Einzelbild herunterladen
 

Mittwoch, he» 2. MIM

Me »LGerhrssisch« Seftimg* er­scheint sechsmal wöchentlich. Ve- zagsprets monatlich 2L0 GM^UtS- schlteßl. ZnstellungSgcbühr, tmrch bte Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder ele­mentare Ereignisse ausfallend« Rmmoern wird kein Ersah ge­leistet. Verlag Dr. §. Hitzerokh. Druck der Unid.-Buchdruckcrei Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechet der- Redaktion von 1011 und

>yt Uhr.

BberheUsche

Mmt A A W6t

rmiaiM« £ H ^7 I 9 A g MwsMm

Anzeiger für (das frühere knrhesfifche) Oberhessen

Rr. 152 65.MkS. Marburg a.Labn

Der Anzeigenpreis beträgt fitr den 11 gespalt. Zestenmillimeter 0.08 GM., sog. kleine Anzeigen nnd Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 GM amtlich« und aus­wärtig« Anzeige» 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platz­dorschrist 50% Aufschlag. Sammelanzeigen 100 % Auf­schlag. Reklam.-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.

Ziel 5 Tage.

Offerteu-Gebühr: 25 Pfg.

Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Rache an den GeMaMen

SolWmm hi Äniimltmlctn

LautD. A. 3 " kam es in Kaisers- autern im Anschluß an die Befreiungs­eier am Dienstag früh zu schweren Aus- chreitungen gegen die als Ceparatisten- ührer bekannten Kaufleute R i n f ch e, Knobloch und Mallach.

(Segen 3 Uhr früh zog eine Menschen­menge vor das Haus des Separatisten R i n s ch e, um mit ihm abzurechnen. Das Schaufenster seines Ladens wurde einge­schlagen. Bevor es zu weiteren Aus­schreitungen kam, erschien die Polizei, die sich nach und nach auf 10 Mann ver­stärkte. Ein junger Mann kletterte an der Fassade hoch und versuchte, die eiser­nen Aushängeschilder Rinsches auszuheben. Er vermochte diese jedoch nicht zu halten und ließ sie fallen. Ein Schild traf dabei einen Schupobeam- ten auf den Kopf, so daß er eine klaffende Wunde davontrug. Er wurde an Ort und Stelle verbunden und mußte sich ins Krankenbaus begeben. Der Polizei gelang es, die Menge, unter der sich viele junge Leute befanden, zu zer­streuen, doch entfernten sie sich mit dem Rufe:Dann ziehen wir zu Mallach."

In der Zeit zwischen 5 und 6 Uhr kam " es dann zu weiteren schweren Ausschrei­tungen. Die wütende Menge sammelte sich vor dem Hause des Knobloch, schlug die Schaufensterscheiben ein. drang in den Laden und zerschlug die Ladenein­richtung. Dann warf die Menge die zer­trümmerte Einrichtung und die Ware auf die Straße.

Hieraus drang sie in die Wohnung Knoblochs im dritten Stockwerk ein und warf die gesamte Wobnungs- einrichtung auf die Straße. So­gar das Klavier wurde zum Fenster hin­ausgeworfen und die Betten zerfetzt auf die Straße geschleudert.

Die Menge begnügte sich damit jedoch nicht, sondern zündete das Hinter- si a u s a n, in dem Knobloch feine Werk­statt betreibt. Das Feuer nahm einen großen Umfang an, und die Feuerwehr hatte, Mühe, den Brand zu löschen. Der Dachstuhl brannte vollständig nieder.

Mit der Feuerwehr traf auch die Poli­zei ein und trieb die Menge auseinander.

Die Leute zogen nun zu Mallach in der Theaterstraße und wiederholten hier ihr Zerstörungswerk. Beide Schaufen­ster, die Jalousien und ejn großes Glas- fchilö wurden vollständig zer­trümmert, die Ladeneinrichtung und die Verkaufsgegenstände auf die Straße geworfen und zertreten. Dann ging'es in die Wohnung im zweiten Stock.

Auch hier wurde die Wohnungseinrichr- tung von der wütenden Menge auf die Straße geworfen. Ein herausgeworfenes Fifchbaffin fiel einem Mann auf den Kopf, der sofort bewußtlos zusammen­brach. Als die Polizei eintraf und die Tobenden zum Auseinandergehen auffor­derte, wurde sie angegriffen und hatte einen sehr schweren Stand gegenüber der rasenden Volksmenge. Die Beamten sahen sich daher gezwungen, von dem Gummiknüppel und teilweise auch von der blanken Waffe Gebrauch zu machen. Trotzdem war es ihnen nicht möglich, der Menge Herr zu werden.

Auf Anordnung des Oberbürgermei­sters wurde die Feuerwehr eingesetzt, °eoen die die erregte Menge ebenfalls Stellung nahm. Branddirektor Raquet wurde angegriffen, am Halse gewürgt und befand sich in ernster Gefahr. Da me Tobenden der wiederholten Auffor­derung, bie Straße zu räumen, nicht 'wlge leisteten, ging die Feuerwehr mit der Spritze vor.

nach tem Abzug der zranzeien Die Wizei war machtlos

Die Menge zog sich darauf zurück. Drei V e rl e tz t e, die Stich- und Schlag­verletzungen erlitten hatten, mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Ehrungen Dr. Stresemanns.

Berlin, 1. Juli. Im Auswärtigen Amt ist heute vormittag aus Anlaß der Rheinlandbefreiung eine von der Hand Professor Seegers geschaffene Büste des verewigten Reichsminister des Aeußern Dr. Strefemann mit einer Rede feines Nachfolgers Dr. Curtius enthüllt worden.

Das Bildwerk ist durch Spenden der Aus­ländsdeutschen ermöglicht worden. Nach der Feier begab sich eine Abordnung des Auswärtigen Amtes auf den Friedhof, um am Grabe Dr. Sttesemanns einen Kranz niederzulegen. Auch der Reichs­kanzler und im Namen der Neichsregie- rung der Reichsinnenminister, sowie der Reichstag, die preußische, hessische und bayerische Negierung und viele rheinische Städte haben in gleicher Weise das An­denken des um die Befreiung des Rhein­landes so verdienten Toten geehrt.

Eine sensationelle Enthüllung

WSellni forderte schon 1923 die Räumung des besetzten Gebietes

Anläßlich der Räumung des Rheinlan­des weiß der diplomatische Korrespon­dent desDaily Telegraph" eine Tatsache zu enthüllen, die bisher nur in engsten diplomatischen Kreisen bekannt war. Er berichtet,

Mussolini habe bereits vor 7 Jahren, am 3. April 1923, der englischen Re­gierung einen Antrag auf Räumung des damals besetzten deutschen Ge­bietes unterbreitet. .

Dieser Vorschlag sei während des Ruhr­einbruchs erfolgt, da Mussolini befürch­tete, die deutschen Kohlenlieferungen an Italien könnten unterbunden werden, und Frankreich könne die Besetzung der Ruhr und des Rheinlands verewigen, um so eine militärische Hegemonie in Europa herzustellen. Diese Befürchtungen seien von dem belgischen Außenminister, I a - spar, geteilt worden, der zwar der Be­setzung der Ruhr zur Sicherung der Re­parationszahlungen Zugestimmt hatte, alle darüber hinausgehenden Ziele aber ablehnte.

Im Herbst 1923 habe in Mailand eine Besprechung zwischen Mussolini und Iaspar stattgefunden.

Mussolini hätte ein Programm vorgelegt, das die Räumung des gesamten Besatzungsgebietes vorsah. Der

Plan habe weiter die Festlegung der Re­parationsschuld auf 50 Milliarden Mark, die Erteilung eines teilweisen Morato­riums für Sachlieferungen auf 4 Jahre, wirtschaftliche und finanzielle Garantien ohne politischen Charakter und die Auf­nahme von inneren und äußeren Anlei­hen durch das Deuffche Reich unter fran- wsischer Aufsicht enthalten.

Nach der Zustimmung Jaspars sei der Plan der englischen Regierung unter­breitet worden.

Die italienische Ansicht sei dahin gegan­gen, daß England, Italien und Belgien die deutsche Regierung zu einem dem Blau entsprechenden Angebot an Frank­reich bewegen sollten. Bei einer Ableh­nung durch Frankreich sei eine Los­trennung von der französischen Politik in Aussicht genommen worden.

Die englische Regierung habe Rück­wirkungen auf die öffentliche Mei­nung in Frankreich und Poincare befürchtet

und, da auch Belgien bei näherer Prü­fung eine gewisse abwehrende Meinung besonders hinsichtlich der Räumung der vertraglichen Besatzungszone zeigte, sei der Plan Mussolinis fallen gelassen worden.

Zwangsetat für Berlin

Itefnt Bartet stimmt dm Stemrverschtüsea des Magistrats zu

Berlin, 2. Juli. In der gestrigen Sitzung des Berliner Stadtparlaments wurde die Deckung des Etatsdefi­zits abgelehnt. Keine einzige Par­tei hat sich entschließen können, den neuen' Steuervorschlägen des Magistrats ihre Zustimmung zu geben. Die Folge dieser Abstimmung ist die Zwangsetati­sierung der Reichshauptstadt durch den Oberpräfidenten der Mark Brandenburg.

Radauszenen.

Im Berliner Rathaus kam es gelegent­lich der Beratungen des städttfchen Haus­halts zu wüsten Tumultszenen. Schon während der Debatte im Saal war es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den Kommunisten und Natiönalsozialisten gekommen.

Als der nattonalsozialisttsche Etats­redner Dr. Lippert den Saal ver- ließ, folgten ihm acht bis zehn kommu­

nistische Stadtverordnete. Diese fie­len im Vorraum des Beratungs­saales über ihn her, warfen ihn zu

Boden und schlugen auf ihn ein.

Stadtverordnete anderer Fraktionen und ein herbeigeeiltes Polizeiaufgebot machten der Schlägerei ein Ende. Kurz daraus gingen im Saal neue Lärmszenen vor sich, als der aus der Kommunistischen Partei ausgetretenen Stadtverordnete Rosenthal das Wort zum Haushalt ergriff und die gesamte kommunistische Fraktion in lautes Toben ausbrach.

Annektion der neuentdeckten antarktischen Gebiete durch Amerika.

fk. Washington, 2. Juli. (Reuter.) Der demokratische Senator T y d i n g s brachte eine Entschließung ein, in der Präsident Hoover aufgefordert wird, die von Contte- admiral Byrd und anderen amerikanischen Forschern entdeckten Gebiete als amerikanisches Land zu beanspruchen.

M bas öaaegebtet?

Während entlang dem deutschen Rhein in Mainz, Wiesbaden, in Koblenz, in Aachen, in Speyer, in Trier die Glocken aller Kirchen die Befreiung des Rhein- landes einläuteten, haben sich auch in den Städten des Saargebiets deutsche Men­schen zusammengefunden, um in einer machtvollen Kundgebung dem Reiche die ewige Treue des Saargebietes zu schwören. Der Rhein wurde frei, das Saargebiet blieb weiter in den Ketten, die der Ver­sailler Friedensvertrag geschmiedet hat! And doch gab es im ganzen Saargebiet kein Gefühl der Trauer, kein Empfinden des Neides über die glücklicheren Vvlls- genvssen, denen die mitternächtliche Stunde die endgillttge Freiheit von der fremden Besatzung verkündete. Rus den dielen Reden, die in den Städten des Saar- gebiets in die große deutsche Befreiungs­feier hineinllangen, sprach stets der feste Wille der saarländischen Bevölkerung, im Kampfe um ihre endgültige Befreiung aus­zuhalten und alle Wünsche gegenüber den Gesamtinteressen des deutschen Reiches zu­rückzustellen. So wurde aus dem Treu­schwur der Saarländer und aus dem Auf- ruf der Reichsregierung eine gemeinsame Willenskundgebung, die in großen Zügen aufzeichnen will, unter welchen Voraus­setzungen der Kampf gegen Versailles ge- führt werden soll.

Die einzelnen Stadien dieses Kampfes liegen tn den Verhandlungen, die schon seit geraumer Zeit zwischen Deutschland und Frankreich in Paris geführt werden und die bis heute noch zu keinem Ergebnis ge­langt sind. Im Gegenteil, man hat fest­zustellen, daß die Saaraussprache int Augenblick auf einem toten Punkt ange­langt ist und daß zwischen den deutschen Angeboten und den französischen Forde­rungen eine Kluft sich ausgetan hat, die wohl kaum überbrückt werden kann. Deutschland steht heute auf dem Stanü- puntt, daß nach der Entwicklung der letzten 10 Jahre und auch nach den Rechten, die Deutschland auf Grund des Versailler Friedensvertrages und der Völkerbunds­satzungen gegeben sind, die vorzeitige Rück­gliederung des Saargebiets ins deutsche Mutterland und ohne weiteres zu erfolgen hat. Die politische Seite dieser Ange­legenheit wird durch die wirtschaftliche er­gänzt, der Friedensvertrag setzt fest, daß Deutschland für die Rückgabe der Saar- gruben an ihre früheren Besitzer einen Kaufpreis zu entrichten hat, über dessen Höhe ja Handhaben in genügender Anzahl vorhanden sind. Frankreich dagegen stellt sich auf den Standpunkt, daß die vorzeitige politische Rückgliederung des Saargebietes in die deutsche Oberhoheit von einem neuen Kaufpreis abhängig gemacht wer­den müßte, der den im Friedensvertrag festgesetzten Bedingungen zuzuzählen sei. Nachdem sich schon in der ersten Zeit der Saarverhandlungen die Anmöglichkeit einer Annäherung der beiden Ansichten herausgestellt hat, sah sich die deutsche Saardelegation veranlaßt, auf einer neuen Verhandlungsgrundlage zu versuchen, doch noch ein befriedigendes Ergebnis der Aus­sprache herbeizuführen. Man stritt sich also über Forderungen herum, die mit den im Friedensvertrag sestgelegten Bedingungen nichts zu tun haben und demnach nur als ranzösische Rechnungen für das Eiiwer- tändnis zu bewetten sind, schon vor dem m Friedensvertrag festgesetzten Abstin-» mungstermin des Jahres 1935 einer Ge­samtregelung der Saarfrage stattzugeben. Frankreich verlangt hier besttmmte Zoll- vergünstigungen, dann gehen die französi­schen Wünsche dahin, ein möglichst dauern­des deutsch - französisches Kondominium herzustellen, überhaupt Abmachungen zu treffen, die die wirtschaftliche Verstechtung des Saargebietes mit Frankreich auch über die Zeit des Jahres 1935 hinausgewähr­leisten sollen. Da nun die Franzosen in den letzten zehn Jahren hinreichend Muße und Gelegenheit hatten, Öen gesamten Saarkraaenkomvler an Ort und Stelle zu