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Lm-eözelttmg

9lt.122 65.Mro. Marburg o. Botin

Montag, den 26. W1930

Anzeiger für (das frühere kurhefsische) Oberhesfen

Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.

Die BttWtmg brs MaWmörders

Der Nrrbafteto Peter Karton grslebt zwei Mordtaten ein Er ift 17 mol vorbestraft

Düsseldorf, 25. Mai. Der Düssel­dorfer Kriminalpolizei ist es gestern nach­mittag 3 Uhr gelungen, den am 26. Mai 1883 in Mülheim am Rhein geborenen Arbeiter Peter Kürten als den mut« mählichen Düsseldorfer Massenmörder fest­zunehmen. Die Verhaftung geschah über­raschend. dah Kürten ohne weiteres eine vor kurzem ausgeführte Vergewaltigung eines jungen Mädchens zugab und im wei­tere« Verlauf der Vernehmung gestand, auch die im letzten Zahre in Düsseldorf vorgekommenen Morde ausgeführt zu ha­ben. Die Kriminalpolizei ist mit der Nach­prüfung seiner Angaben beschäftigt.

Heber die Person und die Verhaftung des Düsieldorfer Mörders erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Arbeiter Peter Kürten bewohnte fett mehreren Jahren im Haufe Metmannerstratze 71 mit feiner Frau ein möbliertes Mansarden­zimmer. Seine Frau, mit der er seit einiger Zeit in Streit lebte, verdiente den Hauptteil des Lebensunterhalts. Mit Hilf der am 14. Mai überfallenen Haus­angestellten gelang es der Kriminal­polizei,

die Wohnung Kürtens zu ermitteln, die seit Donnerstag überwacht wurde. Kürten war aber weder am Donnerstag noch am Freitag anwesend, auch Frau Kürten war nicht im Hause. Am Freitag nachmittag wurde dann die Wohnung ge­öffnet und durchsucht. Wie festgestellt wurde, wollte stch Kürten am Sonnabend mit seiner Frau an der Nochuskirche tref­fen. Dieses Zusammentreffen führte zu feiner Verhaftung.

Als der Täter an dem genannten Ort erschien »nd auf seine ihn er­wartende Frau zuging, wurde er von mehreren Kriminalbeamten umzingelt, gefesselt, nach Waffen durchsucht und nach dem Polizeipräsidium abgeführt, wo sogleich in Anwesenheit des Polizei­präsidenten Langels und des General­staatsanwalts Neuerburg die ersten Vernehmungen stattfanden.

Der Düsieldorfer Massenmörder.

Wie die Polizeipresiestelle Düsseldorfs mitteilt, haben den ganzen Sonntag hin­durch im Polizeipräsidium Vernehmungen des beschuldigten Kürten und von Zeu­gen, teilweise unter Gegenüberstellung, stattgefunden. Das Ergebnis kann zur Zeit noch nicht bekannt gegeben werden, da mit Rücksicht auf weitere bevorstehende Vernehmungen vermieden werden mutz, datz Zeugen in Gefahr kommen, in der Oeffentlichkeit Geschildertes als eigenes Erlebnis wiederzugeben bezw. in der Schilderung eigener Wahrnehmungen be- einflutzt zu werden. Zufammenfasiend kann gesagt werden, datz

der Tatverdacht sich verstärkt hat.

Kürten ist bereits 17 mal und nicht uner­heblich, jedoch nicht wegen Sittlichkeitsver­brechen, vorbestraft. Bereits im Alter von 16 Jahren wurde er zum ersten mal straffällig. 1905 wurde er wegen schweren Diebstahls in 34 Fällen zu sieben Jahren Zuchthaus und im Jahre 1913 wegen schweren Diebstahls in 15 Fällen im Rück­falle und Betruges zu sechs Jahren Zucht­haus verurteilt. Die Vorstraftakten lasten erkennen, datz man es mit einem äutzerst geschickten und rücksichtslosen Manne zu tun hat, der auch vor keiner Eewaltätig- keit zurückgescheut ist.

Acht feiner Vorstrafen sind unmittel­bar darch Gewalttätigkeit begründet.

Bereits im Alter von 19 Jahren wollte sich Kürten eine frühere Mitschülerin durch Terror sexuell hörig machen. Wich­tig ist, dah Kürten sich in ähnlicher Weise bei bei letzten Straftaten aus dem Jahre 1925 und 1928 wieder betätigte. Er hatte sich an Dienstmädchen herangemacht und ihnen die Ehe versprochen, in einem Falle dem Mädchen die Ersparnisse abgeschwiw- delt. Es gelang ihm schlietzlich, seine Opfer in eine hilflose Lage zu bringen und so zu seinem Ziele zu kommen. Später verfolgte er seine Opfer durch Bedrohun­gen und Beleidigungen in gröblichster Weise, sodatz er deswegen zuletzt mit acht Monaten Gefängnis bestraft wurde. Der Polizeibericht betont weiter, datz es Pflicht

Heber die Einzelheiten, die zur Verhaf­tung des Kürten führten, meldet der Amt­liche Polizeibericht:

Die Hausangestellte Schulte hatte in einem Brief an eine Freundin mitgeteilt, datz sie am 14. Mai abends einem Mann in die Hände gefallen sei, datz ihr etwas ganz fürchterliches passiert sei, wobei Jie fast ums Leben gekommen wäre". Dieser Brief ist durch irrige Adressierung in falsche Hände gekommen und wurde der Polizei übergeben. Es gelang die Adreste der Briefschreiberin zu ermitteln. Ihre Vernehmung ergab, datz sie in den späten Abendstunden des 14. Mai ein Stelldich­ein mit ihrer Freundin verpatzt hat, dah sie dann auf dem Wege in ein Mädchen­heim von einem Manne angesprochen wor­den ist, der ihr versprach, sie in das Heim zu begleiten. Dieser junge Mann führte sie bis an den Volksgarten. Als sie sich weigerte, mit ihm in die Anlagen zu gehen, trat plötzlich ein anderer Mann auf das Paar zu, der sehr energisch auf­trat, den jungen Mann zur Rede stellte, weil er den Versuch gemacht habe, das Mädchen in den Volksgarten zu führen. Dadurch gelang es ihm, das Vertrauendes Mädchens zu erringen. Als es ihm sagte, dah es für die Nacht noch keine Hnterkunft habe, bot er ihr eine eigene Schlafgelegen­heit in seiner Wohnung an. In der Woh­nung angekommen, hatte das Mädchen Be­denken und bestand darauf, in das Mäd­chenheim geführt zu werden. Der Hnbe- kannte übernahm die Führung und brachte sie in den Gräfenberger Wald. Die Be­denken des Mädchens, in den Wald zu gehen, zerstreute er durch die Bemerkung,

Grausige Bluttaten eines entlastenen Bankangestellten.

fk. London, 26. Mai. In Hong­kong hat ein entlassener chinesischer Bankangestellter 5 frühere Kollegen im Schlafe mit einem Küchenmesser ermordet. Als er gerade im Begriff war, sich nach einem weiteren Opfer umzusehen, wurde er von einem Koch des Boardinghauses, in dem er hauste, entdeckt. Diesem gelang es, den Mörder zu überwältigen, zu ent­waffnen und der Polizei zu übergeben.

Erdbeben in Japan.

fk. London, 26. Mai.Times" zu­folge ereignete sich gestern früh 1.38 Uhr im Tokio-Nokohaman-Bezirk ein Erd­beben, das 25 Minuten bauerte. Es wurde aber kein Schaden angerichtet.

der Hntersuchungsbehörde ist, die Eeständ- nisie Kürtens so nachzuprüfen, dah eine Beweissicherheit selbst bei Wegfall des Ge­ständnisses gegeben ist. Dieses dürfte für den letzten Heberfall auf ein Mädchen im Gräfenberger Walde am 14. Mai 1930 zu­treffen.

Desgleichen steht nach den Verneh­mungen vom Sonntag die Täterschaft des Kürten im Falle der Hausange­stellten Schulte einwandfrei fest.

Die augenblicklichen Vernehmungen sind vorwiegend der lückenlosen Beweis­erhebung in Sachen der Maria Hahn gewidmet, diesem für die Eesamtbeurtei- tung wichtigsten Fall.

dah man in wenigen Minuten am Ziel sei Als das Mädchen dann doch schlietzlich nicht weiter mitgehen wollte, ergriff er sie am Halse, würgte und vergewaltigte sie. Er entfernte sich dann sofort, ohne sich wei­ter um das Mädchen zu kümmern. Es gelang dann der Kriminalpolizei mit Hilfe des Mädchens, die Wohnung des Hnbekannten ausfindig zu machen. Da­durch wurde der Täter festgestellt, als der Arbeiter Peter Kürten, geboren am 26. Mai 1883 in Mülheim am Rhein. Als die Kriminalpolizei ihn in der Wohnung festnehmen wollte, war er schon flüchtig gegangen. Die daraufhin ungeordnete umfassenden Fahndungsmatznahmen führ­ten Sonnabend mittag zur Festnahme des Kürten.

Aus dem Geständnis des Düsseldorfer Massenmörders.

Wie bekannt wird, soll Kürten die Morde an der Rosa Ohliger und dem Invaliden Scheer eingestanden haben. Die 8jährige Rosa Ohliger wurde im Februar 29 mit 13 Messer­stichen in der Brust hinter einem Bretter­zaun unweit der Wohnung des Mörders mit Petroleum Lbergosie« breunend auf­gefunden. Der 54 Jahre alte Invalide Rudolf Scheer wurde einige Tage später mit zahlreichen Messerstichen im Rücken und Nacken tot aufgefunden. Kürten will Scheer ermordet haben, weil dieser über den Mord an der Ohliger etwas gewuht habe.

Der Sfirgtrftito in Wim

Daily Telegraph" meldet aus Peking: Fengyuhsiang und Jenhsifcham haben eine Kommunique veröffentlicht, worin es heißt, datz ihre Truppen in Stärke von 200 000 Mann jetzt die Offen­sive gegen Tschiangkaischek begonnen hät­ten und datz sie binnen kurzem eine Ent­scheidung erwarten.

Errichtung einer türkischen Staatsbank.

fk. Konstantinopel, 26. Mai (Reu­ter.) Der Plan betreffend Errichtung einer türkischen Staatsbank ist vom Kabi­nett genehmigt worden und wird im Laufe dieser Woche von der Nationalver­sammlung erörtert werden.- . ,

Wie -le Feststellung erfolgte

Der Wtertite Mordet

TaMoiroel

"In den letzten Tagen ist der Gedanke aufgetaucht, ein Institut zu schaffen, das die Aufgabe hätte, die Reichs dar«, lehen, die das Reich für wirtschaftliche und industrielle Zwecke gegeben hat, organisatorischzuerfassen. Diese Pläne stehen in Zusammenhang mit der beabsichtigten Neuordnung, die bezüglich der Reichsdarlehen geschaffen werden soll. Das neue Institut, das man in irgend einer Form der Reichsverwaltung angliedern müßte, würde die Berechtigung haben, Ausländsanleihen aufzune^nen, die zur Befriedigung neuer Darlehensbedürf- nisse dienen sollen. Man denkt sich die Zurückzahlung solcher Anleihen mit Hilfe der Außenstände, die ebenfalls zur Zins­zahlung herangezogen werden sollen. Wie wir erfahren, ist eine Entscheidung in dieser Frage allerdings noch nicht gefallen. Weiter würde das Finanzierungsinstitut eine Art Vermittlungsstelle zwischen Reichsregierung und Wittschaft darstellen. Es würde ihm unter diesen Umständen auch die Aufgabe zufallen, eine Vor­prüfung der Darlehensanträge vorzu- nehmem

Sobald die augenblicklich schwebenden Verhandlungen über die Auflegung der Reparationsanleihe zum Abschluß gebracht sein werden, sobald die Anleihe­gelder zu. fließen beginnen, wird auch Deutschland in den Besitz von 400 Mil­lionen Reichsmark gelangen, die bekanntlich zur Ankurbelung der deutschen Wittschaft Verwendung finden sollen. Sie werden aber der Wirtschaft nicht unmittel­bar, sondern auf dem Wege einmal über die Reichspost und zum anderen über die Reichsbahn zugeleitet werden. Dabei ist die Frage von Interesse, wie diese beiden Institute dieses Vorhaben in die Tat um­zusetzen gedenken. Der Reichspost ist ein Betrag von rund 150 Millionen Mark aus den 400 Millionen zugegangen. Die Reichspost beabsichtigt nun nicht etwa der Gedanke läge eigentlich nahe diese Gelder in Reubauten oder sonst irgendwie zu investieren. Vielmehr werden die 150 Millionen Mark restlos dem Postscheck­konto zugeleitet werden. Damit hat es folgende Bewandtnis: während früher die Reichspost einen bestimmten Prozentsatz der Pvstfcheckgelder dem Reich den Län­dern und den Staatsbanken in Form von Darlehen zur Verfügung stellte, so daß diese eine weitgehende Liquidität aufzu­weisen vermochten, hat man in den ver­gangenen Jahren dieses Verfahren ein­gestellt, weil infolge der Anleihen­knappheit die Postscheckkundengelder im Postbetrieb selbst Verwendung finden muß­ten. Run beabsichtigt die Reichspvst, so­bald sie in den Besitz der Anleihegelder gelangt ist, für den Betrag von 150 Mil­lionen Reichsmark Reichsbankwechsel zu kaufen, so daß auf dem Wege über die Reichsbank diese 150 Millionen der deut­schen Privatwirtschaft zufließew Darüber hinaus sind für das Jahr 1930 bei der Reichspvst Neubauten und Sachausgaben in Höhe von rund 450 Millionen Mark vorgesehen, lieber diesenBetrag ist aber bereits verfügt. Was nun die deutsche Reichsbahn anbetrifft, so tokb sie die ihr zuströmenden 250 Millionen lediglich für werbende Angaben benutzen. Es ist be­kannt, daß infolge der Einschränkung der Ausabenwittschast größere Bauten still- 0 werden mußten, die nunmehr auf

> der Anleihemittel weitergeführt werden sollen. Dagegen sollen für die Neubeschaffung von Waggons, Lokomotiven usw. Anleihemittel nicht in Anspruch ge­nommen werden. Bekanntlich steht die Reichsbank zur Zeit sowohl mit der Reichspost als auch mit der Reichsbahn in Verbindung, um im Rahmen ihrer Pläne zur Wiederbelebung der Wirtschaft diese Unternehmungen zur Vergebung größerer Aufträge zu veranlassen. Wie wir ge­sehen haben, wird die Reichspvst diesen Wünschen ziemlich weit entgegenkommen