem Aufruf verkündet, das Handwerk legen will, well sie dem Deutschen Reich so unermeßlichen Schaden zugefügt haben. And' während Mahraun in seinem Aufruf die Verbreiterung der Basis der Staatspartei nach° rechts fordert, spricht der Parteiführer Koch-Weser von einem Zusammengehen mit der Sozialdemokratie. Mahraun hat jetzt ausdrücklich jeden Verdacht des Antisemitismus von sich abgewehrt und als Verleumdung bezeichnet. Diese Er- flärung ist mit großem Widerspruch ausgenommen worden. So. dürften noch viele Meinungsverschiedenhellen und Anklarheiten zu beseitigen fein, die man im ersten ehrlichen Gründungseifer übersehen hat.
3n der Polemik, die zwischen den leitenden Kreisen der Deutschen Vollspattei und der neugegründeten Staatspartei mit ziemlicher Heftigkeit entbrannt ist, ergreift, die „VationalTiberale Korrespondenz", der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Vollspartei, erneut das Wort, um sich gegen die Erklärung des demokrattschen Parteiführers Koch zu wenden, in der dieser ausgesührt hatte, Dr. Stresemann habe dem Gedanken einer solchen Parteineugründung sympathisch gegenübergestanden. Dazu führt die „Nattonalliberale Korrespondenz" aus: „Dr. Sttesemann hat niemals an eine einseitige Verbindung mit der Demokrattschen Partei gedacht, sondern geradezu entscheidenden Wett darauf gelegt, auch Kräfte rechts von der Deutschen Vollspattei in eine gemeinsame Front einzubeziehen. Seine Nachfolger bewegen sich also absolut auf der Linie Sttesemanns, die Hindenburgsront für den Wahllampf so statt und Breit wie möglich zu machen. Gegen den Gedanken einer Patteineugründung, die nur die Zahl der vorhandenen Patteien vermehrt, hat Stresemann in privaten Gesprächen und öffenttichen Erklärungen sich bis zuletzt auf das schärfste ausgesprochen. Herr Dr. Koch hat eine solche Parteineugründung unter bewußter Ausschaltung der Deutschen Vollspattei vollzogen. Dr. Koch stellt in seiner Erklärung selbst fest, daß er es nicht nur ab- gelehnt habe, Verhandlungen von Pattei zu Partei zu führen, sondern auch von vorrcherein darauf verzichtet habe, sich auch nur mit führenden Mitgliedern der Deutschen Vollspattei in Verbindung zu setzen. Er hat aber in der ersten öffentlichen Versammlung der Demokratischen Partei in Berlin bei Kroll vor wenigen Lagen auf einen Zwischenruf erklärt: „Wer glaubt, daß man mit der Deutschen Vollspattei zusammengehen könne, der ist ein Narr!" Auf eine andere Zwischenfrage, die sich auf das Zusammengehen mit der Sozial- demokratte bezog, antwortete er weit entgegenkommender, indem er erklärte, das hinge von der Zell und den Amständen ab. Am es kurz zu machen: Wenn der von Koch gerufene Geist Sttesemanns erschiene, könnte er Herrn Koch nur sagen: „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst, nicht mir." Aehnlich äußert sich auch in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" der langjährige, aufs engste mit seinen Gedankengängen vertraute Privatsekretär Dr. Sttesemanns, Konsul Bernhard, der u. a. schreibt: „Diese Parteigründung ist nicht im Sinne und Geiste Sttesemanns, denn Stresemann hätte nie und nimmer trotz aller Schwierigkeiten und Bitternisse, die er in und von seiner Pattei erlebt hat, diejenigen starken Kräfte verlassen, die in der Volkspartei in wahr-