! „Ach was, damit können Sie mir nicht helfen. Das kommt auch so plötzlich —'
Sie schüttelte den Kops.
Line war schon an der Tür.
„Olur nicht gleich verzweifeln, Frau Geheimrat, Sie wissen, meine Hausmittel helfen für alles. And plötzlich kommt das bei Ihnen doch immer."
Schon schlo ßsich die Tür hinter ihr.
„Tine! Tiinee! Tiiiiiineee!" zeterte es der Enteilenden nach.
Doch Tine dachte nicht daran, umzukehren.
Erst wollte sie das Wasser für den Tee aufsetzen und dann den Wacholderschnaps einschenken.
Wenn die Geheimrcitin Magendrücken hatte, war sie immer so aufgeregt, da muhte man sie ruhig ein bißchen zetern lassen.
„Tiinee!" Die brave Dicke stieß einen Schrei aus, denn ihre Herrin stand vor ihr, fächelte ihr mit einem Blatt Papier vor der Aase herum und schrie sie jetzt an: „Was gucken Sie denn so, Frau Mottebusch. wollen Sie nun endlich so gut sein und zuhören, wenn ich Ihnen was mit- zuteilen habe?"
„Ich weiß ja. Die haben Magendrücken, Frau Geheimrat, aber heute stellen Sie sich ganz toll an. Tut's denn so weh?" erkundigte sich Tine teilnehmend.
„Ich habe einen Brief bekommen, der Briefträger gab ihn mir vorhin zum Fenster herein," jappste Helene Kornelius, „mein Bruder will mir seine Tochter schicken."
Tine Mottebusch fiel beinahe die Blechbüchse mit Pfefferminztee zu Boden.
„Wie? Was, wer soll kommen? Die Tochter von Ihrem Bruder in Mexiko?"
Die Geheimrätin neigte nur den Kopf. Sie war selbst noch ganz matt von dei Neuigkeit. (Fortsetzung folgt.)
Haarwäsche ohne Wasser geht schneller: mit Kamm und Bürste und etwas Schwarzkopf- Trocken-Schaumpon dauert'? nur 3 Minuten, und Sie sehen trotzdem aus, als kämen Sie gerade vom Friseur. Die grüne Achteckdose zu 1 Mark reicht für Monate. 2 Sorten für blondes und dunkles Haar.
Sette 8
den Rhein mit allen seinen Schönheiten ansehen, und umgekehrt konnten die Rheinhessen unsere schönen hessischen Berge mit dem schönen alten Marburg, bewundern. Dieses Schöne und Gute haben wir dem deutschen Liede u. dem deutschen Männergesang zu verdanken. Das Familienfest, das aus allen Ständen und Parteien der beiden Eemein- memden besucht war, war einfach gehalten und bestand aus Ansprachen, in Eesangs- und MusikoortrSgen. Die Ansprachen von Lehrre Dörr, Bürgermeister Wißner, dem Vorsitzenden der Nauheimer und Sanges- bruder Theis-Cappel, fanden dankbaren Bei- sall. Den Höhepunkt erreichte aber die Gelstesverbundenheit, als das Orchester „Die Wacht am Rhein" vortrug. Da stand alt und jung und sang aus tiefstem Herzen mit. Aus dieser Feier konnte man die lleberzeugung gewonnen, daß Deutschland mit seinen iXden deutschdenkenden Landgemeinden, auch wieder die Kraft haben wird, sich aufzubauen. Dann werden die Landgemeinden als Urzelle des Staates und Jung- brunnen der Städte ihren Mann stehen. Es ist leider em Zug der Zeit, daß sich alles nach der Stadt mit seinen Vergnügungen lehnt, es wird aber die Zeit kommen, wo jeder dre Vorzüge des Landlebens schätzen lernt.
,, m. Beltershausen, 30. Juni. Hier li a rb in der vergangenen Nacht nach kurzem Krankenlager der l e tz t e V e t e r a n aus dem Kriege von 1870/71, der Wagnermeister iwrtrab <S dj m i d t. (Er hat unter anderem in der Schlacht bei Wörth mitgekämpft und war von einem Schuß getroffen worden, der ihm den Eewehrschaft splitterte. Dem hoch- betagtm Mann, der das seltene Alter von 85(4 Jahren erreichte, wäre wohl noch eine Zeitspanne zu leben vergönnt gewesen, wenn svw mcht em Bruchleiden noch in diesem Jahre eine Operation in der Marburger Aflnk.aufgenötigt hätte. Im übrigen körper- ÖP, wie geistig noch außerordentlich — in Anbetracht des hohen Alters — rüstig, ist er mm zum großen Heere abberufen worden.
Warzenbach, 30. Juni. Für die Er- greifM des Täters, welcher kürzlich auf der Werde ern Rind aus unbekannten Gründen abschlachtete, ist eine namhafte Belohnung ausgesetzt worden.
Dreihausen, 30 Ium. Der älteste hiesige Einwohner und ehemalige Schäfer, Adam Bietz, feiert am 1. Juli in noch N^^r-ndheitlicher Rüstigkeit seinen 85 Geburtstag.
KrelS KlrWaln
Funde aus der Urzeit.
Schönbach, 30. Juni. Bei dem Neu- bau eines Bauernhofes stieß der Maurermeister Carl Graf aus Amöneburg in einer Trefe von etwa 1(4 Metern auf sonderbar normte >opf- und Scherbenstücke. Unter Aufsicht eines Professors von Marburg wurden nach mehrtägigem Weitersuchen etwa 2 -Korbe voll zerbrochener Töpfe und Scherben von grau und rötlicher Färbung, zutage ge- fordett. Man nimmt an, daß die Funde aus der, Zeit 200—300 o. Ehr. stammen. Im vorigen Jahre wurden auf einem Rottlande des hiesigen Jnteressentenwaldes am Nordrande des Eroßseelheimer Waldes 2 Hünengräber freigelegt.
Oberhessiühe Zeitung, «karborg a. L, Dienstag, den 1. ZM 1930
4lr. 151
KiMsbussen Des WM-wMMeil SmiMrl;
30.6. 28.6.
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Weitere Kursmeldungen:
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Berliner Börsen-Knrszettel
der „Obsrhessischen Zeitung".
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nach. Rinder mäßig rege ausverkauft. Schweine schleppend Ueberstand. Fettschweine schwer verkäuflich. Kälber schleppend Ueberstand.
Schutzaeb.-A. 4(',LEt..R.14 4% ll. ffiolbt. 40/0Unq.Ä:on. 4°/^ Türk. Z. 11 D.Eisenb.-Ses. Anatolier II Bagdad II Oester. Kr.-A. '.'Eien. Banka Diamond Otovi M.u.E. Barm. Bankv. Rayr. u.W. H.
vapag vamb. Hochb. Nordd. Llond Berlin P.-S. Eomm.-ii.Pr. Darmst. Bank Deutsche Bank Disk.-Komm. Lresdn. Bank Buderus Elf. Selienk..Bqw. fiatp. Bergb.
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Laurahütte iNannesmann Ob. Eii.-Bed. PhönirBergb. Ab. Stabliv.
A.Nieb.Mont.: Dynam. Nobel I. G. Karbind.
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Wirtschaft und Sandet
Berliner Börsenbericht vom 30. Juni.
Die Vorbörse zeigte nach einem ruhigen Vormittagsverkehr ein freundlicheres Aussehen. Die Eesamtlage -n Polittk und Wirtschaft fand heute eine wesentlich zuverstchtlichere Beurteilung, da Momente, wie die Rheinlandräumuug, die vorausfichtliche Einigung über das Finanzproblem im Reichstag, die Einleitung des Verfahrens zur Auszahlung der ersten amerikanischen Freigaberate von 300 Millionen und der Monatsbericht der Commerzbank, in dem eine Eeschäftsbele- bung nach Durchführung des Sanierungsprogramms in Aussicht gestellt wird, anregend wirkten. Der anscheinend ohne Schwierigkeiten verlaufene Zahltag bot der Tendenz gleichfalls eine Stütze. Wenig Beachtung fand demgegenüber der etwas schwächere Verlauf der New Parker Börse und das Scheitern des Arbeitszeitabkommens in Genf. Zu Beginn des offiziellen Verkehrs kam es in der Rege!
zenmehl 33,00—41,00, Roggenmehl 22,50 bis 25,25, Weizenkleie 7,90—8,40, Roggenkleie 7,75—8,00.
Frankfurter Getreidemarkt vom 30. Zuni.
Weizen 305—307,50, Roggen 164—166, Hafer 167,50, Weizenmehl 43,50—44,25, Roggenmehl 24,50—25,50, Weizenkleie 7—-7,25, Roggenklcie 7—7,25.
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. 72". 105^8 160
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Mitield.Tr.B. strf.M.P.LW. Holzmann PH. Kaliw. Aschsl. LahmeyerLT. Mansf. A.-S. Peters Union Nütgerswerk N.EtockL Tie. B.D.Nickelw. Per. Stahlw. BoigtLHäffn. Westerregeln. ZeUst. 'JHalbt).
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Frankfurter Schlachtviehmarkt vom 30. Zuni.
Der Auftrieb des heuttgen Hauptmark- tes bestand aus 1281 Rindern, darunter 295 Ochsens 98 Bullen, 562 Kühen, 305 Färsen, ferner 706 Kälbern, 35 Schafen, 5216 Schweinen. Verglichen mit dem Auftriebe des Hauptmarktes der vergangenen Woche waren 119 Kälber, 18 Schafe und 236 Schweine mehr am Markte, dagegen standen 193 Rindern weniger zum Verkauf. Marktverlauf: Ochsen al) 58—61, 2) 54—57, 61) 48 bis 53, Bullen a) 52—56, b) 48—51, Kühe a) 46—49, b) 42—45, c) 36—41, d) 30 bis 35, Färsen a) 59—62, b) 54—58, c) 50—53, Kälber b) 70—74, b) 64—69, c) 50—63, Schweine b) 57—60, c) 61—64, d) 61—64, e) 60—62. Im Vergleich mit den Notierungen des Begangenen Hauptmarktes waren Ochsen 2.— Mk., Kühe 1.— Färsen 1.— Mk. höher bezahlt, dagegen waren Bullen behauptet, Kälber gaben im Vergleich mit dem letzten Nebenmarkt 4.— Mk. und Schweine 2.— Mk.
Berkoufskurse der Landeskreditkasse zu Kassel (fretbleibenb)
8’)< ige Eoldkommunalverscbreibungen Reihe 4
unkündbar bis 1. September 1935: 97 •/<,
WavenMsLvZte
Getreide in 1000 Kilogr.. Mehl und Futtermittel je 100 Kilogramm.
Berliner Getreidemarkt vom 30. Zuni.
Weizen 285—290, Roggen 172—177, Gerste 170—186, Hafer 147—156, Wei-
1142 203*!,
1133
133
74 127*/,
241
98 39'/, 94
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durch Arbeit zu beschaffen. Die vom Reiche erhobene Enquete habe ergeben, daß das Handwerk an Zahl und auch an Arbeitsstätten mit motorischer Kraft erfreulich zugenommen habe; es sei damit bewiesen, daß ungeachtet der schweren steuerlichen Belastung das Handwerk lebensfähig sei und daraus leite auch die Reichsregierung die Pflicht ab, das Handwerk durch Beachtung seiner besonderen Verhältnisse in Gesetzgebung und Verwaltung nachdrücklichst zu unterstützen. (Stürmischer Bei- fall.t Syndikus Dr. Hartmann von der Handwerkskammer für Kurhessen und Maldeck faßte das Ergebnis seiner anderthalbstündigen Ausführungen dahin zusammen, daß 6000 Handwerksmeister aus Kurhessen und Waldeck Arbeit fordern und in zweiter Linie Steuersenkungen, denn Arbeit sei das allerwichtigste, ohne Arbeit nütze auch eine Steuersenkung nichts mehr. (Lebhafter Beifall.)
Allna, 30. Juni. Eine einfache würdige Feier veranstaltete am Sonntag nachmittag der hiesige Kriegerverein im Lauxschen Saale zur Weihe seiner neuen Fahne. Als Gaste waren erschienen starke Abordnungen der Nachbar-Kriegervereine Oberweimar und Hermertshausen sowie die Gesangverein Allna unter der bewährten Leitung' seines Dirigenten, des Herrn Lehrer Limmeroth von Argenstein. Rach eine ^einleitenden Lied des Gesangvereins hieß der Vereinsvorsitzende Kamerad Laucht alle Erschienenen willkommen, worauf der 2. Vorsitzende des Kreis-Krieger- verbandes, Kamerad Amtmann Habel von Marburg die Weiherede hielt. Der Redner legte seinen Ausführungen die Aufschrift der Fahne „Mit Gott für Ehr' und Vaterland" zugrunde und schloß seine gedankenreichen Aus- i führungen nach Uebergabe der Fahne an den Fahnenträger, Kamerad Willershausen, mit einem Hoch auf das Vaterland und den Herrn Reichspräsidenten, wonach der erste Vers des Deutschlandliedes erklang. Den Schluß der würdigen Feier bildete das vom Gesangverein vorgetragene Lied „Zu Straßburg auf der Schanz". Bei gemütlichem Beisammensein und I weiteren Liedervorträgen des Gesangvereins I verlief die Zeit sehr schnell. Eine Sammlung iür die Kriegerwaisenyäuser ergab einen erst- ulichen Betrag.
Kassel, 30. Juni. Eine machtvolle, eindrucksvolle Kundgebung des kurhessisch-wal- deckischen Handwerks veranstaltete in Gegenwart zahlreicher parlamentarischer Vertreter, der Vertreter von Behörden und Körperschaften der kurhessisch-waldeckische Handwerkerbund im großen Festsaale der Stadthalle, die von über 6000 Handwerksmeistern, Frauen und Töchtern be- sucht war. Den Anlaß hierzu gab das zehnjährige Bestehen des kurhessisch-waldeckischsn Handwerkerbundes, der am Sonnabend abend durch einen Vegrüßungsabend eröffnet wurde Ehrenober-.-aister Kniest. Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses, Schreinermeister Machsmuth, Mitglied des Kommunal- Landtages und Schneidermeister H i l d - Hersfeld hielten Ansprachen, die auf die Lage des hessischen Handwerks Bezug hatten. Am Sonntag vormittag wurde in dem mit zahlreichen Jnnungsfahnen des kurhessisch - waldeckischen Handwerks geschmückten Festsaal der Stadthalle die imposante Kundgebung des kurbes- sisch-waldeckischen Handwerks durch den Vorsitzenden, Schneider-Obermeister C. L. Müller-Kassel eröffnet. Der große Saal mitsamt den Tribünen war bis auf den letzten Platz gefüllt; weit über 6000 Handwerksmeister aus allen kurhessisch-waldeckischen Kreisen und alle Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden ftinnte der Vorsitzende C. L. Müller begrüßen. Er wies auf die schwere Notlage des Handwerks hin und verlangte von der Reichs- und Staatsregierung eine positive Handwerkerpolitik und eine weitgehende Unterstützung in seinem Kampfe um Erhaltund Freiheit. Die heutige Kundgebung habe den Zweck, bewußt alle K r e i s'e der Bevölkerung in Kurhessen und Waldeck, vor allen die Vertreter der Behörden, auf die Röte und Sorg en des Handwerks aufmerksam zu machen, die es zu erdrücken drohen. (Lebhafte Zustimmung./ Der, Reichskommissar für das Handwerk und Kleingewerbe, Ministerialdirektor Dr. Reichard- Berlin, entwickelte in fast eineinhalbstündigen Ausführungen einen Ueberblick über die Maßnahmen, die seitens der Reichsregierung getroffen worden sind, um die noch immer brachliegende Vauwirtschaft zu beleben und dem Handwerk in seiner Gesamtheit da
zu Kursbesserungen von 1 bis 2 Prozent.
Geld noch immer versteift. Tagesgeld d. i. heute auch Geld über Ultimo 5—7 Prozent, Monatsgeld 4(4 bis 5-% Prozent, Warenwechsel 37, Prozent.
Berliner Devisenbericht vom 30. Znni.
Helsingfors 10,547—10,567, Wien 59,165 bis 59,285, Prag 12,43—12,45, Budapest 73,295—73,435, Sofia 3,037—3,043 Holland 168,42—168,76, Oslo 112,19—112,41, Kopenhagen 112,17—112,39, Stockholm 112,57—112,79, London 20,367—20,407 Buenos Aires 1,483—1,487, Aeuyorl 4,1905—4,1985, Belgien 58,475—58,595, Italien 21,95—21,99, Paris 16,445 bis 16,495, Schweiz 81,22—81,38, Spanien 45,65—45,75, Danzig 81,49—81,65. Japan 2,071—2,075.
103’ig Allg. EI.-Ees.
'."9 Serqmon El.
Nachdruck Detboten.
„Sie Wildkatze"
Roman von Panhuys.
(Copyright 1930 by Verlag Alfred Becht- ' hold in Braunschweig).
3. Fortsetzung.
Das Tier mußte die Bewegung seiner geliebten Herrin. falsch gedeutet haben, denn plötzlich schnellte sein weicher und doch nerviger Körper gegen Borge Aldaz vor, der zu Boden stürzte, während der Tiger die rechte Pranke hob.
Rur einen schmalen Streifen trug Borge Aldaz auf der Wange davon, denn Isabel riß das Tier sofort zurück, aber Aldaz war fahl vor Wut. Er riß einen Revolver aus der Tasche, und in den gellen Schrei Isabels fiel der Schuß. Das Tier richtete msich steil auf, fiel dann zurück, ein Zucken ging durch den Körper von Isabels verhätscheltem Liebling, dann streckte et sich. Seine grünen Lichter glimmten noch einmal wie in voller Erkenntnis des letzten Abschieds zu Isabel hinüber, dann brach ihr Glanz.
Berzweifett warf sich das Mädchen über das tote Tier, ihr Schluchzen war herz- zerbrechend.
Borge Aldaz trat zu Franz Herbert.
„Rotwehr, Sennor Herbert. Sennorita Isabel hat vorhin angezweifelt, daß ich ein Caballero bin. Behalten Sie deshalb bitte das Geld, solange Sie es brauchen."
Er wollte etwas zu Isabel sagen, doch eine leidenschaftliche Geste scheuchte ihn fort
Er verließ das Zimmer. Hinter sich hörte er Isabels Weinen.
Franz Herbert neigte sich über seine Tochter.
„Kind, Kind, wie durftest du dich so benehmen, du hast nun den Schaden davon." Er seufzte. „Höre auf zu weinen, Kind, du hättest Bonito sowieso nicht mehr lange als Haustier behandeln können. Wilde Tiere gehören hinter Gitterstäbe."
Isabel saß inmitten des Zimmers, der Kopf des toten Tieres lag in ihrem Schoß.
„Vater, ich darf Sennor Aldaz nicht mehr begegnen, ich hasse ihn, ich verabscheue ihn. Ich möchte deshalb fort von hier. Vater, jetzt bitte ich dich laß mich weit fort zu Tante Helene nach Deutschland, dott sind die Menschen ruhiger, herz- wärmer, niemand hätte dort meinen Bonito getötet."
„Aber sie wären alle vor chm ausgeris- sen," lächelte Franz Herbert, der glücklich war über Isabels Entschluß.
Es war wirllich für sie die höchste Zett, in andere Verhällnisse zu kommen. Die eben durchgemachte Stunde hatte ihm be wiesen, wie selbstherttich Isabel war.
Bei seiner Schwester würde sie sich ändern. And es war gut, wenn sie jetzt so bald als möglich hier forttam. 'Bei ihrem Raturell bestand Gefahr für Borge Aldaz, wenn er ihr in die Quere lief.
Er half seinem Kinde aufftehen und bettete ihr Köpfchen an seiner Brust.
„Liebes, liebes Mädelchen, mit dem nächsten Dampfer schicke ich dich nach Europa." Er streichelte sie. „Es wird dir in Deutschland gefallen, wenn der Himmel auch nicht so blau ist wie hier und es einen Winter dott gibt mit Eis und Schnee."
Er fuhr sich mit den Fingerspitzen über die Augen.
An sein Herz llopfte plötzlich urgewalfig das Heimweh, das er niemals so stark, so elementar verspürt hatte wie eben.
2. Kapitel.
Die verwitwete Frau Geheimrat Helene Kornelius saß wie vernichtet in ihrem Armstuhl am Fenster. Der Bttefträger hatte vorhin einen Brief aus Mexiko gebracht von ihrem Bruder Franz. Er kündigte ihr darin ganz unvermittelt den Besuch seiner einzigen Tochter Isabel an, die schon kurz nach diesem Brief eintief» fen sollte.
Sie las den Brief immer wieder, schob mtt verzweifeller Geste die Hornbttlle auf die (Stirn und rief überlaut: „Tine, Tiiinee! Tiiiiiineee!"
Tine Mottebusch schlief Wohl wieder. Aach dem Frühstück schlief sie meistens ein halbes Stündchen in der Küche ein.
„Tiinee!" Gell llang eS.
In der Tür erschien die alle Köchin und Dettraute der Frau Geheimrat.
Tine war einunddreißig Jahre schon bei der Frau Geheimrar — nur ein Jahr rend chrer Ehe mtt dem unsoliden, bald gestorbenen Fritz Mottebusch halle die Dienstzeit unterbrochen.
Wenn Frau Geheimrat Kornelius ärgerlich war, redete sie Tine nicht bei ihrem Vornamen an.
„Frau Mottebusch, Sie haben wohl wieder ein Derdauungsnickerchen gemacht? Natürlich, da kann ich mir die Kehle ausschreien, aber Sie kommen nicht, und ich weiß vor Angst nicht, was ich .anfangen
Sine rieb sich die roten Hände, ihr Vollmondgesicht nahm einen tragischen Ausdruck an.
»2lch. du mein liebes Himmelchen, haben Sie wieder Magendrücken? Ra, warten Sie man, ich koche Baldriantee, oder wollen Sie, lieber Pfefferminztee? And zuerst hole ich ein Wacholderschnäpschen." Die Geheimvätin machte eine unmutige Bewegung.