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Freitag, ten 11. Mit 1930

Die -Lr«r-esstsch« Settmtg* tt- scheinl sechsmal wöchentlich. De- zngspeets monatlich 2220 GM.a»s» schließt. Znst-llnvgSgebühr, durch di« Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik. Maschiuendefekt »der de- «statt Ereignisse ausfallende Summe« wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Buchdruckerek Ioh. Ang- Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit »er Redaktion von 1011 und

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Anzeiger für (das frühere kurhsssische) Oberheffen

MM S5.Mkg. Marburg a.8abn

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Keim Rettung mehr mWK

Die RettllWmannKOaften in Neurode können wegen -er Bergalung nicht weiter Möringen

Wie aus Haus darf gemeldet wird, hat die Verwaltung der Wenzeslausgrube nunmehr eine gewiffe Uebersicht über die Lage erlangt. Es stellt sich nunmehr her­aus, daß die bisherigen Zahlen nichtgenau waren. Nach der nament­lichen Liste der Grubenverwaltung steht fest, daß die gesamte Schicht von 224 Per­sonen befahren wurde, von denen aber 14 nicht gefährdet waren und sich selbst nach Hause begeben Konnten, Tatsächlich in Mitleidenschaft gezogen wurden durch das Unglück 210, von denen aber zehn nur leicht verletzt wurden, die ebenfalls nach Haufe gebracht werden Konnten. Nach der neuesten Berechnung beträgt die Zahl der Geretteten 59.

Ms Tote sind jetzt endgültig 151 Berg­leute anzusehen, von denen 70 noch nicht geborgen sind.

Die Rettungs- und Aufräumungsarbeiten erfuhren gegen abend einen gewissen Stillstand, obgleich die Frischluftzufuhr gut funktioniert, sodaß die Rettungs­mannschaften ohne Gasmasken arbeiten können. Die Kohlenstaub-, Stein- und Kohlenmassen bereiten riesige Schwierig­keiten. Die Lage in der Grube ändert sich fast in jeder Minute. Es ist den ein­zelnen Leuten oft nur möglich, wenige Minuten an der Rettungsarbeit teilzu- nehmen.

Im Laufe des gestrigen Nachmittags gelang es auf dem Kurt-Schacht, die Lüf­tung im Schacht etwas zu bessern. Zwei Trupps drangen so weit vor, daß sie Tote erkennen konnten. Die Arbeiten mit den Sauerstoffapparaten waren aber so an- ebzufehen, wann deren Bergung nicht ausreichten: die Rettungsmannschaf­ten mußten daher unverrichteter Sache wieder zurückkehren. Da auch anzuneh­men ist, daß verschiedene Tote unter den eingestürzten Stollen liegen, ist noch nicht abzusehen, wann deren Tagung möglich sein wird. Aus Bad Chärlotten- brunn sind weitere Sanitätskolonnen zur Ablösung herbeigeeilt, ebenso neue Ret­tungsmannschaften mit den modernsten «auerstoffaparaten.

Im Knappschaftslazarett in Neurode bemühen sich sechs Aerzte und zahlreiche Pfleger und Pflegerinnen um die Verun­glückten. Einige der Geretteten sind be­reits vernehmungsfähig, können aber Mchts wesentlich Neues über die Kata- Itropye berichten. Da die meisten be- wußtlos eingeliefert wurden und erst jetzt wieder zu sich kommen, wissen sie noch garnicht, wieviele ihrer Kameraden dem Unglück zum Opfer gefallen sind.

Die Erregung in Hausdorf ist im Laufe des Nachmittags erneut gewachsen, wo- dei besondere Gerüchte eine Rolle spielen. Der einzige Ueberlebende aus der Abtei- Eg 17, die etwa 500 Meter von dem Ort der, Katastrophe entfernt war, erzählt, daß er versucht hat, den Steiger tele­phonisch zu benachrichtigen. Es wi ihm aber nicht geglaubt worden, seine Meldung zuträfe. Später sei er °°nn mit der Rettungsmannschaft erneut wieder eingefahren. Am Vormittag wurde versucht, eine der Wettertüren mit ^walt zu öffnen. Die Rettungsmann- ^asten konnten jedoch nicht vordringen, da timen erneut Kohlensäuregase ent- Segenkamen.

Inder Nacht zu heute ist es gelungen, dan der 17. Abteilung weitere 16 Ar- - littet zu bergen. Sie sind sämt-

l o t. Danach kann über das Schick- S?1, der noch in der Grube befindlichen , rverter nicht mehr der geringste Zwei- w Kerrschen.

Die Beisetzung der Opfer.

Die Opfer der Grubenkatastrophe, die in der großen Mehrzahl aus Hausdorf stammen, werden am Sonntag früh auf dem Friedhof in Hausdorf in einem Massengrab beigesetzt. Die Ueberführung der Opfer vom Knapp­schaftslazarett Neurode nach Hausdorf er­folgt in der Nacht zum Sonntag. Der Beisetzung geht am Sonnabend im Ze­chenhaus der Wenzeslausgrube in Mölke

eine Trauerfeier für die Angehörigen der toten Bergknappen voraus.

Zu der furchtbaren Katastrophe auf der Wenzeslaus-Grube hören wir, daß vom Oherbergamt nicht unbedingt die allge­mein verbreitete Meinung geteilt werde, daß die 70 Mann, die auf Sohle 17 ein­geschlossen sind, unbedingt verloren sind. Im Bergbau habe man in dieser Bezie­hung schon das Wunderbarste erlebt. Die Gefahr der Kohlensäureausbrüche ist seit

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dem Jahre 1894 bekannt. Nur drei bis vier Gruben, die in der Hauptsache im Waldenburger Revier liegen, sind in die­ser Weise gefährdet. Das Gas kommt aus dem Erdinnern, aus den tieferen Schichten der Erdrinde aus Spalten auf und verbreitet sich in die Kohlenflöze und in das benachbarte Gestein. Beim Abbau tritt es dann zutage. Manchmal aber sammeln sich die Gasmassen unter starkem Druck an, und es kommt zu Ausbrüchen. Die Ausbruchsgefahr hat auf der Wenzes- laus-Grube in der letzten Zeit zugenom- men. Im Jahre 1929 wurden 35 Aus­brüche verzeichnet, ohne daß aber ein Menschenleben verloren ging. Nach den bisherigen Erfahrungen haben die Aus­brüche jedesmal etwa 1000 Tonnen Kohle

herausgeschleudert. Beim jetzigen Aus­bruch dürfte ein Vielfaches dieser Menge herausgeschleudert worden sein. Die Ar­beiter sind entweder durch Erstichung oder durch diese herausgeschleuderten Ge­steinsmassen getötet worden. Eine Explo­sion hat nicht stattgefunden.

Bis jetzt keine weiteren Opfer geborgen.

Den Rettungsmannschaften ist es bis heute morgen nicht gelungen, außer den 16 Bergleuten der Abteilung 17, die sie gestern bereits entdeckt hatten, weitere Opfer zu bergen und an die Oberfläche der Erde zu bringen. Infolge der Gase können die Rettungsmann­schaften nicht Vordringen.

1921: ZecheMont Cenis b.Hamm

79 Tote

'Li&gnitz

1925:

Tote

SfreMen

ntäenburg

Saarrevier

112 Tote

SLOW.

7930:

2 Tote

Zeche-Radbod6. Hamm

___1900:360Tote

X Unr . '-4 skSe. Kurt-Schadt)

ein britischer Wonlol verschwunden

Daily Mail" berichtet ans MckrftM: Der Polini ist gemeldet morden, daß der britische Bizekvnsul Lee seit mehreren Tag« vermißt wird.

Obwohl das äußerste Stillschweigen int britischen Konsulat beobachtet wird, verlautet' dem Blatte zufolge, daß er sein Büro am Sonnabend, nachmittag 12.15 Uhr, verlassen hat. Sein Diener teilt mit, daß er seinen Herrn zum letzten Male am Sonnabendabend 8.30 Uhr gesehen habe, als dieser fortge­fahren war, um seinen Kraftwagen zur Ga­rage zu bringen. Ein Angestellter der, Ga­rage erklärte, daß er zugegen gewesen sei, als Lee seinen Wagen hinembrachte, er lcmn je­doch nicht sagen, was er darauf unternommen hat. Eine Agentur-Meldung aus Marseille besagt, die dortige Polizei habe aus London die Erlaubnis erhalten, eine Durchsuchung des Konsulats vorzunehmen.

Daily Erpreß" berichtet aus MarseMe, es werde befürchtet, daß der vermißte britische Vizekonsul von Apachen angegriffen und entweder tot oder lebend nach entern ihrer Schlupfwinkel geschleppt worden ist. Der Konsul hatte seinen Wagen in die Ga­rage gebracht und dann einen Spaziergang unternommen.

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Frankreich mb Stollen

Die vorläufige Aufschiebung französischer Kreuzerbauten.

Wie der Pariser Korrespondent derTi­mes "meldet, hat Briand gestern abend eine offizielle Mitteilung an Henderson gesandt, in dem er ihn von dem französischen Beschluß unterrichtet, vor Ende des Jahres keine Schiffe auf Kiek zu legen, um die Flot­tenverhandlungen mit Italien zu fördern. Times" fügen redaktionell hinzu, daß der Beschluß, den Schiffsbau einzustellm, nicht als eine Annahme des italienischen An- spruchs auf Parstät ausgelegt werden dürfe, und sagt, daß die Hauptargumente in dem italienischen Memorandum weiterhin für Frankreich unannehmbar seien.

In einem Leitartikel bezeichnen dieTi­mes" den Schritt der französischen Regie­rung als sehrwillkommene Nachricht und alspraktische Geste" und bemerken, die französische Antwort bilde einen wertvollen Beitrag für dieguten Beziehungen mit Italien".

Echo de Paris" will in Ergänzung der Ausführungen über das französisch-stalie- nische Problem, die Außenminister Briand gestern vor dem Kammerausschutz für Aus­wärtige Angelegenheiten abgab, berichten kön­nen, datz Briand auch erklärt habe, noch vor Ablauf des Jahres sei eine weitgehende Entspannung in den französisch-italtenischen Beziehungen zu erwarten. Es sei völlig un­nütz, an bett Völkerbund zu appellieren, um den Konflikt zu regeln, der seiner Ansicht nach dadurch nur noch verschärft werden würde.

Er sei überzeugt, datz sowohl in der Flot­tenfrage, wie auch über Tunis und Tripoli- tanien eine Verständigung möglich sei. Als Derhandlungsmethode komme diejenige in Be­tracht, die Rom genehm sei, entweder Ver­handlungen von Regierung zu Negierung oder Verhandlungen zwischen Sachverstän- bigen.

Wens Antwort an Briand

Warschau, 10. Juli. Heute nachmit­tag wurde dem französischen Geschäftsträger die polnische Antwort auf das Briand-Me- morandum überreicht. Die polnische Regie­rung erklärt sich darin bereit, an allen Ar­beiten der ersten europäischen Konferenz teil­zunehmen und sagt, sie teile vollständig dm Standpunkt Frankreichs, daß es notwendig sei, den europäischen Staaten zunächst die politische Sicherheit zu garan­tieren, bevor man andere allgemein in- teressierende Probleme, wie beispielsweise die wirischaftlichm Fragen, regele. Um die für jede erfolgreiche und nützliche Zusammmarbeit notwendige Atmosphäre gegenseitigm, Ver­trauens zu schaffen und den Staaten, die der Union als Mitglieder angehören, die Sicher­heit zu garantieren, würde es sich zuerst vielleicht empfehlen, die europäische Union, entsprechend den Erundsätzm des Genfer Protokolls (!) zu organisieren.