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Montag, teil zz. Zimt 1930

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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen

Sr.M4 65.3awe. Marburg a.ßalm

Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gesvalt. Zeilenmillimeter 0.08 EM., sog. kleine Anzeigen und Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 ZM amtlich« und aus­wärtige Anzeigen 0.10 EM. Bei schwierigem Sah sowie bei Platz» dorschrlst 50°l, Aufschlag. Sammelan,eigen 100)« Auf­schlag. R«klam.-Millim. 0,40 SM. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt.

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Das Wahlergebnis in Eachsen

Sie Sationaüosialiitcn vcrtreiiachm Ihre Stimmemahlen - Schwere Berichte her Seutschen BoWartei and her Seichchnattonalen

Die Landtagswahlen in Dresden und

fl. Dresden, 23. Juni. Die gestern itt Sachsen stattgefundenen Landtags- Wahlen haben folgendes Ergebnis zu ver­zeichnen:

Sozialdemokraten 871327 Stimmen (922 932) 32 Mandate (33)

Deutsche Volkspartei 227 319 Stimmen V (363 382) 8 Mandate (13)

Kommunisten 355 552 Stimmen (345 530)

13 Mandate (12)

Wirtschaftspartei 276 702 Stimmen

\ (304 884) 10 Mandate (11)

Deutschnationale 124 300 Stimmen

M (218 309) 5 Mandate (8)

3 Sächsisches Landvolk 120 497 Stimmen

Leipzig.

Der gestrige Wahlsonntag ist in Dresden, abgesehen von einigen harm­losen Anrempeleien, ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung ist trotz des schönen Wet­ters nicht so gering gewesen, wie man an manchen Stellen zunächst erwartet hatte. Der erste Strom in den Wahllokalen traf bereits nach 8 Uhr ein. Um 11 Uhr be­gann es abzuflauen. Sehr rege war die

I Wahlbeteiligung wieder in den letzten Stunden.

Auch in Leipzig verlief der Wahl­tag ruhig. Von der Propagandatätigkeit auf den Straßen war nach den bewegten letzten Tagen kaum noch etwas zu beobach­ten. Lediglich in den Außenbezirken war man noch an der Arbeit. Trotz des fom- merlich schönen Wetters setzte die Wahl­beteiligung bereits am frühen Morgen ein und setzte sich fast ununterbrochen gleich­mäßig fort.

Gegen -le Son-erkelastnug ree Beamten

M (140 611) 5 Mandate (5)

Nationalsozialisten 376 724 Stimmen l| (133 787) 14 Mandate (5)

M Demokraten 83 671 Stimmen (105 289) |i 3 Mandate (4)

I Aufwertungspartei 44142 Stimmen

I (70131) 2 Mandate (3)

M Alte Sozialdemokratische Partei 19197

K Stimmen (39 568) 0 Mandate (2)

j Volksnationale R:ichsvcr:inigung 39 353 I Stimmen (0) 2 Mandate (0)

Kommunistische Opposition 14 827 Stim­men (22129) 0 Mandate (0)

Christ!. Nationaler Bolksdienst 57 408 Stimmen (0) 2 Mandats (0)

Die Zahl der abgegebenen Stimmen beträgt 2 611017.

Die Wahlbeteiligung ist um mehr als 80 000 geringer wie im vorigen Jahr.

Gesamtergebnis des Wahlkreises DresdenBautzen.

Dresden, 23. Zuni. Das Gesamt­ergebnis der Landtagswahlen im Wahl­kreis DresdenBautzen ist folgendes: Gesamtzahl der gültigen Stimmen 940 476 (1 001317). Sozialdemokraten 332 319 (368 864). Deutsche Volkspartei 85 389 (129 071). Kommunisten 100 811 (93 667). Wirtschaftspartei 107 258 (109 641).

Deutschnationale 50 626 (91 554). Sächsi­sches Landvolk 55 038 (65 493). National­sozialisten 106 068 (36 589). Demokraten 37 667 (54 503). Volksrechtspartei 6879 (11330). Alte Sozialdemokratische Partei 10 055 (20 631). Dolksnationale Reichs­vereinigung 30 413 (0). Kommunistische Opposition 3 768 (4 620). Christlichsozia­ler Volksdienst 3967 (0).

Gesamtergebnis von Chemnitz-Stadt.

Das Gesamtergebnis der Wahlen stellt sich in Chemnitz-Stadt wie folgt: SPD. 56 656 (57 084). Deutsche Volkspartei 11029 (27 085). KPD. 29 576 (28 204). Wirtschaftspartei 18 007 (20 467). Deutsch­nationale 11714 (20 896). Sächsisches Landvolk 542 (548). Nationalsozia­listen 3 5 4 3 4 (612 9). Demokraten 3752 (5 962). Volksrechtspartei 2158 (5 970). ASP. 1040 (2192). Kommu­nistische Opposition 875 (1651). Christlich­soziale 3 623. Volksnationale Reichsver­einigung 799.

Zwika».

Rach dem amtlichen Ergebnis erhielten die Sozialdemokraten 12 241 (13 937) Stimmen. Deutsche Volkspartei 3167 (2 514). Deutschnationale 2 497 (4 439). Sächsisches Landvolk 237 (222). National­sozialisten 9187 (3862). Demokraten 2575 (3 306). Volksrechtspartei 528 (975). Alte Sozialdemokraten 368 (782). Kommuni­stische Opposition 261 (421). Christlich­sozial 795 (0). Die in Klammern ange­gebenen Stimmzahlen beziehen sich aus die vorjährige Landtagswahl.

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Köln, 21. Zuni. Der Verbandsaus- schuß ber höheren Beamten Preußens nahm am Sonnabend in Köln zu den dringenden Tagesfragen Stellung. Heber die politische Stellung des Beamten in Gegenwart und Zukunft berichtete Mini­sterialrat Schmidt -Berlin. Das Hauptinteresse erregte das Referat von Oberstudiendirektor Dr. Volle über die wirtschaftliche Lage der Beamten. An die Reden schloß sich eine ausführliche Aus­sprache. Die Ergebnisie wurden in zwei Entschließungen festgelegt, deren eine sich mit dem geplanten Notopfer befaßt, und in der es u. a. heißt, daß die in Köln versammelten Vertreter der höheren Be­amten Preußens von der Notwendigkeit einer Sanierung der Reichs-, Staats- und Gemeindefinanzen überzeugt fÄen. Sie dürfe sich aber nicht auf die Behebung des augenblicklichen Defizits beschränken, vor allem sei dazu die lleberwindung der Wirtschaftskrisis und mit ihr die Minde­rung der Arbeitslosigkeit notwendig so­wie eine Senkung der öffentlichen Aus­gaben durch eine allgemeine Reichs- und Verwaltungsreform. Die Sanierung der Wirtschaft werde außer durch eine Revi­sion der Arbeitslosen- und Krankenver­sicherung auch auf dem Wege einer allge­meinen Preissenkung erfolgen muffen. Dazu bedürfe es der Verminderung der Produktionskosten, der Verminderung der Preisspanne zwischen Erzeugung und Verbrauch sowie der Beseitigung der Aus­wüchse im Kartellwesen. Zur Behebung der gegenwärtigen Notlage sei auch die höhere "Beamtenschaft Preußens zu Opfern bereit. Sie wende sich jedoch dagegen, daß ein solches Opfer ausschließlich den Festbesoldeten auferlegt werden solle. Eine Sonderbelastung der teilweise weit unter den Friedensrealeinkommen besoldeten Beamten könne unmöglich hin­genommen werden, wenn gleichzeitig viele Tausende von Verdienern zum Reichsnotopfer mit keinem Pfennig her­angezogen werden sollten. Das Volks­opfer müsse alle Schichten nach Maßgabe bet Leistungsfähigkeit treffen. Am ge­rechtesten werbe seine Ausgestaltung nach

ben sozialen Grundsätzen der Einkommen­steuergesetzgebung erfolgen. Die zweite Entschließung wendet sich gegen den beab­sichtigten Abbau der Sonderzulagen.

Der Deutsche Metallarbeiterverband Nord-West zum Oeynhauser Spruch.

Essen, 23. Zuli. Die Bezirksgruppe Industriegebiet des Deutschen Metallar­beiterverbandes befaßte sich in einer von etwa 1500 Delegierten besuchten Ver­sammlung im Essener Saalbau mit der durch den Oeynhauser Schiedsspruch ge­schaffenen Lage. Der Führer des Deut­schen Metallarbeiterverbandes R e i ch e l t- Stuttgart hielt eine Rede, die in der Be­merkung gipfelte, es stehe fest, daß

die Preisfettkvttg in der Eisenindu­strie auch ohne Lohnsenkung itt der allernächsten Zeit eingetreten wäre.

Bezirksleiter Wolf- Essen erklärte, gegen die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs werde feierlich protestiert werden, denn er sei sozial und wirtschaft­lich gleich verderblich. Er wieß daraus hin, daß für die nächste Zeit Abwehrmaß­nahmen gegen die Beschuldigungen der Arbeitgeber der Eisenindustrie ergriffen werden müßten. Die Verfammlung nahm eine Entschließung an. in bei es u. a. heißt: Durch bie Verbinblichkeitserklärung bes Schiebsspruches würben bie im Tarif­gebiet Norb-Weft beschäftigten 200 000 Metallarbeiter erheblich geschädigt. Dar­über hinaus müßten auch die Interessen ber etwa 800 000 Akkorbarbeiter ber Me- tallinbustrie im ganzen Rieche nachteilig beeinflußt werben.

Lohnherabsetzungen seien kein geeig­netes Mittel zur Behebung der gegen­wärtigen Wirtschaftskrise.

Gefordert wird von der Eisenindustrie mit Rücksicht auf die Senkung der Ge­stehungskosten eine starke Herab­setzung der Eisenpreise zur Er­leichterung des Wettbewerbs auf dem Weltmarkt.

Ein mit 35 Personen besetzter Lastkraftwagen verunglückt.

ft Königsstein, 23. Juni. Ein mit 35 Personen besetzter Lastkraftwagen, der vom Feldbergfest der Deutschen Turnerschaft kam, stürzte gestern nachmittag in einer Kurve der Feldbergstraße bei Königstein die Böschung hinab und überschlug sich. Ungefähr 20 Per­sonen erlitten mehr oder weniger schwere Ver­letzungen. Die Sanitätskolonne Königsstein brachte die Verletzten in das Krankenhaus in Königstein, wo 15 Perscnen verbunden wur-

den und dann wieder entlasten werden konnten. Fünf Personen sind so schwer verletzt, daß sie im Krankenhaus bleiben mußten. Doch dürfte Lebensgefahr in keinem Falle bestehen.

EchiMuiammrattoß im Ärmel­kanal

Ein deutscher Dampfer geftmken?

fk. Paris, 23. Juni. Einige Blätter be­richten aus Brest, daß dort S. O.S.-Rufe zweier Schiffe ausgefangen worden seien. Es handele sich um den deutschen Dampfer Casablanca" und den englischen Dampfer Henry Stanley", die aus 49 Grad 30 Minuten Nord und 3 Grad West, fast halb in der Mitte des A e r m e l k a n a l s, zusammengestoßen seien. Der Dampfer Casablanca" sei gesunken. Die Be­iatzung wurde zum Teil vom englischen Dämpfer ausgenommen.

Sagteialrgel

Das Ergebnis der Wahl zum Säch­sischen Landtag steht ganz im Zei­chen des riesigen Anwachsens der national­sozialistischen Stimmen. Man hat zwar nationalsozialistische. Erfolge bei den Sachsenwahlen erwartet, daß sie aber ein derartiges Ausmaß nehmen würden, hat man selbst in den politischen Kreisen Dres­dens, wo man am besten mit den besonders gelagerten sächsischen Verhältnissen ver­traut war, nicht dorausgesehen. Äe Rech-, nung des ungeheuren nationalsozialisti­schen Stimmenzuwachses hat wohl in erster Linie die Deutschnationale Volkspartei zu begleichen, deren Stimmen trotz der regen Agitation ihres Parteiführers in einem Jahre von 218 309 auf 124300 zurück­gegangen ist. Aber auch die Deutsche Volkspartei wird, wenn auch nicht in dem gleichen Maße, ihr Teil zu dem national­sozialistischen Siege beigetragen haben. Die Demokraten und die Wirtschaftspartei ha­ben wohl auch Verluste auszuweisen, je­doch sind ihre Einbußen nicht so erheblich, daß man von einer Aeberraschung sprechen könnte. Ein gut Teil der Verluste der eben genannten vier Parteien geht aber auch auf Kosten der 25 Prozent der Wäh­lerschaft, die nicht den Weg zur Wahlurne gefunden haben. Die Kommunisten ha­ben nicht die Erfolge errungen, die auf ihre rege Wahlagitation von ihren politi­schen Gegnern befürchtet wurden. Die Ab­wanderung von der Sozialdemokratischen Partei zur K.P.D. ist in bescheidenen Grenzen geblieben.

Das Gesamtbild des neuen Sächsischen Landtages ist nicht dazu angetan, die Frage der Regierungsbildung, die im alten Landtag schon ein Problem darstellte, in rosigerem Ächt erscheinen zu lassen. Wie eine arbeitsfähige Regierungsmehrheit zu- standekommen soll, kann heute noch nie­mand sagen. Ob man wenigstens vorläu­fig seine Zuflucht zu einem Beamtenmini­sterium nehmen wird? Der Ausgang der Wahlen in Sachsen kann nicht als ermun­ternd für eine Reubildung des Reichs­parlaments gelten.

Nachdem sich Reichskanzler Dr. Brü­ning davon überzeugt haben dürfte, daß Dr. Höpker -Aschoff nicht geneigt ist, das Finanzministerium zu übernehmen, verlautet nach den Berliner Blättern, daß der Reichskanzler auf seine ursprüngliche Absicht zurückkommen und dem Reichs- wirtschaftsminister Dietrich die Nach- folgeschast Dr. Moldenhauers antragen wird. Nach demBerliner Tage­blatt" hat Minister Dietrich schon am Sonnabend an der Unterredung zwischen dem Reichskanzler und Dr. Höpker-Aschoff teilgenommen. Das Blatt weist darauf hin, daß die Auffassung innerhalb der de­mokratischen Reichstagsfraktton bisher un­verändert gegen eine Aebernahme des Finanzministeriums durch Minister Dietrich sei.

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Rach dem veröffentlichten Kommunique sollen in dieser Woche die Verhand­lungen zwischen Arbeitgeber­schaft und Vertretern aus dem Arbeitnehmerlager nach einer kur­zen Zwischenpause wieder ausgenommen werden. In polittschen Kreisen rechnet man jedoch weiter mit erheblichen Schwie­rigkeiten beim Suchen nach einer Eini­gung auf dem Gebiete der Lohn- und Preisfrage. Der Schwerpunkt der Schwie­rigkeiten soll jetzt nach Auffassung der­jenigen Kreise, die dem Arbeitgeberlager nahestehen, bei den polittschen Stellen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie liegen. Man scheint bei diesen Zentral­stellen von einem Gelingen der Aktion zwi­schen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine Stärkung der bürgerlichen Koalition zu er- toarten, da die Regierung Brüning dann das Verdienst für sich in Anspruch nehmen könne, daß während ihres Bestehens eine Verständigung erzielt worden sei. Aus diesem Grunde wird anscheinend auf selten