Mittwoch, ton 16. Sick 1930
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesfen
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Hindenburg sagt die Rbrinlsn-nise ab
Eine Itto Mahnung an Mußen. tos ölahlhelmverbol auszuWon - Braun lenk! ein
Berlin. 15. Juli. Der Reichspräsident hat seine Teilnahme an den Be- freiangsfeiera in Koblenz, Trier. Aachen »ad Wiesbaden abgesagt und diese Absage ht folgendem Schreiben an den preußischen Ministerpräsidenten begründet:
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Ihre Einladung zur Teilnahme an der Besreiunßsseier der preußischen Staatsre- aierung in Koblenz am 22. Juli habe ich durch mein Schreiben vom 5. Juli angenommen. Meine Zusage, erfolgte in der Voraussetzung, daß das Verbot des Stahlhelms Bund der Frontsoldaten, in Rheinland und Westfalen, das ich, wie Sie wissen, nach eingehender Prüfung des Tatbestandes als unberechtigt und dem Sinne des Gesetzes zu widerlaufend bezeichnen mutz, bis dahin aufgehoben sei und auch dieser Verband der alten Soldaten an den Befreinugsfeiern teilnehmen könne.
Sie haben mir die Aufhebung dieses Verbotes, für die sich auch die Reichs- regisrung inzwischen verwandt hat, wiederholt in Aussicht gestellt, trotz wiederholten Erinnerns sie aber bisher nicht verfügt.
Statt dessen hat der preußische Minister des Innern in seinem dem Herrn Reichskanzler abschriftlich übermittelten Schreiben vom 14. Juli 1930 den Stahlhelm für die Wiederzulassung in Rheinland und Westfalen Bedingungen gestellt, aus deren Verlangen und Formulierung ich entnehmen muß, daß Sie und das preußische Innenministerium meinem von der Reichs» regierung unterstützten Wunsche nicht entsprechen gesonnen sind. Damit schließen Cie den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, von der Teilnahme an den Rhein- landbefreiungsfeiern aus und machen es den in dieser Organisation vereinigten alten Frontkämpfern unmöglich, in geschloffener Formation mich zu begrüßen, währeng alle anderen Verbände bei allen Veranstaltungen, die aus Anlaß der Räumung stattfinden, zugelaffen sind und in großer Zahl auftreten. Diese ungleichmäßige Behandlung ist für mich unerträglich- •
Ich kann es mit meiner verfaffungs- mäßigen Pflicht zur lleberpartellich- keit nicht vereinbaren, an Befreinngs- feiern teilzunehme», von denen ein Teil von Staatsbürgern durch ein — «ach meiner Auffaffung nicht begründetes — Verbot ihrer Organisation ausgeschloffen ist.
Ich habe mich daher zu meinem Bedauern entschließen müssen, meine Ihnen unter dem 5. Juli erteilte Zusage zur Teilnahme an der preußischen Befreiungsfeier in Koblenz rückgängig zu machen: aus dem gleichen Grunde habe ich auch meine in Verbindung mit der Reise nach Koblenz geplanten Besuche in Trier, Aachen und Wiesbaden abgesagt und solange verschoben, als die vorerwähnten Gründe begehen.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung
(gez.) von Hindenburg.
Im Anschluß daran, erfährt das WTB., daß der Stahlhelm hinreichende Zusicherungen gegeben hat, sich jeder wie immer gearteten militärischen Betätigung zu enthalten. Des weiteren erfähr das WTB., daß die preußische Regierung rechtzeitig davon unterrichtet worden ist, daß Die ^eise des Reichspräsidenten unterbleibe, falls das Stahlhelmverbot nicht vorher aufgehoben würde.
Die Antwort Branns
Berlin, 15. Juli. Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, hat der perußische Ministerpräsident Dr. Braun an den Reichspräsidenten das folgende Antwortschreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Aus Ihrem Schreiben vom 15. Juli 1930 muß ich zu meinem Bedauern ersehen, daß Sie Ihre Teilnahme an den rheinischen Befreiungsfeiern im preußischen Gebiet nunmehr von der Wiederzu- laffung der in den Provinzen Rheinland und Westfalen aufgelösten Gruppen des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten e. V., abhängig machen. Ich empfinde dies um so schmerzlicher, als dadurch ein Mißklang in die Vefreiungsfeiern hineinkommen muß, den ich, soweit es an mir liegt, gern vermieden sehen würde.
Um Ihrem Wunsche auf Wiederzulassung des Stahlhelms in den Provinzen Rheinland und Westfalen entgegenzukom-
fk. B e r l i«, 18. Juli. Die Führer der hinter der Negierung stehenden Parteien haben die Sozialdemokraten aufgefordert. bis heute mittag 12 Uhr mitzuteilen. unter welchen Voraussetzungen sie zur positiven Mitarbeit bei der Verabschiedung der Deckungsvorlage» bereit sein würden. Wie der Preffedienst der Sozialdemokraten mitteilt, wird die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in ihrer Erwiderung darauf Hinweisen, daß im § 5 die Kopfsteuer enthalten sei und die Möglichkeit einer Zustimmung zu dieser Vorlage nicht gegeben sei. Der Ausgang der Besprechung wird weder
seines bisherigen Haltung berechtigte Zweifel gehegt werden mußten, die nur durch besondere Zusagen der verantwortlichen Bundesführer beseitigt werden können. Eine Antwort des Stahlhelms auf das Schreiben des preußischen Ministers des Innern ist jedoch bisher nicht eingegangen.
Ihre Auffaffung, daß die Auflösung des Stahlhelms in Rheinland und Westfalen dem Sinne des Gesetzes vom 22. März 1921 (Reichsgesetzblatt S. 235) zuwider- rfue, vermag ich mir nicht zu eigen zu machen. Ich stelle vielmehr fest, daß die gesetzmäßig zuständigen Stellen Preußens und des Reichs übereinstimmend das Verbot auf Grund einwandfreien und reichhaltigen Tatsachenmaterials erlassen habe. Es ist mir nicht bekannt, inwieweit Ihnen Material vorgelegen hat, das zu dem in Ihrem Schreiben vom 15. Juli zum Aus- durck gebrachten Urteil führen konnte.
Ich wäre nach wie vor bereit, die Neubildung des „Stahlhelms" für die in Rede stehenden Gebiete zuzulaffen, falls ich Die Ernsthaftigkeit der vom „Stahlhelm" gegebenen Zusicherungen anzunehmen in der Lage wäre und infolgedessen die Eesetz- mägigkeit seines künftigen Verhaltens als gewährleistet betrachten könnte.
Dies wäre möglich, wenn der „Stahlhelm- die von ihm geforderte Erklärung, die lediglich der geltenden Ge
men, hat der preußische Minister des Innern mit meinem Einverständnis dem Bundesrat des Stahlhelms gegenüber mit Schreiben vom 14. Juli 1930 Die Wieder- zulaffung der in diesen Provinzen aufgelösten Gruppen dieser Vereinigung in Aussicht gestellt. In diesem Schreiben hat der preußische Minister des Innern zum Ausdruck gebracht, daß er
gegen eine Neubildung der mifgelöste« Gruppen des Stahlhelms in de« Provinzen Rheinland und Westfalen keine Bedenken geltend machen würde, wenn ihm von der Bundesleitung des Stahlhelms bindende Zusicherungen für eine künftige, de« bestehenden Gesetzen nicht zuwiderlaufende Betätigung gegeben würden.
Zu einer solchen Forderung, bestand Ver- anlaffung, da an der Ernsthaftigkeit der Versicherungen des Stahlhelms auf Grund
in bürgerlichen noch in sozialdemokratischen Kreisen günstig beurteilt.
Die Deutsche Volkspartei der Rheinprovinz zum Hindenburg-Brief.
Düsseldorf, 15. Juli. In Düffeldorf fand am Dienstag eine Führerbesprechung der Deutschen Volkspartei statt, auf der folgende Entschließung gefaßt wurde:
„Die Deutsche Volkspartei, Rheinprovinz, stellt sich rückhaltslos auf den Standpunkt des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, der mit vollem Recht von der preußischen Regierung verlangt, daß das Stahlhelmverbot angesichts der Befreiung der Rheinlande von fremder Besatzung sofort aufgehoben wird."
setzeslage entspricht, abgeben und dadurch von sich aus das Hindernis, das Ihrer Meinung nach Ihrer Teilnahme an den Vefreiungsfeiern entgegensteht aus dem Wege räumt.
Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen wird, die Bedenken, die sich Ihrer Reise in das Rheinland entgegengestellt haben, noch zu beheben und daß es der Bevölkerung des preußischen Gebietes vergönnt sein wird, doch noch Sie, sehr geehrter Herr Reichspräsident, bei den Befreiungsfeiern begrüßen zu können."
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Wie der Amtliche Preußische Preffedienst mitteilt, ist gestern abend bei dem preußischen Innenminister die Antwort des Stahlhelms, B.d.F>, auf das von Ministerpräsident Dr. h. c. Brau« in der heutigen Pressekonferenz erwähnte Schreibe« der preußischen Regierung eingegan- gen. Die konziliante Form dieser Antwort bietet, so sagt dex Amtliche Preußische Preffedienst dazu, der preußischen Staats« regierung die Möglichkeit, mit dem Stahlhelm in Verhandlungen über die in dem genannten Schreiben aufgestellten Bedingungen einzntreten.
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Der gestrige Tag dürfte der ereigms- reichste der letzten Zeit gewesen sein. Selten hat wohl eine solche Verwirrung geherrscht. Beinahe stündlich änderte sich die Situation. Die größte Sensation war der Brief des Reichspräsidenten an den preußischen Ministerpräsidenten, der lediglich als ein Privatbrief anzusehen ist und mit der Reichsregierung nicht das geringste zu tun hat. In den Kreisen der Regierung verweist man dabei darauf hin, daß sowohl der Reichskanzler, wie auch der Aeichs- imtenminifter in der letzten Zeit mit dem preußischen Ministerpräsidenten das Problem des Stahlhelmderbotes eingehend erörtert haben. Obwohl nun im Verlaufe der parlamentarischen Debatte kein Wort über dieses Schreiben fiel, scheint es sich doch in gewisser Hinsicht auf die parlamentarische Situation ausgewirkt za haben. Denn in der überraschend gekommenen Dechandlungspause des Reichstages wurde bei den Sozialdemokraten eine andere Taktik beschlossen, insofern, als sie unter gewissen Bedingungen ihre Mitarbeit an* Boten und eigene Vorschläge zu der Deckungsfrage ankündigten. Sie hat jedenfalls dem Reichskanzler Veranlassung gegeben, gestern abend nach der Plenarsitzung mit den sozialdemokratischen Abgeordneten Müller und Dreitscheid in Fühlung zu treten, um sich über die sozialdemokratischen Vorschläge im einzelnen zu orientieren. Also auch nach dieser Richtung hin sind bis zur Stunde noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft. Bis heute mittag kamt also noch manche Wendung eintreten.
Auch die heutigen Morgenausgaben der Berliner Blätter beschäftigen sich in aller Ausführlichkeit mit dem Brief des Reichspräsidenten von Hindenburg und weiter mit dem Antwortschreiben des preußischen Ministerpräsidenten. Ze nach Parteistellung des Blattes wird die ganze Augelegenhett mehr oder minder temperamentvoll erörtert. Es fehlt nicht an scharfen Worten sowohl gegen den preußischen Ministerpräsidenten wie auch gegen Hindenburg. Am so beachtenswerter sind die Aeußerungen mehrerer Blätter, die darauf dringen, die Sache so schnell wie möglich aus der Well zu schaffen. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt, daß die Antwort des preußischen Ministerpräsidenten erfreulicherweise den Willen zeige, die unerquickliche Angelegenheit beizulegen. Auch der „Berliner Börsen-Eourier" gibt dem dringenden Wunsch Ausdruck, daß der Besuch des Reichspräsidenten, auf den sich die Rheinländer schon so sehr gefreut haben, doch noch möglich sein wird. Das Blatt hoffst, daß sich der Konflist nicht weiter vertieft und daß vielleicht schon am heurigen Tage die Voraussetzungen für die Einhaltung des ursprünglichen Reiseprogramms des Reichspräsidenten geschaffen werden. Auch das „Berliner Tageblatt" äußert sich optimistisch über eine baldige Beilegung des Konfliktes. Am deutlichsten äußert sich die „G e r m a n i a“, sie schreibt: Zn der gespannten Situation, in der wir uns befinden, können wir Kon- flitte nicht brauchen. Wir können sie umso weniger brauchen, wenn das Reichsoberhaupt in sie mit einbezogen ist. Die konziliante Form, die der preußische Ministerpräsident gewähll hat, läßt ebenso wie der entgegenkommende Znhall die Hoffnung zu, daß der Konslitt gelöst wird und der Zwischenfall eine Episode bleibt.
Regierungsrat von dem Knesebeck suspendiert.
Berlin, 15. Juli. Rach einer Meldung Der „D.A.Z." aus Düffelgorf ist Der Regierungsrat von Dem Knesebeck, Der sich in nationalsozialistischem Sinne betätigt haben soll, vom Dienst suspenDiert worben. Der RegierungspräsiDent hat ein Verfahren gegen ihn eingeleitet