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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Overhessen

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Die Befrciungsieier In Koblenz

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Koblenz, 22. Juli. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun empfing am Dienstag morgen den Reichspräsiden­ten von Hindenburg in Eltville, um dann mit ihry gemeinsam auf dem DampferMainz" die Reise nach Kob­lenz, wo der Dampfer am Deutschen Eck anlegte, zur Befreiungsfeier in Kob­lenz anzutreten.

Bei der Feier, die um 12 Uhr in der tadthalle in Koblenz stattfand, sprach zu­nächst der Oberpräsident der Rheinpro­vinz Dr. Fuchs und der Oberbürgermei­ster von Koblenz. Darauf sprach

Ministerpräsident Dr. Braun, der etwa folgendes ausführte:

Zum zweiten Male in anderthalb Jahr­hunderten ist für das Rheinland eine Zeit sahrelanger fremder Besatzung zu Ende gegangen. Zum zweiten Male in dieser kurzen geschichtlichen Spanne haben wir den deutschen Rhein vor fremden Zugrif­fen retten müssen. Ein erstes Hemmnis der Verständigung mit unserem Nachbar ist beseitigt; dem wahren Frieden Euro­pas sind wir ein Stück nähergekommen. Voll Dankbarkeit und Freude erleben wir in dieser Feierstunde gemeinsam die große geschichtliche Bedeutung dieses Er- eigniffes. Mit besonderer Freude begrü­ßen wir in dieser Stunde unser hochver­ehrtes Reichsoberhaupt unter uns. Wir danken Ihnen, Herr Reichspräsident, daß Sie durch Ihre Teilnahme an der heuti­gen Kundgebung die geschichtliche Bedeu­tung der Räumung der deutschen West­mark vor der ganzen Welt kund tun. Vor allem gilt heute unser Gedenken der Treue des rheinischen Volkes. Wenn wir trotz Niederlage und Besatzung allen Ge­walten zum Trotz die Unversehrtheit des Reiches gerettet haben, so danken wir das in erster Linie den rheinischen Män­nern und Frauen, die ohne Unterschied des Bekenntnisses und der politischen Stellung in Würde und Haltung der Be­satzung begegneten und ihre Heimat deutsch erhielten, nicht zuletzt auch unse­ren treuen rheinischen Arbeitern, die härteste Opfer an Gesundheit und Ver­mögen, die Gefängnis und Verbannung auf sich nahmen. Wir haben aus der Separatistenzeit eine bedeutsame inner­politische Lehre zu ziehen:

Der preußische Staatsverband darf nicht eher gelockert werden, bis wir als Einheitsverband etwas völlig Gleichwertiges an feine Stelle zu fetzen vermögen.

Noch fehlt uns in diesem preußischen Staatsverband eines der wertvollsten Glieder der Rheinprovinz, das herrliche Gebiet an der Saar. Wir grüßen heute die in Treue erprobten Saarländer und hoffen mit ihnen, daß auch sie bald sich der Rückkehr in ihr Vaterland er­freuen können. Leider wird unfere Freude dadurch getrübt, daß eine der schwersten Wirtschaftskrisen gerade jetzt in Zahllose deutsche Familien Arbeitslosig­keit, Not und Verzweiflung gebracht hat. Sie lasten doppelt aus diesen schon durch den Friedensvertrag und die Besatzungs­folgen schwer geschädigten Gebieten. Die Staatsregierung wendet allen Grenzge­bieten ihre besondere Fürsorge zu; sie wird tun, was in ihren Kräftn steht, um den Randgebieten in West und Ost zu hel­fen. Eins darf ich hier mit Genugtuung erwähnen: trotz aller eigenen Grenznot sind von der Mosel und dem Rhein nur Stimmen des Verständnisses für die Hilfs- nraßnahmen gekommen, die die Reim­und Staatsregierung für die infolge wll- kürlicher Grenzziehung und Losreißypg vom Mutterland schwer ringenden 2a Abe des Ostens hat ergreifen muffen. Msge

dieses Bewußtsein der inneren Verbun­denheit und des Aufeinanderangewiesen­seins aller deutschen Stämme, das sich hier am Rhein in so schöner Weise offen­bart, immer stärker alle Teile Deutfch- lands durchdringen.

Darauf sprach der

Reichspräsident von Hindenburg.

Er dankte zunächst dem preußischen Mi­nisterpräsidenten, dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz und dem Oberbürger­meister von Koblenz für die freundliche Begrüßung. Unter Hinweis auf die Jahre, die er in glücklicherer Zeit in Kob­lenz verlebte, dankte der Reichspräsident weiter der gesamtn Bevölkerung für das herzliche Willkommen und ihr begeister­tes Bekenntnis zu Staat und Reich und

führte dann aus:Auch am tjeutigen Tage, an dem die preußische Rheinprovinz die nunmehr vollzogene völlige Räumung und Wiedervereinigung mit Staat, und Reich begeht, gilt unser erstes Empfinden den vielen Opfern der langen Leidens- S't. Wir gedenken in Trauer der Toten, hier für das Vaterland fielen; wir er­leben noch einmal in der Erinnerung das große Leid, das diese Notzeit des Rhein­landes allen Kreisen der Bevölkerung auserlegt hat. Wir gedenken aber auch mit stolzer Befriedigung der gewissen­haften Pflichterfüllung und der vorbildlich standhaften Haltung der Beamtenschaft in dem besetzten Gebiet, von der zahl­reiche ihre Treue zu Eid und Pflicht mit dem Tode besiegelt haben, und wir grü­ßen in höchster Anerkennung die Bevöl-

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8n Bingen und Kreuznach

Erinnerung an Me Seit teS Steden tWouartier»

ihm, sondern den Männern, die die Außen­politik .in den vergangenen Jahren gefühft hätten. Nach einem Ehrentrunk erfolgte die Weiterfahrt durch die Straßen Bingens nach der Drulus-Brucke, wo

<m der preußischen Grenze

die Begrüßung. Anschließend ging die Fahrt nach Bingen weiter. In den Rheinanlagen bereitete die spalierbildende Menge, die teil- irter Ferne gekommen war, dem

Reichspräsidenten

einen jubelnden Empfang.

In der Festhalle entbot der Bürgermeister von Bingen, Dr.'Stieglitz, dem Reichs­präsidenten den Gruß der Stadt und dankte ihm dafür, daß es seinem Wirken gelungen sei den deutschen Rhein wieder freizumachen und dafür, daß er auch der Stadt Bingen einen Besuch 'abstatte. Er erinnerte an das T r e u - gelöbnis zum deutschen Vaterland und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Reichspräsidenten aus. Der Reichspräsident dankte für die herzliche Begrüßung. Er wies dann auf die Mühsal und die Leiden hin, die die Stadt Bingen und ihre Bürger während der Zeit der Be­setzung zu erdulden hatten und fügte hinzu, der Dank für die Befreiung gebühre nicht

der Landrat des Kreises Kreuznach, Müser den Reichspräsidenten wMommen hieß und

ch Kreuznach begleitete. Gegen 11 Uhr _ 3f Reichspräsident von Hindenburg unter großem Jubel der Bevollenmg in Bad Kreuznach ein.

Unter Böllerschüssen und Glockengeläut durchfuhr er in ganz langsamer Fahrt «die die Straßen, die er früher als Chef des Großen Hauptquartiers so ost durch­schritten hatte Md besuchte die alten

Stätten der Erinnerung.

Gegen 1.30 Uhr nachmittags erfolgte die Abfahtt durch den Hunsrück nach der nahen Eräfenbacher Hütte, wo während der Zeit des Großen Hauptquartiers Frau» von Hin­denburg gewohnt hatte. Von der Gräfen- bacher Hütte setzte der Reichspräsident seine Rundfahrt über Stromberg und Wald Alges­heim nach Bingen fort, von wo er über die Hindenburgbrücke wieder nach Eltville zurückkehtte. Ueberall wurde der Reichspräsi­dent von den aus der ganzen Umgegend her­beigeeilten Volksmassen mit jubelnder Be­geisterung begrüßt. Um 3.45 Uhr nachmit­tags kehrte der Reichspräsident von dem Ausflug nach Bad Kreuznach nach Eltville zu­rück. Der Reichspräsident weilt nun bis Dienstag früh als Gast des Rheinland­kommissars auf dem Gute des Freiherrn Langwetth von Simmern.

Dingen, 21. Juli. Unter dem stürmi­schen Jubel einer vieltausendköpfigen Menge und dem Geläut der Kirchenglocken traf am Montag vormittag kurz nach 10 Uhr Reichs­präsident von Hindenburg auf seiner Reise von Eltville nach Bad Kreuz­nach in Bingen ein. . In seinem Gefolge befanden sich Oberstleutnant von Hinden­burg, Staatssekretär Dr. Meißner und der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langwerth von Simmern. An der Hindenburgbrücke entbot der Kreis- direttor des Kreises Bingen, Freiherr von Eemmingen-Hornberg, dem Reichs­präsidenten den ersten Willkonrmensgruß Bin­gens. Der Reichspräsident dantte herzlich für

kerung der Rheinprovinz selbst, die in ge­schlossener Einigkeit aller Stände in zäher Geduld ausharrte, bis die Tage der Frei­heit wiederkamen.

Unvergessen werden uns allen jene schweren Wochen und Monate fein, da verräterische Elemente versuchten, rheinisches Gebiet vom Vaterland loszulösen, und sich in einmütigem freien Zusammenschluß Bauern und Bürger, Arbeitgeber und Arbeitneh­mer, Beamte und Studenten zusarn- menfanden, um, obwohl waffenlos, diesen verbrecherischen Anschlag auf deutsches Land abzuwehren und die Einheit des Reiches zu retten.

So' ist in höchster staatlicher Not das Band zwischen Reich und Rhein in seiner Festigkeit erprobt und für alle Zeiten ge­sichert worden. Ihnen allen, dem gan­zen Volke am Rhein von tiefstem Herzen

zu danken für die hier bewährte vater­ländische Treue ist mir am heutigen Tage eine freudige Pflicht.

Umkränzt von Dichtung und Geschichte ist uns der Rhein zum Schicksalsstrom Deutschlands und zum nationalen Sym­bol geworden. Die harten Jahre der Not, die heute nun hinter uns liegen, haben diesem Symbol neuen Inhalt gegeben; der Rhein ist noch mehr als je zum Wahr­zeichen der deutschen staatlichen Einheit und unseres Willens zur Selbstbehaup- i tung geworden. Möge das nun befreite rheinische Gebiet, das so lange in seiner staatlichen und wirtschaftlichen Entwick­lung gehemmt war, einer neuen Blüte entgegengehen! Möge aber auch die staatliche Einheit, der wir heute freudig gedenken, stets vom Geiste der Einigkeit beseelt sein, der dieses Land am Rhein in seinen schwersten Tagen führte und zu

I dem befähigte, was wir heute dankbar 1 feiern!

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Gegenüber der in Berliner Blättern verbreiteten Meldung, daß der Reichs- sparkommissar S a e m i s ch mit besonderen Vollmachten ausgestattet werden soll, hö­ren wir von unterttchteter Seite, daß von einem solchen Dchtttt nichts bekannt ist. Wie die Verordnungen, die die Re­gierung jetzt erlassen wird, ausgehen wer­den. ist vorläufig nicht bekannt. Der Reichskanzler und der Reichsfinanzminister konfetteren täglich miteinander. Die Ent­scheidung des Kabinetts über die Verord­nungen werden voraussichllich erst am Freitag fallen, da dann erst wieder alle Kabinettsmitglieder in Berlin fein werden und die Konferenzen zwischen dem Reichs­kanzler und dem Reichsfinanzminister sich solange hinziehen dürsten.

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Der Vorstand des Reichslandbun» des steht augenblicklich vor schwerwie­genden politischen Entscheidungen. Es handelt sich für ihn darum, nunmehr ent­gegen seiner bisherigen Einstellung aktive Politik zu treiben. Der Landbund hat immer bei seiner Zentralleitung den Standpuntt der Aeuttalität eingenommen und es den einzelnen Prvvinzialverbänden überlassen, ihrerseits in den Wahlkampf zn Gunsten der verschiedenen Kandidaten einzugreifen. Mittlerweile hat man, ge­drängt durch die Schwere der Stunde, eine straffere Zentralisierung in dem Sinne durchgeführt, daß sich die Provinzialver- bände der Dachorganisation hinsichllich der Wahlunterstützung unterordnen. Es zeigt sich also auch hier wieder, daß infolge der herrschenden Anklarhett in der deutschen Innenpolitik die Berufsverbände mehr und mehr in die aktive Politik eintreten. Man kann augenblicklich das politische BW wie es auf Setten des Reichsland­bundes geschehen wird, dahin zusammen­fassen, daß sich der Landbund mit den Christlichnationalen solidarisch erklätt, der Gruppe Westarp Treviranus sympathisch gegenüber steht und gegenüber der Hugen- oerg-GrupPe der Deutschnationalen einen scharfen Trennungsstrich zieht.

Das Kurpsuschettum des Berliner Settengttinders Weißenberg hat wie­der ein Todesopfer gefordert. Ein kleines Mädchen, das an einem Augenleiden er» krankt war und von seinen Ettern in die Behandlung" Weißenbergs gegeben wurde, ist durch diese Behandlung völlig erblindet. Weißenberg verordnete näm­lich das Auflegen von Weißkäse. Und nach Ansicht der Aerzte soll die in dem Weihkäse enthaltene Säure die Erblin­dung des Kindes herbeigesühtt haben. Weißenbergs Methode hat schon einmal ein Todesopfer gefordert. Der Drogist Wernicke starb vor einem Jahr unter großen Qualen, nachdem ihn Weißenberg ebenfalls mit Weihkäse behandelt hatte. Zu einem Einschreiten der Behörden ist es damals nicht gekommen. Jetzt wird aber, so hofft man, die Staatsanwaltschaft ener­gische Schritte zur Abstellung dieses ge- ähttichen Anfugs unternehmen. Man ist, eitdem die Schulmedizin in Lübeck eine urchtbare Reihe von Opfern gefordert hat, n der Beutteilung kurpfuscherischer Me­thoden vorsichtiger geworden. In diesen Methoden kann manchmal ein guter Kern stecken. Was Weißenberg aber treibt, ent­behrt der primitivsten Logik. Sein Weiß­käse soll auch nicht von sich aus heilend toirfen. Er versieht ihn vielmehr mit gött­lichen Kräften, so daß der Weißkäse nur das Medium ist, durch das sich das Wunder der Heilung vollzieht. Der Prophet ist offenbar der Meinung gewe­sen, daß Weißkäse auf jeden Fall unschäd­lich sei. Daß er sich darin täuschte, kann seine Schuld nicht verringern. Weißen­berg hat als Gründer derevangelisch- johannitischen Kirche", alsGöttlicher Meister" undletzter fleischgewordener Gott" große Erfolge gehabt. Seine An-