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,er Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (bas frühere knrhessifche) Oberhessen
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SdLrhMsche Zeitung
Nr. $48 65.3o6tg, Marburg «.Saba
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Das mm DeckVAgsprogramm
öKarier Seoeusat MWea MWanM «to MKvarU - Sr. Brüning Wrt morsen zu Sindenburg Arritag Bekanntgabe der EnWelbnng beb Kabinetts
st. Berlin, 25. Juni. Das Reichskabinett wird seine Besprechungen heute Nachmittag zum Abschluss bringen. Am Donnerstag früh wird sich dex Reichskanzler zum Reichspräsidenten nach N e u d e ck begeben. Nach Rückkehr des Reichskanzlers wird alsdann am Freitag das Reichskabinett seine Entscheidung bekannt geben.
Dietrich wird Finanzminister
Allgemein war erwartet worden, daß das Reichskabinett in seiner Nachtsitzung, die sich bis gegen 1 Uhr erstickte, zu Beschlüssen kommen würde, durch die die politische Lage nach der einen oder anderen Seite geklärt würde. Das Kabinett ist aber noch nicht über die allgemeine Aussprache hinweggekommen, die das Ziel hat,
ein Kompromiß zwischen dem Programm von Minister Dietrich und den Forderungen der Deutschen Bolks- partei herbeizusühren.
Soviel steht jetzt jedenfalls fest, daß zu den Vorschlägen, die der Reichskanzler dem Reichspräsidenten unterbreiten will, auch die Ernennung Dietrichs z«m Reichsfinanzmini st er zählen wird. Der sachliche Ausgleich zwischen den Auffassungen der Parteien mutz jedoch noch gefunden werden. Eine Parteiführerbesprechung hat der Kanzler nicht in Aussicht genommen; dagegen ist wohl anzunehmen, datz bis zur heutigen Kabinettssitzung nochmals mit der Deutschen Volkspartei Fühlung genommen wird, »m die Möglichkeiten einer Verständigung weiter z« überprüfen. Einzelheiten über den sachlichen Inhalt der Kompromitzbemühungen werden geheim gehalten, um den Fortgang der Verhandlungen nicht zu stören, nnd zunächst den Reichspräsidenten zu unterrichten, ehe sie der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden.
Sein Programm
Das Programm dürfte ungefähr folgendermaßen aussehen:
Ein Notopfcr für die Beamten, das die kleinen Einkommen bis zu 2000 Reichsmark freilätzt und aufwärts je nach der Höhe von 2—3% gestaffelt ist. Für die übrigen Einkommen erwartet man, wie wir bereits gemeldet haben, einen etwa
1ü%igea Zuschlag zur Einkommensteuer. Dazu kommen die Ledigensteuer und die Verzehrssteuer. An die Stelle der Ver- Shrsfteuer will der Vorschlag der Deuten Volkspartei die bereits früher viel erörterte
Bürgerabgabe
setzen, die von jedem Wahlpflichtigen in Höhe von etwa 5—900 R-K jährlich erhoben werden soll, und deren Aufkomnien man mit etwa 200 Millionen berechnet. Außerdem setzt die Volkspartei den Ersparnisabsichten des Dietrich'schen Programms, das etwa 100—120 Millionen Abstriche am Etat vorsieht, die Forderung auf eine
5%ige Einsparung am Eesamtetat entgegen, die etwa 500 Millionen erbringen soll. Ob die Volkspartei mit il)rert Forderungen durchkommt, ist vorläustg noch sehr zweifelhaft. Jedenfalls haben die bisherigen Besprechungen zwischen
Dr. Scholz und dem Kanzler noch keine Anhaltspunkte für eine nahe Verständigung ergeben. Der Gegensatz zwischen dem Kabinett und der Volkspartei besteht vielmehr unverändert fort.
Das Zentrum hinter Brüning
Die Zentrumsfraktion beschäftigte sich gestern mit der gesamtpolitischen Lage, wie sie durch den Rücktritt Molden- Hauers geschaffen ist. Besonders scharf kritisiert wurde in der Besprechung das Verhalten der Deutschen Volkspartei. Man war der Ansicht, daß, wenn auf der einen Seite alle parlamentarischen Mittel und Wege zur gesetzgeberischen Sanierung der Finanzen gegangen werden würden es doch schon heute
von dem Kabinett abgelehnt werden müsie, weiter mit den Parteien zu verhandeln.
GmnvorMöge
SlemmWMM Ito keine
Das Schreiben, das Reichstagsabgeordneter Dr. Scholz im Auftrage seiner Partei Dienstag abend dem Reichskanzler Dr. Brüning unterbreitete, enthält folgende Einzelvorschläge:
Ersparnisse und Ausgabensenkungen in Höhe von zusammen etwa 260 Millionen, nämlich 125 Millionen Abstriche an den Sachausgaben des Etats und 5% Herabsetzung der Länderüberweisungen. Erhebliche Mittel, nämlich eine Summe von weit über 100 Millionen, sollen durch Besteuerung der öffentlichen Betriebe erschlossen werden.
Auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung wird die Durchführung der Vorschläge des Vorstandes empfohlen, also die ledigliche i^prozentige Beitragserhöhung unter dem Druck der geplanten Reformen.
Sollte die Deckung nicht ausreichen, so sollen in einem Nachtragsetat im Herbst neue Mittel angefordert werden. Hier ist die Möglichkeit eingeräumt, etwa eine weitere s^prozentige Beitragserhöhung vorzunehmen. Eine Reihe weiterer, von den Wirtschaftsverbänden schon vorgeschlagener Maßregeln auf dem Gebiete der Steuererhöhung und der Verwaltung soll etwa 80 Millionen erbringen.
Auf jeden Fall soll dafür gesorgt werden, daß die Versicherungspflichtigen noch im Laufe des Etatsjahres durch Herabsetzung der Krankenversicherungsbeiträge eine gewisse Entlastung erfahren. Außerdem soll die Beitragserhöhung in der Arbeitslosenversicherung bis'zum 31. März nächsten Jahres befristet werden.
Letzter Punkt des volksparteilichen Programms ist die Aufforderung an die Reichsregierung, auch auf eine allgemeine Senkung des Lohn- und Preisniveaus hinzuwirken und zwar durch Ankurbelung der Wirtschaft, Belebung des Arbeitsmarktes und durch Senkung der Personallasten in Reich, Ländern und Gemeinden.
Das Schreiben schließt mit der ausdrücklichen Feststellung, daß
die Deutsche Vollspartei keinerlei Stenerrrhöhungen oder gar eine einseitige Belastung einzelner Volksschichten mitmachen könne.
Sollte es dem Kanzler nicht gelingen, eine Mehrheit für seine Deckungsvorlagen zu erhalten und er letzten Endes zu dem verfassungsmäßigen Mittel greifen müsie, so werde die Fraktion voll und ganz hinter dem Kanzler stehen, sei es nun, daß der Kanzler die Vorlagen durch ein Ermächtigungsgesetz durchzubringen versucht, sei es. daß er auf Artikel 4 8 zurückgreift.
Was das N o t o p f e r anlangt, so kann die Meldung bestätigt werden, daß man, entsprechend von Minister Dietrich vertretenen Vorschlägen, an eine Aenderung des Notopfers Herangehen will, und zwar durch die Staffelung auf 2y2 statt 4 Prozent. Dafür soll eine allgemeine Heranziehung der hohen Einkommen durch Erhöhung der Einkommensteuer von 8 auf 10 Prozent für Einkommen über 8400 Mark erfolgen.
-er NMpartei
Lösung ba EaimklmMage
solange die von ihr ausgezeichneten Möglichkeiten zur Erschließung anderer Einnahmen und zur Durchführung energischer Ersparnisie nicht bestritten seien.
Das Programm ist aber so bemesien, daß es dem Reich etwa 600 Millionen an neuen Einnahmen bezw. an Ersparnisien sichern soll.
Forderung der Wirtschaftspakte!.
Die Wirtschaftspartei hat laut „Berliner Tageblatt" zu heute eine außerordentliche Sitzung einberufen. In einer Verlautbarung dazu betont sie, daß 100 Millionen Ersparnisse bei einem Etat von 11 Milliarden völlig unzureichend seien und daß sie sich jeder neuen steuerlichen Belastung, die direkt oder indirekt die Wirtschaft trifft, widersetzen werde.
Gescheitert
Die Verhandlungen über den Preis- und Lohnabbau.
Berlin. 24. Juni. Wie in politischen Kreisen verlautet, find die direkten Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern über das Problem der Preis- und Lohnsenknngen, die trotz aller Schwierigkeiten bisher immer noch in der Schwebe gehalten wurden, nunmehr als beendet anzusehen. Es wurde heute vereinbart. daß der Reichswirtschastsrat diese Frage weiter behandelt. Die nötigen Schritte dazu find bereits eingeleitet. Damit sind also die direkten Verhandlungen gescheitert. Ja Wirt- schastskreisen wird diese Tatsache sehr, bedauert.
Neu» Baisse an der Newyorkrr Börse.
N e w y o r k, 24. Juni. An der Newyork Stock Erchang:, dem führenden Wertpapiermärkte der Vereinigten Staaten, kam es am Dienstag zu einem neuen allgemeinen Rückgang der Notierungen, der bei einzelnen Papieren bis 16 Dollar betrug. Eine ganz« Reihe von Werten des Aktienmarktes ging auf einen neuen Tiefstand zurück. Der Umsatz erreichte allein in der letzten Viertelstunde des Börssnverlehrs rund eine Million Stück (Gesamtumsatz am Montag 3 832 000 Stück).
Die Regierung befindet sich in einer Zwangslage. Ihre Gefolgschaft bröckelt auseinander. Man ist im Reichstag durchweg der Auffassung, daß der Regierung nur noch zwei Wege übrig bleiben: Durchführung eines neuen Programmes mit Hilfe des Ermächtigungsgesetzes oder aber sang- und klangloses Verschwinden. Da die Regierung diesen letzten Ausweg nicht wählen wird, so ist es möglich, datz wir schon in aller kürzester Frist eine Reichstagsauflösung und eine Anwendung des
ragrsiviMl
Die Entwicklung der Verhand- lungen über das Deckungsprogramm wird in politischen Kreisen und in der Presse mit größtem Interesse verfolgt. Man spricht allgemein von einer Verschärfung der Krise, wobei sich das Hauptaugenmerk auf die Haltung der Deutschen Volkspartei richtet, deren Vorschläge, die wir nebenstehend bekanntgeben, weit größere Erparnisse und Ausgabensenkungen vorsehen als die Vorschläge des Kabinetts und des künftigen Finanzministers. Die „Germania" krftisiert die Haltung der Deutschen Vollsparter 'sehr scharf, spricht von einer Vorherrschst des schwerinduftriellen Flügels und fährt dann fort: „Dieser Gruppe kommt es nicht auf diese oder jene Gestaltung des Deckungs- Programms an, sondern sie holt weit aus, um wichtige sozialpolitische Begebenheiten, wie dem Schutze des Arbeitsfriedens dienende Einrichtungen zu beseitigen. Einen Vorschlag hat die Vvllspartei allerdings gemacht, nämlich den, zunächst nur die Reform der Arbeitslosenversicherung vorzunehmen, und a Iles andere auf den Herbst zu vertagen. Dah ein solcher Verzicht ckuf die Sicherung des Etats, der einer Fortsetzung der Finanzpolitik der letzten Jahre gleichkommt, grundsätzlich und unter allen Umständen abzulehnen ist,, bedarf keiner Begründung. Durch all diese Vorgänge hat die Krise der deutschen Finanzpolitik eine außerordentliche Verschärfung ersah-, ren. And wenn nicht unverzüglich und mit aller Konsequenz gehandelt wird, dann besteht die Gefahr, daß in naher Stunde eine Krise der deutschen Politik ausbrechen kann. Das Kabinett ist sich dieser Gefahr bewußt, und man darf annehmen, daß seine gestrige Sitzung in erster Linie dazu bestimmt war, den Weg und die Methode dieses Handelns festzulegen. Wenn die Vollspartei aus der Regierung ausscheiden will, dann wird das Kabinett dies hinnehmen müssen, ohne außer Fassung zu geraten. Denkbar ist durchaus eine Regierung, die sich auch hierdurch nicht davon abhalten läßt, das zu tun, was im Interesse des Staates und feiner 'finanziellen Ordnung unvermeidlich ist. Wenn jetzt zur Durchsetzung dieser Aufgabe die Frage eines Ermächtigungsgesetzes und auch die Anwendung des Artikels 48 erwogen wird, so darf man ran hoffen, daß uns dieser Weg erspart bleibt, daß er mit all seinen Konsequenzen sorgfältig geprüft und keine Möglichkeit anher acht gelassen wird, die uns die Anwendung allerletzter Mittel erspart. Jedenfalls aber besteht die dringende Notwendigkeit, sehr schnelle Entscheidungen zu treffen, und es läge im gesamtpokiti- schen Interesse, wenn das Parlament sich ihnen nicht versagen würde."
In der V. Z. heißt es: „Parlamentarier, die in direkter Fühlung mit dem Kanzler stehen, haben gestern versichert, daß der Kanzler entschlossen sei, sich durch die DBP. nicht in eine Regierungskrise hineintreiben zu lassen. Sollte die Volkspartei Dr. Curtius veranlassen, zurückzutreten, dann würde bei allem Bedauern über den Verlust dieses Freundes und Weggenossen Stresemanns die Regierung den Rücktritt doch hinnehmen. Das Reichs- wirtschaftsministerium würde dann mit Treviranus besetzt werden, der am 1. Oktober ohnehin sein Portefeuille verliett. Heber die eventuelle Neubesetzung des Außenministeriums find vorläufig noch keine Erwägungen angestellt worden."