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er Redaktion von 1011 und »kl1 Uhr.

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Anzeiger für (das frühere knrhesstsche) Oberhessen

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Tage des Grauens

1000 Todesopfer des Erdbebens in Italien - Die Totenliste der nächtlichen Katastrophe in Koblenz

Aus Festesjubel in den Tod

Koblenz, 23. Juli. Die Zahl der ans dem Wasser geborgenen Toten beträgt nun­mehr 36. Die Strombaudirektion ist der Auffassung, daß nur noch wenige Leichen im Bodenschlamm an der llnglücksftekle liegen oder abgeschwemmt sein mühten. Vermißt werden noch zwei 16jährige Zögling« des Schwesternhauses Rheinwaldheim. Bei der Polini sind seit der Katastrophe 18 Ber- mihtenanzeigen eingegangen, doch dürften in dieser Zahl die üblichen Dermihtenanzeigen enthalten sein, wie sie täglich einlaufen. Ur­sprünglich war die Zahl der Toten mtt 52 angegeben worden, da man di« vermihten Penstonärinnen gleichfalls für tot hielt. Düse sind aber inzwischen in Godesberg einge­troffen. Di« bisher geborgenen Personen stammen fast ausschliehlich aus dem Stadt- und Landkreis Koblenz. Unerkannt sind noch zwei Männer und sechs Frauen und Mädchen.

Die Beerdigung der Todesopfer ist auf Sonnabend 16 Uhr festgesetzt worden. Das Preuhische Staatsministerium hat Ungeordnet, dah die staatlichen und kommunalen Dienst­gebäude und Schulen in ganz Preußen am Beerdigungstage Halbmast zu beflaggen sind.

Wie das Unglück geschah

Ms die Festbeleuchtung abends gegen 23 Uhr zu Ende war, strömte eine mehrere tausend Köpfe zählende Menschenmenge von dem dem Deutschen Eck gegenüber­liegenden Ufer auf diese Brücke zu, die dem Massenandrang jedoch nicht gewach­

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sen war. Die Brücke ruhte auf zwei Pon­tons, auf denen je zwei Pfeiler ange­bracht waren, über die sich der Bohlen­belag von einem zum anderen Ufer er­streckte. Dadurch, dah die Brücke wohl eine einseitige Belastung erfuhr, senkte sie sich nach Westen und in der Mitte, als der Menschenandrang sich noch mehr verstärkte, sank sie unter Wasser. Schät­zungsweise waren 120 bis 150 Menschen Ins Wasser gefallen, von denen aller­dings viele sich selber retten konnten. Die Briicke, die abseits des Hauptverkehrs lag, hatte keine Beleuchtung aufzuweisen, so daß eine allgemeine Verwirrung und ent­setzliche Panik entstanden. Die Hilfe- sc^eie waren weithin in der Nacht zu hören und wurden selbst auf den gegen­überliegenden Ufern des Rheins und der Mosel vernommen. Die Feuerwehr war innerhalb acht Minuten zur Stelle, zu gleicher Zeit erschien auch ein größeres Polizeiaufgebot. Technische Nothilfe stellte sich ebenfalls zur Verfügung, sowie eine große Anzahl von Schiffern, die in ihren Kähnen und Motorbooten an die Unfall­stelle eilten. Zunächst wurden etwa 50 Menschen gerettet, die mit dem Tode rangen. Die Böschungen an beiden Ufern sind sämtlich steil, so daß diejenigen, die sich durch Schwimmen retten konnten.

ebenfalls in höchster Gefahr waren. Nach Rettung der im Wasser treibenden Men­schen wurde sofort mit der Suche nach den Opfern begonnen. Die Wassertiefe be­trägt an dieser Stelle etwa 78 Meter.

Im Fackelschein, der grausig über der Anfallstelle leuchtete, wurde mit Schlepp­haken und Flaschenzügen nach den Ver­mißten gesucht. Gegen 1 Uhr waren 22 Tote aus dem Wasser geborgen. Die Net- tungs- und Bergungsarbeiten wurden un­beharrlich fortgesetzt. Um Mitternacht eil­ten der Oberbürgermeister von Koblenz sowie der Polizeipräsident an die Anfall­stelle, um sich persönlich von dem Stand

der Rettungsarbeiten zu überzeugen. Feuerwehr und Sanitätskolonnen waren stundenlang eifrig mit Wiederbelebungs­versuchen beschäftigt, die aber leider zu keinem Erfolg geführt haben. An der Anfallstelle spiellen sich herzzerreißende Szenen ab, da zahlreiche Einwohner des Vorortes Lützel nach Vermißten suchten und ihre Angehörigen als Todesopfer wiedererkennen, die in langer Reihe vor­läufig am Rheinufer gebettet wurden. Der Polizeipräsident, der ursprünglich mit Rücksicht auf die Befreiungskundgebung die Polizeistunde vollkommen aufgehoben hatte, ließ die Gaststätten sofort schließen.

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Ein tragisches Bild:

Der Reichsvrästdent schaut in der Festfreude des Nachmittags auf das schöne Moseltal mit der Stelle lPseil), an der wenige Stunden später 36 Menschen einen furhtbaren Tod fanden.

Die Erdbebenkatastrophe

Sie ist in ihrem Umsang noch garnicht zu übersehen

Rom, 24. Juli. Wie dieAgenzra Stefani« meldet, hat sich das gestrige Erd­beben noch schlimmer ausgewirkt und noch mehr Opfer gefordert, als zuerst an­genommen wurde. Da die am schwersten be­troffenen kleinen Orte weitab von den Haupt- verkehrsstratzen liegen, ist es bis jetzt noch nicht möglich, die genaue Anzahl der Opfer festzuftellen.

Nach den letzte» Nachrichten der Morgen­blätter sind im Haupterdbebengebiet allein mindestens 7 0 0 Menschen ums Le­ben gekommen. Es ist zu befürchten, daß die Zahlder Toten unter Berücksichtigung der Todesopfer in den weniger heimgesuchten Provinzen Süd-Italiens über tausend be­trägt. Die Zahl der Verwundeten, unter denen sich viele Schweroerwundete befinden, ist zweifellos ganz erheblich größer. Ihr Ber­gung und ihr Abtransport mit Lastkraftwagen und Privatautos ist schon seit gestern wirksam im Gange. Heber das gesamte Ausmaß der Katastrophe können genaue Ziffern noch nicht angegeben werden, doch ist mau der Ansicht, daß die genannten Zahlen noch weit über­schritte« werden.

Die Nachrichten aus dem Erdbebengebiet lauten immer beängstigender. Der Umfang der Katastrophe ist trotz der vielen er­schreckenden Nachrichten, die die heutigen Mor­

genblätter bringen, auch jetzt noch nicht zu übersehen.

Die Zahl der Toten allein in Malfi, das unmittelbar im ^Epizentrum des Erd­bebens liegt, wird heute früh mit 200 angegeben.

400 Personen sollen verletzt sein. Auch in dem zum Vebengebiet gehörigen Lacedonia sollen mehrere Hundert Menschen umgekommen sein. Eine Anzahl kleinerer Dörfer ist. ebenso wie Malfi, fast zöllig zer­stört. Mit anderen Dörfern konnte überhaupt noch keine Verbindung hergestellt werden. Die Hilfsaktion aus der Hauptstadt, aus Neapel, Potenza, Foggia. Avellino ist in vollem Gange. Decken. Kleider Wasser, Medikamente und Jnsttumente aller Art, Aerzte und Sani­tätspersonal sind mit Bahn und Auto in die am meisten heimgesuchten Gebiete entsandt worden. Aus dem Hauptbebengebiet werden die ersten Schreckensszenen berichtet. Nach die­sen Meldungen war die Wucht des Bebens von Anfang an so stark, daß in unzähligen Fällen eine Flucht und ein Entkommen der schlaftrunkenen Bewohner auch aus kleineren Häusern gar nicht möglich war. Im Verlauf des gestrigen Tages haben sich an verschiedenen Stellen noch örtliche Nachbeben ereignet. Sie haben jedoch keine neuen Schäden angcrichtet, und Sachkundige schließen daraus, daß, das Naturereignis seinen normalen Gang nimmt und, ohne weitere Gefahren mit sich zu brin­gen, seinem Ende entgegengeht.

(Weitere Meldungen siehe im Inneren des Blattes.)

Wie es Hindenburg erfuhr

Der Zug des Reichspräsidenten hielt, als das Unglück sich ereignete, noch auf dem Koblenzer Bahnhof. Staatssekretär Dr. Meißner wurde m der Nacht um 2 Uhr darüber orientiert, was sich vor drei Stunden am Rhein an Entsetzlichem zugetragen hatte. Er beriet mit dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz, der ebenfalls kmz, nachher rrn Zug des Reichspräsidenten erschien, und mit dem Oberbürgermeister von Koblenz, ob man den Reichspräsidenten, den der Tag sehr stark ermüdet hatte und der erst spät zur Ruhe gekommen war, noch in der Nacht ver­ständigen sollte. Man sah davon ab, beschloß aber, die ganzen Reisedispositionen dahinhegehend, daß der Reichspräsident über Köln nach Berlin zurückfährt.

Morgens um 6 llhr hat dann Staatssekretär Dr. Meißner den Reichs­präsidenten geweckt und ihm mitgeteilt, was geschehen war. Der Reichspräsident war durch die Kund« von dem entsetz- kichm Unglück in der tiefsten Seeleerschüttert,

Ke aber sofort, ob etwas versehen worden md ob irgendeine Schuld vorlieat, auf die das Unglück zurückzuführen wäre. Als man diese Frage verneinte und mitteilte, daß es sich um ein elementares Ereignis handelt, ließ er Feststellungen machen, ob materielle Not vorhanden sei und bot sofort seine H i l f e a n. Er hatte sogar die Absicht, vor­mittags um 6 Uhr sich persönlich an die Un- glücksstelle zu begeben. Man brachte ihn je­doch davon wieder ab, als Hindenburg erfuhr, daß am Mittag eine Trauerfeier stattfinden würde.

Die Totenliste

Koblenz/23. Juli. Bis zur Stunde sind nach polizeilichen Angaben 35 Leichen geborgen: doch enthält die nachstehende Liste der Polizei zunächst nur 3 3 Todesopfer: Susi Mittnacht, Rheinwaldheim: Hermann Bach, Boppard: Karl Specht, Koblenz: Peter Konrad, Koblenz: unbekannte Frau: unbe­kannter Mann: Auguste Litzenberger, Rhein­waldheim: Fran Will, Koblenz: Barbara Dötsch, Metternich b. Koblenz: Frau Hoff­mann, Koblenz: Frau Banal, Koblenz: Heinz Will, Sohn der obigen: Kind Böckler, Kob­lenz: Elisabeth Hoffmann, Tochter der ge­nannten Frau Hoffmann: Maria Schumanns, Rübenach b. Koblenz: Raimund Sarton. Koblenz: Katharina Höfer, Weißeifthurm: Franz Jordan, Koblenz: Jakob Alberts, Koblenz, Andreas Muders, Koblenz. Otto Alberts, Wichlinghausen bei Barmen: Ernst Lunkenheimer, Rheinwaldheim: Robert Schmidt, Neumühle b. Höhr (Westerwald): Baetges, Koblenz: Berhard Werts, Kob­lenz:, zwei unbekannte weibliche Senken; Karl Jost,, Höhr: Wilhelmine Kraemer, Koblenz: Helene Mans, Rheinwaldheim: Kind Franz­mann.

Unter den Opfern der Einsturzkatastrophe befinden sich 13 Männer, 18 Frauen und Mädchen und vier Kinder. Wie wir weiter erfahren, befindet sich unter den toten Kin­dern ein sechsjähriger Deutschamerikaner Raimond Pawler, der bei seinem Großvater in Koblenz-Lützel zu Besuch war. Beide waren unter der Menschenmenge aus der Un­glücksbrücke und kamen auf diese tragische Weise zusammen ums Leben. Die Eltern des verunglückten Knaben wohnen in A k r o n (Ohio).

In der Turnhalle der Telegraphen-Kaserne liegen die Todesopfer m langen Reihen, Männer, Frauen, Mädchen, Mütter

und in der Mitte sechs Kinder.

Draußen werden die Särge angefahren und drinnen weint und fleht die junge Mutter, die in Amerika verheiratet ist und ihren kleinen sechsjährigen Jungen zum Vater mit- nehmen wollte. Mit leeren Händen kehrt nun die Mutter zum Gatten zurück. Ern großer, kräftiger Mann liegt in der Reihe. Er hat sich noch selbst am Rettungswerk beteiligt. Eine junge Diakonisse liegt neben ihrer Schülerin und wefter unten, in der Reihe eine barmherzige Schwester. Nacheinan­der kommen die Angehörigen und Verwand-