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-1« ^Oberhrjsijch« Zrilmig" n- cheint sechsmal wöchentlich. Br» ugSpretS monatlich 2220 SM.«,«, chließl. Zustellungsgebühr, durch di« Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, MaschinendefeN »der eie» mentare Ereignisse «lssallend« Nummern wird kein Ersai- ge­eist«. Verlag Dr. §. Kitzeroth. Druck der Unid.-Vuchdrucker« Foh. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsdrecher: Nr. 54. tu Skr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt c. M. Nr. 5015. Sprechzeit er Redaktion von 1011 «ei>

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Der Anzeigenpreis beträgt für deu 11 qespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., s»g. kleine Anzeigen nnd Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 @5®n amtlich« und aus­wärtig« Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­borschrist 50% Aufschlag. Sammelanzeigen 100 % Auf­schlag. Reklam.-MMm- 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

25(M) Ate im Erdbtbengebltt

Ate halbamtliche Schatzung -er Apser zahlreiche Echtververwundete Militär zur Klseleistung

ft Mailand, 25. Juli. Die offizielle Liste der Opfer der Erdbebenkatastrophe in Siid-Ztalien verzeichnet 1778 Tote, 4264 Schwer» er mundete und 5946 völlig eingefallene oder zum grötzten Teil eingestürzte Häuser. Bon den Schwer- verwundeten dürfte «och ei» großer Teil sterben, sodatz mindestens mit 2000 Toten gerechnet wer­den mutz. Zn Neapel wurden am Don­nerstag die ersten Toten beerdigt. Tau- sende und Abertausende' bewegten sich im Leichenznge.

Halbamtlich wird zugegeben, datz die Sesamtzahl der Todesopfer im SÄlbebengebiet etwa 2500 beträgt »ad noch steigen kann. Allein in Mllaaova. einem Flecken von 3000 Ein­wohnern, wird die Zahl der Toten auf etwa 1500 geschätzt *

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Vom Schauplatz der Erdbebenkatastrophe. Die Berichte der Morgenblätter ans dem krdbebengebiet geben em anschauliches BW von der eingeleiteten Hilfsaktion, für die die einzelnen Heeresverbände mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und Menschen­kräften herangezogen worden sind. Nicht weniger als 60 000 Ueberlebende müssen im Haupterdbebengebiet unterstützt, verbunden, ernährt und mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Militärische Ambulanzen und Hilfs­kräfte sind angerückt. Medikamente aller Art kn großen Mengen müssen herbeigeschafst werden.

Den traurigsten Anblick bietet Meist, das ganz wie eine völlig zerschossen« Stadt hinter einer Kampffront aussieht.

Bis jetzt sind 150 Leichen im Dom von Melfi eingesegnet und zur Bestattung frei­gegeben worden. Da der Friedhof von Melfi die Toten nicht fassen kann, muhte ein Zug mit der traurigen Last von 200 Toten nach Potenza geleitet werden. Man fürchtet, dah aus den Trümmern besonders in den bis jetzt nur schwer zugänglichen Dörfern noch eine grohe Anzahl von Toten geborgen wer­den muh. Aus allen Gemeinden wird ge­meldet, dah die Häuser, soweit sie dem Erdbeben nicht zum Opfer gefallen sind, viel­fach von einer EinstuMefahr bedroht und damit unbewohnbar sind. Auffallend viel Kirchen muhten wegen Einsturzgefahr ge­schlossen werden.

Von den Bergungsarbeiten im Erdbeben­gebiet werden tragische Szenen berichtet. Ganze Familien sind ums Leben gekommen. Eine Frau war mühsam lebend aus den Trümmermassen befreit worden. Bevor sie jedoch weggetragen werden konnte, trat plötz­lich ein Nachbeben ein, ein Quaderblock kam ins Rollen und zerschlug der Frau den Schädel. Auch unter dem Rettungspersonal, das unter Einsetzung des eigenen Lebens sich um die Verunglückten bemüht, sind bereits Opfer zu verzeichnen. Die im Hauptbeben- gebiet fast völlig zerstörten Gemeinden bie­ten einen trostlosen, erschütternden Anblick. Abgesehen von den sehr wenigen erdbeben­sicher gebauten Häusern sind eine ganze Zahl von Gebäuden nunmehr Stein- und Schutt­haufen, aus denen gespensterhast die hohen Mauern jahrhundert alter Paläste heraus- ragen. Auch der Schaden an den Kirchen ist

sehr groß. Eine beträchtliche Anzahl von Kirchen ist in sich zusammengebrochen und in Stein- und Schutthaufen verwandelt In dem Dorfe San Bartolomea, in dem fast kein Stein auf dem anderen geblieben ist, wurde seltsamer Weise ein mitteralterliches Schloß von dem Erdbeben verschont. Die Wirkung des Erdbebens in dem Hauptgebiet war überall so stark, dah fast alle Häuser, selbst wenn sie den heftigen Stöhen standhiel­ten, bedenkliche Mauerriffe zeigen. In ein­zelnen Gemeinden wie Agullonia und Villa­nova, in denen kern Haus mehr bewohnbar ist, gibt es kerne einzige Famllie, die nW mindestens eines ihrer Mitglleder unter den Toten zu beklage» hat

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Das verhängnisvolle Gesetz der Dublizität der Ereigniffe hat dafür gesorgt dah das tiefe Entsetzen über die Vrückenkatastrophe in

Koblenz durch die nicht minder tiefe Erschüt­terung über die furchtbare Naturkatastrophe in Süditalien abgelöst wird. Ganze Städte und Gemeinden, ganze Landstriche find durch das Erdbeben zerstört worden, die Zahl der Toten geht schon nahe an 2000 heran, fast jede Stunde erhält man Kunde von neuen Einzel­heiten, die das Grauenhafte der Tragödie in den dunkelsten Farben untermalen. Das Ausmaß des Erdbebens konnte zwar bis jetzt in seinem ganzen Umfang und in seinen Fol­gen noch nicht ermessen werden, aber es steht heute schon fest, datz es in die Reihe der grötzten Weltkatastrophen ähnlicher Art einzu­gliedern ist. Wenn die Zahl der Opfer auch nicht-an die des fürchterlichen Erdbebenuglücks in Messtna und Calabrien heranreicht, so zeigt doch der Verlauf dieses Erdbebens sehr starke Aehnlichkeit mit dem Beben von Messtna, das rund 83 000 Tote forderte. Erdbebenunglücke

Die Reihenfolge -er Wahllisten

AbtndkrungsbejchIWe teS ReWratS

Berlin, 24. Juli. Die Donnerstag- sitzung des Reichsrats wurde von dem Mi­nister für die besetzten Gebiete Tre- viranus mit einer Trauerkundgebung für die Opfer der Brückenkatastrophe in Koblenz und für ihre Hinterbliebenen ein- geleftet Eine ganze Reihe von Handels­verträgen, die der Reichstag noch er­ledigt hatte, nahm der Reichsrat zur Kemft- nis, ohne Einspruch zu erheben.

Ferner genehmigte der Reichsrat eine

Aenderung der Reichsststmnordmlng, die notwendig geworden ist, weil in der bis­herigen Fassung nicht der Fall' vorgesehen war, datz während einer Wahlperiode mehrere Parteien aus einer bisherigen Partei ent­stehen. Die neue Fassung der Reichsstimm­ordnung besagt darüber:

Die Nummernfolge für die Reichs- wahlvorschläge der Parteien, die Abgeordnete in den letzten Reichstag entsandt haben oder zu denen sich Abgeordnete des letzten Reichs­tages bekannt haben, werden vom Reichs­minister des Innern festgesetzt. Hierbei gel­ten folgende Regeln: a) Parteien, die Abge­ordnete in den letzten Reichstag entsandt haben werden zuerst aufgeführt, und zwar in der Reihenfolge der Stimmenzahl, die sie bei der letzten Reichstagswahl erhalten haben, 6) Parteien, die Abgeordnete in den letzten Reichstag nicht entsandt haben, zu denen sich aber Abgeordnete des letzten Reichstags bei Schluß der Wahlperiode oder zum Zeft- punfte der Auflösung des Reichstages be­kannt haben, erhalten die anschließenden

..Nummern in der Reihenfolge der Zahl die­ser Abgeordneten. Maßgebend ist das beim Reichstag geführte Verzeichnis der Mtt- glieder des Reichstags, c) bei gleicher Stim­menzahl (Fall a) oder bei gleicher Abgeordne­tenzahl (Fall b) entscheidet die Reihenfolge der Parteien nach den Einheits-ABC.-Regeln.

Reichen Parteien, die nach dem vorigen Absatz eine Nummer erhalten haben, Reichs- wahlvorschläge nicht ein, so fallen ihre Nummern aus.

Reichswohlvorschläge von Parteien, die Abgeordnete in den letzten Reichstag nicht entsandt haben und zu denen sich auch Abge­ordnete des letzten Reichstages nicht bekannt haben, erhalten die an die Nummernfolge des Reichsministers des Innern wefter an­schließenden Nummern in der Rechenfolge, wie die Reichswahlvorschläge beim Reichswahl- lefter eingehen."

Ferner wird neu bestimmt:Werden in einem Wahlkreis Kreiswahlvorschläge ver­schiedener Parteien demselben Reichswahlvor- schlag angeschlossen, so 'erhalten die Reichs­wahlvorschläge die Ordnungsnummer ihres Reichswahlvorschlages unter Zusatz von Buch­staben. sofern ein Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Parteien besteht. Fehlt ein solcher Zusammenhang, so führen die Kreiswahlvorschläge der Partei, die den Reichswahlvorschläg eingereicht hat, ihre Ord­nungsnummer ohne Buchstabenzusatz, wäh­rend der Kreiswahlvorschläge der anderen Wählergruppen die Ordnungsnurnmer mit Buchstabenzusatz erhalten."

find, wenn man sich ihre Geschichte vornimmt, die grauenhaftesten Katastrophen der Mensch­heit. Eine Liste der grötzten Erdbeben seit gem Jahre 1700 redet eine furchtbare Sprache: 1724 Erdbeben in Peru 18 000 Tote, 1755 Erd­beben in Lissabon 32 000 Tote, 1783 Erdbeben in Calabrien 30 000 Tote, 1797 Erdbeben in Equador und Peru 40 000 Tote, 1812 Erd­beben in Caracas in Venezuela 20 000 Tote, 1868 Erdbeben in Equador und Peru 40 000 Tote, 1883 Erdbeben in Ischia der Neapel 2400 Tote, 1891 Erdbeben in Zentral-Japan 25 000 Tote, 1896 Erdbeben auf der Insel Nippon 27 000 Tote. 1905 Erdbeben in Kan- gratal (Indien) 10 600 Tote, 1906 Erdbeben in Columbien 1000 Tote, 1908 Erdbeben in Messtna und Calabrien 83 000 Tote, 1920 Erd­beben in Ping-ling (China) 5000 Tote, 1923 Erdbeben in Tokio 20 000 Tote und außerdem 180 000 Menschen verbrannt! Eine fürchter­liche Liste, die eine Menschheitsgeschichte von zwei Jahrhunderten umspannt und nachweisen kann, wie eng die Natur dem menschlichen Geiste Grenzen zieht.

Das Erdbeben in Süditalien hat im übri­gen ein Gebiet betroffen, das mit der Ge­schichte Deutschlands eng verknüpft ist. In F^agia hielt Kaiser Friedrich II. im Jahre 1240 seine Ratstagung ab. Vor den Mauern der Stadt tobte die Schlacht König Manfreds von Sizilien, des Sohnes Friedrichs, gegen

die Truppen des Papstes Innozenz IV. Castell und Burgen im Lande zwischen Foggia und Melfi zeugen noch heute von der einstigen Macht der Hohenstäufen. Ueber die Jahrhun­derte hinweg haben stch diese für die Ewigkeit von Menschenhänden gebauten Burgen erhal­ten. Eine Nacht hat ste nun zum grötzten Teil zerstört.

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WirbelstmmkMstttM in Streifen

Treviso, 24. Juli. Ein heftiger Wirbel­sturm, der in seiner Ausdehnung von etwa 40 Kl«, die Strecke SnseganaPriulaVolpago del MontelloMontebelluna heimsuchte, hat schwere Verheerungen in den Orten Barco di Snsegana, Rervesa, Selva und Bol- pago angerichtet. Zahlreiche Häuser stürzten ein. Bis jetzt find 20 Todesopfer und eine große Anzahl Verletzter zu beklagen, doch befürchtet man, daß die Zahl der Opfer noch steigen wird. Behörden und Truppen find an die llnglücksstätte geeilt, um schnellstens Hilss- matznahmeu einzuleiten.

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Wenn man die Gründung 8er Konser­vativen Volkspartei aufs ehrlichste zu be­grüßen hat, so hängt dies weniger mit dem Inhalt des Aufrufs dieser neuen Partei zusammen als mehr mit der Tat dieser Gründung, die den ersten Schritt zu einer neuen Sammlung der crusein- andergefaflenen Kräfte der Rechten an-» zeigt. Wohl bestehen auch innerhalb der um den Grafen Westarp neu gesammelten, aus der deutschnationalen Fraktion des Reichstages ausgetretenen Persönlichkei­ten gewisse weltanschauliche Meinungs­verschiedenheiten, wie diese auch Mischen der Gruppe Westarp und den Vollskvn- servativen um Trevirarms nicht abzu­streiten find, aber es hat sich doch gezeigt, daß alle diese sich schneidenden Ansichten auf den großen staatspvlitischen Gesichts­punkt einer neuen Sammlung der nieder- gebrochenen Rechten zu vereinigen sind. Der Zusammenschluß der Westarpgruppe und der Treviranusgruppe ist zwar nur ein Beginn dieses Wiederaufbaues, aber, da er jetzt wirklich eingesetzt hat, und auch bei den übrigen noch abseits stehenden Gruppen sich immer stärker die Erkenntnis durchringt, daß der Ernst der Stunde eine neue einheitliche Rechtsfront bedingt, so wird der ins Laufen gekommene Prozeß seine natürliche und ihm von der Vernunft vorgeschriebene Entwicklung nehmen.

Der Wortlaut des Wahlaufrufs der neuen Konservativen Vollspartei ist in seinen Zielen und Gedanken sicherlich be­wußt recht weit gespannt gehalten. Er will kein endgültiges Programm aufstellen, nur in groß«! Zügen Richtlinien, die von all denen bejaht werden formen, die eben die unbedingte Rotwendigkeit der Wieder­aufrichtung der neuen Rechten eingesehen haben. Was Viele noch kurz nach der Auflösung des Reistages erstrebten und erhofften, hat sich nicht bewahrheitet, die große Einigung der gesamten Rechten links der Deutschnationalen Volkspartei hat sich vor dem eigenllichen Beginn des Wahlkampfes nicht durchführen lassen. Das Landboll wartet mit einer eigenen Partei auf, es will also getrennt von den übrigen Rechtsgruppen den Kamps aufnehmen, wenn es auch in seinem Wahlaufruf fast für die gleichen Ideale eintritt wie die neu gegründete Konservative Vollspartei. Das ist eine Tatsache, die sehr zu bedauern ist, aber nicht hoffnungslos zu stimmen braucht, wenn das verwirklicht wird, was die Konservative Vollspartei in ihrem Aufruf so stark betont, dah nämlich nicht Parteien da zu sein haben, um sich zu bekämpfen, sondern im Blick auf das Ganze sich zu ergänzen. In dieser Ergänzung wird man jetzt das Ziel des neuen Weges zu suchen haben. Für die beiden neuen Parteien wird und muh jetzt die Errei­chung eines möglichst günstigen Wahl­erfolges das wichtigste Gebot der Stunde sein. Das andere ist Zuknustsarbeit, die ihren Rahmen erst finden wird, wenn der Wahllampf beendet ist und der neue Reichstag eine neue große einheitliche Fraktionsbildung ermöglicht. Der Wahl­erfolg würde aber für die beiden neuen großen Gruppen der Rechten eine sehr offene Frage bleiben, wenn die Führung der beiden Parteien stch nicht dazu ent­schließen könnte, die von ihnen jetzt be­reits als eine Notwendigkeit erkannnte Er­gänzung durch ein Zusammengehen im Wahllampf vorzubereiten. Es scheint, daß beide Parteien sich über die Takstk eines gemeinsamen Vorgehens im Wahllampf bereits einig geworden sind. Man wfll eine gemeinsame Reichsstste aufstellen und auch in all den Städten, wo sich dies nur irgendwie ermöglichen läßt, Listenverbin- dungen eingehen, die eine Zersplitterung der Stimmen möglichst verhindern sollen. Das kann den Effolg verbürgen.

Mit der Gründung der neuen Konser­vativen Dolksparter und ihrem Entschluß, im Wahlkampf mit der Landvolkpartei zu- sammenzugehen, ist auch organisatorisch das Reservoir ^geschaffen worden, das all