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Aenslos, (en 10. Zum 1930
Anzeiger für (das frühere kurheffische) Oberhesfen
Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg
ÄbeichMsche Zeitung
Rr.133sz.ZnW.
Marburg a.Labn
Havas berichtet aus Lissabon folgende Einzelheiten über das Attentat gegen den deutschen Gesandten von Daligand: Der deutsche Gesandte kehrte, wie bekannt, von einem Besuch zurück, den er dem Kommandeur des Kreuzers „Königs-
Paris, 7. Juni. Haoas meldet aus Lissabon, daß der deutsche Gesandte von B a l i g a n d durch Revolverschüsse schwer verletzt wurde.
Der Anschlag wurde heute morgen um 11.15 Uhr, als der Gesandte sich im An- schluß an eine Besuchserwiderung von Bord des Kreuzers Königsberg begab, vor dem Liegeplatz der Königsberg auf dem Pier verübt. Der Gesandte ist schwer verletzt. Der Täter ist kein Portugiese. Er wurde durch die portugiesische Polizei s o - fort verhaftet.
Der deutsche Gesandte von Baligand ist den schweren Verletzungen, die er bei dem Anschlag erlitt hat, heute nachmittag erlegen.
Rede des Königs Carol.
König Carol sagte in seiner Rede anläßlich seiner Proklamation u. et.: Ich komme heute mit erhobenem Herzen in die Mitte meines Volkes ohne die mindeste Spur von Empfindlichkeit selbst gegenüber denen, die durch ihre unüberlegte Aktion die unlöslichen Bande zu zerbrechen gesucht haben, die zwischen mir und allen denen bestehen, die sich als wahre "Rumänen fühlen. Ich bin nicht gekom-
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Bukarest, 8. Juni. Kammer und Senat, die als Nationalversammlung zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenge- trete« waren, haben den Antrag, Prinz Tarol zum König von Rumänien ! auszurufen, mit 485 gegen eine einzige t Stimme angenommen. Die Ratio- k nalversammlung rief dann den Prinzen M^Larol zum König aus, und dieser leistete e falb darauf den Eid auf die Verfassung.
Attentat ln Lissabon
9er deutsche Wandle durch mehrere RevowerichWe getötet
men, um mich an irgend jemand zu rächen. Mit der ganzen Wärme und der ganzen Anhänglichkeit meiner Seele will ich alle diejenigen in ein Bündel zusammenschnüren, die den Willen und die Kraft haben, für den Fortschritt des Vaterlandes zusammen zu arbeiten.
Mit tiefer Bewegung richten sich meine Gedanken auf die, die vor mir an dieser Stelle denselben Eid geleistet und die ihr ganzes Leben dem Wohl des Vaterlandes
oeweiht haben, das zu führen sie berufen waren. Das Beispiel, das sie mir durch ihre unendliche Liebe für das Land und ihre Verteidigung seiner Interessen geben, werde ich voll nachahmen.
Der König gedachte sodann der Tausenden, die mit ihrem Blut die Einigung der Nation in ihren natürlichen Grenzen für immer besiegelten und fuhr fort: Wir müssen dieses gewechte Erbe als den heiligsten Schatz hüten und stärker als jemals durch diese Opfer bin ich entschlossen, meinen Schwur, die Unverletzlichkeit Des vaterländschen Bodens zu wahren, ohne Zögern zu erfüllen. Dazu brauche ich vor allem die Mitarbeit aller lebendigen Kräfte der Nation ohne Hintergedanken. In der Zusammenarbeit mit denen, mit denen wir verbunden sind und in Gefühlen der Freundschaft gegen alle Völker und besonders gegen unsere Nachbarn werden wir für die Beseitigung der Uebel wirken müssen, die durch den Weltkrieg verursacht worden sind.
Schließlich gedachte der König der großen Freude der Wiedervereinigung mit seinem heißgeliebten Sohn, den er im Geiste seiner erlauchten Vorfahren zu unendlicher Liebe für sein Land erziehen werde, dankte seinem Bruder und feinen Mitarbeitern in der Regentschaft, die in der Zwischenzeit für die gute Verwaltung des Landes gesorgt hätten und schloß mit dem Ruf: „Rumänen von allen vier Enden des Landes, einigt Euch in Euren Gedanken, einigt Euch in Euren Gefühlen, und jetzt an die Arbeit!"
Spaltung der Liberale« in R«mänien?
Das Exekutivkomitee der liberalen Partei trat gestern nachmittag zusammen, um die durch die Thronbesteigung König Carols geschaffene neue Lage zu prüfen. Das Komitee beschloß, eine Kundeqbung an das Land zu richten, in der zum Ausdruck gebracht werden soll, daß sich die Partei mit der neuen Lage einverstanden erklärt und jede Verantwortung ablehnt. Diese Kundgebung ist von Vintila Vratianu unterzeichnet. Prof. Georg Vratianu, ein Sohn des verstorbenen Jan Vratianu, wurde aus der liberalen Partei ausgeschlosien, weil er erklärt hatte, die Partei würde sich mit dieser Entschließung auf einen für ihren politischen Fortbestand gefährlichen Weg begeben, da sich das Land besonders eindrucksvoll für König Carol ausgesprochen habe. Man hält es nicht für ausgeschlosien, daß sich eine Reihe von Parteimitgliedern der Ansicht Georg Bratianus an- Sließen wird und daß dies zu einer Spaltung
r Partei führen könnte.
Zur Thronbesteigung König Carols.
Der König unterzeichnete eine Verordnung, durch die alle vom Regentschaftsrat und vom Ministerrat nach dem Tode König Ferdinands bis zu der gestern erfolgten Eidesleistung vorgenommenen Akte als gesetzlich anerkannt werden.
König Carol bleibt vorläufig geschieden.
König Carol hatte, wie die Blätter melden, eine Unterredung mit der Prinzessinmutter Helene, in der beschlossen wurde, daß vorläufig keiner von beiden die Ungültigkeitserklärung der Ehescheidung beantragen wird. König Carol und Prinzessin Helene kamen überein, daß die Erziehung des Erbprinzen in den Händen der Prinzessin bleiben soll. Königin Maria hat ein Glückwunschtelegramm gesandt, auf das der König geantwortet hat. Die Königin wird bei ihrer Rückkehr Ende der Woche feierlich empfangen werden. Nachdem die Armee den Treueid geleistet hatte, richtete der König eine Kundgebung an das Volk, in der das gleiche gesagt wird wie in seiner Rede vor der Nationalversammlung. Abends fuhr König Carol nach Gurten de Arges, um das Grab feines Vaters zu besuchen.
»ortete das Auto. Der Gesandte war umgeben von höheren deutschen Offizieren und zahlreichen Lissaboner Persönlichkeiten. Der Gesandtschaftsrat öffnete die Tür des Automobils, um den Gesandten einsteigen zu lassen, der sich in die rechte Ecke des Wagens setzte, während der Gesandt- schaftsrat liiBs neben ihm Platz nahm. In dem Augenblick, als das Automobll abfuhr, stürzte ein hochgewachsener Mann aus der Menge hervor und gab mehrere Revolverschüsse auf den Gesandten ab, der am Kopf von zwei Kugeln getroffen wurde. Die übrigen Kugeln, von denen eine den Hut des Gesandtschaftsrates durchlöcherte, verfehlten ihr Ziel. Der Gesandte brach im Wagen zusammen und verlor das Bewußtsein. Er wurde sogleich ins deutsche Hospital trasportiert. Die bedeutendsten Chirurgen von Lissabon wurden an das Krankenbett gerufen und versuchten, die Kugeln, von denen eine durch das Ohr in den Kopf eingedrungen war, zu entfernen. Aber wegen des schwachen Herzschlages des Gesandten war die Operation unmöglich.
Der Täter versuchte nicht zu fliehen. Er schleuderte vielmehr den Revolver in das Automobil und ließ sich hierauf fest- nehmen. Seine verworrenen Aeußerungen lauten etwa dahin, daß er eine hochstehende Persönlichkeit habe töten wollen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und so zu beweisen, daß er keineswegs wahnsinnig sei. Als er in Lissabon von dem Besuch des deutschen Geschwaders erfuhr, habe er beschlossen, seine Absichten auszuführen. Als er das Automobil gesehen habe, das die Insignien der deutschen Gesandtschaft trug, habe er sofort gewußt, daß die Person, die rechts im Wagen
Carol II. Koala von Rmnilaloa
Smh ütekraWnter Rückkehr aus Frankreich een ter Nallonalveriammlung in seine Rechte mietet eingesetzt - Begeisterung in Bukarest
Platz genommen hatte, einen hohen Rang bekleiden müsse. Er habe dann, ohne zu wissen, daß es sich um den deutschen Gesandten handelte, geschossen. Als man ihm mitteilte, wer sein Opfer sei, hat er erklärt, dah er endlich in ein bedeutsames Verbrechen hineingezogen sei und daß man von ihm jetzt sprechen würbe.
Die Nachricht von dem Attentat hat einen tiefen Eindruck ausgelöst. Sämtliche Festlichkeiten, die zu Ehren des in Lissabon liegenden deutschen Geschwaders in Aussicht genommen waren, sind abgesagt worden.
Gestern vormittag fand in der St. Josephs-Kirche eine von dem Geistlichen der Deutschen Kolonie zelebrierte Messe statt, an die sich ein Gebet für den verstorbenen deutschen Gesandten von Baligand anschloß. Der Platz des Gesandten, der zu der Gemeinde dieser Kirche gehörte, war mit Blumen geschmückt. An der Messe nahmen Eesandschaftsrat Busch von der deutschen Eesandschaft, zahlreiche Offiziere und die katholischen Mannschaften des vor Lisiabon liegenden deutschen Geschwaders und Mitglieder der deutschen Kolonie.
Das Eesandschastsgebaude. in dem die Leiche des Gesandte» aufbewahrt ist, war den ganzen Tag über das Ziel von Tausenden.
Die Totenwache halten deutsche und portugiesische Matrosen, Soldaten der Garnison Lisiabon, Mitglieder der Eesandschaft und Angehörigen der deutschen Kolonie in Lisiabon. Der vorläufigen Schließung des Sarges wohnten der brasilianische Botschafter, der Gesandte Belgiens sowie andere Diplomaten und Mitglieder der Gesandtschaft bei. Am Sarge waren Kränze der portugiesischen Regierung, des portugiesischen Ministers des Aeußern, des Chefs des deutschen Geschwaders und des Offtzierkorps des Geschwaders niedergelegt worden.
Dr. Albert von Baligand.
Albert von V a l i g a n d wurde am 23. Oktober 1881 in München geboren. Die Familie von Baligand stammt aus dem Hennegau und kam über Lothringen und die Pfalz nach Bayern, wo ihre Mitglieder im Staats- und Heeresdienst tätig waren. Auch Albert von Valigand war ursprünglich aktiver bayrischer Offizier, nahm aber nach wenigen Jahren seinen Abschied, studierte in München und Würzburg Rechtswissenschaften, Nationalökonomie und Philosophie und wurde 1913 in das Auswärtige Amt berufen. Nach kurzer Beschäftigung im Haag und in Amsterdam kam er 1913 als Hilfsarbeiter für völkerrechtliche Fragen in das Auswärtige Amt, wurde, schwer verwundet aus dem Kriege zurückgekehrt, 1915 zum Legationsrat ernannt und von 1917 bis 18 mit der Führung internationaler Verhandlungen, insbesondere von Ostfragen, betraut.
is Prinz Carol war am Freitag über« U raschend in Bukarest eingetroffen. Er ! hatte Paris, wo er sich zuletzt aufhielt, einige Tage vorher verlassen und sich nach München begeben. Von dort startete fer Freitag vormittag in einem Farmanflugzeug nach Clausenburg, wo er nachmittags eintraf. Auf dem Flugplatz wurde er von dem Kommandanten und -i allen Offizieren empfangen und flog nach kurzem Aufenthalt nach Bukarest weiter.
: Seine Ankunft war dem Ministerpräsidenten Maniu bekannt. Maniu überreichte alsbald dem Regentschaftsrat die t Demission des Kabinetts, da es nicht ge- s : hingen war, innerhalb der Regierung eine Einigung über die Lösung bet Ver- sassungsprobleme zu erzielen. Der Re- i. gentschaftsrat beauftragte darauf den bisherigen Außenminister M i r o n e f c u mit der Kabinettsbildung. Die neue Regierung wurde noch in der Nacht vereidigt. Sämtliche Regierungsmitglieder gehören der nationalen Bauernpartei an.
Der frühere Kronprinz Carol lebte bekanntlich nach feiner Verzichtleistung auf die Thronfolge ständig im Ausland. Im August 1918 leistete er nach feiner Ver- .mählung mit der Rumänin Cäcilie Larn- brino zum ersten Mal den Thronverzicht. Diese Verbindung wurde jedoch bald gelöst und der Thronverzicht für ungültig erklärt. 1921 heiratete der Prinz dann die griechische Prinzessin Helene. Aus dieser Ehe entsproß der L$r in 3 Michael, der nach dem Tode des Königs Ferdinand im Juli 1927 zum König ausgerufen wurde. 1925 war inzwischen der Kronprinz Carol zu der Srauerfeier für die Königinmutter Ale- landra nach London gereift und hatte sich von dort in Begleitung der Frau L u - Pefcu nach Venedig begeben, von wo tt feine zweite Verzichterklärung übersandte. Nach dem Tode seines Vaters erließ Carol in Pariser Blättern eine Erklärung, daß er sich seine Thronrechte Vorbehalte. Im Oktober 1926 versöhnte tt sich mit seiner Mutter, und seitdem wollten die Gerüchte nicht verstummen, daß feine Wiedereinsetzung namentlich wich vom Ausland betrieben würde.
König Carols Thronbesteigung.
,In der Stadt Bukarest hat wohl noch niemals bisher ein so starkes Leben geherrscht ’ie gestern, als König C a - toi II. vom Schloß nach der Kammer fuhr, um den Eid auf die Verfassung zu Listen. Die ganze Bevölkerung war auf den Straßen und begrüßte den König auf feiner Fahrt mit brausenden Hochrufen.
In der Nationalversammlung wurde «t König vom Ministerpräsidenten Mito n e s c u empfangen und zum Platz des Präsidenten geleitet. Sämtliche in Bu- bareft beglaubigten Diplomaten waren anwesend. Das Publikum auf den Tribünen brach in nicht endenwollende Subeirufe aus.
Der König, der die Uniform eines Generals des Fliegerkorps trug, leistete den Eid auf die Verfassung und schwor, dwfe, die Gesetze und die Unversehrtheit des Landes schützen zu wollen.