Mittwoch, een 23. guu 1930
- >- ^Vlxrheffijch« Settone" er- cheint sechsmal wöchentlich. Ve- ugSpre iS monatlich 2.20 GM.aus- chließl. ZnstellungSgedühr, durch die Post 2*45 GM. Für etwa durch Maschtnendefekt oder elementare Ereignisie ausfallende Nmmnern wird kein Srsat- ge» eistet. Verlas Dr. §. HWervth. Druck der Unw.-Buchdruckerri 9 oh. Aup- Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. «. Nr. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 6015. — Sprechzeit er Redaktion von 10—11 und 1,1—1 Uhr.
ÄberlMsche
—- <2**-
WW®t ■ 07 ■ ■ | | LmdoWVM
Anzeiger für (das frühere kurhefsifche) Oberhefsen
ätt.170 65.3011».. Marburg a Llchn
Der Zdqetgenprei« beträgt für ben 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM., sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 DM^ amtliche und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platzdorschrist 501, Aufschlag. — Sammelauzeigen 100 ’f. Stuf' schlag. Reklam.'Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.
Ziel 5 Tage.
Offerte »-Gebühr: 25 Pfg.
Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.
Furchtbares Ende der Befreiungsfeiern
Zusammenbruch einer Pontonbrücke in Koblenz - Etwa 100 Menschen ins Wasser gestürzt
Bisher 34 Leichen geborgen - Hindenburg sagt alle weiteren Feiern ab.
ft Koblenz. 23. Juli. Nach Abschluß der gläuzend verlaufenen B e - leuchtung der Feste Ehrenbreitstein nnd des Deutschen Ecks, strömten die Mas- seit, die am Neuendorfer Ufer zu Tausenden versammelt waren,
über die schmale Pontonbrücke des Sicherheitshafens in Kobleaz-LLtzel.
Als sich etwa 100 Mensche« auf der Brücke befanden, brach diese zusammen und sämtliche Personen fielen ins Wasier. Die i«s Wasser gefallenen wurden zum Teil von de« L. nieder stürzenden Balken erschlagen, zum Teil von de« ««gekippten schweren Pontons unter
Wasier gedrückt.
Rur einige in der Nähe der Ufer befind- | I liche Personen konnten sich retten, andere I 1 wurden herausgefischt.
Der größte Teil ertrank.
Bis 3 Uhr früh wäre« 33 Leiche« i geborgen.
Em Augenzeuge de» grausigen Katastrophe
schildert den Hergang des Unglücks wie r folgt: Ich hatte mich mit Bekannten über
die Unglucksbrücke zum Neuendorfer Eck begeben, um von dort aus das Feuerwerk besser beobachten zu können. Die letzten Leuchtkugeln waren am nächtlichen Himmel verglüht als viele Beobachter des Feuerwerks heimwärts über die schmale Brücke am Eingang des Sicherheitshafens in Koblenz-Lützel drängten. Ich befand mich im Zuge freudig gestimmter Menschen vor dem Lützelner Ufer, als plötzlich
mit lautem Krachen und Getöse die Brücke unter de» dicht gedrängt Kopf an Kopf auf ihr befindlichen Mensche« zusammenbrach
und die auf ihr befindlichen Männer, Frauen und Kinder mit sich in die Tiefe riß. Ich selbst stürzte mit in den an die- K ser Stelle besonders tiefen Floßhafen.
i Grelle Hilferufe schallten über die dunkle Wasserfläche. Zn höchster Not klammerten sich viele ins Wasier Gefallene aneinander.
Da ich vah am Ufer war und festen Halt hatte, gelang es mir, verschiedenen in der Nähe befindlichen Leuten beizustehen und s sie ooi; dem Tode zu retten. Indessen schrieen die auf- und niedertauchenden Menschen in höchster Not und bäte« um i Rettung und es brach eine furchtbare Panik aus. Gegenseitig versuchte man sich Hilfe zu leisten. Die Leichen der auf diese tragische Weise ums Leben gekommenen, wurden zur Rekognoszierung in die Turnhalle an der Telegraphenkaserne gebracht.
Bis gegen 3 Uhr waren a« der lln- glücksstelle am Neueudorfer Eck 33
Tote geborgen.
10 Personen sind leicht verletzt worden. Die Feuerwehr war innerhalb von 10 Minuten an der llnglücksstelle, ebenso zahlreiche Schupobeamte, die für die notwendige Absperrung und mit Wachsfackeln für die erforderliche Beleuchtung sorgten. Sofort waren zahlreiche Kähne zur Stelle. Mit langen Haken und Stangen wurde der Floßhafen abgesucht und abgetastet. Mehrere Verletzte wurden mit
Krankenwagen in die nächstgelegenen Krankenhäuser eingeliefert. An der llnglücksstelle erschien auch der Preußische Wohlfahrtsminister Dr. H i r t s i e f e r, Oberbürgermeister Rüssel und der Polizeipräsident. Das tragische Unglück ist auf einen leichten Zusammenbruch der Brücke zurückzuführen, die für den öffentlichen Verkehr an sich nicht bestimmt war. Da die Vermutung besteht, daß noch mehr Personen ertrunken sind, werden die Bergungsarbeiten im Dunkel der Nacht fortgesetzt.
Auf der Brücke befand sich z«r Zeit des Einsturzes auch eine Schwester mit einer Gruppe Schullin
de r, die sämtlich ins Wasier stürzte«. 6 der junge« Mädchen ertranken.
Die Pontonbrücke befindet sich am Floßhafen an der Mosel. Das Wasser ist an dieser Stelle etwa 6 Meter tief. Die Schwere des Unglücks ist zweifellos darauf zurückzuführen, daß sich in dem nächtlichen Dunkel die Leute in ihrer Todesangst gegenseitig anklammerten und in die Tiefe rissen.
Nach dem großen Festakt in der Koblenzer Stadthalle, über dessen Verlauf wir gestern ausführlich berichteten, hatte der Reichspräsident in den Nachmittags
stunden eine Fahrt auf den Ehrenbreitstein unternommen. Nach (Eintritt der Dunkelheit wurden
der Ehrenbrettstein, das Dentfche Eik nnd die umliegenden Höhen fesüich beleuchtet. \
Während dieser Stunden gab die Shtift Koblenz ein Festessen, wobei der Oberbürgermeister Dr. Rüssel u. a. die Reichsminister von E u e r a r d und Cur- tius begrüßte. In den Straßen der Stadt herrschte währenddessen ein ungeheures Gedränge, daß jedes Dorwärts- kommen zeitweise völlig unmöglich machte.
N
hiMMH
W
4 \ W
. L» £ sk
K >. *
v? v >■■■.■■ . ■
. .■ ■. •- ■
Die Schiffsbrücke auf diesem Bilde ist nicht die Unglücksbrücke.
Diese liegt vielmehr tauberhalb des Bildes links) bei Koblenz-Lützel am Neueu-
Eanz ungeheuer aber war die Menschenmenge am Rhein und an der Mosel.
Die Ufer waren geradezu schwarz von Menschen.
Sie standen selbst oben auf dem hohen Dach des Denkmals am Deutschen Eck. Jede Brücke, jedes Dach war dicht besetzt. Auf diesem ungeheuren Andrang ist auch das erschütternde Unglück zurückzuführen, das sich dann ereignete. Die Mehrheit der Bevölkerung wußte noch lange nichts von dem furchtbaren Unglück und rechnete darauf, heute die Feiern fortsetzen zu können. Die Unglücksstelle liegt ja ziemlich weit außerhalb der Stadt. Jetzt aber herrscht Bestürzung und Trauer. Die Fahnen sind auf Halbmast gesetzt. In den Straßen und an den Bahnhöfen spielen sich erschütternde Szenen ab. Niemand kann es fassen, daß die stolze Befreiungsfeier einen so tragischen Abschluß gefunden hat.
Sämtliche Feier« abgesagt.
st. K o b l e «z, 23. Juli. Der Polizsi- präsident hat sofort «ach Bekanntwerden des Unglücks fämüiche Feierlichkeiten im Bezirk Koblenz absage« lasse«.
dorfer Ufer, wo die Mosel in ben Rhein mündet.
Hindenburg bricht die Rheinlaüdfahrt ab >
st. Trier, 23. Zuli. Bei der Stadtverwaltung ist eine Mitteilung des Reichspräsidenten eingegangen, daß er infolge des furchtbaren Unglücks in Koblenz nicht in der Lage sei, bei den Feiern in Trier und Aachen zu erscheinen. Er werde lediglich^noch an einer Trauerkundgebung in Koblenz teilnehmen und alsdann sofort nach Berlin zurückkehren. Der Reichspräsident hoffe, die Fahrt nach Trier und Aachen binnen kurzem nachho- leu zu können.
Bisher 34 Tote geborgen
st. Koblenz. 23. Juli. Wie wir erfahren stellt sich nun mehr heraus, daß die Zahl der bisher geborgenen Opfer der durch den Zusammenbruch der Pontonbrücke verursachten Katastrophe 34 beträgt. Alle anderen Angaben werden von unterrichteter Seite als nicht
richtig bezeichnet. Man rechnet alleMngs damit, daß sich die Zahl der Opfer noch weiter erhöht.
Trauerkundgebung in Koblenz.
st. Koblenz, 23. Juli. Wie die Polizei heute vormittag 10 llhr mitteilt, sind 33 Leichen geborgen worden. Daß bereits höhere Zahlen genannt wurden, erklärt sich aus der allgemeinen Aufregung und dem Durcheinander, das besonders auch bei ben überlasteten Behörden bestand. Man vermutet jedoch an amtlichen Stellen, daß'
«och 4—5 Personen im Wasser liege«.
Die Leichen sind, wie bereits gemeldet, in der Turnhalle an der Telegrapherttaserne aufgebahrt. Hier sind erst 5—6 Leichen von A »gehörigen erkannt worden, lleber der Stadt liegt tiefe Trauer. Heute vormittag um 11 llhr findet eine Trauerkundgebung statt.
Trauer in Aachen.
fk. A a ch e n, 23. Juli. Die Bevölkerung von Aachen ist erschüttert über die schwere Prüfung, die dem Rheinland durch das Koblenzer Unglück auferlegt tvorden ist. Die Stadtverwaltung hat sofort alle Feiern abgesagt und die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Die Privathäuser fohlten diesem Beispiel