Keitas,
de» 23. Mai 1930
®fe ^dberbffsifch« Zeitung" et- cheinl sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20 GM.anS- schlteßl. ZustellungSgebübr, durch die Post 2^45 SM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder elementar« Ereignisse ausfallende Ruunuern wird kein Ersatz ge» eistet. Verlag Dr. §. Httzervth. Druck der Univ.-Buchdruckerei Ach. Ang. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. tu Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. <Rt. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
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öbechessische
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhesfen
Rk.120K.Mk,.
Marburg a.Mn
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg«
Die Räumung der dritten Zone
Seine Verzögerung durch Me 3neentatmifim6me — Das Programm der Sinbenblirgreiie
In Berliner unterrichteten Kreisen rechnet man nun mit einer glatten Abwickelung der Räumung bis zum 30. Juni, zumal ja auch die letzten Meldungen aus dem besetzten Gebiet bestätigen, daß der Abtransport der fremden Truppen in vollem Gange ist. Die Besatzung der dritten Zone hatte eine Stärke von etwa 40 000 Mann. Man schätzt, das; die Franzosen jetzt noch etwa 30 000 Mann abzutransportieren haben.
Zuletzt, am 30. Juni, wird das Oberkommando in Mainz abrücken.
das bis dahin zwei Bataillone als sogenannte Schutztrüppe umfassen wird. Die Vorbereitung der Räumungsabwickelung stützt sich auch auf gewisse Verhandlungen, die noch in den letzten Tagen von zwei Vertretern der deutschen Verwaltung mit dem Oberkommando über die Inventarfragen gepflogen worden sind. Auf französischer Seite wird auf eine möglichst genaue Inventarkontrolle Wert gelegt, weil man offenbar nachträgliche Vorstellungen vermeiden will. Es ist aber schließlich ein möglichst einfaches Verfahren vereinbart worden, damit die Räumung nicht durch eine bürokratische Handhabung der Inventaraufnahme verzögert wird. Rach alldem steht jetzt also fest, daß das besetzte Gebiet am 30. Juni endgültig frei wird. Trotzdem bleibt es dabei, datz die eigentlichen
große« Befreiungsfeiern erst in der
Zeit vom 19.-23. Juli stattfiqden werden. Der Reichspräsident wird am 18. Juli nach Speyer reisen. Rach der dortigen Feier fährt er nach Ludwigshafen weiter, von dort mit dem Dampfer den Rhein hinunter zunächst bis Worms, dann weiter nach Mainz, von Mainz nach Wiesbaden.
Die Hauptfeier wird am Sonntag, dem 20. Znli in Mainz stattfinden, das schon als Standort des Oberkommandos eine besondere Rolle in der Besatzungszeit gespielt hat. Zu dieser Feier wird auch Reichskanzler Brüning herüberkommen. Der Minister und der Staatssekretär für die besetzten Gebiete werden ebenso wie Staatssekretär Meißner den Reichsrpäsidenten aus seiner Reise begleiten. Für die Reichsregierung werden bei den örtlichen Feiern Mitglieder des Kabinetts sprechen. Rach der Feier in Mainz wird der Reichspräsident für Montag, den 21. Juli, einer persönlichen Einladung auf das Gut des Reichskommisiars für die besetzten Gebiete in Eltville folgen. Am folgenden Dienstag beginnen die Feiern in der zweiten Zone in Koblenz. Dort wird auch der preußische Ministerpräsident sprechen. Am Mittwoch finden die Befreiungsfeiern in Aachen ihren Abschluß. Auf der Reise nach Aachen wird der Reichspräsident in Euskirchen und Düren während kurzer Aufenthalte die Vertreter der Einwohnerschaft begrüßen. Zwischen den zuständigen Stellen in Berlin und in der zweiten und dritten Zone sind alle Vorbereitungen im Gange, um einen würdigen Verlauf dieser Befreiungsfeiern ficherzustellen.
Stile in Seltene!#
Der Ministerrat hat, nach Blättermeldungen aas Wien, beschlossen, das in Aussicht genommene Entwaffnungsgefetz sofort dem Nationalrat zuzustelleu. Die parlamentarische Beratung des Gesetzes wird am Freitag beginnen. Zn seiner zur Begründung des Gesetzes in Aussicht genommenen Rede wird' Bundeskanzler Schober die Forderungen der H e i m w e h r als für die Regierung u n - annehmbar bezeichne«.
In einer Ueberstcht über die Finanzlage des Reiches wird im „Berliner Tageblatt" dargelegt, daß die schlechte Lage der Wirtschaft und die mit ihr auf das engste verbundene große Arbeits- iofigheit die Schätzungen über den Haufen geworfen hätten, auf denen der Etat jur 1930/31 aufgebaut ist.
Im April, dem ersten Monat des laufenden Etatsjahres, sei ein Minde*- aufkommen von 47 Millionen R-st gegenüber den erwarteten Einnahmen zu verzeichnen.
Es werde damit zu rechnen sein, daß wenigstens ein Drittel dieses Mindereinganges auf den Durchschnitt der folgenden Monate als Minus gegenüber den scgütjungen des Reichsfinanzministeriums zu verzeichnen sein werden. Das bedeute für das ganze Etatsjahr eine Mindereinnahme von 200 Millionen 3tdL Dieses an sich schon gefährliche Defizit werde weiter gesteigert durch die Fehlbeträge bei der Arbeit slosenversicherung und der Krisenfürsorge. Neben diesen beiden Faktoren träten die Kosten des O st Hilfeprogramms nach ihrer finanziellen Größe stark zurück. Wenn sich die ernste, aber sehr wahrscheinliche Prognose des Reichsfinanzministeriums erfülle und wir mit einer Durchschnittszahl an Arbeitslosen von 1,7 Millionen zu rechnen haben und nicht mit 1,2 Millionen,
eine neue Reöe RiiWims
Mailand, 22. Mai. Bei der feierlichen Uebergabe eines von den italienischen Kriegsoerletzten gestifteten künstlerischen Kommandostabes an Mussolini hielt dieser eine Rede, in der er u. a. aus- sührte: Die Folge meiner Reden in Livorno und Florenz war, daß alle Gänse schnatterten, um die Kapriole der verschiedenen Länder Europas zu retten. Niemals hat man ein glänzenderes Schauspiel der menschlichen Heuchelei gesehen. Wie es scheint, gibt es Flugzeuge nur in Italien, denn anderswo hat man offenbar nur harmlose Papierdrachen. Nur in Italien gibt es Kanonen, denn anderswo hat man nur Atrappen. Nur in Italien stehen Kasernen, denn anderswo gibt es nur anmutige Vergnügungs- und Andachtsorte. Nur Italien hat die Frechheit, eine Kriegsmarine zu besitzen, während die anderen Nationen nur Hifcher- oder Vergnügungsboote haben. Sie wissen aber, daß die Wirklichkeit ganz anders aussieht, und daß, wenn alle Länder gerüstet sind oder rüsten, man nicht begreifen könnte, weshalb Italien allein entwaffnet sein ober nicht rüsten sollte.
Die Bundessührung der Heimwehren batte Bundeskanzler Schober eine Denkschrift über die Frage der inneren Entwaffnung m Oesterreich überreicht, in der vorgeschlagen wird, daß die Heimwehr gemeinsam mit der Staatsgewalt die Entwaffnung der staatsfeindlichen und volkszersctzendcn Parteiorgane durchführe. Für die Zeit der Durchführung der Entwaffnungsmaßnahme solle eine von den Heimwehren genannte Persönlichkeit das Bundesministerium des Innern leiten. Das Innenministerium solle die oberste Entwaff- nungsbebörde sein. Abschließend heißt es in der Denkschrift, die Heimwehren würden keinesfalls ihre Hand zu irgendeiner gesetzgeberischen Maßnahme reichen, bevor nicht die Entwaffnung der Staatsfeinde beendet sei.
wie man bei der Aufstellung des Etats angenommen habe, so entstehe hier
eine Mehrausgabe von einer halben Milliarde 3UL
Ganz ähnlich seien die Berechnungen über die notwendigen Ausgaben für die Krisenfürsorge über den Haufen geworfen worden. Die tatsächlichen Mehraufwendungen würden sich auf etwa 250 bis 300 Millionen belaufen.
Es ergebe sich also unter Außerachtlassung der Kosten der Osthilfe die Aussicht eines Gesamtdefizits in Höhe von etwa einer Milliarde.
Wie das Blatt, zu wissen glaubt, werden außer dem No'topfer und der Erhöhung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung um 1 Proz. noch solgendeDek- kungspläne erwogen:
Verlängerung der Kontingentierung in der Zigarettenindustrie und Erhöhung der Zigarettensteuer.
Erhöhung der Biersteuer auf 75 oder eventuell 100 Proz. des ursprünglich geltenden Satzes.
Aussetzung der Zuweisungen für den Anleihetilgungsfonds in Höhe von 40 Millionen und Tilgung der Rentenfchuld in Höhe von 50 Millionen sowie unter Umständen Ausschüttung des bisher angesammelten Anleihetilgungsfonds in Höhe von etwa 250 Millionen.
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Berlin, 22. Mai. Die Frage, ob Vestirn- mungsmensuren als Zweikampf mit tödlichen Waffen im Sinne des Strafgesetzes zu bewerten find, unterlag heute der nochmaligen Entscheidung der Strafkammer des Landgerichtes. Es handelte sich um die Anklage gegen zehn Mitglieder der Burschenschaft Teutonia, die in der ersten Instanz vorn Schöffengericht aus Rechtsgründen, weil eine Schuld nicht erwiesen sei, fteigesprochen worden waren. 3m Urteil war damals ausdrücklich hervorgehoben worden, daß das Schöffengericht sich mit diesem Freispruch in einen bewußten und gewollten Gegensatz zum Reichsgericht gestellt habe. In dxr heutigen Verufungsverhandlung hob die Strafkammer das freisprechende Urteil des Schöfftngerichts auf und verurteilte sämtliche Studenten wegen Zweikampfes zu je 3 Monaten Festungshaft. Das Urteil wurde von den zahlreichen Studenten im Zuhörerraum mit Futzscharren beantwortet, was der Vorsitzende scharf rügte.
Eine Milliarde Fehlbetrag?
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Es gibt Dinge, die man nicht für möglich halten sollte. Dazu gehört die Tatsache. daß es in Deutschland immer «och Leute gibt, denen das kleine Heer, das uns der Versailler Vertrag gelassen hat, ein Dorn im Auge ist. Auf der einen Seite sind es die Pazifisten radikalster Färbung, die am liebsten jedes stehende Heer ab« schaffen möchten, auf der anderen Seite stehen Kreise, denen es nicht gefallen mag, daß die Heeresleitung pflichtgemäß alles tut, um die 100 000 Reichswehrsoldaten so leistungsfähig als möglich zu machen. Wir wollen hier auf die Frage, wenn es den anderen Mächten gefallen wird, endlich in der Forderung der Abrüstung von Reden zu Taten überzugehen, nicht weiter cm örtern. Cs soll auch von der theoretischen Erwägung, ob beim jetzigen Stande der Technik große Armeen absolut notwendig sind, abgesehen werden. Anbestritten aber dürste es Wohl fein, daß für ein Reich von 63 Millionen Einwohner ein Heer von 100 000 Mann eine so winzige Streitmacht darstellt, daß es ganz unverständlich ist, wenn an den Ausgaben für diese Mannschaft übelwollende, und kleinliche Kritik geübt wird. Die Zahlen, die der Reichst Wehrminister ©tönet im Reichstage nannte, wonach Frankreich 27 Prozent seines Etats für Wehrausgaben, Polen 29 Proz. des Haushalts für denselben Zweck verwendet, während Deutschland dafür ganze 4 Proz. aufbringt, sprechen deutlich genug. Demgegenüber ist es geradezu unbegreiflich, daß die sozialdemokratische Reichstagssrak- tion rund 100 Streichungsanträge zum Wehretat eingebracht hat. Das ist Sparsamkeit am falschen Platz. Es ist doch Elar, daß es sich hier und auch in der Frage des Panzerkreuzers nicht nur um technische oder militärische Dinge handelt, sondern um viel mehr: um die Erhaltung des deutschen Wehrwillens überhaupt! Die wehrpolitischenKräste- vechültnisfe in Europa zwingen Deutschland dazu, feine eigene kleine Wehrkraft in denkbarster Weise zu fordern. Dar-, über können doch Zweifel nicht bestehen. .
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Auch der BSrsenkurier stellt Berechnungen über das neue Etatsdefizit an, das sich aus der steigenden Arbeitslosigkeit ergeben werde. Das Blatt rechnet mit einem vermutlichen Arbeits- losendutchschnitt von 1,5—1,65 Millionen. Unter diesen Umständen würden für die Arbeitslosenunterstützung rund 480 Millionen mehr aufzubringen sein. Die Mindereinnahmen an Steuern und Zollen werden von dem Blatt auf etwa 120 Millionen RM. beziffert. Da etwa 100 Millionen durch Reformmaßnahrnen bei der Arbeitslosenversicherung einzubringen wären, blieben noch 380 Millionen Mark zu decken. Dazu käme noch ein fehlender Mehraufwand von 100 Millionen für die Krisenfürsorge. Zusammen würde sich nach dieser Berechnung ein Etatdefizit vvn600Millionen ergeben, das also um 400 Millionen niedriger sein würde, als das von anderer Seite errechnete.
Die Agentur Havas berichtet, daß die ©elegierten der Schatzämter der ®Iäu« bigermächte gestern nachmittag eine Sitzung abgehalten und sich über die Bedingungen der Auflegung der Hvung- a n l e i h e verständigt hätten. Sie hätten zunächst von den Arbesten der Baseler Konferenz der vorigen Woche Kemttnis genommen und festgestellt, daß sie hinsichtlich aller Punkte über die Modalitäten der Emission einig feien. Eine Formel würde die völlige Goldparität der Wertpapiere gewährleisten und so alle Anlecheinhaber vor eventueller Geldentwertung sowohl hinsichtlich des Zinsendienstes sowie auch der Rückzahlungen sichern. Die Detteilung der aufzulegenden Anleihe unter die verschiedenen Zeichnerländer dürste endgültig etwa wie folgt vorgenommen werden: Frankreich und Amerika je einen gleichen Bettag, wahrscheinlichzu 82 Millionen Dol-