Montag, »en 30. guni 1930
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberheffen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Der Rhein wird frei!
WTB Berlin, 28.6. Die Botschasterkonferenz hat der deutschen Botschaft in Paris notifiziert, daß die Besetzung der rheinischen Gebiete am 30. Juni um Mitternacht beendet ist und damit auch die Tätigkeit der Rheinlandkommission ihr Ende erreicht.
Das Schicksal der Deckungsvorlage
Gelingt die Erirdtgung aut onrli
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Etlichem Wege? - Sie Stclluagnadme »er Parteien
Der Rerchsrat
lieber den Verlauf der Beratungen der Vereinigten Ausschüsse des Reichsrates, die nach den Reden des Reichskanzlers und des Reichsfinanzministers vertraulich weitergeführt wurden, erfährt die „G e r m a n i a", daß die Ministerpräsidenten der Länder in ihrer großen Mehrheit, an erster Stelle der peußifche Ministerpräsident Braun, ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Deckungsprogramm zum Ausdruck gebracht hatten. Bedenken, wie sie z. B. von bayerischer Seite geäußert worden seien, hätten sich nicht auf die Grundgedanken der Lösung bezogen, sondern aus die geringe Beteiligung der Länder, an ihrem finanziellen Ergebnis. Die Reichsregierung darf nach der „Germania" auf eine starke Mehrheit des Reichsrats bei der Verabschiedung des Deckungsprogramms rechnen.
Die BoHspartei
Zur neuen Deckungsvorlage der Reichsregierung nimmt die Nationalliberale Correspondenz u. a. wie folgt Stellung: Der Deutschen Volkspartei kommt es nach wie vor entscheidend darauf an, daß die Sanierung der öffentlichen Haushalte grundsätzlich von der Wiederbelebung der Wirt- schast her erfolgt. Heute bedeutet die
Die Aufnahme, die die Erklärungen des Reichskanzlers und des Reichsfinanzministers in parlamentarischen Kreisen gefunden hat, verstärken den optimistischen Eindruck von der weiteren Entwicklung, der schon in den letzten beiden Tagen im Reichstag vorherrschte. Man rechnet damit, daß der R e i ch s r a t den Plänen der Reichsregierung keine Schwierigkeiten bereiten wird. Von den t Parteien haben die Demokraten bereits zu erkennen gegeben, daß sie in Einzelheiten zwar noch VWnsche haben, ►-tiboe doch -hetiif. sillst, h»n Vorlage» ZN- Zustimmen. Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hat sich darauf beschränkt, den Bericht ihres Vorsitzenden über die Parteiführerbesprechung mit dem Kanzler entgegenzunehmen. Diese Besprechung beim Kanzler hafte nur informatorischen Charakter. Es hat sich dabei — was schon aus der Rede des Kanzlers vor den Reichsratsausschüssen hervorging — erneut gezeigt, daß die Regierung unter allen Umständen an der Deckung des 480 Millionen Fehlbetrages durch Einsparungen und Steuern feslhält und daß sie aus die Verwirklichung ihrer Pläne noch, in dieser Reichstagssession bringt. Die end- . gültige Haltung der Deutschen Volkspartei dürfte wesentlich davon abhängen, wie weit die Möglichkeit gegeben ist, durch Verhandlungen über den sachlichen Inhalt der Vorlagen zu gewissen Abänderungen zu gelangen. Der Standpunkt der Reichsregierung geht offenbar dahin, daß man zwar über kleine Einzelheiten mit sich reden lasten will, im wesentlichen'aber an den Vorlagen fest- hält.
Erhöhung der Einnahmen, d. h. die Erschließung neuer Steuerguellen, eine erneute Belastung der Wirtschaft und eine weitere Erschwerung der so dringend erforderlichen Kapitalbildung. Deshalb ist mit allem Nachdruck nach wie vor zu fordern, daß das Hauptgewicht aller Sanierungsmaßnahmen auf die A u s - gabenfenkung zu legen ist. E. ist richtig, daß die Regierung nicht ganz an dieser Forderung vorbeigegangen ist und die im ersten Programm vorgesehene Ausgabensenkung von 35 Millionen um «weitere 65 Millionen erweitert hat. Aber auch diese Ausgabensenkung steht noch in keinem Verhältnis zu dem Umfang der
Gesamtausgaben in Reich, Ländern und Gemeinden. Nach dtzn Berichten des neuen Reichsfinanzministers Dietrich soll sogar die Summe der diesjährigen Reichsüberweisungen an Länder und Gemeinden den Betrag von 3,6 Milliarden noch übersteigen. Die Beteiligung der Länder an den neuen Steuern des letzten Frühjahrs reicht nicht einmal aus, und infolgedessen tritt auch jetzt wieder ein neuer Länderanteil, wenn auch in geringem Umfange, bei den von der Regierung geplanten neuen Steuererhöhün- gen em. Aus allen diesen Gründen er- ;eint es doch wesentlich, daß der Reichskanzler wie auch der neue Finanz-
Die Einzelheiten der ReiKshilfe
Gm Mervrewlioa »es Geiekenwurses
Zum neuen Finanzprogramm erhalten wir folgende Interpretation: Der Reichshilfe unterliegen alle Beamten und Angestellte der öffentlichen Hand. Dazu gehören insbesondere auch die Kirchen, Handelskammern, Landwirtschaftskammern, Reichsbank und Deutsche Reichsbahngesellschaft usw. Die Träger der Sozialversicherung, sowie die Unternehmen mit überwiegender Kapitalbeteiligung von Reich, Ländern oder Gemeinden mit ihren Bruttobezügen. Befreit sind die Kinderzuschläge sowie das Witwen- und Waisengeld. Bei den Angestellten bleiben die ersten 3600 RM. frei, weil, davon Arbeitslosenversicherungsbeiträge entrichtet werden. Allgemein befreit sind Bezüge, wenn sie 2000 RM. jährlich nicht übersteigen. Die Reichshilfe beträgt 2V-. v. H. Sie wird für die Zeit vom 1. August bis 31. März 1931 erhoben. Die 'Reichshilfe wird bei Berechnung des Einkommens abgezogen.
Der Zuschlag von 5 Prozent zur Einkommensteuer für die Einkommen von mehr als 8000 RM. wird nach der Veranlagung für 1929 erhoben. Dem Zuschlag zur Einkommensteuer unterliegen alle Personen, die wegen eines Einkommens von mehr als 8000 RM. veranlagt worden sind. Da bei den. Lohnsteuerpflichtigen eine Veranlagung erst bei Einkom
men von mehr als 8720 RM. stattfindet, ist eine lleberschneidung mit den Arbeitslosenversicherungsbeiträgen ausgeschlossen. Die Zuschläge sind Aeichzeitig mit den laufenden Vorauszahlungen, also am 10. Oktober 1930 und 10. Januar 1931 (bei der Landwirtschaft am 15. November 1930 und 15. Februar 1931) zu entrichten. Der Zuschlag zur Einkommensteuer der Ledigen besteht 1. in einem Wegfall des int Juli 1928 eingeführten Abschlages, der 25 Prozent, höchstens aber 36 RM. jährlich betrug, 2. bei den Personen, bei denen nicht mehr der prozentuale, sondern nur der feste Abschlag von 36 RM. sich auswirkt, d. h. bei einem Arbeitslosen von mehr als 2640 RM. jährlich tritt außerdem ein Zuschlag von 10 v. H. zur Steuer hinzu. Bei den Lohnsteuerpflichfigen wird dieser Ledigenzuschlag zugleich mit der Lohnsteuer vom 1. August ab erhoben. Bei der veranlagten Einkommensteuer werden die Zuschläge nach der Einkommensteuer für 1929 berechnet und an den oben genannten Vorauszahlungsterminen eingezahlt. Zu den Ledigen zählen nicht die Verwitweten und Geschiedenen. Befreit von der Ledigensteuer sind Unverheiratete, denen für uneheliche Kinder, Adoptivkinder usw. Kinderermäßigungen zustehen.
Minister Dietrich zu verstehen gegeben haben, daß
Abänderungen des Regierungsprogramms tat einzelnen nicht ausgeschlossen find.
Für die kommende Verhandlung der Reichsregierung mit den Parteien wird es darauf ankommen, die echte Ausgabensenkung zu erreichen und sich nicht mit Scheinhilfen zu begnügen, weil nur auf diese Weise die große Finanzreform tatsächlich vorbereitet werden kann.
Die Scmofroten
Die demokratische Reichstagsfraktion hielt am Sonnabend eine Sitzung ab, in der die neuen Deckungsvorschläge der Regierung erörtert wurden. Die Fraktion wird sich, wie die Telegraphen- Union erfährt, dem Appell des Reichskanzlers und des Finanzministers, auf parlamentarischem Wege eine Mehrheit für das Deckungsprogramm zu finden, nicht versagen. Sie wird die Vorlage sorgfältig und unvoreingenommen
(Fortsetzung sieh« Seite 2.)
Dm befreiten Mlnlmib
Von Dr. Heinrich Krumbhaar.
Vorsitzendem des Vereins Deutsch« Zeitungsverleger.
Allen Gewalten zum Trutz sich erhalte«. Rufet die Arme der Götter herbei.
Ein Aufatmen geht durch deutsche Laiche. Der letzte fremde Soldat hat den Boden des Vaterlandes verlassen; wir sind wieder Herren im eigenen Hause. Zwar sind wir damst noch nicht frei — denn daran hindern uns die Ketten der Versalller De- ftimmungen — aber das Rheinland ist von der unmittelbaren Auswirkung fremden Druckes endlich befreit.
Trotz der Sorge, die unsere Herzen wegen der Unsicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse erfüllt, erbebt "sich in uns gewaltig das Gefühl der Freude und drängt uns zu neuer lebendiger Hoffnung. Denn nichts hat in den letzten zwölf Jahren das Bewußtsein der eigenen Würde und das nationale Selbstgefühl tiefer und schwerer niedergedrückt, als die Tatsache, daß fremde Truppen in großen Teilen deutschen Landes die Herren spielten und fremde Machthaber nach Gutdünken schalteten und walteten, deutsche Bürger aber recht- und schutzlos waren!
Diese Rot, kaum tragbar für das Gefühl einer Zeit, die sich für human und zivilisiert erklärt, liegt hinter uns; unser Selbst- bewußtsein darf einen neuen Aufschwung nehmen; denn die Rückkehr Deutschlands zur vollen Souveränität, zur Gleichberech» tigung mit den anderen großen Völkern, ist um einen gewaltigen Schritt vorwärts gekommen. In das Läuten der Glocken, in das Donnern der Böller, in das befreite Aufatmen und die freudigen Iubelrufe der Bevölkerung mischt sich die machtvolle Stimme der deutschen Presse mit dem Aufruf an die Oefsentlichkeit, den Tag der Befreiung alseingemeinsamesnatio- nales Erlebnis zu begehen und in einem würdigen Zusammenschluß der Geister zu verewigen.
Befreit vom Druck fremder Gewalt sind mit dem Abmarsch der fremden Besatzung auch wieder die Zeitungen in den Rheinlanden. Sie haben in den verflossenen schweren Jahren einen Hauptteil der Zwangsmahregeln, der Willkürherrschaft und des Säbelregiments getragen, mit dem die Besatzungsmächte bald stärker, bald schwächer die deutsche Bevölkerung am 'Rhein bedrängt und in ständiger Unsicherheit gehalten haben. Die deutschen Zeitungen am Rhein können deshalb mit vollem Recht einen Hauptteil des Dankes, den das gesamte übrige Deutschland den befreiten Gebieten zollt, beanspruchen und mit freudigem Stolze entgegennehmen.
Unser aller Dank gilt den deutschen Brüdern und Schwestern, die für das gemeinsame Deutschtum unendlich Schweres und Bitteres 12 Jahre hindurch getragen haben. Wenn diese Kraft im Leiden, auf das unbesetzte Deutschland übersttömend, sich dort in Kraft zum Handeln verwandelte, so gilt das in besonderem Grade für den tiefwirkenden ideellen Einfluß, den die Zeitungen im besetzten Gebiet auf die Presse des übrigen Deutschlands auszuüben vermochten. Die Gefängnis» und hohen Geldstrafen, die Fälle jahrelanger Verbannung vorn Wohnort, von der 5a-