Sonnabend, den LS. Zu«1930
ie ^Oberhrjsijche ZrUmig- «t- cfeetat f«ch«ma! wöchentlich. Be- ngSPreismonatIich2^0GM.au«. 'chließl. Zustellungegebühr, dnrch Sie Post 2»45 GM. Für etwa dnrch Streik. Malchtnendefekt oder ele» mentare Ereignisse anosalient« Nnnmiern wird kein Srsat- geeiste«. Verlag Dr. §. Kitzeroth. Druck der UnW^Buchdrnckerei ?oh. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. tu Sir. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit er Redaktion bon 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurhessrsche) Oberhefsen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Die neueNmninernfolge der NoriWge zur Ichtm Wabl — Mbiele Narieim lverden noch komm«?
Berlin, 25. Juli. Auf Grund der fünften Aenderungsverordnung zur Reichsstimmordnung hat der Reichsminister des Innern für die Reichswahlvorschläge der Parteien die Abgeordnete in den letzten Reichstag entsandt haben oder zu denen sich Abgeordnete des letzten Reichstages bekannt haben, die Nummernfolge festgesetzt. Es führen:
Nr. 1 Sozialdemokratische Partei Deutschlands.
Nr. 2 Deutschnationale Volkspartei.
Nr. 3 Zentrum.
Nr. 4 Kommunistische Partei.
Nr. 5 Deutsche Volkspartei.
Nr. 6 Deutsche Demokratische Partei.
Nr. 7 Neichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei).
Nr. 8 Bayerische Volkspartei.
Nr. 9 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung).
Nr. 10 Christlich-nationale Bauern- und Landvolkpartei.
Nr. 11 Volksrechtspartei (Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung).
Nr. 12 Deutsche Bauernpartei.
Rr. 13. Landbund.
Nr. 14 Deutsch-Hannoversche Partei.
Nr. 15 Sächsisches Landvolk.
Nr. 16 Volkskonservative Vereinigung.
Nr. 17 Christlich-Sozialer Volksdienst.
Reichswahlvorschläge von Parteien, die Abgeordnete in den letzten Reichstag nicht entsandt haben und zu denen sich auch Abgeordnete des letzten Reichstags nicht bekannt haben, erhalten die an die Nummerfolge des Reichsministers des Innern weiter anschließenden Nummern in der Reihenfolge, wie die Reichswahlvorschläge beim Reichswahlleiter eingehen.
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Die Wrleitagmw ter Deutsch- nationalen
Berlin, 25. Juli. Die heutige Sitzung der Parteivertretung der Deutsch- nattonalen Volkspartei im Reichstag wurde durch ein Referat des Parteivorfitzenden Dr. Hugenberg eingeleitet, der die Stellung der Partei im zukünftigen Wahlkampf behandelte.
Anschließend daran schilderte Dr. Oberfohren die Vorgänge im Reichstag und den Kampf gegen die Regierung Brüning.
Die Parteivertretung nahm im Anschluß an die Aussprache folgende Entschließung mit 283 gegen 4 Stimmen aus Mecklenburg an:
„Die Parteivertretung spricht ebenso wie der Parteivorstand ihrem Parteiführer Dr. Hugenberg und dem Vorsitzenden der Reichstagsfraktion Dr. Oberfohren ihr Vertrauen aus.
Die Parteivertretung erkennt mit besonderer Befriedigung an, daß die Parteiführung auch durch Verhandlungen mit dem Reichskanzler den ersten Versuch gemacht hat, im Reich und in Preußen eine tragfähige antimarxistische Regierung zu schaffen.
Wir Deutschnationalen kämpfen dagegen, daß durch die an Enteignung grenzende lleberdrehung der Steuerschraube und durch eine verhängnisvolle Tributpolitik die Verelendung der deutschen Menschen immer weit getrieben wird. Wir wehren uns gegen die Christentum und Kultur vernichtende Bolschewifierung unseres ganzen öffentlichen Lebens: wir kämpfen gegen das durch die Mittelparteien immer wieder gestützte marxistische System.
Die Parteivertretung bedauert es, daß der Reichslandbund den von großen Landvolkführern wie Rösike, Wangenheim und Hahn vorgezeichneten Kurs aufgegeben hat und durch den Aufruf zu Landvolklisten die für die Landwirtschaft so bedeutsame Wirtschaftsorganisation praktisch zu einer Partei umgestaltet. Die Verfolgung eines solchen Weges verschärft die von der Deutschnationalen Volkspartei stets überbrückten Gegensätze zwischen Stadt und Land, ohne der Landwirtschaft zu nützen. Wir werden das Landvolk zur Entschei- duyg aufrufen, ob es seine Zukunft bester innerhalb einer geschlostenen Rechten oder durch eine in das System der Mitte sich eingliedernde Jnterestentenpartei gwahrt wissen will.
Austritt Bazilles aus der Deutschnattonalen Bolkspartei.
Stuttgart, 25. Juli. Der württember- gische Kultusminister, Reichstagsabgeordneter Dr. Bazille, hat in einem Schreiben an den Landesvorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei (Württembergische Bürgerpartei) seinen Austritt aus der Deutschnationalen Volkspartei erklärt.
Minister Schiele aus der Deutschnattonalen Volkspartei ausgetreten.
Berlin, 25. Juli. Wie die „L a n d v o I k- Nachrichten" mitteilen, hat Reichsminister Dr. h. c. Schiele heute seinen Austritt aus der Deutschnationalen Volkspartei erklärt.
Mnister Schiele dürfte der Landoolk- Partei beitreten. 9JHt ihm dürften sich die-
Das WMaverbot «egen das bewaffnete Auftreten voMcher Verbünde
Berlin, 25. Juli. Auf Grund des Artikels 84, Absatz 2 der Reichsverfassung, wird zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung für das Reichsgebiet verordnet:
§ 1: 1. Wer außerhalb seiner Wohnung, seiner Geschäftsräume oder seines befriedeten Besitztums eine Waffe führt, die ihrer Natur noch dazu bestimmt ist, durch Hieb, Stoß öder Stich Verletzungen beizubringen (Hieb- oder Stoßwaffe), wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre, wenn mildernde Umstände vorliegen mit Geldstrafe bestraft.
2. Neben der Strafe kann die Waffe, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Rücksicht darauf, ob sie dem Täter gehört, eingezogen werden. Ist die Verfolgung oder Verurteilung einer bestimmten Person nicht durchführbar, so kann aus die Einbeziehung der Waffe erkannt werden.
§ 2: § 1 findet keine Anwendung auf
1. Personen, die kraft ihres öfentlich- rechtlichen Dienstverhältnistes zum Führen von Hieb- oder Stoßwaffen berechtigt sind, innerhalb der Grenzen dieser Berechtigung.
2. Personen, die beruflich Hieb- oder Stoßwaffen zu führen pflegen, hinsichtlich dieser Hieb- und Stoßwaffen bei Ausübung des Berufs und auf den dazu gehörigen Hin- und Rückwegen.
3. Personen, die zum Führen von Hieboder Stoßwaffen behördlich ermächtigt sind: die behördliche Ermächtigung wird
von der zuständigen obersten Reichs- öder Landssbehörde oder der von ihr bestimmten Stelle mit Wirkung für ihren Amtsbereich oder Teile davon allgemein oder für bestimmt zu bezeichnen Anlässe erteilt.
4. Inhaber von Jagdscheinen eines deutschen Landes auf der Jagd sowie auf den dazu gehörigen Hin- und Rückwegen.
§ 3: Wer gemeinsam mit anderen zu politischen Zwecken an öffentlichen Orten erscheint und dabei bewaffnet ist, wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft.
Neben der Strafe kann die Waffe, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Rücksicht darauf, ob sie dem Täter gehört, einbezogen werden. Ist die Verfolgung oder Verurteilung einer bestimmten Person nicht durchführbar, so kann auf die Einbeziehung der Waffe selbständig erkannt werden.
Die vorstehenden Bestimmungen finden keine Anwendung auf Personen, die kraft ihres öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses zum Führen von Waffen berechtigt sind, innerhalb der Grenzen dieser Berechtigung.
§ 4: Sofern dieser Verordnung nicht vorher aufgehoben wird, tritt sie mit dem 1. April 1931 außer Kraft.
Berlin, 25. Juli 1930.
Der Reichspräsident (gez.) von Hindenburg.
Der Reichsminister des Innern (gez.) Dr. Wirth.
jenigen landwirtschaftlichen Abgeordneten, die aus der Deutschnattonalen Volkspartei ausgeschieden sind, gleichfalls der Landvolkpartei anschlietzen, um die politische Einheitsfront des Landvolks herzustellen.
Di« Spitzenkandidaturen der Demokraten.
Berlin, 25. Juli. Die Wahlkreisvorsitzenden der Deutschen Demokratischen Partei erörterten in einer Sitzung im Reichstag am Freitag vormittag das takttsche Vorgehen der Partei im Wahlkampf und die Spitzenkandidaturen in den einzelnen Wahlkreisen. An sicherer Stelle werden, wie das Nachrichtenbüro des VdZ. hört, u. a. kandidieren: Minister a. D. Koch im Wahlkreis Wefer-Ems, Staatssekretär a.D. Meyer in Berlin, Dr. Heuß in Württemberg, Dr. Külz. An der Spitze der Reichsliste stehen Frau Mnisterial- rat Dr. Bäumer und L e m m e r. Nachmittags trat der demokrattsche Partetvorstand zusammen.
Berlin unter Mmctetat
Berlin, 25. Juli. Auf Grund des Par. 59 des Kommunalabgabengesetzes hat der Oberpräsident bereits heute folgende Steuerzuschläge für Berlin festgesetzt: Grundvermögenssteuer 275 Proz., Gewerbesteuer 520 Proz., Lohnsummensteuer 1250 Proz. Diese Steuerzuschläge sind mit Ausnahme bei der Gewerbesteuer, die der Magistrat zuletzt auf 535 Proz. erhöhen wollte, höher als die von den Stadtverordneten abgelehnten Vorschläge des Magistrats. Die Erhöhung der Grundvermögenssteuer zieht automatisch eine durchschnittliche Mietsverteuerung um 3 P r o z. nach sich, da bekanntlich die Erund- vermögenssteuer vom Hausbesitzer auf die Mieter abgewälzt wird. Die Erhöhung der Lohnsummensteuer trifft die Arbeitnehmer nicht, da diese Steuer vom Arbeitgeber zu tragen ist.
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Das Reichskabinett ist gestern nachmittag, wie angekündigt, zu einer Sitzung zu- sammengetreten, in der die zur Durchführung und Sicherung desEtatS notwendigen Verordnungen beraten wurden. ließet Einzelheiten der Besprechungen will das „Berliner Tageblatt" wissen, daß insbesondere das Etatsgesetz, in dem namentlich nach dem Wunsch des Reichsarbeitsministers Bürgschaften für industrielle Hilfsaktionen nach Art der von Mansfeld in ziemlich bedeutendem Betrage erhalten sein sollen, umstritten war. OB die Novellen Mr Arbeitslosenversicherung und $ui Krankenversicherung in die Verordnung ausgenommen werden, ist dem Blatt zufolge noch nicht entschieden. Weiter soll die Rede davon gewesen sein, den Dvllstreckungs- fchutz für die gesamte östliche Landwirtschaft aus dem Rotverordnungswege zu regeln. Hiergegen seien aber von preußischer Seite noch gestern ernste Bedenken erhoben worden. Der Zuschlag zur Einkommensteuer und die Reichshilfe dürsten ziemlich sicher wieder erscheinen, was bei der Ledigensteuer noch zweifelhaft sei. Der Etat soll für das ganze Etatsjahr durch Verordnung geregelt werden. Für die Gemeinden soll außer der Bürgerabgabe und an Stelle der ursprünglich erwogenen Schankverzehrsteuer wahrscheinlich die G e- meindebiersteuer in Frage kommen. Rach einem Bericht der „Vosfischen Zeitung" werden die Steuersätze in den Rotverordrmngen eine Milderung erfahren, die durch größere Abstriche im Etat ermöglicht wird. Dabei soll es sich wie das Blatt hervorhebt, um die Ausgcchen- senkung um weit mehr als 150 Millionen Mark handeln. Von dieser Summe sollen auf das Reichsarbeitsministerium etwa 15 Millionen entfallen. Die Beratungen, die bis gegen Mitternacht andauerten, werden, wie die „Germania" meldet, heute vormittag fortgesetzt und zum Abschluß gebracht. Die Verordnungen, mit deren Verkündung durch den Reichspräsidenten noch für heute M rechnen ist, werden voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages bekanntgegeben.
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Nachdem das Amnestiegesetz in letzter Stunde zum Scheitern verurteilt wurde, muß sich der Reichstag im Herbst erneut mit dem Gesetz befassen, das aller Voraussicht nach in materiell etwas veränderter Form dem Parlament vorgeleqt werden wird, da sonst noch einmal die Möglichkeit besteht, daß durch den Einspruch verschiedener Länder die Gesamtvorlage der Ablehnung verfällt. In diesem Zusammenhangs ist eine Tatsache sehr beachtlich, die wir soeben erfahren. Die nächsten Verhandlungstermine in zwei anhängigen Verfahren, die unter das Amnestiegesetz fallen würden, sind erst für Mitte Oktober angesetzt. Es handelt sich um das Gerichtsverfahren gegen den bekannten Schriftsteller Peter Marttn Lampe! und um einen Termin gegen den des Fememordes beschuldigten früheren Feldwebel F a h I b u s ch. Wenn es sich nur um eines der beiden Verfahren gehandelt hätte, wäre die Tatsache an sich nicht besonders erwähnenswert, da man sich aber entschlossen hat, auch in einem anderen unter das Begnadigungswerk fallenden Verfahren den Termin erst für Oktober festzusetzen, so zeigt diese Parallelität, daß man in juristischen Kreisen die besttmmte Auffassung hegt, daß das neue Parlament nunmehr die Amnestie- vorlage, wenn auch in etwas veränderter Form endgültig verabschieden wird. Anter diesen Amständen wäre es sinn- und zwecklos, in der Zwischenzeit eventuell Arteile zu fällen, die dann materiell inhaltlich doch wieder ausgehoben werden mühten.
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Die Konservative Volksparter scheint hinsichtlich ihrer Anhängerschaft auf eine breitere Grundlage rechnen M