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Anzeiger für (das frühere kurhessischej Oberheffen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Drr erste Mord vor M Wren!

Wettte OtetWne und zeugen haben ft» niemals gemeldet

Sie Seständniiie Seiet Mlens

Düsseldorf, 27. Mai. Zn dem Er­mittlungsverfahren gegen den mutmaß­lichen Massenmörder Kürten hat der Gerichtsarzt Prof. Dr. Berg Gutachten über die Fälle Albermann und Hahn erstattet, aus denen die Täterschast Kürtens in diesen beiden Fällen hervor­geht. Insbesondere beschäftigt sich das Gutachten mit der Scheere, mit der die bei­den ermordet wurden. Bon zwei in der Wohnung des Kürten beschlagnahmten Scheere«, die von ihm selbst als seine in mehreren Fällen gebrauchten Mordwerk- zeugen bezeichnet wurden, hat Kürten zweifellos mit der größeren in den Fällen Hahn und Albermann den Mord ausge- führet, da die Schenkel dieser Scheere ge- nru in die Schädellöcher paßten.

Die bisherigen Ermittlungen inSachen des vermutlichen Düsseldorfer Masfenmör- ders Peter Kürten haben zu der Fest­stellung geführt, daß Kürten mit Be­stimmtheit den Ileberfall i m Gräfen­berger Wald am 14. Mai 1930 und den Ueberfall auf Gertrud Schulte am 25. August 1929 ausgeführt hat. Die beiden überfallenen Mädchen haben Kür­ten mit Bestimmtheit als den Täter wic- dererkannt. Kürten hat die Vorgänge in diesen beiden Fällen in voller Ueberein- strmmung mit oer Darstellung der beiden Mädchen geschildert, und zwar mit zahl­reichen Einzelheiten, die nur der Täter wissen konnte. Ferner ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Kürten den Mord an der Maria Hahn am 11. August 1929 in Papendell begangen hat. Auch in die­sem Falle ist die Täterschaft des Kürten durch eine Fülle von Einzelheiten erwie­sen, die nur dem Täter bekannt sein konn­ten. Besonders belastend ist seine genaue Beschreibung der Schaufel, die er zur Be­stattung der Maria Hahn am Walde von Papendell benutzt hatte. Diese Schaufel wurde später unweit des Tatortes in einem Wasserlauf unter einem Gebüsch versteckt gefunden.

Auch die Täterschaft in dem Mordfall

Gertrud Albermann muß als be­wiesen gelten.

Es wurde schon bekannt gegeben, daß die Arbeiten des Schriftsachverständigen Dr. S ch n e i ck e r s den einwandfreien Nach­weis dafür erbracht haben, daß Kürten auch der Schreiber der sogenannten Mör­derbriefe ist. Schon deshalb ist an seiner Täterschaft im Falle Albermann nicht zu zweifeln. Zudem hat Kürten auch in die­sem Falle die Tat mit sehr zahlreichen- Einzelheiten geschildert, die sich mit dem objektiven Tatbestand, wie ihn die Mord­kommission seinerzeit festgestellt hat, dek- ken. Die Vernehmung Peter Kürten wird fortgeetzt.

Die bisher stattgefundenen Gegenüber­stellungen ergaben, daß

Kürte« als Täter sowohl von der Ehefrau Meurer als auch von der Karoline Herstraß, die er seiner­zeit in die Düssel geworfen bat, be-. stimmt wiedererkannt wurde.

Er selbst erkannte auch ohne weiteres diese beiden Zeuginnen als seine Opfer an und wiederholte in deren Gegenwart in großen Zügen den Hergang seiner Taten. Die ihn von den Zeuginnen ge­stellten Fragen beantworttee er sicher und zutreffend.

Der am 26. August 1929 in Lierenfeld mit einem Mesier gestochene Heinrich Kornblum erkannte Kürten bei der Gegenüberstellung nicht wieder. Dagegen bezeichnete Kürten den Kornblum, dessen.

Namen er allerdings nur aus der Zeitung kenne, als eines der

drei Opfer, die er am 26. August 1929 unmittelbar hintereinander durch blindes Drauflossteche« verletzt hat.

Die Ehefrau Mantel und die Anna E o l d h a u s e n, die am gleichen Tage durch Stiche verletzt wurden, haben Kür­ten bei der Gegenüberstellung nicht wie­dererkannt, weil sie ihn bei der Tat nur ganz flüchtig gesehen hatten.

Inzwischen sind verschiedene Lichtbilder des Kürten amtlich veröffentlicht worden. Die Polizei fordert alle Personen insbe­sondere Frauen und junge Mädchen, die mit Kürten in Berührung gekommen und vom ihm tätlich angegriffen oder mißhan-

Berlin, 27. Mai. Der polnische Gesandte hat beim Auswärtigen Amt wegen der Vorgänge, die sich anläßlich des Grenzzwischenfalls bei Neuhöfen abgespielt haben, Vorstellungen erhoben. Er hat den Tatbestand, entsprechend dem polnischen Kommunique vom 26. Mai, ge­schildert, wonach es sich um einen Uebergriff deutscher Amtsper­sonen gehandelt haben soll. Im Auf­trage seiner Regierung hat er gegen die Vorgänge protestiert und gleichzeitig die Einsetzung einer deutsch-pol­nischen Kommission angeregt, die durch gemeinsame Feststellungen an Ort und Stelle den Sachverhalt aufklären soll.

Dem polnischen Gesandten ist er-, widert worden, daß sein Protest zu­rückgewiesen werden müsse.

Der polnische Schritt sei schon in sich widerspruchsvoll, da er einerseits die Ein­setzung einer gemischten Kommission zur Aufklärung des Tatbestandes anrege, an­dererseits aber ein für Polen günstiges

Walde einer Dirne den Hals zugedrückt haben, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Ferner will er vor etwa iy2 Jahren in der Umgebung von Effsn bei einem Einbruch in eine Wirtschaft in ein Schlafzimmer gekommen sein, wd er einem etwa neunjährigen Knaben sofort den Hals durchschnitten habe, damit ihn dieser nicht verrate. Ein amerikanischer Onkel des Zungen sei damals unter Mord­verdacht verhaftet worden. Zur Nachprü­fung dieser Angaben hat sich die Düssel­dorfer Kriminalpolizei sofort mit der Esiener und Mülheimer Krimiualpoizei in Verbindung gesetzt.

Wie aus der Vernehmung am Montag noch bekannt wird, will Kürten den Moro an der achtjährigen Rosa Ohliger im Jahre 1929 nicht in seiner Wohnung wie verschiedene Blätter am Montag wis­sen wollten, sondern an der Stelle began­gen haben, wo die Leiche später gefunden wurde. Den Mord habe er abends ausge- führt. Am anderen Morgen um 6 Uhr habe er die Leiche mit Petroleum begossen und in Brand gesteckt. Er bestritt jedoch entschieden, an der Ohliger ein Sittlich­keitsverbrecher begangen zu haben. Den

beit worden sind, auf. sich unverzüglich zu melden.

Kürte« hat verschiedene Ueberfälle auf Mädchen gestanden, von denen seinerzeit nichts bekannt war, weil die Opfer bedauerlicherweise unter­laßen haben, sofott Anzeige bei der Kri­minalpolizei zu erstatten. Mit ihrer Hilfe wäre es sonst möglich gewesen, Kür­ten schon früher unschädlich zu machen.

Wie inzwischen bekannt wird, soll Kür­ten am Montag gestanden haben, außer den der Oeffentlichkeit bekannten Mord­taten noch zwei weitere Morde aus dem Gewissen zu haben. Zm Alter von 16 Zähren will Kürten im Erafeuberger

Ergebnis der Feststellungen der Kom­mission dadurch bereits vorwegnehme, daß gegen ein angebliches Verschulden deutscher Beamter protestiert werde. Außerdem handele es sich aber nach dem bisherigen Ergebnis der von den zustän­digen deutschen Stellen eingeleiteten Un­tersuchung nicht um einen Uebergriff deutscher Beamter, sondern um eine polnische Grenzverletzung und um Gewalthandlungen, die von polnischen Beamten auf deutschem Territorium be­gangen worden seien. Im übrigen halte es die deutsche Regierung auch von sich aus für angebracht, den Sachverhalt durch eine gemeinsame Nachprüfung aufzuklä­ren und diese Aufgabe einer gemisch­ten deutsch-polnischen Kom­mission zu übertragen.

Der deutsche Gesandte in Warschau ist beauftragt worden, den deutschen Stand­punkt in vorstehendem Sinne bei der pol­nischen Regierung zur Geltung zu brin­gen.

Fleher Doppelmord, der am 25. August 1929 größtes Entsetzen hervorgerufen hat (man fand in den Morgenstunden des 25. August die fünfjährige Gertrud Hamacher und die dreizehnjährige Luise Lenzen in einem Gemüsefeld mit zahlreichen Mesier- stichen tot auf), will Kürten folgender­maßen ausgeführt haben: Die Kinder habe er auf dem Kirmesplatz angespro­chen; er sei mit ihnen dann quer über das Feld gegangen. Nachdem er das ältere Mädchen weggeschickt habe, um Zigaretten zu holen, habe er der fünfjährigen Hama­cher den Hals zugehalten und ihr die tod- ichen Stiche beigebracht. Als das ältere Mädchen zurückkehrte, habe er sie dann auf die gleiche Weife getötet. Auch über den Mord an der Maria Hahn gab Kür­ten eine genaue Schilderung.

Eine Verhaftung in der Düsieldorfer Mordangelegenheit.

fk. Berlin, 28. Mai. Im Zusammen­hang mit der Vernehmung des Kürten ist, nach einer Meldung derD.A.Z.", ein Arbeitskollege von ihm mit Namen Meurer verhaftet worden. Er steht im Verdacht, dem Kürten die Opfer zugeführt zu haben.

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Gestern morgen hat eine Minister - besprechung beim Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer stattgefunden, in welcher der Finanzminister seine Vorschläge zu- sammenstellte. Entgegen anderslautenden Meldungen handelt es sich bei den Plänen des Finanzministers nur um große Richt­linien, deren konkrete Zusammenfassung dem Kabinett obliegen wird. Nach un­seren Informationen wird die Regierung das Notopfer und die Amsatzsteuererhvhung zur Wahl stellen, sodaß nur eine ©teuer Zustandekommen wird. Bei dem Aus­gabensenkungsgesetz wird man ebenfalls versuchen, ein Kompromiß zu finden. Wan rechnet in parlamentarischen Kreisen da- mtt, daß man sich wahrscheinlich für eine Zahl von 70000 Stimmen für jeden Ab­geordneten entscheiden wird. Anschlleßend an die Kabinettsberatung werden in den nächsten Tagen Patteiführerbesprechungen stattfinden, welche erst die eigentlichen Kämpfe entfesseln. Auch die ©teuersach­verständigen der einzelnen Frakttonen wer­den sich an diesen Aussprachen beteiligen. Bei der Schwierigkeit der Materie ist es fraglich, ob es gelingen wird, die Vor­lagen noch vor Pfingsten dem Reichs rat zuzuletten.

Alle Berichte sämtlicher Behörden, die an dem polnischen Grenzzwischen­fall beteiligt waren, besagen klar und eindeutig, daß die Schuld ganz allein auf Setten der Polen liegt Man soll selbst­verständlich aus solchen Grenzreibereien, die hier einmal zu einem bedauerlichen Zusammenstoß geführt haben, keine Staats* aktivn machen. Aber im Auswärtigen Amt scheint man doch allzu sehr von dem Grundsatz durchdrungen zu sein, um Him- melswillen nicht so ellig zu handeln, wie es etwa die österreichische Diplomatie gegenüber den Serben im Juni 1914 tat Da die Rechtslage vollkommen klar liegt, und Deutschland keinerlei Schuld an dem Zusammenstoß trifft, sondern es sich um eine einseitige polnische Grenzverletzung handelt, wäre es ratsam gewesen, wenn die deutsche Regierung chren Gesandten in Warschau beauftragt hätte, rechtzeitig Protest gegen diese Grenzverletzung zu er- heben. So liehen wir den Polen Zeit, von sich aus eine Protestnote zu überreichen, in welcher die Behauptung anfgestellt wird, daß der deutsch-polnische Grenzzwischenfall von deutschen Grenzbeamten verursacht worden sei und daß Deutschland die Ver- antwottung für diesen Zwischenfall trage. Das Ergebnis dieses polnischen Erstschttttes ist, daß die polnische Lesatt in der ganzen Wett verbreitet wird und sich bereits in London und Paris der Eindruck festzu­setzen beginnt, es handele sich tatsächlich um deutsches Verschulden.

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Der demokratische Parteiaus­schuh, der organisatorisch etwa dem Zen­tralvorstand der Deutschen Dollspattei ent- spricht, hat in seiner in Halle abgehaltenen Versammlung zu dem Problem des deut­schen Patteiwesens Stellung genommen. Manches von dem, was in Halle gesagt wurde, darf man begrüßen, so vor allem das Bekenntnis von Koch-Weser zum Führergedanken. Er will nicht Gefangener, sondern Führer der Pattei sein. Ebenso entschieden war die Sprache des Herrn Koch gegen das Schlagwort vomDe- sitzbürgertum", das vom Zungdeutschen Orden aus sehr durchsichtigen Zwecken an­gewandt wird. Es sei die Aufgabe unserer Zeit, den abhängigen Menschen in die Positton des gesicherten Staatsbürgers zu führen, wie überhaupt Sozialpolitik keine Arbeiterfrage mehr ist. Verständlich wird man es finden, daß sich der Parteiführer weiter gegen die Gruppenbildung eines sozial-republikanischen Kreises" innerhalb der Partei wandte, einmal aus organi­satorischen Gründen, darüber hinaus wohl aber auch deshalb, well eine Partei in sich keine Sonderbestrebungen beitragen