NtkiMov, »en 8, Ml 1930
Di< ^Oberhessisch« 3eÄmg" «* scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2^0 GM.«rS- schließl. Zustellungsgebühr, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschmendefekt oder elementare Ereignisse ausfallend« Rmnnrer» wird kein Ersah ge- ieiskt. Verlag Dr. §. Hiheroth.^ Druck der Unib.-Buchdruckerek' Ioh. Ang- Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. u. Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt ». M. Nr. 5015. — Sprechzeit »er Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurhessrschej Oberheffen
torär ß.3nteg. Marburg a.Ladn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Die EtrukrsMe vor dem ReMag
RkMsimmMinlW Je. MM vertritt die RegierungSoerlage — Sie SeuWnationalen lehnen ab
In der Montagssitzung des Reichstags wurde zunächst des deutsch-rumänische San- delsprooisvrium in zweiter und dritter Beratung gegen die Stimmen der Rechten angenommen.
Zur Beratung kommt dann die neue Deckung so orlage der Regierung (Reichs- bilfe, einmaliger Einkommensteuerzuschlag, Ledigensteuer, Aenderung der Tabaksteuer, Ergänzungsetat). Die Beratung wird verbunden mit der zweiten Beratung des Haushalts desReichsfinanzministertums.
Reichsfinanzminister Dr. Dietrich
beginnt seine Ausführungen mit einem Dank an seinen Vorgänger Dr. Moldenhauer, der sich durch sein mannhaftes Eintreten für einen unbedingt gedeckten Haushalt Verdienste erworben habe, die eine spätere Zeit ruhiger Rückschau besser zu würdigen wissen werde. Nach einem kurzen lleberblick über die Entwicklung der Neichsfinanzen in der letzten Zeit weist er auf den ungedeckten Fehlbetrag des Haushalts hin, der, wie der Minister bereits im Reichsrat im einzelnen dargelegt hat, 485 Millionen RM. beträgt.
Der Minister geht dann des näheren auf
die DeckungsvorschiSge
ein. Was die von der Regierung beabsichtigte Einsparung von 100 Millionen an den Haushaltsausgaben angehe, so werde es unter den Ressorts noch einen harten Kampf geben. Er habe aber
die tatsächliche Einsparung dieser 100 Millionen zur Voraussetzung seines Verbleibens im Amte
gemacht. Nicht zugeben könne er, daß im gegenwärtigen Moment weitere sofort wirksame Ersparnismöglichkeiten beständen. Der Minister setzt sich dann im einzelnen mtt den SparoorschIägen des Hansabun- des auseinander. Alles in allem könne man sagen, daß von den Vorschlägen des Hansa- bundes schließlich noch 100 Millionen wirkliche Ersparnisse übrig blieben, die ja auch die Reichsregierung zu machen entschlossen Jet. Auch im Reichsrat habe niemand positive Anregungen zu weiteren Ersparnissen zu geben vermocht.
Auch nach der Annahme der Deckungsvorlagen der Regierung wäre es ver-
- wegen, zu sagen, datz wir damit über den Berg wäre«.
Jeder, der die Konjunkturempfindlichkeit des Haushalts kennt, werde sich hüten, bindende Versprechungen für die Zukunft zu machen, besonders in einem Augenblick wie dem gegenwärtigen, in dem die Wirtschaftslage der ganzen Welt ungewöhnlich gestört und verworren sei. Was den bei der Reichsbahn zu erwart en den Fehlbetrag angehe, so sei nicht nur ein erheblicher Vortrag bei der Reichsbahn und außerdem, starke Reserven vorhanden, sondern das Reich sei auch seinerseits in der Lage, in einem bescheidenen Umfange zu helfen, ohne selbst seine Finanzen damit zu belasten. Die Lage der Gemeinden sei jedoch als durchaus schlecht anzusehen. Die Hauptursache der finanUellen Notlage der Gemeinden,
die Arbeitslosigkeit,
bilde auch eine stete Gefahr für die Finanzen des Reiches. Die Reichsregierung sehe diese Gefahr in aller Schärfe. Mit den oorge- sehmen Ausgaben für die Arbeitslosenver- sicheruna werde man nur auskommen, wenn das Arbeitsbeschästigungsprogramm durchgeführt werde. Man könne sagen, daß die Aussichten, für eine Mlliarde im Laufe des nächsten halben Jahres Arbeit in Gang zu bringen, hunderttausenden von Menschen Lohn und Brot schaffen würden. Nur wenn das gelinge, könne die im Haushalt aufge- machte Rechnung über die Kosten der Arbeitslosigkeit verantwortet werden. Bei der Vergebung der Arbeiten müsse besonders sorgfällig darauf geachtet werden, daß sie nicht die Preise erhöhen. Eine wertere Gefahr für die Reichsfinanzen liege in der zu niedrigen Einschätzung der Ewnahmeausjäüe, doch werde
Die ReglemnssrMtmn schweigen
es sich hier nicht um Summen handeln, die den Haushalt in Unordnung zu bringen in der Lage seien. Bei der Neuregelung der öffentlichen Finanzen komme der
Ordnung der Gemenidefinanzen
die größte Bedeutung zu. Es werde nicht möglich sein, diese Ordnung etwa in der Form herbeizuführen, daß das Reich neue Mittel aufbringt, und sie dm Gemeinden zuwendet. Es komme vielmehr darauf an, sie selbst für die Verausgabung und für dis Bewilligung der Steuern verantwortlich zu machen. Im Vordergrunds ständen da der Verwaltungskostenbeitrag oder Bürgersteuer, die Eemeindegetränkesteuer und die Frage der Besteuerung der öffentlichen Betriebe. Der Minister bittet das Haus, das ihm vorliegende Gesetz über die Besteuerung der Betriebe der öffentlichen Hand noch vor der Sommerpause zu verabschiedm.
Der Minister befaßte sich dann mit dem
Paris, 7. Zuli. Zm Verlaufe der Besprechungen, die in den letzten Tage« zwischen dem Führer der deutschen und der französischen Delegation für die Saarverhandlungea, Staatssekretär z. D. von S i m s o n und Minister der öffentlichen Arbeiten Per not. stattgefunden haben, ist festgestellt worden, datz über gewisie Fragen, die von beiden Regierungen als wesentlich angesehen werden, nach wie vor sehr ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Mit Rücksicht hierauf ist im beiderseitigen Einvernehmen in Aussicht genommen worden, die Verhandlungen demnächst zu suspendieren. Beide Negierungen werden die Pause benutzen, um die Lage, wie sie sich nach den Arbeiten der beiden ersten Unterkommisfionen — Gruben- und Zollkommisfion — dar- stellt. zu prüfen, und um zu klären, ob auf Grund dieser Prüfung eine erfolgversprechende Wiederaufnahme der Verhandlungen, die für Oktober in Aussicht genommen ist. möglich sein wird.
Wie WTB. zu dieser Mitteilung noch erfährt, handelt es sich bei den ernsten
die Gmndidem der Arbeit abgeben, dis im Laufs der nächstm drei Monats in Angriff genommen werden müssen. Der Minister wendet sich dann dem
Haushalt für 1931.
zu, dessen Vorarbeiten in wenigen Wochen begonnen würden. Bei der Aufstellung dieses Haushaltes werde selbstverständlich wieder die Frage von entscheidender Bedeutung sein, ob man Me wirtschaftliche Entwicklung als noch weiter absteigend ansehen muß oder nicht.
Auf i>ie Dauer könne das Volk neben den «norme« inneren und äußeren Kriegslasten nickst noch 1,5 Milliarden oder mehr für die Bekämpfung der Arbeits- »osigkett ohne Gegenleistung tragen.
Der Minister bezeichnete die Ausführungen des Berichterstatters im Reichsrat, Ministerialdirektor Dr. Brecht als durchaus zutreffend, in denen für 1931 ein Minussaldo von 270—300 Millionen errechnet wurde. Natürlich hänge auch hier wieder alles von der wrrtfchaftsichen Entwicklung ab. Wenn man sich auch vor einem billigen Optimismus hüten müsse, so brauche man doch nicht so pejsimtzüjch ru fem- wie es waferocts der Fall
Umbau des Steuerwesens
des Reiches und erklätt, daß hier die Senkung der Real steuern und der Einkommen st e u e r das erste Ziel sein müsse, wobei wiederum die Realsteuerftage für die vor- dringlichste halte. In welchem Zeitpunkt diese Senkungen aber bewerkstelligt werden konnten, sei heute noch nicht zu sagen, da die Auswirkung der schwebenden Finanzmaßnahmm noch nicht zu übersehen sei. In dem Augenblick, in dem wir die Haus zins st euer ganz oder teilweise nicht mehr für den Wohnungsbau brauchen, werde die Auseinandersetzung zwischen Reich, Ländern und Gemem- den ungeheuer erleichtett, weil in diesem Augenblick eine Entlastung der Realsteuern im ganzen oder eine Umgestaltung möglich lein werde. Diese Umgestaltung sei besonders vordringlich bei der G e w erb e st eu er, die der Minister als ungerechteste Steuer bezeichnete. deren Verschwinden ihm besonders erwünscht wäre. Alle diese Fragen würden
Meinungsverschiedenheiten im wesentlichen um die französische Forderung nach einer Beteiligung am Betriebe der Kohlengruben nach Rückgliederung des Saargebietes. Die Verhandlungen waren im übrigen durchaus noch nicht zum Abschluß gelangt und es bestand auf deutscher Seite der Eindruck, datz in allen übrigen Fragen wohl eine Einigung hätte erzielt werden können. In der entscheidenden Frage aber gab es für die deutsche Delegation kein Nachgeben, und sie hatte gegenüber der französischen Delegatton zum Ausdruck gebracht, datz sie auch fernerhin an diesem Standpunkt festhalten werde. Die wirtschaftliche Begründung der Franzosen, daß die Kohlenlieferungen nötig hätten, wird von deutscher Seite für nicht stichhalttg erachtet und zwar schon deshalb nicht, weil man auf deutscher Seite gern bereit war, langfristige Kdhlenlieferungsverträge ab- zuschlietzen. Der Bedarf an Kohlen bedingt durchaus nicht eine Beteiligung am Bettiebe der Gruben, die diese Kohlen liefern sollen. Bei der Ablehnung dfeser französischen Forderung habe die deutsche Delegation das Saargebiet ohne Unterschied der Parteien und Berufsstände hinter sich.
sei. Zunächst könnten wir als em Plus buchen, daß unsere Landwirtschaft in stetgen- dem Maße den Nahrungsmittelbedarf Deutschlands deckt. Zum Schluß weist der Minister auf die Bedeuttmg der Verabschiedung der vorliegenden Gesetzentwürfe hin.
Mit diesen Vorlagen steh« und fall« nicht nur die Reform der Arbeitslosenversicherung, sondern auch die Bettragserhöhung.
Wenn diese beiden Dinge nicht erledigt würden, so sehe er keinen Weg, die hierdurch zu erwattenden Mittel in Höhe von runb 300 Millionen aufzubringen, die die Arbeitslosenversicherung erfordere. Aber auch die ebenso bedeutsame Reform der Krankenversicherung und das Gesetz, welches die Bewilligung wetterer Knegsinoalidenreuren tm wesentlichen aufheben soll, könne dann schwerlich eine parlamentarische Erledigung finden.
Es würden nicht nur die sozialen Reformen, sondern auch die Grundlagen für das Ostprogramm entfallen.
Die Vorlagen dürsten nicht vom Eesichts- puntt einzelner Jnteressentengruppen betrach-
IFortfetzrmg fi*6« k«te L)
Die Sasweeßan-lunsev verlast
Fnmkrrtch fettet! Vekilimms an ten Saargtnten
Sagetfpiegd
Die Rede Les Reichsfinanzministers Dr. Dietrich ist von den parlamentarischen Kreisen mtt großem Interesse ausgenommen worden. Gewiß wird manchen Angaben des Ministers widersprochen, doch überwiegt im allgemeinen die Ansicht, daß das Programm Bet 'der Endabstimmung eine Mehrheit finden wird. Man glaubt nach wie vor, dah ein Teil der Deutsch- nationalen zusttmmen wird. Außerdem stich Bei den Sozialdemokraten durch die Delegierung einer Reihe von Abgeordneten zu verschiedenen internationalen Kongressen Lücken vorhanden, sodaß auch die Opposition nicht vollzählig ist. In der heuttgen Parteiführerbesprechung soll es nach Möglichkeit zu einer Klärung int Vager der Regierungsparteien kommen. DMi Vernehmen nach wird erst bann mit den in Frage kommenden Oppositionsparteien Fühlung genommen werden. Wenn auch nach wie vor noch gewisse Ab- änderungSwünsche Bestehen, so ist man in den Kreisen der Regierung doch davon überzeugt, nunmehr die Gesetze ohne weitere 1 Schwierigkeiten durchbringen zu können. Wann es zur zweften Lesung der Deckungsvorlage kommen wird, hängt von den Beratungen des Haushaltsausschufses ab, an den diese Gesetze nach Abschluß der ersten Lesung überwiesen wurden. In Po- littschen Kreisen nimmt man an, daß dies aber spätestens Anfang der kommenden Woche der Fall sein wird, da die Parla- mentattsche Arbeit nach Möglichkeit Bis zum 19. d. Mts. beendet sein soll, um auch den Parlamentariern die Teilnahme an den im Zusammenhang mtt der Rheinlandreise des Reichspräsidenten stattsin- denden Befreiuugsfeiern zu ermöglichen.
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Wenn französische Zeitungen Bemüht sind, die spontanen Ausschreitungen einzelner Devöllerungstelle im Rheinland gegen als Separatisten Bekannte Persönlichketten als eine Verletzung der mtt den ehemaligen Besatzungsmächten abgeschlossenen Amnestteabkommen auszulegen, so ist ein solches Verfahren als durchaus abwegig zu Bezeichnen. Es han- dett sich um Plötzlich aufgeflammte kleinere Tumulte, die nicht vorauszusehen waren und deren möglichst schnelle Unterdrückung zunächst Aufgabe der lokalen Polizeibehörden war, auf die bekamttlich die Reichsregierung keinen unmittelbaren Einfluß nehmen kann. Die Polizeiorgane haben übrigens alles getan, um der Bewegung so schnell wie möglich Herr zu werden, obwohl der staatlichen Polizei diese Ausgabe wesenüich durch den Umstand erschwert war, daß ihre Mannschaftsbestände eben erst in das geräumte Gebiet eingerückt und weder mtt den örtlichen Vechältnissen noch mtt der Devöllerung ausreichend vertraut waren. Zu den in einzelnen Pressemeldungen auf getauchten Gerüchten, daß von französischer Seite Entschädigungsforderungen wegen der Ausschreitungen geltend gemacht worden seien, wird in maßgebenden Kreisen darauf hingewiesen, daß eine vertragsrechtliche Grundlage für die Erhebung dieser Forderungen nicht gegeben sei.
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Ganz Europa, ja die ganze Wett, tut gut daran, sich sehr ernsthaft mit den Vorgängen zu beschäftigen, die sich zur Zeit in Finnland abspielen. Ist doch das Ziel des Vormarsches des finnischen Schutzkorps und der sogenannten Lappo-An- hänger die endgültige Ausmerzung der kommunisttschen Bewegung "in Finnland. Am die ganze Angelegenheit zu verstehen, muß man sich zunächst vergegenwärtigen, wer die Träger der Bewegung sind. Da ist zunächst das Schutzkorps, eine Miliztruppe nach faschistischem Muster, sie hat eine Stärke von ungefähr 100 000 Mann, sie ist gut ausgerüstet und steht unter dem Kommando eines höheren finnischen Osfi- ziers. Die Lappo-Anhänger, zahlreicher als das Schutzkorps, nennen sich nach dem