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Mittwoch, een 23. guu 1930

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Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberhefsen

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Furchtbares Ende der Befreiungsfeiern

Zusammenbruch einer Pontonbrücke in Koblenz - Etwa 100 Menschen ins Wasser gestürzt

Bisher 34 Leichen geborgen - Hindenburg sagt alle weiteren Feiern ab.

ft Koblenz. 23. Juli. Nach Ab­schluß der gläuzend verlaufenen B e - leuchtung der Feste Ehrenbreitstein nnd des Deutschen Ecks, strömten die Mas- seit, die am Neuendorfer Ufer zu Tausen­den versammelt waren,

über die schmale Pontonbrücke des Sicherheitshafens in Kobleaz-LLtzel.

Als sich etwa 100 Mensche« auf der Brücke befanden, brach diese zu­sammen und sämtliche Personen fielen ins Wasier. Die i«s Wasser ge­fallenen wurden zum Teil von de« L. nieder stürzenden Balken erschlagen, zum Teil von de« ««gekippten schweren Pontons unter

Wasier gedrückt.

Rur einige in der Nähe der Ufer befind- | I liche Personen konnten sich retten, andere I 1 wurden herausgefischt.

Der größte Teil ertrank.

Bis 3 Uhr früh wäre« 33 Leiche« i geborgen.

Em Augenzeuge de» grausigen Kata­strophe

schildert den Hergang des Unglücks wie r folgt: Ich hatte mich mit Bekannten über

die Unglucksbrücke zum Neuendorfer Eck begeben, um von dort aus das Feuerwerk besser beobachten zu können. Die letzten Leuchtkugeln waren am nächtlichen Him­mel verglüht als viele Beobachter des Feuerwerks heimwärts über die schmale Brücke am Eingang des Sicherheitshafens in Koblenz-Lützel drängten. Ich befand mich im Zuge freudig gestimmter Men­schen vor dem Lützelner Ufer, als plötzlich

mit lautem Krachen und Getöse die Brücke unter de» dicht gedrängt Kopf an Kopf auf ihr befindlichen Men­sche« zusammenbrach

und die auf ihr befindlichen Männer, Frauen und Kinder mit sich in die Tiefe riß. Ich selbst stürzte mit in den an die- K ser Stelle besonders tiefen Floßhafen.

i Grelle Hilferufe schallten über die dunkle Wasserfläche. Zn höchster Not klammerten sich viele ins Wasier Ge­fallene aneinander.

Da ich vah am Ufer war und festen Halt hatte, gelang es mir, verschiedenen in der Nähe befindlichen Leuten beizustehen und s sie ooi; dem Tode zu retten. Indessen schrieen die auf- und niedertauchenden Menschen in höchster Not und bäte« um i Rettung und es brach eine furchtbare Panik aus. Gegenseitig versuchte man sich Hilfe zu leisten. Die Leichen der auf diese tragische Weise ums Leben gekom­menen, wurden zur Rekognoszierung in die Turnhalle an der Telegraphenkaserne gebracht.

Bis gegen 3 Uhr waren a« der lln- glücksstelle am Neueudorfer Eck 33

Tote geborgen.

10 Personen sind leicht verletzt worden. Die Feuerwehr war innerhalb von 10 Minuten an der llnglücksstelle, ebenso zahlreiche Schupobeamte, die für die not­wendige Absperrung und mit Wachs­fackeln für die erforderliche Beleuchtung sorgten. Sofort waren zahlreiche Kähne zur Stelle. Mit langen Haken und Stan­gen wurde der Floßhafen abgesucht und abgetastet. Mehrere Verletzte wurden mit

Krankenwagen in die nächstgelegenen Krankenhäuser eingeliefert. An der lln­glücksstelle erschien auch der Preußische Wohlfahrtsminister Dr. H i r t s i e f e r, Oberbürgermeister Rüssel und der Po­lizeipräsident. Das tragische Unglück ist auf einen leichten Zusammenbruch der Brücke zurückzuführen, die für den öffent­lichen Verkehr an sich nicht bestimmt war. Da die Vermutung besteht, daß noch mehr Personen ertrunken sind, werden die Ber­gungsarbeiten im Dunkel der Nacht fort­gesetzt.

Auf der Brücke befand sich z«r Zeit des Einsturzes auch eine Schwester mit einer Gruppe Schullin­

de r, die sämtlich ins Wasier stürz­te«. 6 der junge« Mädchen ertranken.

Die Pontonbrücke befindet sich am Floß­hafen an der Mosel. Das Wasser ist an dieser Stelle etwa 6 Meter tief. Die Schwere des Unglücks ist zweifellos dar­auf zurückzuführen, daß sich in dem nächt­lichen Dunkel die Leute in ihrer Todes­angst gegenseitig anklammerten und in die Tiefe rissen.

Nach dem großen Festakt in der Kob­lenzer Stadthalle, über dessen Verlauf wir gestern ausführlich berichteten, hatte der Reichspräsident in den Nachmittags­

stunden eine Fahrt auf den Ehrenbreit­stein unternommen. Nach (Eintritt der Dunkelheit wurden

der Ehrenbrettstein, das Dentfche Eik nnd die umliegenden Höhen fesüich beleuchtet. \

Während dieser Stunden gab die Shtift Koblenz ein Festessen, wobei der Oberbürgermeister Dr. Rüssel u. a. die Reichsminister von E u e r a r d und Cur- tius begrüßte. In den Straßen der Stadt herrschte währenddessen ein unge­heures Gedränge, daß jedes Dorwärts- kommen zeitweise völlig unmöglich machte.

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Die Schiffsbrücke auf diesem Bilde ist nicht die Unglücksbrücke.

Diese liegt vielmehr tauberhalb des Bildes links) bei Koblenz-Lützel am Neueu-

Eanz ungeheuer aber war die Menschen­menge am Rhein und an der Mosel.

Die Ufer waren geradezu schwarz von Menschen.

Sie standen selbst oben auf dem hohen Dach des Denkmals am Deutschen Eck. Jede Brücke, jedes Dach war dicht besetzt. Auf diesem ungeheuren Andrang ist auch das erschütternde Unglück zurückzuführen, das sich dann ereignete. Die Mehrheit der Bevölkerung wußte noch lange nichts von dem furchtbaren Unglück und rech­nete darauf, heute die Feiern fortsetzen zu können. Die Unglücksstelle liegt ja ziemlich weit außerhalb der Stadt. Jetzt aber herrscht Bestürzung und Trauer. Die Fahnen sind auf Halbmast gesetzt. In den Straßen und an den Bahnhöfen spielen sich erschütternde Szenen ab. Niemand kann es fassen, daß die stolze Befreiungs­feier einen so tragischen Abschluß gefun­den hat.

Sämtliche Feier« abgesagt.

st. K o b l e «z, 23. Juli. Der Polizsi- präsident hat sofort «ach Bekanntwerden des Unglücks fämüiche Feierlichkeiten im Bezirk Koblenz absage« lasse«.

dorfer Ufer, wo die Mosel in ben Rhein mündet.

Hindenburg bricht die Rheinlaüdfahrt ab >

st. Trier, 23. Zuli. Bei der Stadt­verwaltung ist eine Mitteilung des Reichs­präsidenten eingegangen, daß er infolge des furchtbaren Unglücks in Koblenz nicht in der Lage sei, bei den Feiern in Trier und Aachen zu erscheinen. Er werde lediglich^noch an einer Trauerkundgebung in Koblenz teilnehmen und alsdann so­fort nach Berlin zurückkehren. Der Reichspräsident hoffe, die Fahrt nach Trier und Aachen binnen kurzem nachho- leu zu können.

Bisher 34 Tote geborgen

st. Koblenz. 23. Juli. Wie wir er­fahren stellt sich nun mehr heraus, daß die Zahl der bisher geborgenen Opfer der durch den Zusammenbruch der Pontonbrücke verursachten Katastrophe 34 beträgt. Alle anderen Angaben werden von unterrichteter Seite als nicht

richtig bezeichnet. Man rechnet alleMngs damit, daß sich die Zahl der Opfer noch weiter erhöht.

Trauerkundgebung in Koblenz.

st. Koblenz, 23. Juli. Wie die Polizei heute vormittag 10 llhr mitteilt, sind 33 Leichen geborgen worden. Daß bereits höhere Zahlen ge­nannt wurden, erklärt sich aus der allge­meinen Aufregung und dem Durcheinan­der, das besonders auch bei ben über­lasteten Behörden bestand. Man vermu­tet jedoch an amtlichen Stellen, daß'

«och 4—5 Personen im Wasser liege«.

Die Leichen sind, wie bereits gemeldet, in der Turnhalle an der Telegrapherttaserne aufgebahrt. Hier sind erst 5—6 Lei­chen von A »gehörigen erkannt worden, lleber der Stadt liegt tiefe Trauer. Heute vormittag um 11 llhr fin­det eine Trauerkundgebung statt.

Trauer in Aachen.

fk. A a ch e n, 23. Juli. Die Bevölkerung von Aachen ist erschüttert über die schwere Prüfung, die dem Rheinland durch das Koblenzer Unglück auferlegt tvorden ist. Die Stadtverwaltung hat sofort alle Feiern abgesagt und die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Die Privathäuser fohlten diesem Beispiel