MMVW, toi 11.3uni 1936
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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberhessen
Nr. 134 65.3nf.rg. Marburg tu Labn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbnrg.
Eimguns über die Be«ns°AnIeihe
Die Auilrgungsbrbinguugm lür die tote Stand» - Ste Anteile der rimelnm Staaten
ff. Paris, 11. Juni. Die Arbeit des Bankierausschusses der Vertreter der internationalen Schatzämter und der BIZ., die über die Auflegungsbedin- gungen der erst en Tranche der Youngobligationen zu beraten hatten, wurde in den späten Abendstunden des Dienstags endgültig abgeschlossen.
Der Auflegungskurs, der unsprünglich auf 85—80 vom Hundert sestgelegt war, wurde auf 90 vom Hundert erhöht. ausgenommen in Frankreich, wo er fast 98 vom Hundert erreicht. Der Unterschied soll der Amortisa- tionskasse zufliehen.
Lin weiterer Antrag der französischen Vertreter, die Bankprovision auf weniger als 4 oom Hundert festzusetzen, wurde von MontagueAorman dahin entschieden, daß sie den Schwankungen des Auflegungskurses der einzelnen Länder ange- patzt werden soll. Dr. Luther holte sich sofort telephonisch die Zustimmung des Reichsfinanzministers, worauf die ge- tr o f fe n en Der einb aTfl n gern unterzeichnet wurden.
Die Auflegung der Anleihe wird an 9 verschiedenen Plätzen noch in dieser
Woche stattfinden.
Die einzelnen Länder werden selbst den Tag wählen, den sie für eine derartige Operation am günstigsten halten. Der Anteil der einzelnen Länder betrügt für
Deutschland 36 Millionen Mark, Amerika 98 250 000 Dollar,
Belgien 35 Millionen belgische Franken, Frankreich 2515 Millionen Franken, England 12 Millionen Pfund, Holland 73 Millionen Gulden,
Italien 110 Millionen Lire,
Schweden 110 Millionen Kronen,
Schweiz 92 Millionen Schweizer Franken,
Die Gesamtsumme der ersten Tranche beläuft sich somit auf 340—350 Millionen Dollar.
Die Agentur H a v a s berichtet, datz die Einigung der Bankiers über die Emissionsbedingungen der ersten Pounganleihe nachts um 1 Uhr erfolgte. Die Vertreter der Banken haben die vorliegenden Abkommen in dieser Stunde unterzeichnet. Sie haben im Laufe des gestrigen Tages von 10—14.30 Uhr, 16—21 Uhr und von 22.30—1 Uhr nachts beraten. Unterzeichnet wurden in der Nacht das Abkommen über die allgemeinen Verpflichtungen, die Deutschland gegenüber der Bank für Jn- ternattonalen Zahlungsausgleich übernimmt, die Sonderabkommen jeder Bankgruppe mit Deutschland sowie mit der BIZ. und der Emissionsprospekt. Die Tatsache, datz nicht 300 sondern 340—350 Millionen Dollar aufgelegt werden, ist notwendig geworden, um die Kommission für die Banken und die sonstigen Auflegungskosten zu decken. Die Beratung über die Kommissionssätze der Bankiers in den verschiedenen Ländern habe, so be- ttchtet Haoas weiter, zu heiklen Diskussionen Anlatz gegeben. Man habe sich schließlich auf eine von dem Gouverneur der Bank von England, Montagne Norman oorgeschlagene Formel geeinigt, wonach die amerikanische Bankgruppe entsprechend den Gepflogenheiten in Amerika eine höhere Kommission erhalte als die übrigen Bankengruppen. Die amettka- nische Gruppe erhalte 4 Prozent. Auch bie Festsetzung des Emissionskurses habe einen eingehenden Meinungsaustausch Notwendig gemacht. Das französische Schatzamt erhalte bei dem für Frankreich 98 Prozent betragenden Ausgabekurs 8 Prozent als Summe der Kapitalisierung
der für Frankreich nicht erhobenen Steuern, errechnet auf 35 Jahre, sofort zurückerstattet.
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Soweit die kurze Fassung des Telegramms eine Deutung zulätzt, ist nunmehr doch eingetreten, was die schlimmsten Befürchtungen weit übersteigt: Um den Effektivbetrag von 300 Millionen Dollar zu sichern, werden nicht 300, sondern 350 Millionen Dollar aufgelegt. Dieser Mehrbetrag von 50 Millionen Dollar geht zu Lasten der Young-Plan-Annuitäten ist für die alliierten Schatzämter verloren und stellt eine ungeheure Mehrbelastung
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Berlin, 10. Juni. In dem Manteltarifstreit der Gruppe Nordwest der Eifen- industrie ist der Oeynhänfer Schiedsspruch ovm 2fr. Mai d.Js. für verbindlich erklärt worden.
In den Verhandlungen über den Oeyn- häuser Schiedsspruch hatten die Arbeitgeber erklärt, daß sie die Preise in demselben Umfang wie die Löhne abbauen wollten. Diese Erklärung ist in den Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium am 5. Juni 1930 geändert worden. Es sollen nach Wegfall der Akkord-Ueberver- dienstklausel die übertariflichen Verdienste nicht nur der Arbeiter, sondern auch sämtlicher Gehaltsempfänger am 1. Juli so gekürzt werden, daß eine Ersparnis nicht bis zu 10 o/o, sondern bis zu 7y2 % der Gesamtlohn- und Gehaltss um- men eintreten wird. Rach den bindenden Zusicherungen werden.
rückwirkend ab 1. Juni über das Ausmaß der ersparten Lohn- und Gehaltssummen hinaus die Preise in der Eisenindustrie abgebaut.
Der Reichsarbeitsminister hat sich eine Nachprüfung der zukünftig festzusetzenden Preise durch Wirtschaftssachverständige vorbehalten. Was die Höhe des Preisabbaues anlangt, so sind hierüber bestimmte und bindende Zusagen gemacht worden, über die noch vonseiten der zuständigen Wirtschaftsorgane Beschluß gefaßt werden muß.
Wie WTB.-Handelsdienst zu den Verhandlungen über den Oeynhauser Schiedsspruch hört, sind die Verkaufsverbände der Eisenindustrie für n ä ch st e n Donnerstag eingeladen worden, um über das Ausmaß der Preisherabsetzung Beschluß zu fassen. Bis zu diesem Zeitpunkt wird es auch nicht möglich sein, über das Ausmaß derselben etwas genaueres zu sagen. Tie Zusagen der Industriellen scheinen aber so weitgehend zu sein, daß der Reichsarbeitsminister sich zu einer Verbindlichkeitserklärung entschlossen hat.
Die Durchführung des Lohn- und Gehaltsabbaues
ist so, daß auf jedem Werk die Akkordsätze neu geregelt werden müßten. Infolgedessen wird die Lohn- und Gehalts- Herabsetzung auf den einzelnen Werken möglicherweise auch verschieden hoch sein. Sie darf aber nirgends über 7Vt % der Lohn- und Gehaltssumme betragen. Bei den Angestellten und leitenden Beamten muß beachtet werden, daß auch dort
nur die Lbertariflichen und die nichttariflichen Gehälter
Deutschlands zu gunsten der Emissionsbanken dar.
„Financial News" über Dr. Luther.
Zu der Meldung datz diese Nacht eine Vereinbarung über die erste Younganleihe erzielt worden ist, sagt der Pariser Korrespondent der „Financial News : Dr. Luther hat bis zum letzten Augenblick energisch für die Interesse seines Landes gekämpft. Nicht ein Punkt ist seinem Adlerblick entgangen. Infolge des besonderen Fachcharatters der umstrittenen Punkte erklärt es sich, datz der Nachfolger Dr. Schachts, sechs erfahrene jurstische Sachverständige mitgebracht hatte.
EitenlMstete mbindlw ersaßt werden Können. Trotzdem nimmt die Eisenindustrie die Preissenkung sofort vor. Sie hat sich zu einer einmonatigen Vorleistung verpflichtet und wird nun auch die Kürzung der Gehälter, die infolge der Kündigungsfristen teilweise erst später in Frage kommen, gleich ganz bei der Preissenkung in Rechnung stellen.
Zu der Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches in dem Manteltarifstreit der Gruppe Nordwest der Eisenindustrie stellt das sozialdemokratische Zentralorgan „Vorwärts" u. a. fest, der Reichsarbeitsminister habe damit vielleicht die folgenschwerste Entscheidung getroffen, die ein Reichsarbeitsminister seit der Revolution habe treffen können. Der Reichsarbeitsminister versuche damtt eine allgemeine Lohnsenkung herbeizuführen. Das müsse unweigerlich zur Folge haben zunächst eine allaemeine Verschärfung der Wirtschaftskrise und, was noch schwerer ins Gewicht falle,
die Entfeffelung schwerer und großer Arbeitskämpfe.
Es sei ganz ausgeschlossen, daß die Arbeiterschaft sich ihre schwer erkämpften Löhne durch Schiedssprüche einfach reduzieren lasse, auch wenn diesen Schiedssprüchen die Verbindlichkeitserklärung zu Hilfe komme. Es sei nicht weniger sicher, daß die Gewerkschaften ihre ganzen Kräfte einsetzen würden, um „ein derartiges Attentat auf die Lebenshaltung der Arbeiterschaft" abzuwehren. Der Reichsarbeitsminister habe keine Garantie dafür, daß der Senkung der Eisenpreise eine entsprechende Senkung der Lebenshaltungskosten folgen werde.
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Rötester an® für Pensionäre
Berlin, 10. Juni. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, umfaßt das in den Deckungsvorschlägen des Reichsfinanzministers enthaltene Notopfer auch die Rentenbezieher und Pensionsempfänger. Das Notopfer stützt sich auf Artikel 36 des Besoldungsgesetzes, das bekanntlich auch diese beiden Gruppen enthält.
llnterfuchungsverfahren gegen den Rektor von Greifswald.
Berlin, 11. Juni. Wie der „Vorwärts meldet, hat der preußische Kultusminister gegen den Rektor der Universität Greifswald. Prof. Hoehne, wegen Unterstützung nationalsozialistischer Umtriebe eine Untersuchung eingeleitet, die beschleunigt durchgeführt werden soll.
SagtoHegel
Wie die Telunion erfährt, hat sich die Zuleitung der neuen Deckungsvor« läge des Reichskabinetts an den Reichs» rat etwas verzögert. Sie wird jedoch de« sttmmt im Laufe dieser Woche erfolgen. Eine Verhandlung über das neue Deckungs- Programm im Reichsrat wird allerdings infolge der verspäteten Zuleitung in die« ser Woche nicht mehr stattfinden können« Der Reichsrat wird infolgedessen in seiner nächsten Vollsitzung am kommenden Frei- tag nur das Osthllfegesetz erledigen, dessen Verabschiedung durch den Reichstag noch vor den Parlamentsfetten erfolgen soll. Voraussichllich wird der Reichsrat die Deckungsvorlage in der nächsten Woche verabschieden, sodaß sie Ende der nächsten Woche dem Reichstag zugeleitet werden könnte.
Am Montag, dem 16. Juni, nehmen der Haushaltsausschuh und das Plenum des Reichstages ihre Beratungen wieder auf. Man glaubt in zuständigen Kreisen, den Etat und die mit ihm zusammenhängenden Deckungsgefetze rechtzeittg zum 1. Juli verabschieden zu können. Falls dies nicht möglich sein sollte, müßte der Rotetat, der am 1. Juli abläuft, für kurze Zett ver*> längett werden. Zn jedem Falle aber mühten, so schreibt die „Germania", Etat, Deckungsvorlagen und Osthllfegesetz vor den ©ommerferien zusammen erledigt wer* den, während das Ausgabcnsenkungsgesetz erst im Herbst zur Verabschiedung gelangt.
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Ausgerechnet wir Deutsche müssen der Wett das Schauspiel geben, das größte Gala-Diner aller Zeiten zu der-, anstatten. Während die Regierung nicht aus und ein weiß, woher sie Deckung für ihre Ausgaben finden soll, während die Arbeitslosigkeit anhätt, veranstalten wir anläßlich der in einigen Tagen in Berlin beginnenden Welttraftkonferenz eine Riesenabfütterung, an der ungefähr 5000 Gäste teilnehmen. Dieser Monstre-Schmaus wird im Berliner Sportpalast stattfinden, da kein anderer Saal, der soviel Gäste fassen könnte, in Frage kam. In der Vorankündigung wird mitgeteilt, daß für das Gala-Diner nicht weniger als 2500 Hühner benötigt werden. Ruch 25 Zentner Lachs sind für die Vorgerichte bereitgestellt worden. Giganttsch und an das Schlaraffenland erinnernd wird die Eisbombe sein, die als Rachttsch ausettoren ist und etwa 700 Liter Eis und Schlagsahne fassen wird. Mehr als 500 Kellner sind gechartert, die die Bedienung der Gäste zu besorgen haben. Ströme von Wein werden fließen. 5000 Gäste werden satt werden. And jensetts der glanzerfüllten Prunkstrahe werden Hunderttausende von Arbeitslosen und proletarisietten Bürgern hungern.
Die radikale „Volonte" beschäfttgt sich in einem längeren Artikel mit der deutsch-französischen Verständigung und zeigt sich hierbei von einer anettennenswetten Objekttvität. Man müsse sich in Frankreich langsam mit der Tatsache abfinden, daß die Orientierung gewechselt habe und das kleine Spiel, Deutschland auf der ganzen Linie zu schlagen, einer ehrlichen Zusammenarbeit Platz gemacht habe. Die Annäherung müsse sowohl wittschastlich wie auch politisch sein: Abschaffung der Vorzugszolltarife und eine Zolldereinigung auf der einen, ein Verständigungsbündnis im Rahmen des Völkerbundes auf der anderen Seite. Das Blatt geht dann zu einzelnen Bedingungen über und verlangt von Deutschland den Ähnlichen Verzicht auf Elsaß-Lothringen und die Verpflichtung, die elsässische Autonomie in keiner Weise zu unterstützen. Eine zufttedenstellende Lösung der Saarfrage müsse gefunden werden. Deutschland verlangt Kolonien oder Mandate und diese Forderung sei so berechtigt, daß die Regierungen sich seit längerem darüber einig seien, sie grundsätzlich anzucrkennen. Die Derwirttichung hängt von einem