MMrilhaim über die Finonzlage
Fast 140 Millionen Sleucmussllll — 600 Millionen Mehrbedarf für die ArbeMloien
festgestellt.'
;ef ist heute von
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Marburg tu Nrn
Sonnabend, »kN 31. Mat 1930
Zwischen dem Reich und den Ländern werden jetzt, nach einer Meldung der V. 3.“. die letzten abschließenden Verhandlungen über ein beab sichtig- tes Reichsgesetz für Hieb- und Stoßwaffen geführt. Die Erörterungen bei den Länderregierungen darüber sind, wie man hört, so gut wie abgeschlossen. Man rechnet damit, daß in etwa zwei bis spätestens drei Wochen das Reichskabinett seine Entscheidung über den Referentenentwurf beschließen kann. Jedenfalls soll noch vor der Sommerpause das Gesetz von Reichsrat und Reichs-
gte ^vberhrssisch« Sdtimg" «• <$etat l«ch«nal wöchentlich. Be- E-prett monatlich 2.20 GM.au«- schürßl. Zustellungsgebühr, durch
Post 2^5 GM. Für etwa durch Ctrett, Maschtnenbefett ober de* mentare Ereiguisie ««fallende fltamnete wird kein Ersatz geleistet. Verlag Dr. §. Httzeroth. Druck der Unid.-Buchdruckrrei geb. Ang. Koch, Markt 21/23 .Fernsprecher: Ri. 54. n. St. 56. Postscheckkonto: Amt Frankfurt <u SR. St. 5015. — Sprechzeit d«r Redaktion von 10—tl «mb
Berg gebaut, dann seitwärts zum Rhein hin einen Berbindnngsstollen nach einem weiteren 10 Meter tiefen Schacht getrieben. Am Ende des Seitenfchachtabfchmt- tes befand sich je eine Pulverkammer fo eingerichtet, daß in dieser etwa 300 Zent- ner Dynamit hätten zur Entladung gebracht werde« können. Bei der Untersuchung wurden Spreagmasien nicht vorgefunden, aber trotzdem wird wohl eine genaue Untersuchung aller solcher Anlagen geboten sein, die wohl anch an anderen Stellen, wie an der Mosel und besonders au der Lahn, vorhanden sind. Am Tunnel bei Obernhof an der Lahn wurde gleichfalls eine derartige Anlage
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Ziel 5 Tage.
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Eprengmlagen der BesatzunMupven AuWenttttgende Entdeckungen an rheinischen Tunnels
Der thüringische Ministerpräsident Dr. Baum hat bei der Besprechung der deutschen Innenminister über die Ernennung von Nationalsozialisten zu verantwortlichen Leitern im thüringischen Polizeiwesen die Auffassung vertreten, daß eine Lösung der Frage erst beim Wieder- zusammentritt des Landtages Ende Jun« möglich sein werde. Dr. Wirch hat daraufhin an Weimar das förmliche Ersuchen gerichtet, unverzüglich die Ernennungen rückgängig zu machen, widrigenfalls er dre Zuschüsse für die Polizei sperren werde.
Der „Koblenzer General-Anzeiger" bringt folgende aufsehenerregende Meldung: „Im Zahre 1923, in der Zeit des Nuhrkampfes, als die Franzosen das Eissnbahnpersonal vertrieben hatten und die Eisenbahnen besetzt hielten, wurde bemerkt datz von den französischen Genietruppen monat »lange umfangreiche Arbeiten an verschiedenen Eisenbahntuanels vorgenommen wurden, ohne datz man den wirklichen Sinn dieser Arbeiten bisher feststellen konnte. Nachdem nun die Franzosen abgezogen sind, werden auf Grund von jetzt stattfindenden Nachforschungen zum Teil recht unangenehme Entdeckungen gemacht. Dieser Tage unterzog ein Sprengmeister, der schon im Auftrage des Reiches das Fort Asterstein und andere Werke in Koblenz und Ehreabreitstein niedergelegt hat, im Auftrage der Neichsbahnverwaltung den Kammer- Eck--Tunnel bei Oberwesel einer genauen Untersuchung, bei der er grotzan- gelegte Schachtanlagen mit Querst ollen und Pulverkammern feststellte, mit denen die Fraznosen jederzeit einen Teil der vielen Tunnels auf den Rheinbahnen in die Luftsprengen konnten. Die Folge davon wäre gewesen, datz auf lange Zeit der durchgehende Eisenbahnverkehr am Rhein hätte stillgelegt werden müssen. Ueber dem genannten Tunnel hatte das 12. Eenie-Bataillon einen acht Meter tiefen Schacht in den
Bor der Sprengung der Trierer Zeppelinhalle.
Trier, 30. Mai. Das heute mittag zur Sprengung der Zeppelinhalle hier eingetroffene französische Kommando besteht aus einer kriegsstarken Kompanie von rund 200 Pionieren, Unteroffizieren und Offizieren. Die Unteroffiziere wurden auf dem Trierer Exerzierplatz in Baracken untergebracht, die vom Reichsvermogens- amt erneut hergerichtet werden mußten. Heute früh wurde mit dem Abbruchder Flugzeughalle, die neben der Zeppe- linhalle liegt, begonnen. Der Ersteigerer Marx aus Mülhausen (Elsaß) hat m Wiesbaden einen Ingenieur und fünf Monteure angewvrben, die mit der Leitung Ser Abbruchsarbeiten beauftragt wurden. 1
Noch am gleichen Tage, nachdem die Zahlen der Arbeitslosen vom 30. April vorlagen, hat sich das Finanzministerium mit dem Arbeits- mmisterium in Verbindung gesetzt um mit ihm die sich daraus ergebenden Mehrausgaben und die Mittel zu deren Verminderung und Deckung zu prüfen. Das Ergebnis dieser Beratungen ist, daß für das Jahr 1930 mit einer Minoestdurchschnittszahl der Arbeitslosen von 1,6 Millionen zu rechnen ist, die einen Mehraufwand über den Etatsansatz in Höhe von 450 Millionen erfordert. Außerdem führt die gleiche Entwicklung zu einer Erhöhung der Zahl der Krisenempfänger von bisher 200 000 auf etwa 400 000, d. h. zu einem weiteren Mehrbedarf von 150 Millionen. Es ist also durch die Wirtschaftsentwicklung auf der Ausgabenseite
rin Mehrbedarf von insgesamt 600 Millionen erzeugt worden.
Der Reichsfinanzminister gab dann ein Bild über
das Abschlutzergebnis des Rechnungsjahres 1929.
Der ordentliche Haushalt des Jahres 1929 schließt mit einem Fehlbetrag von. 310,6 Mill. SR ab. Dazu kommt noch der Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1928 mit 154,4 Millionen 5UZ, so daß am Schluß des Rechnungsiahres 1929 ein Eesamtfehlbetrag von 465 Millionen 51.Ä vorhanden war. 3ui Deckung des voraussichtlichen Fehlbetrags der Jahre 1928 und 1929 waren in den Entwurf des Reichshaushaltsplans für 1930 insgesamt 515 Millionen 3Ut eingestellt worden. Es ergibt sich somit gegenüber der Schatzung im Etat 1930 eine Verbesserung von 50 Mill. 51 jl. Hiervon sollen 15 SJlitf. 5tJä für die
gerichtet, um rückgängig zu Zuschüsse für Dieser Brief , , gangen. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, dah die thüringische Regierung nicht nachgeben wird, so daß die Sperrung der Gelder durch den Reichsinnenminister schon in den nächsten Tagen erfolgen mühte. Der Staatsgerichtshvf wird sich dann mit der weiteren Entwicklung befassen müssen, es besteht aber kein Zweifel, dah er sich auf den Standpunkt des Reiches stellen wird.
Berlin, 30. Mai. Die Beratung des Etats der allgemeinen Finanzverwaltung wird begonnen.
Als Berichterstatter machte Aba. Keil (Soz.) darauf aufmerksam daß sich in der Verhandlungsmethode des Ausschußes ein sehr wichtiger neuer Modus zu entwickeln scheine. Wie die Presse meldet, beabsichtigen die Regierungsparteien, zwischen der zweiten und dritten Etatslesung dem Reichstage neue Vor- B zu unterbreiten, um am Etat noch e r - iche Abstriche vorzunehmen. Das ns dieser neuen Verhandlungsmethode würde sein, daß die Opposition bei der entscheioenden Etatsgestaltung von bei positiven Mitwirkung ausgeschlossen wäre. Man müsie sich darüber Har sein, daß damit ein neuer Wesenszug in das deutsche parlamen- tzirische System hineingetragen werde.
Zu den
Steuererträgen des Monats April erklärte der Berichterstatter, das Eesamtauf- kommen des Monats April 1930 von 983,4 Millionen R^k übersteige das Aufkommen im April 1929 um 44 Millionen R.4k. Davon entfallen aber 70 Millionen 5t.« auf die Aufbringungsumlage, die im vorigen Jahre nicht im Etat gestanden hat. Tatsälblich ist daher dos Aprilaufkommen gegenüber dem Vorjahre um 26 Millionen 5t Jl zurückgegangen. Davon entfallen 25 Millionen R.« auf die Besitz- nnd Verkebrssteuern. Es bleibt abzuwarten wie sich die Steuererhöhungen vom April auswirken werden.
Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer teilte dann mit, daß die Reichseinnahmen im April um 54 Millionen hinter den Schätzungen zurückgeblieben sind. Davon entfallen auf die Besitz- und Verkehrssteuern 23,2 Millionen aus Bolle und Verbrauchsabgaben 26.25 Mill. R.«. Das sind allerdings nur die Reichsanteile, nebenher gehen die auf die Länder entfallenden Anteile des Minderaufkommens. Der Minister unterzog die einzelnen Posten des Minderaufkommens bei den verschiedenen Steuern und Zöllen einer _ genauen Prüfung und kam zu dem Schluß, daß man den Iahres- ausfall an Besitz- und Verkehrssteuern für das Reich auf 36,6 und den Ausfall der ersten acht Monate an den Zöllen und Verbrauchsabgaben gegenüber den Voranschlägen des Haushalts 1930 auf 100 Millionen schätzen müße, zusammen also 136,6 Millionen R.« zuzüglich eines weiteren Ausfalles an Deförderungs- steuer. Die Zölle schätzte der Redner nur für die ersten acht Monate, weil für spätere Mindereingänge notfalls durch eine neue Eeietz- aebung im Winter Ersatz gesucht werden Eonne.
Der Minister führte ferner aus: Im Vorjahre war nach einer außerordentlich starken Arbeitslosigkeit im Frühjahr im April und Mai ein Absinken der Zahl der
Osthilfe und 35 Millionen 5IJl im Rahmen des allgemeinen Deckungsprogramms mitverwendet werden. Das Steueraufkommen ist insgesamt um rund 75 Mill. R « hinter der Etatsschätzung zurückgeblieben. Davon entfallen 29 Millionen R.« auf das Lohnsteuerauskommen. Der I n v a l tb en - Versicherung konnten daher anstatt der im Etat vorgesehenen 50 Millionen nur 21 Millionen zuaewiesen werden. Don dem restlichen Steuerausfall in Höhe von 46 Millionen gehen rund 45 Millionen zu Lasten des Reiches und rund 1 Million zu Lasten der Länder. Bei den Verwaltungseinnahmen steht einem Mehraufkommen von 23,7 Millionen, an dem alle Verwaltungszweige beteiligt sind, eine Mindereinnahme von 253 Millionen bei den Einnahmen aus der Münzprä
gung gegenüber, so daß netto 1,6 Millionen weniger eingegangen sind.
Beim
avtzerordentlichen Haushalt
betragen die Einnahmen 481 Millionen, die Ausgaben 348,2 Millionen. Die Einnahmen übersteigen also dir Ausgaben um 132,8 Millionen. Der Fehlbetrag aus den Jahren 1926—1928 beträgt 904,5 Millionen, so daß sich die Gesamtverschuldung des außerordentlichen Haushaltes am Ende des Rechnungs- Jahres 1929 auf 771,7 Millionen beläuft. An Ausgaberesten stehen noch 47 Millionen offen. Der Anleihebedarf beträgt somit am Ende des Rechnungsjahres 1929 noch 818,7 Millionen 5U6.
Abg. Dr. Rademacher (Dntk.) forderte zur Neuerweckung des Verantwortlichkeitsgefühls der politischen Instanzen, besonders in den Gemeinden, die Einführung eures Verwaltungskostenbeitrages unter automatischer Verkoppelung mit den Realsteuern.
Hauptunterstützungsempfanger um etwa 700 000 erfolgt. Verlief die Kurve im gegenwärtigen Jahr entsprechend, dann konnte damit gerechnet werden, daß die vorgesehene Deckung ausreichte. Tatsächlich kam es anders, das Absinken trat nur in Hohe von etwa 150 000 Hauptunterstsitzungsempfängern ein. Eine.solche Entwicklung hatte auch vorher die Opposition nicht für möglich gehalten. Auch diese glambte mit einer alsbaldigen Mehrdeckung von Vx Proz. Beitragserhöhung, d. h. von 70 Millionen jährlich, auskommen zu können, während die nach der gegenwärtig übersehbaren Lage des Arbeitsmarktes, notwendig werdende _ Deckung ein Vielfaches dieser Summe beträgt.
Abg. Dr. Reinhold (Dem.) erwähnte, zur Sicherung der Reichsfinanzen feien notwendig: eine durchgreifende Reform der Arbeitslosenversicherung und eine wirkliche, nicht fiktive Sanierung der
Abg. Morath (Dt..Vpt.) hielt den Ee^ schäftsbetrieb bei den Finanzämtern, und bei den Zollbehörden für zu schwerfällig. Dadurch werde eine ganze Menge Arbeitskraft nutzlos absorbiert. m _
Abg. Dr. Cremer (Dt. Dpt.) verbreitet sich dann über den Umfang der Kapitalflucht. Die letzte Ursache dieses traurigen Kapitels ist die zu scharf anpackende Steuerschraube.
Damit war die allgemeine Aussprache erledigt. Ohne Aenderungen wurden die Etatstitel für persönliche und sachliche Verwaltungsausgaben angenommen. ,
Nach kurzer Debatte wurde der Etat des Relchsfinanzministeriums bewilligt.
iDbcthcffifdic Jettun y ZMiWtMg
Anzeiger fiir (das frühere kur-hessische) Oberheffen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fiir Stadt «nd Kreis Marburg.
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Die anhallenden Patteikrisen haben die Bestrebungen nach Schaffung einer ta atsbürgerlichen Einheits- tont in den letzten Monaten sehr geörtert. Besonders ter Vorsitzende ter Deutschen Dvlkspartei Dr. Scholz hat sich zum Wortführer dieser Bemühungen gemacht und entsprechende Verhandlungen mit den in Frage kommenden Parteien ge* führt. Trotzdem ist ter Gedanke, eine Art Dürgerblock zu schaffen, vor- läufig auf einen toten Punkt gekommen, und zwar vornehmlich wegen der Einstel- lang ter Demokraten und des Landbundes. Während die Demokrattsche Partei gegen eine Einbeziehung der Wirtschaftspartet in eine Arbeitsgemeinschaft mit der eigenen Partei und der Deutschen Volkspartei nichts einzuwenden hätte, betrachtet sie die Hinzuziehung von Landbundleuten in die Arbeitsgemeinschaft als untragbar. Der Landbund seinerseits steht auf dem gleichen Standpunkt bezüglich der Demokraten. Es hat sich also gezeigt, daß der Kreis, den Dr. Scholz bei seinen Gedankengängen gezogen hatte, zu groß ist. In den beteiligten Kreisen ist man trotzdem der Auffassung, daß sich im Laufe der Zeit doch noch eine bürgerliche Einheitsfront bilden lassen wird.
Der „Iungdeutsche", bas Organ des Iungdeutschen Ordens, nimmt den vor- X ergebnislosen Ausgang ter Be- gen um die Schaffung einer staatsbürgerlichen Einheitsfront zum Anlaß, um sich mit dem Problem auseinanderzusetzen. Der Iungdeutsche unterscheitet scharf zwischen seiner eigenen Organisation bezw. ter ter Volksnationalen Reichsvereinigung und ter Einstellung der übrigen Parteien. Er erllärt, die Führer dieser Parteien könnten anscheinend noch immer nicht begreifen, daß der Iungdeutsche Orden und die Volksnattonale Reichsvereinigung nicht von einigen großen Geldgebern abhängig seien, sondern dah ihre Macht auf der freiwilligen Mitarbeit eines jeden Anhängers beruhe. An dieser grundsätzlichen Unterscheidung liege es, wenn der Iungdo ein Paktteren mtt den allen Parteien ablehne. Im übrigen habe man sich den Besprechungen mit Dr. Scholz nicht entzogen und werde gegebenenfalls tee Oeffentlichkeit darüber aufklären.