Dienstag, den 29. gull 1930
iie ^Ot<rh«jsijch« 3ettung" n» cbefat sechsmal wichrnllich. D«. ^»gSpreiS monatlich 22rvGM.au» ichNeßl. Znstrllungsgebühr, durch die Post 2A5 GM. Für evva durch Streik. Maschtnendefekt oder ele» meutar« Eretgntsi« ausfall«nd« Rmmnern wird kein Srsa» ft- «tstet. Verlaa Dr. §. pitzrrvlh. Druck der Univ.-Buchdruckerei Joh. A«g. Koch, Markt 21/28 Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 66. Postscheckkonto: Amt Frankfurt o. M. Nr. 5015. — Sprechet ?tr Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberhesse»
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Meder eine mm Parket!
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Die vorgestern im „Rheingold- erfolgte Gründung der Deutschen Staatspartei bedeutet die Auflösung der Demokratischen Partei. Zwar ist dieser Schlußakt, wie die „S. 3.“ am Mittag meldet, formell bis «ach den Wahle« zurückgestellt, weil man nicht mitten im Wahlkampf die alte Organisation auflösen u«d eine nene bilden konnte. Die Orts- Organisationen der Demokraten und ebenso der Bolksnationalea Bereinigung, die nun aufs engste Zusammenarbeiten werden, wolle» sich jetzt in den Dienst der neu gegründeten Staatspartei stellen, und erst nach den Wahle« werden beide. De- mokratifche Partei und Bolksnationale Bereinigung, sich formell auflösen und in der Deutschen Staatspartei aufgehen.
Im Wahlkampf werden nur Kandidaten der Deutschen Staatspartei aufgestellt werden, d. h. für die Demokratische Partei und für die Volksnationale Vereinigung wird nicht mehr gesondert kandidiert.
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Mahraun Vorsitzender der Staatspartei.
lieber die Frage des Vorsitzes der neugegründeten Staatspartei weiß die „B. Z. am Mittag" zu melden: Es ist beabsichtigt, die Führung der Deutschen Staatspartei in eine außerparlamentarische und in eine parlamentarische zu trennen. Die außerparlamentarische Führung soll Arthur Mahraun übertragen werden, im Parlament dagegen werden Dietrich und Koch- Weser in erster Front stehen.
Der Aufruf gibt über das Programm Auskunft. Naturgemäß werden zu einem solchen Aufruf noch politische Ergänzungen notwendig sein, aber in dem Aufruf rft nichts, für das nicht auch in der demokratischen Partei gekämpft worden ist. Vor allem wird der Parteiausschuß darüber zu entscheiden haben, ob hier eine politische Entwicklung in ihrer Gesamtheit angebahnt ist, die für das Vater-
-- 1—„jig erscheint. Man darf wohl
mgen, daß für die meisten Mitglieder der Deutschen Demokratischen Partei die Eingliederung in ein neues, und größeres Parteigebilde ein Opfer bedeutet. Wenn von ihnen jetzt das Opfer verlangt wird, dann müssen die Männer und Frauen, die der demokratischen Partei angehören und jetzt den Entschluß zur Gründung einer deutschen Staatspartei mitgefaßt haben, am Mittwoch im Reichstag die
Der parteioffiziöse demokratische Zeitungsdienst äußert sich über die Stellungnahme der Demokratischen Partei zu der Gründung der Deutschen Staatspartei u. a. folgendermaßen:
Der Parteiausschuß der Deutschen Demokratischen Partei trtt am Mittwoch zusammen und wird dann die Entscheidung darüber fällen müssen, wie sich die maßgebende Parteiinstanz zu diesem Entschluß führender Mitglieder der Deutschen Demokratischen Partei stellt. Es ' gilt, zu entscheiden, ob der Augenblick i gekommen ist, in einen größeren Rahmen demokratisches Gedankengut einzubringen und demokratisches Gedankengut erneut politisch zu aktivieren. Demokratische Führer haben von sich aus diese Entscheidung gefällt und die Frage nach der Zweckmäßigkest des Augenblicks bejaht. Sie werden in der Parteiausschuß- ntzung für ihre Auffaflungen Kämpfen.
Für bett Parteibeschluß werben ent- fcheibenb die Aufklärungen darüber sein, wer in bet neuen Partei führt und was diese Partei erstrebt.
Gewißheit dafür geben, daß sich das Opfer alter Kampfgemeinschaft lohnt und daß innerhalb dieser Deutschen Staatspartei der demokratische Gedanke in der Zukunft verwirklicht wird (!).
Wie wir erfahren, hat der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz, von allen Parteien der Mitte, denen er in seinem bekannten Brief den Vorschlag eines engeren Zusammenschlußes gemacht hatte, nunmehr die Antworten vorliegen. Die Antworten begrüßen den Gedanken im Prinzip durchaus sympathisch. Nach der Auffassung führender Kreise der Deutschen Volkspartei ist damit die Möglichkeit gegeben, die Aktion weiter zu verfolgen. Deshalb beabsichtigt Dr. Scholz, am Mitt
woch nachmittag mit den Führern der Wirtschaftspartei, der Deutschen Demokraten und der Deutschkonservativen zusammenzukommen. Es ist anzunehmen, daß die Einladung zu dieser Sitzung bereits ergangen ist. Ob sie in dieser Form zustande kommt, nachdem die Gründung der Deutschen Staatspartei vollzogen ist, muß freilich abgewartet werden.
Wie die „Germania* meldet, haben, anscheinend veranlaßt durch die Neugrün- duug der Deutschen Staatspartei. Verhandlungen zwischen dem Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, auf der einen Seite, Treviranus und Schiele auf der anderen Seite begon- neu.
Rur neue Zersplitterung
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Die „Nationalliberale Correfpondenz", der parteiamtliche Pressedienst der Deutschen Volkspartei, nimmt zu der Gründung der Deutschen Staatspartei Stellung und stellt fest, daß niemand von denjenigen, die die neue Partei gründeten, überhaupt an die Deutsche Volkspartei eine Frage gerichtet habe. Die Tatsache der vollzogenen Gründung ist von dem demokratischen Parteivorfitzenden Koch-Weser und dem Jungdeutfchen Ordenskanzler lediglich dem Vorsitzenden und einigen Mitgliedern der Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler mit der Aufforderung zur Kenntnis gebracht worden, sich unverzüglich für oder wider das neue Parteigebilde zu entscheiden, was die Beteiligten selbftver- ständig abgelehnt hätten.
Die Deutsche Bolkspratei stehe «ach wie vor auf dem Standpunkt, baß es nicht darauf ankomme, bet kaum gegründeten konservativen Rechten mit denkbarster Beschleunigung eine republikanisch-bürgerliche Linke entgegenzustellen und bas beutsche Staats- bürgerturn auf bem Wege einer solchen eigenartigen Sammlung roiebet erneut in eine Rechte, eine Mitte nnb eine Linke mH allen möglichen Zwischenrufen aufznteilen, sonbern es komme baranf an. bie denkbar größte
staatsbürgerliche Einheitsfront herzu- stellen.
Sie halte deshalb an ihren umfassenden Sammlungsbestrebungen fest und werde auch Herrn Koch-Weser, wenn er, wie zugesagt, zu ihren Besprechungen erscheint, die erforderlichen Fragen vorlegen. Die Deutsche Volkspartei habe nur ein staats- volitisches Ziel. Von diesem übergeordneten Standpunkt gesehen, könne aber die erfolgte eilige Umläufe der Demokratischen Partei unter Mitwirkung der Iungdeutschen und die Tatsache der Gründung einer neuen Partei nur als Zeichen einer weiteren Zersplitterung betrachtet werden, denn gerade an neuen Parteien fehle es uns nicht.
Es handele sich nm eine Sonderaktion, beten Ziel nicht bet Zusammenschluß bes Bürgertums sei, sondern eine Sicherung demokratischer Mandate mit Hilfe bes Jungdeutsche« Ordens.
Es ist unwahr, daß die Reichsgemeinschaft junger Volksparteiler an der Gründung der sogenannten Staatspartei beteiligt sei. Ebensowenig trifft das für den Reichstagsabgeordneten von Rheinbaben oder einen anderen volksparteilichen Abgeordneten zu. Alle diese Meldungen sind
Sie Entwicklung Rnhrmmö
Mit der Gründung der Staatspartei beschließt der Jungdeutsche Orden eine Entwicklung. die die verschiedenartigsten Wege gegangen ist, am nun zu ihrer endgültigen Form zu kommen. Er entstand 1920 aus der Offizierskvmpanie Kassel, deren Führer der damalige Oberleutnant Arthur Mahraun war. Der Jungdeutsche Orden bildete zuerst eine reine Abwehrorgauiscttivn gegen die bolschewistischen UmsturzKrsuche in Deutschland. Er trennte sich jedoch sehr bald von der Organisation Escherich, der sogenannten „Orgesch", und wurde zu einem selbständigen Wehrverbcmde. 1923 stand er im Lager des Generals Lu den- dvrff und war bereit zum „Marsch auf Berlin". Langsam gab sich der Jungdeutsche Orden politische Ziele, 1925 der-'
| suchte er zum ersten Male, zusammen mit I dem Stahlhelm und den Gelben Gewerkschaften des Herrn Geißler, eine überparteiliche Sammelbewegung durchzuführen. Archur Mahraun löste sich jedoch sehr bald von diesem Gebilde, und nun setzte die systematische politische Schulungsarbeit an den Ordensmitgliedern ein. Diese Arbeit stand unter den beiden Schlagwortsätzen: „Kamps dem Parteiismus" und „Brechung der Herrschaft'durch Plutokra- tie". Es wird einen interessanten Versuch auf die Gefolgschaftstreue der Mitglieder des Jungdeutschen Ordens darstellen, ob diese jetzt die Neugründung der Partei an der Seite der Demokraten, die sejther von der Tageszeitung des Jungdeutschen Ordens als „Inkarnation des plutokratischen Geistes" bezeichnet wurden, mitmachen werden.
TagesiviMl
Die Gründung der Deutschen Staats- Partei findet in der Berliner Presse ein überaus lebhaftes Echo. Geradezu begeistert von der Gründung zeigt sich die „Bossische Zeitung", die in einer „Stresemanns Erbe" überschriebenen Besprechung die Behauptung aaffteHt, wenn Gustav Stresemann nicht vorzeitig dahingerafft worden wäre, dann HÄte auch sein Name unter dem Aufruf der Deutschen Staatspartei gestanden. Die Deutsche Staatspartei dachte er sich als die große republikanische Mitte, die zwischen rechts und links den Ausgleich schaffen sollte. Das Blatt weist darauf hin, daß dieses Ideal durch die Deutsche Staatspartei, wie sie sich heute repräsentiert, noch nicht erreicht rst.
Auch von der „Deutschen Allgem. meinen Zeitung" wird die Neugründung fteundlich aufgenommen. Handelte es sich lediglich nur um eine Galvanisierung der Demokratischen Partei unter anderem Namen, schreibt das Blatt, so würde das Ergebnis ein baldiges völliges Fiasko sein.
Skeptischer äußert sich das „Berliner Tageblatt", das feststem, daß die neue Partei bisher weder eine breite noch eine sichere Grundlage hat. Für die Demokratische Partei wird sich ihr Parteiausschuh am Mittwoch zu entscheiden haben, ob er den Wechsel des Namens und die in mancher Hinsicht veränderte Grundsteinlegung gutheißen will, ohne zunächst dafür als Gegenwert eine breite Front der staatstreuen und fortschrittlich gesinnten Mitte zu erhalten.
Die „Germania" schreibt u.a.: Man kann sich kaum des Eindrucks erwehren, daß zwischen dem Sammlungsbrief des volks- pattellichen Führers Scholz und der Gründung der Staatspartei ein gewisser ursächlicher Zusammenhang besteht. Der unklare Schritt des Herrn Scholz hat also eine sehr klare Antwott erhalten. Hier hat offenbar die Befürchtung mitgespielt, daß auf dem von Dr. Scholz angeregtem Wege eine wirkliche Sammlung oder Neuschöpfung nicht zustande kommen werde oder doch jedenfalls ein Gesicht und eine Tendenz erhallen könnte, die vor allem den Demokraten behagte. Die Zentrums- pattei wird durch die Anruhe und die Neugestaltung, die nun auch auf die Mitte übergreift, nicht berührt.
Aeber die Aussichten der neuen Patter schreibt die „Tägliche Rundschau", daß man über den Ausgang des Wahlkampfes natürlich nichts sicheres sagen könne, zumal man nicht wisse, was dabei aus dem allen volkspattellichen Kern wird. Der Außenminister Dr. Curtius sympathisiert, so betont das Blatt, mit der Staatspattei und dürfte wahrscheinlich ihm nahestehende Politiker aus den Strese- mannreihen mtt hinüberziehen.
In der „Berliner Dörsenzei- tung" begegnet die Neugründung erheblicher Krittk. Vom Standpunkt der Bekämpfung des Rotes Blockes könnte, er- klätt die „B.D.", die Aeugründung als nicht unerfreulich bezeichnet werden. Bei näherer Betrachtung drängten sich aber Bedenken und Einschränkungen auf., Zunächst sei es ftaglich, ob der ohne Zweifel sehr starke linke Flügel der Demokraten den neuen Kurs mitmacht. Das Blatt weist darauf hin, daß die beiden Führer des linken Flügels, Erkelenz und Haas, nicht wieder kandidieren sollen, ferner auf die Erllärung der neuen Staatspattei, daß es jedem Mitglied der Pattei fteistände, sich im Reichsbanner Schwarz-Rvt-Gold zu betätigen. Hier scheint nach Ansicht des Blattes die Drücke erhalten werden zu sollen, die die Deutsche Staatspattei nach den Wahlen zwecks Verbindung mit der Sozialdemokratte vielleicht betreten möchte.
Eine wesentlich herbere Kritik erfährt die neue Pattei in einigen anderen Zei- tunaen. Die „Deutsche Tageszei-