grtitofl, M 20. Zum 1930
Sie ^Vberh«|sgche Zetttmg" er cheinl sechsmal vichentlich. De- vgSpreiSmonallich2.20EM.au«- chttcßl. ZuslellungSgebühr, Lurch die Post 2^5 GM. Für etwa durch Streik, Maschtneudsfekt oder elementare Lretgntst« ausfallend« Nummern wird Mn Ersat- geeist«. Verlag Dr. §. Httzeroth. Druck der Untt>.-Buchdr«cker«i Ioh. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Sir. 54. u. Sir. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit itt Redaktion von 10—11 und
's,1-1 Uhr.
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
ÄberhEche
*****
St. 142 65.3nbrp. Marburg a.Mn
Der Anzeigenpreis beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimetee 0.08 GM., sog. kleine Anzeige» nnd Familienanzeigen bei Barzahlung 0.07 SM„ amtliche und auswärtige Anzeigen 0.10 GM. Bei schwierigem Satz sowie bei Platzdorschrift 50°!, Aufschlag. — Sammelanzeiqen 100 Auf- schla v N-klam.-Millim. 0,40 GM. Jeder Rabatt ailt als Barrabatt.
Ziel 5 Tage.
Sfferlen-IebLhr: 25 Pfg.
Belege werden berechnet. ErfüllrmgSdrt Marburg.
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Ammbritimg der DrikimgsvorlW
MMnlmicrs MM« ist sicher - Nie Euiicheibung fällt llft In der nächsten Woche
Staatssekretär Dr. Meißner nach Neudeck abgereist.
Berlin, 20. Znni. Staatssekretär Dr. Meihner ist gestern abend nach Reudeck gefahren, um dem Reichspräsidenten von dem endgültigen Rück- trittsgesuch des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer Mitteilung zu machen.
Die Unterhaltung Scholz—Brüning.
Schon gestern nachmittag verlautete zu der Unterredung, die zwischen dem Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz und dem Reichskanzler Brüning stattgefunden hat, dah nunmehr nicht mehr damit zu rechnen ist, dah Dr. Molden- hauer im Amt bleibt. Der Reichskanzler wird dem Wunsch der Deutschen Lolkspartei. der sich mit dem Dr. Moldenhauers deckt, Rechnung tragen und deshalb dem Reichspräsidenten nicht vorschlagen, das Rücktrittsgesuch abzulehneu. Damit dürste Dr. Moldenhauer Anfang nächster Woche aus seinem Amte scheiden.
Die parlamentarische Lage.
Wie wir erfahren, hat der Reichskanzler noch keine Entscheidung darüber getroffen, wann er nach Neudeck fährt, um dem Reichspräsidenten über das Rücktrittsgesuch des Reichsfinanzmini- sters Dr. Moldenhauer Bericht zu erstatten. In dieser Woche dürste die Reise aber nicht mehr erfolgen, da Dr. Brüning die Absicht hat, am Sonnabend die Länderkonferenz zu eröffnen. Staatssekretär Meißner hat an der gestrigen Kabinettssitzung noch teilgenommen und ist also in der Lage, den Reichspräsidenten von sich aus zu informieren. Bis zum Vortrage des Reichskanzlers werden die Arbeiten an der Deckungsvorlage weitergeführt. Solange noch keine Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung des Rücktrittsgesuches vorliegt, find auch alle Erörterungen über die Nachfolge gegenstandslos. Von unterrichteter Seite wird übrigens in diesem Zusammenhang nochmals bestritten, daß der Kanzler das Finanzministerium dem Reichswirtschaftsminister Dietrich angeboten habe. Es habe zwar zwischen beiden Herren eine Besprechung stattgefunden, die sich aber nur um die allgemeine politische Lage drehte, ohne daß dem Reichswirtschaftsminister ein Angebot gemacht worden wäre.
Deutschnattonale und Notopfer.
In einer parteiamtlichen Verlautbarung über die Haltung der Deutfchna- tionalen Volkspartei zum Notopfer verweist die deutfchnationale Pressestelle auf die ablehnende Stellungnahme des Fraktionsvorsitzenden Dr. Ooerkohren in Vorträgen in Dresden und Berlin-Wilmersdorf und des Parteivorsitzenden Dr. Hu- genberg in einer Rede in Vischofswerder am Mittwoch und fährt dann fort: Mit dieser Stellungnahme der Leiden Führer ist die Haltung der Deutschnationalen Volkspartei klar festgelegt. Die Deutsch- nationalen lehnen nicht nur die ungerechte Conderbesteuerung ab, sondern sie ver- tangen überhaupt, dah der Finanzwirtschaft des Kabinetts Brüning, die sich auf den Bahnen Hilferdingfcher Methoden bewegt, endlich Einhalt geboten und damit eine weitere Verelendung des Volkes als üolge der Annahme des Youngplanes verhindert wird. Eie verlangen einen energischen Abbau der ungeheuren Staatsausgaben und eine Abwälzung der ungeheuren Tributlasten auf das Ausland, wie sie Dr. Hugenberg vorgeschlaegn hat.
„3n alten Dankten erlogen"
Berlin, 19. Juni. (Amtlich.) „Der Iungdeutsche" stellt in seiner gestrigen Ausgabe die Behauptung auf, man höre aus sicheren Quellen, „daß der Reichskanzler Dr. Brüning beabsichtigt hatte, die am 1. Juli fälligen Gehaltszahlungen für die Beamten bis zum 15. Juli Zurückzuhalten, falls die Beamtenorganisationen weiterhin mit ihren Protesten gegen die sog. Reichshilse fortführen. Auch
fk. Paris, 20. Juni. Der Außenpolitiker des „Mali n", Jules Sauerwein, der eine Enquete über die Aufnahme des Briand-Wemorandums bei den einzelnen Regierung«! veranstaltet, hat auch eine Unterredung mit Reichs- >mzler Dr. Brüning gehabt. Sauerwein berichtet über dieses Interview in einem interessanten Artikel seines Blattes: der Reichskanzler habe ihm, so führt Sauerwein u. a. aus, erklärt, daß
das Memorandum der französischen Regierung
von der deutschen Regierung pünktlich, das heißt bis zum 15. Juli, beantwortet werden würde, daß darüber hinaus auch die wirtschaftliche und politische Seite des Problems von Deutschland eingehend behandelt werden würde. Die deutsche Regierung betrachte die Beantwortung als eine sehr wichtige Arbeit, sie wolle keineswegs sich mit der Rolle eines Zuschauers oder Kritikers begnügen, sondern, da ihrer Meinung nach die Anfrage der französischen Regierung viel zu ernst sei, um nur Gelegenheit zu rednerischen Gesten zu geben, auch positive Vor- schläq? machen. Es handele sich um eine Arbeit auf lange Sicht, und der Reichskanzler glaubt, daß Deutschland
Die Stttontenng der Seithebabn
Berlin, 19. Juni. Nach einer im amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahngesellschaft „Die Reichsbahn" veröffentlichten Uebersicht betrugen im April d. I. die Einnahmen der Reichsbahn 379 440 000 ÄJt, während sich die Ausgaben auf 405 020 000 beliefen.
Zm Vergleich mit April 1929 find
die Einnahmen um 21,5 vom Hundert zurückgegangen.
während für die ersten drei Monate der Rückgang der Einnahmen gegenüber dem Vorjahr 14,1 v. H. betrug. Für die Monate Januar bis April belaufen sich die Eesamteinnahmeausfälle gegenüber den endgültigen Einnahmen des Vorjahres auf 185,4 Mill. R-K. Die Ausgaben für Betrieb und Unterhaltung konnten dank Einstellung aller nicht betriebsnotwendi- gen Arbeiten, insbesondere zur Ausbesse- rung an den Fahrzeugen, bis Ende April 1930 gegenüber dem Vorjahre um 37,2 Millionen herabgemindert werden. Ein Ausgleich auf der Ausgabenseite gegenüber den Einnahmen war jedoch noch nicht zu erreichen, sodaß die Rechnung der ersten vier Monate des Geschäftsjahres 1930 mit einem Fehlbetrag von 108,8 Millionen abschließt.
in diesem Falle hat der Reichsbankpräsident Dr. Luther diese selbst in der deutschen parlamentarischen Geschichte einzig dastehende Maßnahme verhindert."
Hierzu wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß diese Darstellung in allen Punkten erlogen ist. Die unerhörte Unterstellung, die in der Mitteilung des „Iungdeutschen" enthalten ist, muß aufs schärfste zurückgewiesen werden.
und Frankreich vor einer hervorragenden Aufgabe ständen. Im Rahmen des Interviews wies dann der Reichskanzler auf die besonderen Schwierigkeiten hin, mit denen die Regierung gegenwärtig zu kämpfen habe. Die äußeren Schwierigkeiten verursachten eine drückende Belastung.
Die Regierung sei auf der Suche nach neuen Steuern, aber die indirekten Steuern seien erschöpft.
Reichskanzler Brüning ging dann auch kurz auf die innere Lage ein, streifte insbesondere die Krise der Landwirtschaft und bezeichnete es als ein Problem, bei einer europäischen Belebung dem berechtigten Interesse der Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Als ein weiteres Problem bezeichnete der Kanzler in dem Interview die Arbeitslosigkeit, die bei einem im großen und ganzen gleichmäßigen Geburtenüberschuß bei fortschreitender Rationalisierung der Wirtschaft und Entwicklung der Technik sich noch steigern müsse. Deutschland könne in keine Organisation eintreten, die die Ketten, mit denen es durch die Verträge belastet sei, noch drückender gestaltet.
Seucr SrenzznMensM
Lyck, 19. Zum. An der deutsch-polnischen Grenze bei Prostken im Totschilo- woer Bruch hat sich am Donnerstag nachmittag ein neuer Erenzzwischenfall ereignet. Ein polnischer Zollbeamter wurde dort von einem deutschen Erenzzollbeam- ten in Notwehr erschosien. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Staatsanwalt, Untersuchungsrichter und Polizei haben sich zwecks Aufklärung des Tatbestandes sofort an den Ort des Zwischenfalls begeben.
Wie sich aus den vorläufigen Feststellungen ergibt wurde ein deutscher Zollbeamter, der sich im Dienstanzug aus den Kontrollgang befand, im Walde unvermutet von einem Zivilisten beschossen. Der deutsche Beamte griff darauf seinerseits zur Waffe und schoß auf dem Angreifer, wobei er diesen tödlich verwundete. Bei der Untersuchung der Leiche stellte sich später heraus, daß es sich bei dem Getöteten um einen polnischen Zoll beamt en handelte, der in Zivilkleidung,die deutsche Grenze überschritten hatte. Es ist sofort eine Untersuchung eingeleitet worden, deren Ergebnis zur Beurteilung des Falles abgewartet werden muß.
Das Nriand-Memoran-um
Reichskanzler Brüning über Seulichlands antwort
Tagesspiegel
Reichskanzler Brüning hat seine beabsichtigte Reise nach Neudeck, wo er mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg über die zu ergreifenden Schritte verhandeln wollte, auf die nächste Woche verschoben. Als Begründung wird angegeben, daß Brüning zuerst einmal den Ausgang der sächsischen Reuwahlen abwarten wolle. Diese Begründung findet wenig Glauben. Im allgemeinen kann man sich bereits heute schon ein Bild über die Reuwahlen in Sachsen machen. Die Rationalsozialisten, deren Agitation von der jetzigen Krise und Ratlosigkeit der Regierung profitiert, werden verstärkt in den sächsischen Landtag einziehen. Da auch der Iungdeutsche Orden mit seiner volksnationalen Reichsvereinigung einige Sitze erreichen dürfte, wird also die parlamentarische Situation in Sachsen noch diel verfahrener sein als vorher. Man ist daher fest davon überzeugt, daß Brüning seine Absicht, an den ursprünglichen Dek- kungsplänen festzuhalten, fallen gelassen hat. Man erwartet allgemein, daß die Regierung sich in allernächster Frist zusammensetzen wird, um einen Umbau . der Steuerpläne zu bewerkstelligen. Wahrscheinlich wird man an dem Wehretat nichts kürzen, am übrigen Haushaltungsplan glaubt man jedoch 60—70 Millionen einsparen zu können.
Die Regierung geht von der Aeberzeu- gung aus, daß weder die Produktion noch der Verbrauch eine Mehrbelastung vertragen werden. Denn auf der einen Seite würde dadurch die Arbeitslosigkeit nur verstärkt, auf der anderen der Konsum herabgedrückt werden. Im Prinzip möchte die Regierung an dem Gedanken eines Rotopfers feschalten. Dabei will man, obwohl der Reichsrat sie abgelehnt hat, auf die preußischen Vorschläge zurückgreifen. Bis zu Anfang nächster Woche hofft die Regierung zwar keine völligen Reuvorschläge, aber doch eine starke Umarbeitung der seitherigen Pläne vorlegen zu können. Das Wahlergebnis in Sachsen wird, da es die Zersplitterung im bürgerlichen Lager und das Anwachsen des Radikalismus erneut beweisen wird, die Volksvertreter etwas gefügiger machen. Denn Reuwahlen liegen nicht im Sinne des Reichstags.
In der Öffentlichkeit ist bereits schon darüber gesprochen worden, daß Bestrebungen im Gange seien, die Große Koalition wieder herbeizuführen, ja es ist sogar gesagt worden, dah Prälat Kaas bereits mit den Sozialdemokraten über eine solche Möglichkeit Fühlung genommen habe. Diese Nachrichten entsprechen, wie wir erfahren, nicht den Tatsachen. Die einzelnen Parteien sind bestrebt, endgültige Beschlüsse möglichst erst nach der Reise Brünings nach Reudeck zu fassen, da man erst dann einigermaßen die Lage klar überblicken kann. Die Krise besteht also fort und wird auch kaum vor der nächsten Woche in irgendeiner Form beigelegt werden.
Für die Weiterberatung der Dek- kungsvorlage ist noch keine neue Sitzung der Reichsratsausschüsse einberufen. Heute beschäftigen sich die Ausschüsse nur mit der Reform der Arbeitslosenversicherung. Die Vollsitzung des Reichsrats ist inzwischen offiziell für Samstag 12 Ahr einberufen worden. Von den Deckungsvorlagen steht zur Tagesordnung allein der Gesetzentwurf zur Aenderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes. Außer weiteren kleinen Vorlagen sollen ferner die Ausführungsbestimmungen zum Gast- stüttengesetz erledigt werden. Dagegen sind die Gesetzentwürfe über die Reichshilfe der Festbesoldeten, das Ledigennotopfer und die Reform der Krankenversicherung zunächst nur zum Zwecke der formalen Aus- schuhüberweisung auf die Tagesordnung gesetzt worden.
Für heute vormittag haben Demokraten, Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei