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ttn 19.8uni 1930
Die „Oberbesfis»« Z«wm-- et- gdnt fettxmal wdchentlick. St- Sgrprci« monatlich 2L0GM.au«. ichlteßU Zusiell«ng«getübr. tut» tle Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maichtnendefekt oder eh» sentate Ereignisse auosavende Nummern wird kein Ersa» c* etsket. Verlag Dr. §. Kiderotd» Druck bet Unw.-Duchdrur! ent a,d> Au» Koch, Mark« 21/23 Fernsvrecher: Skr. 64. tu Vkr. 56. Postscheckkonto: Amt Franks«« a. M- Nr. 5015. — Gvrechzet, tt Nedaktion von io—U und
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Sberhemsche
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen für Stadt und Kreis Marburg.
Run -och Artikel 48?
Sie Roldentzaner-Kriie - Der ReiMmyIer gegen den RüiNritt - enttocibung beim ReichSpräiidenIen
Als die gestrige Aussprache in den Reichsratsausschüssen über die Deckungs- eortofle der Reichsregierung ergab, datz sich dafür im Reichsrat keine Mehrheit finden werde, erklärte Dr. Moldenhauer. er würde es am liebsten sehen, wenn er von feinem Amte entbunden werde, liebet die daraufhin sofort einberufene Kabinettsfit- zung wird folgendes amtliche Kommu- niqu6 verbreitet:
Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem ange- totenen Rücktrittsgesuch des Xeichsfinanzministers Dr. Moldenhauer und bat ihn einmütig, von feinem Gesuch Abstand zu nehmen. Da der Reichsfinanzminister demgegenüber aus seinem Rücktrittsgesuch beharrte, wird der Reichskanzler hierüber dem Reichspräsidenten Vortrag halten.
Wie die TU. zu der amtlichen Verlautbarung über die Kabinettssitzung vom Mittwoch ergänzend erfährt, hat sich der Reichskanzler im Kabinett vorbehalten, welche Empfehlungen er dem Reichspräsidenten für die Behandlung des „angebotenen Rücktrittsgesuches" Dr. Moldenhauers geben wird. In politischen Kreisen vermutet man, daß der Reichskanzler sich unter keinen Um- ständen von Dr. Moldenhauer trennen will. Er soll das in diesem Ginne auch am Mittwoch nachmittag ge-^ genüber führenden Persönlichkeiten seiner eigenen Partei geäußert haben. Das würde bedeuten, daß das Reichskabinett gegenwärtig wieder stärker als in den letzten Wochen mit dem Gedanken umgeht, die von ihm für erforderlich gehaltenen Maßnahmen nötigenfalls mit Hilfe des Artikels 48 durchzufeken. Weiter wird vermutet, daß der Reichskanzler bereits Donnerstag vormittag nach Reu- deck in Ostpreußen (Bezirk Westpreußens abreisen wird, um dort dem Reichspräsidenten Vortrag zu halten.
Das Notopfer im Reichsratsansschutz
Die Ausschüsse des Reichsrats beschäftigten sich am Montag und am Mittwoch mit den Deckungsvorlagen der Reichsregierung. In der Aussprache ergab sich, wie das VDZ.-Biiro hört, daß
sowohl für den Vorschlag der Reichs- reglerung zum Notopfer wie auch für den preußischen Abänderungsantrag keine Mehrheit im Reichsrat zu finden fein würde. Daher erklärte Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer am Mittwoch, er stehe vor einer neuen Situation, zu der das Kabinett zunächst Stellung nehmen müsse. Die Ausschüsse des Reichsrates vertagten daher die Behandlung der Deckungsvorlage auf unbestimmte Zeit.
Reichskanzler Dr. Brüning besteht darauf, Dr. Moldenhauer solle weiter die Vorlagen der Gesamtregierung vertreten. Diese Vorlagen sind jedoch durch die Stellungnahme des Reichsrats nunmehr erledigt. Denn
"ach ihrer Ablehnung im Reichsrat könnten sie nur dann Gesetz werden, wenn der Reichstag sie mit Zweidrittelmehrheit annimmt.
Diese Möglichkeit ist jedoch im Reichstage nicht vorhanden. Das Reichskabinett wird sich allo zunächst darüber schlüssig werden müssen, ob es eine neue Deckungsvorlage ausarbeiten
ober zurücktreten oder sich nur umbilden will.
öingreifen der Bolkspartei
Wie wir gestern durch Extrablatt bekannt gaben, ging der Anstoß zu dem Rücktrittsgesuch Dr. Moldenhauers von der Deutschen Volkspartei aus. Der Wirtschaftsflügel der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei tat einen, entsprechenden Schritt bei dem Fraktionsvorsitzenden Dr. Scholz, der den Minister -von dieser Aktion unterrichtete, ohne ihm aber von sich aus den Rücktritt zu empfehlen. Zwischen 13 und 14 Uhr
S e r I i n, 19. Zinn. Bier oder fünf Personen gaben gestern abend gegen 9.36 Uhr ihrer anti- polnischen Gesinnung dadurch Ausdruck, datz sie mehrere Fensterscheiben des in der Kur- fiirstenstratze gelegenen polnischen Konsulats mit Steinen einwarfen. Zwei Motorradfahrern, die dauernd hin und her fuhren, gelang es. die Aufmerksamkeit des vor dem Gebäude postierten Schutzpolizeibeamten abzu- lenken. Plötzlich hörte der Beamte Scheiben klirren. Als er hinzueilte, sah er nur noch einige Personen hinter der in der Nähe liegenden Kirche verschwinden. Die Täter find entkommen.
Der Anschlag auf das polnische Konsulatsgebäude in Berlin ist, laut „Vossischer Ztg.", nach den polizeilichen Ermittlungen das Glied einer Kette kommuni st ischer Demon- st r a t i o n e n, die sich gegen die Hinrichtung dreier junger Kommunisten in Leipzig richten. Seit einigen Tagen wurden sowohl in Hamburg wie in Prag die Fenster der polnischen Generalkonsulate aus dem gleichen Grunde eingeschlagen.
Isolde Reiter von der Belgrader Polizei mißhandelt.
Berlin, 18. Juni. Die deutsche Schrist- stellerin Isolde Reiter aus Groß-Bebereck, die aus dem Belgrader Gefängnis entlasten wor-
vorschlägen der Reichsregierung beschäftigt. Rach einer parteiamtlichen Auslassung wurde dem Versuch, die jetzige Wirtschaftskrise zu einem allgemeinen A b - bau der Löhne und Gehälter sowie der Sozialpolitik zu benutzen, entschiedenster Wider st and angekündigt. Dolle Uebereinftimmung bestand darüber, daß das wichtigste Erfordernis, die Arbeitsbeschaffung sei. Weiter wurde auf die Notwendigkeit erheblicher E i n- fparungen namentlich bei den Ausgaben im auswärtigen Dienst, bei den hohen Pensionen ttfro. hingewiesen. Soweit dann noch Maßnahmen zur Ueberroinbung der Wirtschaftskrise und zur Finanzierung notwendig seien, soll der Vorstand der nächsten Fraktions- "tzung Richtlinien unterbreiten.
Gescheiterte Koalitionsverhandlungen in Bayern.
München, 18. Juni. Die. Regierungsparteien, Bayerische Volkspartei, Bayerischer Bauernbund und Deutschnationale Dolks- partei, hielten heute Fraktionssitzungen ab, an die sich eine Koalitionsbesprechung vor kurzer Dauer schloß. Sie verlief ergebnislos, da der Bauernbund die Erklärung abgab, datz er jedes Finanzprogramm, in dem die Schlachtsteuer in irgendeiner Form enthalten sei, un-
hatte der Fraktionsvorsitzende Dr. Scholz eine neue Unterredung mit dem Reichsfinanzminister, in der er ihm jetzt auch von sich aus den Rücktritt nahelegte. Dieser Schritt und das Ergebnis der Sitzung des Reichsratsausschusses veranlaßten Dr. Moldenhauer dann, seine Demission anzubieten. Kurz darauf trat das Reichskabinett zu feiner Sitzung zusammen.
Eine Erklärung der Sozialdemokraten.
Die s o z i a I d e m o r k r a t i s ch e Reichstagsfraktion hat sich in mehreren Sitzungen mit der Wirtschaftsund Finanzfrage und mit den Deckungs-
den ist, hat nach einer Meldung des „Lokal- Anzeigers" aus Belgrad bei dem Ministerpräsidenten Z i v k o w i k f ch'Strafanzeige gegen die Polizeioffiziere und Polizeiagenten erstattet, da sie während der Zeit ihrer Inhaftierung schweren Mißhandlungen ausgesetzt war. Man wollte ihr bei der Polizei das Geständnis erpresten, daß sie im Auftrage des ehemaligen deutschen Abgeordneten Wilhelm Neuner gehandelt habe. Isolde Reiter erklärt in ihrer Anzeige, daß sie auf Befehl des Polizeiagenten Kratjow an Händen und Füßen gefesselt'wordetr sei, worauf der Detektiv sie zu Boden geworfen und ihre Arme über die Knie gezogen habe. Unter den Knien habe er über den Armen einen eisernen Stab durchgesteckt, sodaß sie sich nicht mehr hätte bewegen können. In Anwesenheit des Polizeisekretärs Srtschkow seien ihre entblößten Füße dann mit einem spanischen Rohr bearbeitet worden. Diese Mißhandlungen haben am 15. Mai von 21 Uhr, abgesehen von einigen Unterbrechungen, bis Mitternacht gedauert. Da sie furchtbar geweint und geschrien habe, so daß man es im ganzen Hause hörte, habe man ihr einen Knebel indenMundgestecktund ihren Kopf in eine dicke Decke gewickelt. Infolge der furchtbaren Qualen habe sie alle Fragen der Polizei gestanden.
bedingt ablehne. Heute nachmittag trat ein Ministerrat zusammen, um zur Lage Stellung zu nehmen.
Abbau to Ministeriums für die besetzten Miete
Berlin, 18. Juni. Im Reichstage fand am Mittwoch nachmittag eine Besprechung bes Reichskabinetts mit den Fraktionsführern der Regierungsparteien statt, in welcher man sich über den Zeitpunkt für die Auflösung bes Ministeriums für die besetzten Gebiete grundsätzlich einig wurde. Das Ministerium selbst soll mit dem 1.Oktober d.Is. aushören, als solches zu bestehen. Die Restverwaltung soll dann am 1. April des nächsten Jahres aufgelöst werden. Diese Regelung soll in der Form eines Initiativgesetzes der Regierungsparteien erfolgen, das nunmehr vorbereitet und den Fraktionen am Freitag zur Unterschrift vorgelegt wird.
Wie die „Vossische Zeitung" berichtet, sollen der Minister Treviranus und ,bie leitenden Beamten mit der Abwicklung der Geschäfte bis zum 1. April nächsten Jahres betraut werden.
Tagesspiegel
Das Ergebnis der gestrigen Ab end- st'tzung des Reichskabinetts wird in parlamentarischen Kreisen dahin beurteilt, daß die Reichsfinanzminister-Krise weiter in der Schwebe bleibt und die Entscheidung nun beim Reichspräsidenten liegt, dem verfassungsmäßig die Entlassung und Ernennung von Ministern zu- steht. Der Kanzler wird nun sobald wie möglich nach Reudeck fahren, wo sich der Reichspräsident augenblicklich aufhält. Die Frage, ob er dem Präsidenten Vorschlägen wird, das Rücktrittsgesuch abzulehnen, ist offen, well der Reichsfinanzminister selbst ihn dringend gebeten haben dürfte, hier« von Abstand zu nehmen. Dr. Molden« Hauer ist für diesen Wunsch maßgebend, daß er bei einem weiteren Verbleiben in einen auch persönlichen Gegensatz zu feiner Partei und damit in einen schweren inne« ren Konflikt gezogen würde. Der Kanzler selbst legt großes Gewicht darauf, Dr. Mvldenhauer im Amte zu halten, und die« ser Wunsch ist auch von allen anderen Reichsministern in der zweistündigen Ka« binettssitzung sehr eindringlich zum Aus« druck gebracht worden. Ein Verbleiben Dr. Mvldenhauers könnte aber für die weitere Entwicklung die Perspektive des Artikels 48 und der Reichstagsauflösung eröffnen. Diese Entwicklung möchte Dr. Moldenhauer offenbar vermeiden, fotoeit seine Person den Anlaß dazu geben kann. Auf der anderen Seite ist man in de» Kreisen der Reichsregierung der Auffas« jung, daß das Kabinett, im großen gesehen, nicht eine andere Finanzpolitik verfolgen, sondern nur die Dr. Moldenhauers Wetter« ren kann. Die angedeutete Möglichkett
Konfliktes mit den Parteien ergibt sich
daraus aber auch ohne einen Wechsel im Reichsfinanzministerium. , Darauf geht zweifellos der Vorbehatt des Reichskanz« lers zurück, daß er sich noch einmal über« legen will, welchen Vorschlag er dem Reichspräsidenten unterbreitet. Bleibt so«, mit die Finanzministerkrise Wetter in der Schwebe, so steht doch jedenfalls fest, daß der Bestand des Reichskabinetts im ganzen durch sie nicht tangiert wird.
Wie ungeklärt die augenblickllche Lage ist, geht auch aus der in polittschen Krei« sen vertretenen Ansicht hervor, daß die Parteien in der nächsten Woche unter Am« ständen sehr viel leichter mit sich reden lassen werden, wenn etwa das Ergebnis der sächsischen Wahlen ihnen sehr sichere Aussichten für den Fall einer Reichstags« auflösung stellen sollte. Die Stellung« nähme des Anterausschusses des Reichs« rates wird ebenfalls noch keineswegs als endgülttg bezeichnet, weil die Entscheidung des Reichsrates ja erst in seiner Vollsitzung fallen wird. Jedenfalls gehen alle Darstellungen, die die Krise bereits als entschieden bezeichnen, weit über den augenblicklichen Stand der Dinge hinaus. Auch die Frage der Rachfolge des Reichsfinanzministers wird deshalb erst Ende der Woche akut werden. Im Reichstag nannte man bereits eine Reihe von Kandidaten, von denen bisher aber nur als ziemlich sicher gelten kann, daß sie nicht in Frage kommen. So hat z. B. Reichswirtschaftsminister Dietrich, dessen Kandidatur am lebhaftesten erörtert wurde, kein Hehl daraus gemacht, daß er den Posten des Reichsfinanzministers ablehnen würde, weil er sehr wichtige Pläne für die Ankurbelung der Wirtschaft von der Seite des Wirtschaftsministers hege. Auch die Wiederkehr des früheren Reichsfinanznn- nisters Dr. von Schlieben darf als ausgeschlossen gelten, well sein Gesundheitszustand ihm die Aebernahme einer so schweren Bürde verbietet. Die Kandidatur eines Abgeordneten der Deutschen Volks» Partei dürfte bei der eigenen Fraktion aus grundsätzlichen Erwägungen auf starken Widerstand stoßen, so daß, wenn die Krise durch einen Wechsel im Reichsfinanzministerium gelöst wird, in erster Linie eine außerhalb des Parlaments stehende Persönlichkeit in Frage kommt.
Steine gegen -ns
zuretzlbare MiWndlung einer SeuMen in Belgrad