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gttttog, Mn 13.8unl 1930

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Schmeling siegt über Sharkey

Mb. Newyork, 13. 6. Der mit großer Spannung erwartete Weltmeisterschaftskampf zwischen Max Schmeling und Jack Sharkey nahm ein überraschend schnelles Ende. In der vierten Runde brachte Sharkey einen regelwidrigen Schlag an, der Sharkeys sofortige Disqualifikation zur Folge hatte. Max Schmeling wurde zum Weltmeister erklärt.

Der Entscheidungskampf

fk. Reuyork, 13. Juni. Die monate- lange Spannung ist gelöst. Der Kampf um die Weltmeisterschaft im Uankee- stadion zwischen Max Schmeling und dem Amerikaner Sharkey ist zu Gun­sten Schmelings entschieden worden, der damit denTiteldesWeltmeisters erworben hat. Der Kampf ist dadurch besonders bemerkenswert. datz zum ersten Male in der Geschichte des Box­sportes die Weltmeisterschaft durchfoul in der 4. Runde gewonnen wird.

Entsprechend der Bedeutung des Ereig­nisses war der Besuch des' Dankee- tadions, das bis auf den letzten Platz be- etzt war. 750 000 Dollar betrugen ) te Kasseneinnahmen. Alles, was in Neunork bekannte Namen trägt, sei es beim Film, in der Finanz, in der Industrie oder in der Politik hatte sich eingefunden. So sah man u. a. den letz­ten Inhaber des Weltmeisterschaftstitels T u n n e y, den Autoindustriellen Chrysler, Oberbürgermeister Jimmy Walker, den Filmstar Lia de Putty usw. Mit größter Spannung wartete die riesige Menschenmenge auf den Augen­blick, in dem der Hauptkampf des Abends begann.

Um 2L3 Uhr MEZ. betrat Schmeling als erster den Ring

und wurde von feinen Freunden jubelnd begrüßt. Kurz darauf erschien Shar­key, der eine Schärpe in den amerika­nischen Nationalfarben trug. Auch er wurde mit lauten Zurufen begrüßt. We­gen des einfetzenden leichten Regens hatte die Leitung einige Vorkämpfe aus­fallen lassen und den Hauptkamps auf einen früheren Zeitpunkt festgesetzt. Unter atemloser Stille begann um 2.32 Uhr der

MNftyeloungs«mnps, der folgenden Verlauf nahm:

L Runde: Sharkey eröffnet den Kampf mit linkem Haken an Schmelings Kopf, Schmeling kommt vorerst nicht zum Schlag und muß zwei linke Haken Sharkeys hinnehmen, denen zwei rechte Ö:n. Schmeling versucht im Nah- pf durchzukommen, aber Sharkey trennt sich immer sehr schnell von seinem Gegner und schießt dann wieder eine Linke ab. Gegen Ende der Runde gelingt Schmeling em langer Körperhaken, dem zwei rechte Gerade folgen. Alle Schlage sind aber nicht mit voller Kraft gekom­men und hinterlaffen keine Wirkung. Die erste Runde geht überlegen an den Amerikaner.

, 2. Runde: Schmeling über­nimmt die Offensive^ und kann bei Sharkey einen schweren Rechten an­bringen, wodurch der Gegner den Clinch sucht. Im Infighsing wartet Sharkey auf den Augenblick, in dem Schmeling am Körper frei wird. Er findet die Ge­legenheit und schlägt einen schweren Linken mit voller Kraft in die Lücke. Der Deutsche zuckt zusammen, läßt sich an die Seile drängen und schickt in Er­widerung seine Rechte ab. Sharkey nimmt sie voll und scheint etwas erfchüt-

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tert. Er weicht aus. Schmeling trifft noch zweimal mit zwei Linken,

worauf Sharkey wild zu schlagen beginnt.

Ein linker Kinnhaken Schmelings kommt ebenso schwach durch wie ein darauf fal­zender rechter Uppercutt gegen Shar- reys Körper. Der Amerikaner chlägt rechts vorbei und ver- iert fast das Gleichgewicht.

Dann trifft er aber zweimal hintereinander mit feiner Linken Schmelings Kinn. Diese Runde geht wieder an Sharkey.

3. Runde: Der Amerikaner beginnt den Kampf sehr wild. Man merkt es ihm deutlich an, daß er eine schnelle Ent­scheidung sucht.

Der Deutsche wird mehrere Male be­denklich getroffen,

ohne allerdings besondere Wirkung zu zeigen. Zum Schluß der Runde kommt Sharkey noch einmal mit einer sehr schweren Rechten auf den Körper durch, worauf Schmeling den Clinch sucht. Auch diese Runde ist für Sharkey.

4. Runde: Der Amerikaner geht auch diesmal wieder mit ungestümen Angrif­fen auf Schmeling los und landet kurz hintereinander links und rechts am Kinn. Schmeling befreit sich durch einen schwachen Kinnhaken, worauf Sharkey in den Clinch geht. Zwei weitere Ge­sichtstreffer Schmelings bringen den Amerikaner in Wut, es beginnt ein

wilder Schlagwechsel, bei dem viele Schwinger in die Luft gehen.

Mille der Runde geht Schmeling zum Angriff über.

Zweimal trifft eine Rechte Schmelings Körper.

Dann kommt das Ende. Slstrrkey hat eben zwei Rechte abgefeuert, die schwach treffen.

Dann schlagt er einen schweren linken Magenhaken hinter­her, der aber zu tief geht. Wie vom Blitz getroffen stürzt Schme­ling zu Boden und windet sich unter schweren Schmerzen. Ein un­geheuerlicher Tumult setzt ein.

Die Sekundanten und Manager erschei­nen an den Seilen und es dauert ge­raume Zeit, ehe der Ringrichter ver­kündet, daß Sharkey disqualifi­ziert und Schmeling der Welt- me ist er titel zugesprochen worden ist.

Genau so schnell, wie das schnelle Pfei­fen und Schreien aufhörte, als der Ring­richter das Ergebnis bekanntgeben ließ, genau so plötzlich setzte em überra­schender Jubel ein. Schmeling liegt immer noch halbbewußtlos in einer Ecke und weiß nicht, was um ihn herum vor sich geht. Als man ihm klar macht, daß Sharkey disqualifiziert und er zum Welt­meister ausgerufen ist, geht ein Lächeln über feine Züge und er sagt zu den ihn umringenden Reportern, er bedauere, datz der Kampf so geendet habe.

Weltmeisterschaft

Seit vielen Wochen stehen zahllose Deutsche kopfschüttelnd und mißbilligend dem Betrieb und dem Radau gegenüber, der um Max Schmeling und seinen Gegner Sharkey inszeniert wurde. Sie können und wollen es nicht verstehen, daß sich das Interesse der Oeffentlichkeit ft> einseitig auf die Frage konzentrieren soll, ob ein Deutscher nun wirklich die wirk« samste Faust der Welt hat. Es ist richtig, daß es für den Wert des Deutschtums keine beachlliche Bedeutung hat, ob ein Angehöriger unseres Volkes, der fast ganz Bizeps und Faust geworden ist, der er­folgreichste Boxer ist oder nicht. Auch die Gefahr, daß Sport weniger Bemühung nm die körperliche Ertüchtigung des Volles als sensationelles Kampfspiel (circenseS im Sinne des kaiserlichen Rom) wird, ist als Symptom des Verfalls nicht zu unter­schätzen.

Der Kampf liegt mm hinter uns, und die Sensation wird bald verrauscht sein. Der Mann, der Deutschland mit der Faust in Amerika repräsentiert hat, konnte erfolg­reich seinen Mann stehen. In diesem Augenblick wird man bei allen .Zweifeln und bei aller Ablehnung gegen das neue Königreich des Bizeps" auch einmal nüch­tern die Frage stellen dürfen, ob nicht auch in einem solchen Erfolg des Berufs­sports irgendwie auswertbare Möglich­keiten für die Ration liegen. Wir stehen nun einmal der Tatsache gegenüber, daß in den angelsächsischen Ländern, vor allem in Amerika, das Interesse der großen Oeffentlichkeit nur gepackt werden kann von Dingen, die technische oder körperliche Höchstleistungen sind. Drüben herrscht die Hochachtung vor dem Superlativ. Dem Hankee imponiert nur das Erste, das Größte, das Stärkste, das Schnellste, vor allem auf technischem und sportlichem Ge­biet. Von Höchstleistungen des Einzelnen schließt der naive Amerikaner willig auf Qualität und Bedeutung der Ration, die diese Höchstleistungen hervorgebracht hat. And diese Raivität beschränkt sich nicht auf das einfache Volk, sie reicht sehr weit nach oben. Finnland weiß, was es sogar in wirtschaftlicher und finanzpolitischer Hin­sicht den Rekordläufen seines Runni in Amerlla zu verdanken hat.

Es wäre gewiß lächerliche Torheit, wenn sich die Schmeling-Enthusiasten aus der Tatsache, daß ihr Maxe drüben um die höchste Würde des Boxsportes antreten durfte und sich dabei so wacker geschla- , gen hat, Folgerungen für die wirtschaft­lichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika ableiten wollten. Sicherlich wird es solche Toren geben. Etwas an­deres ist es, ob man das Ereignis im Vankee-Stadion nur als ein Glied an die Kette von Ereignissen hängt, in denen das Deutschtum der Einstellung der Leute von drüben in den letzten Jahren imponiere» konnte. Wenn man davon ausgeht, daß dem Durchschnittsamerikaner sportliche und technische Höchstleistung zum Symbol wird, so ist doch schon nach dieser Richtung hin allerhand zusammengekommen. Die Ame­rikaner haben erlebt, daß die ost-westliche Bezwingung des Atlantik in der Luft bis­her nur den Deutschen gelungen ist. Sie haben Köhl und Hünefeld als erste und einzige Sieger Europas im Wettbewerb