Montag, »on 21. Süll 1930
Re ^«srheMH« Zewmg" er- scheint sechsmal wöchentlich. St- zngspeets monatlich 2.20 GÄLauS- schNeßl. Znstellnngsgebühr, durch die Post 2^5 GM. Für etwa durch Streik, Maschtneudefekt oder elementare Ereignisse ausfallende Riuuweru wird kein Ersatz geleistet. Verlag Dr. §. Hihervth. Druck der Unkb^Suchdrnckerei 5* «ug- Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der. Redaktion don 10—11 «nd
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberheffen
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Anzeiger der amtliche» Bekanntmachungen für Stadt »nd Kreis Marburg.
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Das befreite Rheinland steht ganz im Zeichen des Besuches des Reichspräsidenten. Ueberall wehen die Reichs- und Landesfarben. Selbst die kleinen Orte, die der Reichspräsident nur auf der Durchreise berührt, prangen im buntm Schmuck der Fahnen und im dunklen Grün der Girlanden, die allenthalben über die Straßen und an den Häuserfronten gespannt sind. Es ist, als 'wolle auch der kleinste Bürger dem Reichspräsidenten auf diese Weise seine Ehrerbietung und seine Freude über die Befreiung zeigen. Die Geschäftsleute haben in den Schaufenstern Büsten und Bilder Hindenburgs und Stresemanns ausgestellt. Bunte Lichter sollen am Abend das festliche Bild verschönen.
Besonders reich geschmückt sind die Straßen von Speyer, wo der Reichspräsident den Zug verläßt, nachdem vorher schon in Germer s h e i m, der Stadt, die mit am schwersten unter der Besetzung gelitten hat, eine kurze Begrüßung stattgefunden hat. Auf dem Bahnhof von Speyer sind Lorbeerbäume und Blumen aufgestellt und vor dem Bahnhof halten sich schon mehrere Stundest vor der Ankunft des Zuges viele Menschen eingefunden, die aus der Umgebung herbeigecilt sind. Abordnungen der Vereine mit ihren Sahnen nehmen Aufstellung. Die ganze alte ladt, die oft Zeuge großen geschichtlichen Geschehens war, scheint ein neues Gesicht bekommen zu haben. In den Straßen wehen die Flaggen. Jugend marschiert mit Gesang Gesang, mit Trommeln und Pfeifen zu den angewiesenen Plätzen. Alles ist auf den Beinen, und die allgemeine Festesfreude kann auch nicht durch das wenig schöne Wetter beeinträchtigt werden.
, 3« Bruchsal
Bruchsal, Heute vormittag um 8 Uhr 40 Min. traf Reichspräsident von Hindenburg auf der Fahrt zu den Befreiungsfeiern hier ein und wurde überall von einem zahlreichen Publikum sowie von Abordnungen der Dereiene usw. stürmisch begrüßt.
Der badische Staatspräsident Dr. Schmitt entbot die Grüße der badischen Staatsregierung. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß dick' Verständigung weiter vorausschreiten werde. Eine Verständigung, die gegen Deutschlands Ehre und seine Freiheit sei, müsse man ablehnen. Der Freiheitsiubel ersticke angesichts der großen deutschen inneren Not. Der heutige Tag möge zur Einigkeit mahnen, denn er könne alle Deutschen zusammenführen, wenn sie guten Willens seien.
Der Oberbürgermeister von Bruchsal, Dr. Meister, sprach im Namen der Stadt. Weiter begrüßten den Reichspräsidenten der Gauprä- ident dankte bewegt für-den herzlichen Emp- ang und setzte dann in Begleitung des indischen Staatspräsidenten die Reise nach Germersheim fort Bei der Abfahrt sang die Menge das Deutschlandlied.
3« Germersheim
Germersheim, 19. Juli. Der Reichspräsident wurde bei seinem Eintreffen auf dem hiesigen Bahnhof namens der Bürgerschaft von dem Bürgermeister S ch m i d t mit einer Ansprache begrüßt. Unendlich schwer habe die Stadt gelitten, sich aber niemals von der Treue zum Vaterlande abbringen lassen. Wenn ihr heuje die hohe Ehre zuteil werde, den treuesten deutschen Mann auf der befreiten Heimaterde begrüßen zu dürfen und ihm die ttefgefühlte Verehrung zum Ausdruck zu bringen, so wolle die Stadt darin den schönsten Lohn für ihre seitherigen Leiden und den Leftstern einer besseren Zukunft erblicken. Der Bürgermeister schloß mtt einem Hoch auf den Reichspräsidenten. Der Zug fuhr dann nach Speyer wetter.
3» Speyer
Speyer, 19. Juli. Der fahrplanmäßige Schnellzug, mit dem Reichspräsident von Hindenburg in die Pfalz reiste, fuhr um 9.40 Uhr, von den Klängen des Deutschlandliedes begrüßt, auf dem Speyerer Hauptbahnhof ein. Ministerpräsident Dr. Held, Innenminister Dr. Stützet und OberbürgermeiSer Lettin« empfingen den mtt stürmischten
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Nach dem Domgang in Speyer. Neben dem Reichspräsidenten Dr. Curtius und Dr. Held.
Hochrufen begrüßten Reichspräsidenten, der dann unter dem Geläute der Kirchenglocken, von der vor dem Bahnhof harrenden Menge mtt brausenden Hochrufen begrüßt zum Rathaus fuhr. Auf der ganzen Fahrt du.rch die von der Bevölkerung dicht umsäumten Straßen setzten sich die jubelnden Hochrufe fort.
Um 9.50 Mr hielt der Wagen des Reichspräsidenten vor der Protestationskirche. Landeskirchenpräsident Dr. Keßler entbot dem Reichspräsidenten die ehrerbietigsten Willkommensgrüße der protestantisch-evangelischen Kirche der Pfalz an der Eedächtnis- stätte der deutschen Tat der Protestation von 1529 und sprach die große atlgemseine Freude über die endliche Befreiung der Pfalz von der Besetzung aus. Er gelobte, daß die protestanetische Kirche der Pfalz mtt allem Ernst an der religiös-sittlichen Wiedergeburt unseres Volkes und damtt an einer glücklichen Zukunft des deutschen Vaterlandes Mitarbeiten werde.
Sodann ging die Fahrt durch die Matt- miliansstraße z u m D o m. An dem Pottal stand die katholische Geistlichkeit um Empfang des Reichspräsidenten, an ihrer Spitze Bischof Dr. Ludwig Sebastian, der den Reichspräsidenten mit kurzen Wotten begrüßte. Der Reichspräsident dantte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß, wenn man einig zusammenarbette, es in Zukunft wieder vor- wättsgehe. Der Reichspräsident, setzte dann seine Fahtt zum Rathaus fort, wo eine große Befreiungsfeier stattfand.
Ministerpräsident Dr. Held entbot im Namen der bayerischen Staatsregierung, der Rheinpfalz und ihrer deutschen Bevölkerung dem Reichspräsidenten einen freudigen Willkommensgruß und begrüßte zugleich auch den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt. Dr. Held erklärte dann, es fei traditionell geworden, daß der Kampf um den Rhein immer in der Pfalz feinen Schwerpunkt habe. Darin liege eine Unsumme von Leiden, Opfern und heldenhafter Taten der Pfälzer Bevölkerung. Der Wille der Pfälzer,
unter allen Umständen deutsch zu bleiben, habe sich fremdem Eroberungswillen gegenüber stets überlegen erwiesen.
Darauf ergriff
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das Wort. Er dankte zunächst für die freundliche Begrüßung und fuhr dann fort:
„Es ist mir eine besondere Genugtuung, daß ich heute unter Ihnen weilen darf, um mich mit Ihnen der wiedererlangten Freiheit der Pfalz zu freuen. Aufrecht und stolz dürfen Sie, dürfen alle Deutschen am Rhein nach den langen dunklen Jahren fremder Besatzung die Tage der Freiheit begrüßen. Besonders schwer und hart war der Druck, der vom ersten Tage der Besetzung an auf der Pfalz gelastet hat, besonders stark waren hier auch die Bestrebungen schlechter Elemente, welche die Losreißung deutschen Gebietes versuchten und sich in Verblendung an dem heiligen Boden unseres Vaterlandes vergriffen. Mit Würde und Festigkeit, mit nie versagender Treue und nie wankendem Mut hat die Bevölkerung der Pfalz in all diesen Gefahren ihr Deutschtum behauptet; in einmütigem Zusammenstehen aller Schichten und Berufsstände hat die Pfalz durch diese lange Notzeit hindurch das Banner des Reiches wie die heimatliche Fahne des bayerischen Landes in die Freiheit hinübergerettet.
Das Heimatgefühl der Verbundenheit mit dem Boden der Väter, die Liebe zum Daterlande, der großen Gemeinschaft deutscher Nation haben Sie befähigt, fremder Gewalt und Verlockung zu widerstehen und verräterische Anschläge auf deutsches Land in aufrechtem Mannesmut und Freiheitswillen zunichte zu machen. Bewegten Herzens danke ich Ihnen, danke ich allen Männern und Frauen der Pfalz für diese unerschütterliche vaterländische Treue und für Ihr tapferes Dulden.
Es ist mir weiter eine Freude, die Vertreter Badens heute hier zu sehen und auch ihnen mit herzlichen Grüßen an das Hanauerland und die Stadt Kehl für ihre während
der langen Befatzungszekt bewiesene treudeutsche Haltung namens des Reiches Lob und dankbare Anerkennung aussprechen zu können. In tiefer Trauer senken wrr das Haupt in Erinnerung an alle, die Leben und Gesundheit gaben für Heimat und Freiheit; mit Stolz grüßen wir heute die vielen, die ihre Treue zu Vaterland und beschworener Pflicht trotz Gefängnisstrafen und trotz Verbannung von Haus und Heimat unerschütterlich gehalten haben.
Ihnen allen die ein Beispiel mannhaften Deutschtums für alle Zeiten gaben, gebührt Deutschlands unauslöschlicher Dank! Ihr Vorbild soll uns mahnen, das hohe Gut des Vaterlandes über alle persönlichen Interessen und Anschauungen zu stellen und alles Trennende zu überbrücken durch die Treue zu Heimat und deutschem Volk. Diesem Ziel zu dienen, geloben wir, indem wir rufen: Deutschland, unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!"
Der Reichspräsident begab sich mit den übrigen Herren sodann auf den Balkon des Rathauses und
begrüßte die zahlreiche Volksmenge mit den Worten:
„Meinem Dank für die Treue der Pfalz habe ich in der Festsitzung im Rathaus soeben Ausdruck gegeben. Sie alte bitte ich, stets eingedenk zu sein dieses Beispiels vaterländischer Bürgerpflicht und über allen Streit des Tages das Vaterland zu stellen. Dann wird es mit uns vorwärts und aufwärts gehen. Mit diesem Wunsche rufen wir: Unser geliebtes Vaterland, unser Deutschland, lebe hoch!"
Der Festakt im Rathause nahm darauf seinen Fortgang:
Reichsaußenminister Dr. Curtius übermittelte die Grüße und den Dank der Reichsregierung. Er würdigte das Ende der mehr als elfjährigen Vefatzungszeit als ein großes Ereignis der deutschen Geschichte und betonte, daß die Pfalz auf die vergangenen Jahre mit besonderem Stolz zurücksehen könne, da sie auch in schwerster Stunde treu zum angestammten Vaterlands gehalten habe. Er gedachte dann seines Vorgängers Dr. Stresemanns, der mit weitem Blick und bis zur Erschöpfung seiner Kräfte für sein Ziel gekämpft habe. „Noch sind wir nicht am Ende dieses Weges", fuhr der Reichsaußenminister fort. „Das zeigt uns schon der Blick auf die Saarpfalz und die ganze Saar. Gerade heute muß es uns mit Schmerz erfüllen, daß ihre Wiedervereinigung mit dem Vaterlande noch nicht gelungen ist. ‘ Unerschütterlich steht die Bevölkerung an der Saar zu ihrem Deutschtum und zum Reich, so daß wir mit voller Ruhe dem Jahre 1935 entgegensehen können. Ich gebe, aber die Hoffnung nicht auf, daß es auch in dieser Frage gelingen wird, die Lösung schon früher zu finden."
M Mdtemtftoten nehm« an ter BeimmMin nicht teil Köln, 19. Juli. Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei für den Oberrhein veröffentlicht in der „Rheinischen Zeitung" eine neue Kundgebung an seine Mitglieder, worin diese aufgefordert werden, an den Befreiungsfeiern nicht teilzunehmen. In der Kundgebung heißt es, die Sozialdemokratische Partei könne nicht dort erscheinen, wo auch der Stahlhelm erscheine. Diese Berührung mit dem Stahlhelm, fei sie auch rein äußerlich, müsie scharf abgelehnt werden. Die bereits nach Koblenz eingeladenen Vertreter der Sozialdemokratie werden von dem Bezirksvorstand aufgefordert, ihre Zusagen zurückzuziehen. Rur den in amtlicher Eigenschaft geladenen Sozialdemokraten sei die Teilnahme freigestellt.