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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Nr.MMSMg? Marburg a.2aen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen füv Stadt und Kreis Marburg.
Die katastropWe AMkrise
Nur noch ei» Mitt Mosen in SbwMesien in Neirieb — Ernste Lage in Rvrdweft
1 Beuthen, 2. Juli. Infolge der autzer- ordentlich schlechten Absatzverhältnisse in allen - Stetigen der Eisenindustrie ist die Suiten« H ütte, wie das Werk mitteilt, zu erheblichen D etriebseinschränkungen gezwungen. Es ist der Mitteilung zufolge unmöglich, noch weiter . -ruf Lager zu arbeiten, da die Vorräte an Rohe fsen quhergewöhnlich groß sind, toälj« reich der Bedarf der weiterverarbeitenden Betriebszweige nur gering ist.
Die Herstellung von Roheisen mutz mög- lichertd >eise in absehbarer Zeit ganz still- si gelegt werden.
Das We-rk sieht sich zur Zeit gezwungen, den einen seltner beiden Hochöfen, die noch im Gange first,d, in der nächsten Zeit stillzulegen. Auch der zr-yeite Hochofen wird stillgelegt werden müssen,, wenn nicht bald eine erhebliche Besserung t »er Absatzlage eintritt.
Dann wä-ee in der gesamten oderschlesischen Jnd.-zfirje fein einziger Hochofen '-nehr im Betriebe.
Die Zahl dei - Arbeiter, die setzt zur Entlassung kommen Hollen, beträgt 350, die der Angestellten 50l Die beabsichtigte Stillegun-' ist bereits be>t zuständigen Behörde angezeigt.
Die Lage in: der Eisenindustrie Nordwest.
Essen, 2. Juli. Die Lage in der Eisenindustrie Norchwest hat sich nach Mitteilung der Werke ge;.qen gestern kaum verändert. Bei den Friedrich Rrupp A.E. in Essen sind nur wenige Arbeiter den Werkstätten ferngeblieben. T'eir Betrieb läuft ohne Störung weiter.
Im Duisburg-Hamborner Bezirk ist alles ruhig. In Erobenbaum dagegen ist es heute morgen vor den- Betrieben der Hahnschen Werke zu Ausetrandersetzungen zwischen Ar- bettswrlltgen unz, Streikposten gekommen. Die Polizet mutzt, eingreifen und die Ruhe wtederherstellen. Einige Rädelsführer wurden festgenommen. DaZ Werk mutzte geschlossen werden. Von der Maßnahme sind 1500 Arbeiter betroffen. Bei der Eisenwerk- llnion in Dortmund f^len 75 und bei Hoesch 80 Mann. Die ^etr^he arbeiten ohne Stö- wng Beim Eisenwe-f ^oenir sind sämtliche Arbeiter erschienen. rct Arbeitgeberverband für die Bezirke der Estp- und Stahlindustrie Hagen, Schwelm nnt Arnsberg teilt mit, oatz
die Lage infolge des ortschrettenden Auftragsmangels als hofmmgslos zu bezeichne,.
Das Sasper Eis^ unb Stahlwerk <Klockner-Konzern) hat ,n Zusammenhang mtt dem Oennhausener Schiedsspruch der s-e ®c^.e9^a t gekündigt:
bie Maßnahme wird ban;t begründet, daß •s notwendig sei, dte wer übci Tarif liegen« dm Erundlöhne fcrabjJet|en unb neu fefts fliegen. Dre gestern ^genommenen Verhandlungen zwischen den Organisationen sind porlaufig gescheitert D, 2800 Mann starke nn Ausstand befmdli«? Belegschaft wird am Donnerstag über d,A vorgeschlagene Sen« hmg der Akkordlöhne »stimmen. Die Werke der,. Vereinigten StWerIe jn Neheim- Husten. die aber mcht^, Gruppe Nordwest ^b°ren, haben gleichst bie Vereinbarung X",bte Akkordlöhne ^kündigt. Die 93er« Adlungen smd noch nicht beendet. Die Mann starke Bellest arbeitet jedoch werler.
Düsseldorfer hat die Lage keine Veränderung erfahren,bje Betriebe sind reit« h 5 E Gange. Ein, erste Vorbesprechung -h dart^en zum checke der Aussprache o-r. RegeiUng ix Arbeitszeit und des Lohntanfs findet am0- 3nIi ftaft
Die Mit des Kabinetts
Berlin, 2. Juli. Amtlich wird mit« geteilt: Auf der Tagesordnung der heutigen Kabinettssitzung stand eine Anzahl Gesetze, welche der Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichs- regierung dienen sollen. So verabschiedete das Kabinett u. a. den Entwurf eines Gesetzes über Matznahme« zur Verbilligung des mit öffentlichen Mitteln geförderten Kleinwohnungsbaues, ferner den Entwurf eines Gesetzes über die Bereitstellung von Krediten zur Förderung des Kleinwohnungsbaues und des Stratzen- baues lBaukreditgesetz 1930). Außerdem
wurde der Reichsarbeitsminister zur vorgriffsweisen Inanspruchnahme von 100 Millionen R-ll ermächtigt, welche im autzerordentlichen Haushalt feines Etats zur Belebung des Baumarktes in Ansatz gebracht werden. Das Reichskabinett wird seine Beratung über das Arbeitsbeschaffungsprogramm und die Preissenkungsfrage in der nächsten Woche fortsetzen. Des weiteren beschäftigte sich das Reichskabinett in seiner heutigen Sitzung mit der Lesung des Entwurfes eines Standardisierungsgesetzes (Handelsklasien- gesetz). Ferner verabschiedete es den Entwurf einer Verordnung über den Bezng von Spiritus zu Treibstoffzwecken.
Gegen die Separatisten in Mainz ,
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fl. Mainz, 3. Juli. Zn der vergangenen Nacht kam es auch in Mainz zu schweren Ausschreitungen gegen ehemalige Separatisten. Gegen Mitternacht zogen grotze Trupps meist junger Leute unter Führung einiger älterer» Personen, auf die Stratze. Vor den Geschäften und Wohnungen früherer Separatisten wurde Halt gemacht. Mit grotze« Quadersteinen und Instrumenten aller Art wurden die Wohnungen und Läden gestürmt und alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus de« Fenstern auf .die Stratzen geworfen. Die Schaufenster und Ladeneinrichtungen wurden völlig zerstört. Erst in den Morgenstunden wird das Bild der Zerstörung sichtbar.
Die Stratzen sind übersät mit Laden- und Wohnungsgegenständen.
Personen kamen nicht zu Schaden, da die bedrohten Familien ihre Wohnungen zum Teil schon gestern am Tage verlassen hatten. Die Terroristen waren mehrere hundert Mann stark. Sie begleiteten ihr Zerstörungswerk mit dem Gesang des Deutschlandliedes nnd mit Rufen „Deutschland erwache!"
Stellenweise wurde auch geplündert. Die Polizei hatte einen schweren Stand. Sic ging schließlich mit dem Gummiknüppel vor und säuberte die Stratze. Mehrere Personen wurden verhaftet. Seit heute Morgen sind an allen bedrohten Häusern Polizeiposten a u f g e st el l t.
Das Ammsttesefetz angenommen
Rur Ne SoziMmokmtm stimmten Nigrern
Serif«, 2. Juli. Das wichtigste Er
gebnis der heutrgen Reichstagsntzung war die Annahmedes Amnestiegesetzes, das Sttaffreiheit bringt auch für die sogenannten Fememorde, soweit es sich um Delitte handelt, di« vor dem 1. September 1924 begangen sind. Nach der Abstimmungszahl über die zwette Beratung war kaum mtt der Annahme zu rechnen, denn da Sozialdemokraten und Kommunisten geschlossen gegen die Regierungsvorlage stimmten, wurde die wegen des oerfassungsändernden Charatters festgesetzte erforderliche Zwei- drtttelmehrheit nicht erreicht. In der heutigen Sitzung erklätten die Kommunisten, sie wurden in der Schlußabstimmung der Vorlage zu stimm en, um den wegen politischer Straftaten sitzenden Genossen die Frei- hett zu verschaffen. Die Fememörder seien ohnehin in Freiheit gesetzt, also habe für sie das Amnestiegesetz keine große polttische Bedeutung.
So stimmten bei der Abstimmung nur die Sozialdemokraten gegen die Vorlage, die mtt 219 gegen 135 Stimmen die erforderliche gualifizierte Mehrhett hat.
In der Aussprache erklärte Reichsjustizmi- nister Dr. B r e b t, er wolle den Oberreichsanwalt dahin instruieren, daß bei Hochverratsdelitten die Anklage nur erhoben werden soll, wenn die Tatbestandsmerkmale vorliegen, die nach den Beschlüssen des «trafrechUausschusses im neuen Strafgesetzbuch ieitgehgt werden sollen. Es soll also eine Att Uebericitung zu der bevorstehenden
milderen strafrechtlichen Behandlung gestattet werden.
Vorher waren das Zusatzprotokolk zum deutsch - niederländischen Zollvertrag, das deutsch-polnische Abkommen über den kleinen Grenzverkehr und das deutsch-rumänische vorläufige Handelsabkommen dem handelspolitischen Ausschuß überwiesen worden. -Das deutsch-persische Patentabkommen wurde in allen drei Lesungen, eine Satzungsänderung des ständigen internationalen Gerichtshofes in erster und zwetter Lesung angenommen. In der dann folgenden zwetten Beratung des Haushalts für die Versorgungs- und Ruhegehälter
legten die Sozialdemokraten ei« Pen- sionskürzungsgesetz vor, nach dem keine Pension den Jahresbetrag von 12 000
Mark überschreiten soll.
Nach der Vorlage sollen bei pensionierten Beamten, die neben der Pension ein Privateinkommen von mindestens 6000 Mark im Jahre haben, die Pensionen um die Hülste des Betrages gekürzt werden, der das Privateinkommen von 6000 Mark übersteigt.
Berlin. 2. Juli. Die deutschnationale Reichstagsfraktion hat sich mit den von der Reichsregierung vorgelegten Steuer« geietze« besagt. Das Ergebnis der Beratungen war, datz die Fraktton zur Ablehnung dieser Steuergefetze entschlossen ist.
TagrWrgri
Aus de« Statistiken aller Länder geht immer deutlicher hervor, daß die zahlreichen Depressionserscheinungen» alle Ergebnisse einer Vertrauenskrise sind, von der die gesamte 'Weltwirtschaft einheitlich betroffen wird. Dieser Lage hat die Reichskreditgesellschaft ihren Halb* jahrsbericht herausgegeben, aus dem man diese Tatsache sehr deutlich ersehen kann. In fast allen Ländern, ausgenommen Frankreich, zeigt sich einheitlich ein Steigen der Arbeitslosenziffer bei einem gleich- zeittgen Konjunkturrückgang. Wenn auch fast durchweg die Produkttonsziffern sich sehr günstig gestallen, so wird dieses Plus doch von der Tatsache einer immer stärker werdenden rückläufigen Bewegung auf dem Absatzmarkt wieder aufgehoben. Diese All« gemeinerscheinung ttttt besonders in Groh« btttannien, in Belgien, in Holland, in der Schweiz, in der Tschechoslowakei, Italien, in Oesterreich, überhaupt in ganz Osteuropa sowie in den Ländern Rvrdamettkas, ©üb« amerikas. des fernen Ostens. Südafrikas und Australiens zu Tage. Wie gesagt, nur Frankreich zeigt in seinen Ziffern eine Ausnahme. Die Industrien sind dort alle gut beschäftigt und die Investitionstätigkeit hält unvermindert ihren günstigen Stand ein. Aus diesen trüben Ziffsern schöpft die Reichskreditgesellschaft insofern eine Hoffnung. als sie glaubt, daß eine solche allgemeine Wirlschaftsdepression den Ländern Bostelle bringen kann, die für die An» kurbelung chrer Wirtschaft auf eine starke Kapitaleinfuhr angewiesen sind, das wäre also in erster Linie Deutschland.
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Reichsarbeitsminister Dr. ©leger* wald hat bekanntlich vor einiger Zeit zur Ankurbelung der deutschen Wirtschaft eine besondere Aktton unternommen, die auf eine Belebung des Dau Marktes hinzielt. Aach Auffassung führender Wirt* schaftskreise ist durch die Schlüsselstellung des Baumasttes die Möglichkeit gegeben, daß im Verfolg einer Stützungsaktion für diesen Wirtschaftszweig der gesamten Wistschaft ein neuer Auftrieb gegeben werden kann. Hand in Hand mit der Ak* tion des Reichsarbeitsministers geht seine Forderung nach einem Preisabbau in der Bauindustrie. Dr. Stegerwald hat nach* drücklich erflärt, daß sich die Regierung nur unter diesen Umständen in der Lage sehe, Reichsgelder in Höhe von rund 250 Millionen zur Verfügung zu stellen, da von der Preisgestaltung die Zukunft der ganzen Aktton abhängt. Auf diesem Ge* biete zeigen sich jetzt nach unseren Infor* mattonen aus gut unterrichteten Kreisen erhebliche Schwierigkeiten, die, wenn sie nicht überwunden werden können, geeignet wären, die Hilfsaktion zunichte zu machen. Das Reichswistschaftsministerium, das die Verhandlungen in dieser Richtung führt, ist bisher nicht zum Ziele gekommen, und die Aussichten auf eine baldige Einigung erscheinen recht ungewiß. Die Lage wird auch dadurch erschwert, daß die Kartell* gerichte in letzter Zeibt die sogenannten Submissionskastelle anerkannt haben. Es ist daher der Gedanke aufgetaucht, die Kastellverordnung gesetzlich zu ändern, am der Belebungsaktion die Wege zu ebnen. In der gestrigen Kabinettssitzung wurden, wie wir erfahren, diese Fragen eingehend erörtert. In politischen Kreisen ist man eifrig bemüht, eine Einigungsformel zu finden, da es Mittlerwelle als sicher gilt, daß die notwendigen Gelder zur Ver* fügung gestellt werden können und damit auf finanziellem Gebiete der Aktton keine Widerstände mehr entgegenständen. Es verlautet, daß Minister Stegerwald seine Wünsche in sehr besttmmter Form vor* bringen wird.
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Im Anschluß an die Wiedergabe der Protesttundgebung des Reichsverband^ der Deutschen Presse gegen die b a r b rische Behandlung der dentsr Schriftleiterin Isolde Rei durch Organe der südslawischen Po veröffentlicht die „Deutsche Allg?