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den 9. Sui« 1930
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Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhesse«
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D 864 auf der Sftfee grttntert
Bei Mann »er Besatzung und ein Wssagier gerettei — Sa§ SMial der nbrlgm ist ungewiß
Kopenhagen, 8. Juli. Das zu einem Flug nach Stockholm aufgestiegene Dornierflugboot „D 864“ wurde am Montag nachmittag durch einen Propellerschaden in der Nähe von Bornholm zu einer Notlandung auf der bewegte« See gezwungen. Um 16.10 Uhr nahm der Flugbootführer Verbindung mit dem Motorschoner „Maja“ auf und schloß einen Vertrag mit ihm, das Flugboot in den nächsten Bornholmer Hafen zu schleppen. Nach zweieinhalbstündiger Schleppfahrt trat die Katastrophe ein.
Das Flugboot kenterte, und alle Insassen sprangen ins Wasser «ab klammerten sich an den Rumpf an. Es gelang der „Maja“, drei Personen zu retten. Wegen des hohen Seeganges war es aber unmöglich, wieder au das Wrack heranzukommen. Dagegen wurde die in der Nähe segelnde holländische Pacht „Spitz“ beordert, an das havarierte Flugboot heranzugehen, und man konnte von der „Maja“ aus beobachten, daß dieses Fahrzeug weitere zwei Insassen des Flugbootes an Bord nahm. Man mutz jedoch befürchten, datz
die übrigen drei Insassen ertrunken find. Ein deutsches Torpedoboot, mehrere deutsche Flugzeuge und eine Anzahl Bornholmer Fischerfahrzeuge suchen weiterhin die Unglücksstelle ab.
Die Besatzung bestand aus Flugkapitän K u r i n g. Flugmaschinist Friedrich und dem Funker T i p p m a n n. Es ist zu befürchten, daß der Funker ums Leben gekommen ist. Aus den Meldungen geht nicht klar hervor, um welche zwei Personen^ die außer dem Flugkapitän und dem Maschinisten gerettet sind, es sich handelt. Bestimmt ist von den Passagieren ein ' Herr namens Ericsohn gerettet. Die Namen der übrigen Passagiere sind: Krekelsberg, Vurgholter, Fräulein Nortrop und Birk.
Der Unfall des Flugzeuges D. 864.
Kopenhagen, 8. Juli. Die von dem Motorschoner gereteten drei Insassen des gekenterten Flugzeuges D. 864 sind um Mitternacht in N e x ö elngetroffen, wo sie im Krankenhause untergebracht, heute früh indessen wieder als gesund entlassen wurden. Zwei weitere Passagiere find anscheinend von einem holländischen Dampfer gerettet worden. Nach den drei Insassen des Flugzeuges, die noch vermißt werden, wird von deutschen und dänischen Schiffen gesucht.
Das Schicksal der vermißten Flug, bootinsassen noch ungewiß.
Stettin, 8. Juli. Nachforschungen nach dem Verbleib des Bordfunkers Tipp- mann und der beiden Insassen, deren Namen noch nicht bekannt sind, haben bis letzt noch zu keinem Ergebnis ge- Mrt, da schwere See die Sucharbeit der Torpedoboote sehr erschwert. Flugkapitän Kuring, der in erschöpften Zustande im Krankenhause von Nexö Aufnahme gefunden hat, teilt mit, daß sich nach dem Niedergänge des Flugzeuges auf das Wasser
alle Insassen an Deck begeben hätten Und vom Bordmechaniker mit Schwimmwesten versehen worden seien. Als das Boot kenterte, feien drei Personen von einem Dampfer aufgenommen morden, dessen Namen er aber nicht er- rennen konnte. Von dem Verbleib der uorrgen drei Personen wisse er nichts.
Das zweimotorige WasserfluMeug mußte niedergehen, weil die Kurbelwelle des Hinteren Jupitermotors gebrochen war.
Nach anderen unbestätigten Meldungen soll das kieloben treibende Flugzeug inzwischen an die Küste Bornhols getrieben worden sein, doch sei niemand von den Insassen an Bord gewesen. Der Lotse«- kommandeur von Due Odde behauptet, fünf Personen gesehen zu haben, die auf den Schwimmern gestanden hätten.
Auf der Suche nach den fünf vermißte« Flugbootinsassen.
Berlin, 8. Juli. Die Deutsche Lufthansa hat heute den ganzen Tag über mit
Kairo, 8 .Juli. Bei einer Versammlung ägyptischer Nationalisten kam es hier zu schweren Unruhen. Das Automobil des früheren Premierministers Nahas Pascha durchbrach die Absperrung der Polizei und wollte auch die militärische Absperrung durchbrechen, wurde jedoch durch die Bajonette aufgehalten. Die Truppen gaben eine Salve ab, durch die mehrere Personen getötet wurden.
Wie zu den bereits kurz gemeldeten Unruhen ergänzend berichtet wird, ereigneten sich die Zusammenstöße in
Ma ns ur ah, als der frühere Ministerpräsident Nahas Pascha dort mit
mehreren Nationalisten zum Besuch der
Stadt eingetrosfen war. Die Menge schleuderte auf der Straße und von den Balkons an den Kais Steine auf Polizei und Militär, sodaß dieses sich gezwungen sah, nach den üblichen Aufforderungen zum Räumen der Straße bas Feuer auf die Menge zu eröffnen. Ein Abgeordneter, der zugleich Mitglied des Vollzugsrats der Wafd- Partei ist, wurde durch einen Bajonettstich am Arme verletzt. Der Oberstaatsanwalt, der während der Unruhen Ermittlungen veranstalten wollte, mußte vor dem Steinhagel der Menge weichen, die auch mit Sand gefüllte Flaschen schleuderte. Der Kampf zog sich lange Zeit hin. Die Menge versuchte u. a. auch einen Polizeibeamten mit einer Schlinge aus Eisendraht an einem Fensterkreuz auszuhängen, aber die Schlinge zerriß;
dem Bezirksleiter der Deutschen Lufthansa Schiller an Bord nach Bornholm abgedampft. Auch die schwedische und dänische Marine haben Fahrzeuge auf die Ostsee geschickt, um sich an den Bergungsarbeiten zu beteiligen. Von den immer noch vermißten fünf Personen ist die Nationalität von Herrn Burgkolter und Frl. Nortrop noch unbekannt. Herr B r a - kelsberg ist Inhaber eines Handelshauses in Gevelsberg in Westfalen. Birk ist der Bruder eines Redakteurs der Kölnischen Zeitung. Ferner fehlt noch Nachricht über den Verbleib des Bordfunkers T i p p m a n n.
Flugzeug l>. 864 bei Bornholm gesunken.
Kalmar, 8. Juli. Nach einer beim hiesigen Flughafen einzegangenen Meldung ist das in der Nähe von Bornholm gekenterte Flugboot jetzt aeiunken. Man
allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln nach dem Verbleib der fünf vermißten Flugbootinsassen geforscht, ohne aber bis jetzt ein Resultat erzielt zu haben.
Eine deutsche Torpedoboothalbflottille hat sich trotz des Sturmes auf die Suche nach dem Flugboot begeben.
Das Torpedoboot T 151 gab funkentelegraphisch die Meldung, datz es die Ostsee an der Unglücksstelle abgefahren, aber bisher keine Spur, weder von dem Flugboot noch von den Insassen gefunden habe. Weiter ist ein Flugboot von Kalmar in Schweden aufgestiegen, um aus der Vogelperspektive Spuren der Vermißten zu finden. Ein Torpedoboot ist mit
insgesamt wurden sechs Persone«, getötet
Drei fielen auf Seiten 8er Polizei unS der Truppen und drei auf Seiten der Aufständischen. Außerdem wurden 21 T>)lizeibeamten, 13 Soldaten und 12 Aufständische verletzt. Polizei und , Militär waren in Stärke von 1700 ann in Man- surah und Umgebung zusammengezogen.
Wie amtlich mitgeteilt wird, sind die Behörden Herren der Lage. Nahas Pascha ist nach Kairo zurückgefahren. Vor ferner Abreise wurde es ihm verboten, in ansurah auf die Straße zu gehen. Er mußte bis zur Abfahrt im Hause SHin- nawi Beys bleiben.
Der Korrespondent 8es „Daily Herald" in Kairo, der erklärt, Augenzeuge der gestrigen blutigen Vorgänge gewesen zu sein, gibt folgende Darstellung darüber: Als die Soldaten die Demonstranten, die auf die Trittbretter des Automobils Nahas Paschas gesprungen waren, entfernt hatten, kam es zu einem aufsehenerregenden Zwischenfall.
Ein Soldat stach mit seinem Bajonett nach Nahas Pascha. Ein Abge- ordneter, ein hervorragendes Mitglied des Wafd, wehrte den Stotz mit seinem Arm ab, der von der Klinge aufgeschlitzt wurde.
Nahas Paschas Rock und Hem8 triefte vom Blut seines Kollegen. Hierauf erhielten dis Automobile die Erlaubnis, weiter zu fahren. Als sie vorüber waren, begann die erregte Menge mit Steinen auf die Truppen zu werfen.
vermutet hier, datz die drei noch vermißten Pe r f on e n in der Kabine geblieben und ertrunken sind.
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Ein mMches SvMvremmm
Berlin, 8. Juli. Entsprechend dem vom preußischen Landtag angenommenen Antrag, der verstärkte Sparmaßnahmen fordert, bereitet die preußische Staatsre- gierung, wie der Demokratische Zeit- lungsdienft erfährt, ein großes Sparprogramm vor, das im Herbst dem Parlament als Gesetzentwurf vorgelegt werden soll, wie verlautet, sieht das Programm u. a. die Aufhebung von rund 100 Amtsgerichten und einigen Landgerichten vor. Außerdem sollen etwa 50 Landkreise und 3 Regierungspräsidien oufapfiohen merken.
Blutige WamlmnWe in Ägtzsten
Polizei MU In die Menge - 6 Zoie
Sie ReziernngWrieien zur SelknngÄerisge
In der Dienstagsitzung des Reichstages wurde die zweite Beratung des Haushalts des Reichsfinanzministeriums fortgesetzt.
Abg. v. Sybel (Chrisll.-nat. Bauernpt.) erklärte, die Notlage des Obst- und Gemüsebaues mache einen Kurswechsel nicht nur in der Handelsvertrags-, sondern auch in der Steuerpolitik erforderlich. Ein großer Teil der Ersparnisvorschläge des Hansabundes würde sich bei gutem Willen verwirklichen lassen.
Die Grundsteuer sei noch ungerechter als die Gewerbesteuer.
Um diese ungerechten Steuern senken zu können, müsse der Verwaltungskostenbeitrag noch vor der Sommerpause des Reichstages beschlossen werden. Die im Zusammenhang mit der Preissenkung notwendige Senkung der Löhne und Gehälter müsse direkt und einheitlich erfolgen, nicht auf dem Wege einer Sonderbelastung bestimmter Gruppen. Ein Junctim zwischen Osthilfe und Deckungsvorlagen wäre nicht zu rechtfertigen.
Abg. Dr. Cremer (Dt. Vpt.)
wirst dis Frage auf, ob nicht eine Umgestaltung der Finanzverwaltung möglich wäre mit dem Ziel, diese Verwaltung übersichtlicher zu gestalten und den Reichsfinanzminister von der Ueberfülle seiner Aufgaben zu entlasten. In dieser Verwaltung könnten wesentliche Ersparnisse gemacht werden. „Dem Minister stimmen wir darin zu," so führte er aus, „datz gewisse Reserven angesammelt werden müssen. Wir haben immer die Forderung aufgestellt, die Finanzgebahrung zu ändern und eine gewisse Selbstbeschränkung des Parlamentes in der Ausgabenbewilligung durchzuführen. Leider sind unsere dahin zielenden Anträge noch nicht einmal bis zur Ausfchutzberatung gelangt. Das Ostprogramm müsse in engem Zusammenhang mit der Deckungsfrage behandelt werden. Es war ein Fehler, datz Hilfer- dings Ersparnis nicht energisch weiterversolgt worden ist.
Die, Stevem als Mistel zur Ettmahme- oermehrung können nicht ins Ungeimssene erhöht werden.
Der Ertrag der indiresten Steuern findet seine Grenze am Konsumrückgang. Das wird sich auch bei der Biersteuer zeigen. Die unheilvolle Verbindung der Ftnanzlage der Arbeitslosenversicherung mit der des Reiches mutz getrennt werden. Unsere Vorschläge zur Reform der Arbeitslosenversicherung von 1929 werden jetzt zu 90 Prozent erfüllt. Die Ankurbelung der Wirtschaft wird im wesentlichen Sache der Privatinitiative sein müssen. Ihr mutz steilich die Bahn frei- gemacht werden durch Senkung der auf der Privatwirtschaft ruhenden L a st e n.
Die sogenannte Reichshllfe der Beamten ist «in Umweg, der den Eindruck erweckt, als wollte man die Steuern da holen, wo sich der schwächste Widerstand $tigt.
(Zurufe des Abg. Schuldt (Dem.): Molden- hauer!) Wenn die Deutsche Volkspartei ihre Meinung geändert hätte, wäre mein Freund Moldenhauer heute noch Fmanzmrnister. Wir haben immer den Standpunst vertreten, datz in der Zett der Not alle Volksschichten gleichmäßig zu Opfern herangezagen werden müssen und datz dann auch die Beamtenschaft sich nicht ausschalten wird. Der Verwal- tungskostenbeitrag ist keine sensationelle Neuerung. Mtt dieser Abgabe können wir nicht nur die Gemeindesinanzen, sondern die allgemeinen Finanzen sanieren. Man kann diese Abgabe zulassen und es den Gemeinden freistellen, dazu Zuschläge zu erheben. Die Realsteuern könnten entsprechend gekürzt werden. Die Ledigensteuer nrutz differenziert werden und nach der wirtschaftlichen Lage und nach den Verpflichtungen der Ledigen. Der Zuschlag zur Einkommensteuer widerspricht dem wichtigsten Programmpunkt der Regierung, der Verheißung einer Steuersenkung zum Zweck der Kapitalbildung.
Die starke Zurückhaltung der Deutschen Volkspartei dem Deckungsprogramm g<- genüber entspringt der tiefsten Sorg« um die deutsche Wirtschaft.
Wenn immer noch in der Presse vom Ermächtigungsgesetz und von anderen Plänen gesprochen wird, so kann das nur zur Beunruhigung der Wirtschaft führen. Wir ermatten von der Regierung, daß sie versuchen