Montag.
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0te ^Sberhessisch« Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich- Bezugspreis monatlich 2.20 GM.auS- schließl. ZnstellungSgebühr, durch di« Post 2^5 GM. Für etwa durch Streik- Maschinen defekt oder elo» Ereignisse ausfallend« Rümmer» wird kein Ersatz getestet. Verlag Dr. §. Hiheroth. Druck der Unib.-Buchdruckerei zoh. Aug. Koch- Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. n. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit ,er. Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen sür Stadt und Kreis Marburg.
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Die Sonnabend sitzung nn Steueransschutz
Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Abg. Dr. Föhr (Zentrum) eine Erklärung zu seiner Abstimmung in der Frage der" Einbeziehung Privatangestellter mit hohem Einkommen und der Aufsichtsräte in die Reichshilfe ab, in der es heißt:. Der Antrag wurde von zwei in der Regierung vertretenen Parteien eingebracht. Derselbe entsprach vollständig der von der Zentrumsfraktion seit langem vertetenen Auffassung. Nachdem von zwei in der Regierung vertretenen Parteien ein solcher Antrag gestellt war, lag für mich keine Deranlassung vor, gegen den Antrag, welcher der Grundanschauung des Zentrums entspricht, zu stimmen.
Der Vorsitzende, Abg. Dr. Oberfohren (Dnatl.), nahm zunächst die Abstimmung über den § 10 vor, den ersten des Artikels III, der den
einmaligen Zuschlag von 5 Prozent zur Einkommensteuer
für Sie Einkommen von mehr als 8000 'M. behandelt.
§10 wurde abgelehnt und damit war der ganze Artikel III gefallen.
Zur Beratung kam dann der Artikel IV, über die
Ledigensteuer.
Abg. Dr. Rademacher (Dnatl.) wandte sich gegen die Ledigensteuer in der vorgeschlagenen Form. Die Vorlage trage den tatsächlichen Verhältnissen nicht Rechnung und sei in ihren einzelnen Bestimmungen nicht genügend durchdacht.
Abg. Frau Schröder (Soz.) wies auf die große Zahl der unv erheirate - tenFrauen Yin, die sich heute wesentlich gesteigert habe gegenüber der Vorkriegszeit. Die bevölkerungspolitischen Gründe, die für die Steuer bei einem kleinen Teil der ledigen Männer angeführt werden könnten, kämen nicht in Frage für die weiblichen Ledigen, da in Deutschland ein Frauenüberschuß von zwei Millionen bestehe.
Abg. v. Lindeiner-Wildau (Cyr.- Rat.) begründete einen Antrag, wonach von der Ledigensteuer befreit sein sollen diejenigen Steuerpflichtigen, die auf Grund gesetzlicher Unterhaltspflicht ihre geschiedene Ehefrau oder einen Eltern teil unterhalten, dafür mindestens zehn Prozent ihres lehtjäyrigen Einkommens aufgewandt und die entsprechende Steuerermäßigung erhalten haben.
Reichsfinanzminister Dietrich führte aus, mit einer Besteuerung der Aussichtsratstantiemen würde man höchstens 8 Millionen in die Reichskaste bekommen. Der Vorschlag , einer solchen Steuer sei also nicht sachlich, sondern höchstens demagogisch zu begründen. Die Regierungsvorlage der Ledigensteuer suche Härten zu vermeiden. Die Regierung würde auch dem Antrag von Lindeiner Zustimmen.
In der Abstimmung wurde die Ledigensteuer mit der gleichen Mehrheit wie die Einkommensteuerzuschlag abgelehnt. Dagegen stimmten die Deutschnationalen, Sozialdemokraten und Kommunisten.
Es folgte dann die Beratung der
Novelle zum Tabaksteuergesetz,
eatlomtnlnritotn Lösung
in der die Zahlungsfrist für die Zigarettenbanderole verkürzt, der Steuersatz für Zigarettenhüllen ermäßigt und die Kontingentierung um ein Jahr bis zum 31. März 1932 verlängert wird.
Abg. Dr. Rademacher (Dnatl.) lehnte die Vorlage ab, da sie als ein weiterer Schritt zum Tabakmonopol zu betrachten fei.
Abg. Dr. Hertz (Soz.) stimmte der Steuerermäßigung für Zigarettenhüllen und der Verkürzung der Zahlungsfristen zu, dieser unter der Bedingung, daß den kapitalschwachen Fabriken eine Verlängerung gewährt werden kann. Eine Verlängerung der Kontingentierung lehnte er ab, mit der Begründung, daß dadurch die Macht des tatsächlichen bestehenden Privatmonopols in der Zigarettenindustrie eine weitere Stärkung erfahren würde.
Abg. Dr. Hoss (DDp.) erklärte sich mit der stufenweisen Verkürzung der Zahlungsfrist einverstanden. Die Volkspartei sei grundsätzlich Gegnerin der Kontingentierung. Der Redner beantragte, den Reichswirtschaftsrat mit einer grundsätzlichen Prüfung der Kontingentierungsfrage zu beauftragen.
In der Abstimmung wurde der Artikel HI der Vorlage, der die Verlängerung der Kontingentierung enthält, abgelehnt.
Am Sonntag setzten im Reichstage die Finanzsachverständigen und einige Parteiführer der hinter der Regierung stehenden Reichstagsfraktionen gemeinsam mit Vertretern der Finanzministerien der größeren deutschen Länder ihre Besprechungen über die Deckungsvortagen, »insbesondere über ihre Ergänzung durch eine Kops st euer fort. Anstelle des neuerdings wieder erkrankten Reichsfinanzminister Dietrich leitete Ministerialdirektor Dr. Z a r d e n die Verhandlungen. Für Preußen waren Finanzminister Dr. Hopker-Aschoff und Ministerialdirektor Dr. Hog erschienen, für Bayern Ministerialdirektor Dr. Hammer, für Württemberg Gesandter Vosler. Zn den Zuständigen Beratungen machte
besonders der preußische Finanzminister die stärksten Bedenken gegen eine Kopfsteuer
und gegen die Möglichkeit ihrer Durchführung geltend. Zn nicht ganz so scharfer Form äußerte sich auch der bayerische Regierungsvertreter gegen die Kopfsteuer. Trotzdem wurden die technischen Möglichkeiten für die Durchführung der Kopfsteuer genau durchgesprochen. Die Fraktionen behielten sich ihre endgültige Stellungnahme vor, doch gelang es, wie verlautet, eine Annäherung in den Auffassungen der Regierungsparteien .herbeizuführen. Beschlüsse wurden zwar nicht gefaßt, doch geht die Tendenz dahin, es im wesentlichen bei den vor einigen Tagen von der Regierung aufgestellten Ergänzungsvorschlägen zu den Deckungsvorlagen zu belasten.
Die Kopfsteuer soll für das Rechnungsjahr 1930 den Gemeinden fakul- tio zur Verfügung gestellt werden, und zwar in einer Höhe von mindestens sechs Mark pro Kopf.
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Der Artikel I (Verkürzung 8er Zahlungsfristen) wurde angenommen in der vom Abg. Dr. Fischer (Dem.) beantragten Form einer stusenweisen Verkürzung der Fristen.
Die übrigen Anträge wurden abgelehnt, ebenso die Schlußbestimmung über das Inkrafttreten des Gesetzes.
Auf Wunsch des Ministeriums wurde dann die
Abstimmung über die 'zurückgestellten Anträge zur Reichshilfe
vorgenommen.
Mit den Stimmen 8er Deutschnationalen, Sozialdemokraten und Kommunisten wurde bei Stimmenthaltung der Demokraten der Antrag Steinkopf. (Soz.) angenommen, wonach der Reichshilfe von den Beyördenangestell- ten nur diejenigen unterliegen, die eine beamtenähnlich gesicherte Stellung baden. Für den so geänderten § 2 des Reichshilfsgesetzes stimmten nur die Demokraten.
Rach der so erfolgten Ablehnung des §2 erklärte Reichsfinanzminister Dietrich: „Ich kann nach dieser Abstimmung erklären, daß die Reichsregierung an der zweiten Lesung der Vorlage kein Interesse hat.
Damit war die Ausschußsißung Zu Ende.
Falls die Realsteuerfätze, die am 1. Juli in Kraft waren, überschritten werden, sollen die Gemeinden zur Einführung der Kopfsteuer verpflichtet sein. Vom 1. April 1931 an soll die Kopfsteuer überhaupt obligatorisch sein.
Die Frakttonen werden sich am Montag mittag mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Das Ergebnis der Fraktionssitzungen soll der Regierung am Montag nachmittag mitgeteilt werden. Die Entscheidung liegt hauptsächlich bei den D e - mokraten und bei der bayerischen Volkspartei in deren Reihen sich scharfe Widerstände gegen die Kopfsteuer geltend machen.
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Zu den gestrigen Besprechungen der Finanzsachverständigen der Regierungsparteien im Reichstag erfährt das VDZ.- Büro noch, daß es sich dabei in der Hauptsache um die Bürgerabgabe (Kopfsteuer) handelte, über die in Bezug auf den Umfang des Personenkreijes, die Art der Erhebung der Steuer und die Verbindung mit den Realsteuern eine weit- l gehende Annäherung erzielt wurde. Dieser Fragenkomplex ist in seiner ganzen Natur so diffizil, daß Einzelheiten darüber naturgemäß doch nicht bekanntgegeben werden können, jedoch versprechen die Verhandlungen einen erfolgreichen Fortgang in den heutigen Fraktionssitzungen. Außerdem wird sich selbstverständlich das Reichskabinett noch mit dieser Frage zu beschäftigen haben. Es wird bestimmt damit gerechnet, daß die zweite Beratung der Deckungsvorlagen im Plenum, des Reichstags am Dienstag beginnt; bei dieser Gelegenheit werden die Regierungsparteien die Deckungsvorlage in Form von Jnitiativgeletzanträgen wieder einbringen.
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Da die gestrige Besprechung im Reichs- rage eine gewisse Annäherung zwischen den Regierungsparteien in der Kopfsteuer - f ra g e brachte, die im übrigen der einzige umstrittene Punkt der Deckungsvorlagen in diesem Gremium war, überwiegt in den politischen Kreisen die Hoffnung, daß die parlamentarische Erledigung dieser Gesetze nunmehr ohne Schwierigkeiten vonstatten gehen wird. Heute nachmittag treten die Fraktionen zusammen, um den Bericht über die gestrige Finanzberatung und die in diesem Zusammenhang getroffene Berein- barung hinsichtlich der Kopfsteuer zur Kenntnis zu nehmen. Darüber hinaus wird man sich über den notwendig gewordenen Initiativantrag zu einigen haben, den die Regierungsparteien am Dienstag bei der zweiten Lesung der Deckungsgesetze einbringen sollen, um die RegierungSvor- läge wieder zu vervollständigen. Das Reichskabinett tritt heute nachmittag, nachdem ihm die Fraktionsberichte vorliegen, zusammen, um über seine weitere Taktik die endgültigen Beschlüsse zu fassen. Es steht zu erwarten, daß der Reichskanzler am Dienstag selbst das Wort ergreifen wird, um durch eine nochmalige nachdrück- liche Erklärung auf den Ernst der Stunde hinzuweisen. In Kreisen der Regierung steht man dabei auf dem Standpunkt, daß in Anbetracht der Wirtschaftslage das De- sizit abgesetzt werden muh, und begründet den Beschluß, ob des Ausganges der Beratungen im Steuerausschuh den angenom- menen Teil der Regierungsvorlage in zweiter Lesung einzubriMen, damit, daß der Arsikel 1 doch eine Mehrheit im Ausschuß gefunden hätte. Die abgelehnten Teile der Deckungsvvrlage werden die Regierungsparteien dann, wie gesagt, als Initia- tivantrag einbringen, um damit das Deckungsprogramm einschließlich der Ergänzungsanträge wieder zu vervollständigen. Man glaubt, daß dann auch ein Teil der Deutschnativnalen mit den Regierungsparteien stimmen wird. Im übrigen wird es bei der entscheidenden Abstimmung auf jede Stimme ankommen.
Das Reichskabinett wird sich heute abend nach Beendigung der Fraktions- sitzungen der hinter der Regierung stehenden Parteien über die Aotwendigkeit äußerster Maßnahmen zur Ver- wirllichung seiner Steuerpläne endgültig schlüssig werden. Aeber die Anwendung des Artikels 48 zum Erlaß von Steuer-. Verordnungen herrscht innerhalb der Regierung eine nicht unerhebliche Meinungsverschiedenheit, obwohl die Mehrheit der Regierung für die Anwendung des Artikels 48 sein würde. Im Verlauf der Sitzung soll auch die Frage eine Rolle spielen, ob der Artikel 48 der Reichsverfasfung angewandt werden rann, sobald shstematisch die Steuervorlagen vom Reichstag abgelehnt werden, oder ob man es zur Abstimmung kommen lassen und das ziffernmäßige Ergebnis der Riederlage abwarten soll. Auch in dieser Frage stimmt die Auffassung im Kabinett nicht überein. Schließlich wird die Regierung noch die Möglichkeit einer Reichstagsauflösung in der Kreis ihrer Erwägungen ziehen.
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„DailyMail" spricht die Befürchtung aus, daß Aegypten unmtttelbar vor einer Revolution stehe. Der diplomatische Korrespondertt des Blattes schreibt: Führende ägyptische Rationalisten in London und Kairo sprechen ganz offen von der kommenden Revolutton; sie erörtern die Möglichkeit der Ausrufung einer äghpttschen Republik mit Nahas Pascha als erstem Präsidenten, oder die Möglichkeit einer Absetzung des Königs Fuad und die Ausrufung seines Sohnes, des 10jährigen Prinzen Farouk, zum König. Auch Daily News" und „C h r o n i c l e" befassen sich in einem Leit- attikel mit der Möglichkeit von Anruhen in Aegypten und sagen, König Fuad habe