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vderhrssische Zeitung. Marburg a. L. Dienstag, den 20. Mai 1930

Satt« I

Ans etn Partei«!

Lieber das Ausscheiden des Reichstags- abgeordneten Lind aus der deutschnatw- nalen Dolkspartei teilt der Landes­verband Hessen-Ras sau der Deutschnationalen Volkspartei folgende« mit:

»Am 4. Mai hat ReichstaaSabgeordne- ter Bürgermeister Lind einen Artikel Wer die Meinungsverschiedenheiten ver­öffentlicht. die am 12. und 14. April innerhalb der deutschnationalen Reichs­tagsfraktion bestanden haben. Diese Mei­nungsverschiedenheiten bestanden darüber, ob es nach Lage der allgemeinpvlitischen Verhältnisse noch möglich sei, der soge­nannten »Iunktim"-Forderung Widerstand zu leisten, mit der die jetzige Reichsregie­rung die sachlich unbedingt notwendigen Agrargesetze dazu mitzbraucht, Steuer­erhöhungen zu erzwingen. Daß Herr Lind im Verlauf dieser Mernungsverschiedenher- ten seine eigene Entscheidung bei den Ab- stinnnungen nach bester Aeberzeugung über das in dieser Lage sachlich Richtige ge­troffen hat, steht für uns außer Zweifel; ebenso glauben wir das auch von allen deutschnationalen Abgeordneten, die in dieser rein taktischen Frage eine andere Meinung hatten als Herr Lind. Llmso- mehr aber ist eS zu bedauern und um so schärfer zu mißbilligen, daß Herr And bei seinem ohne Fühlung­nahme mit dem Partei erfolgten Vorstoß in der Presse im Inhalt wie in der Form alle Grenzen der Polemik überschritten hat, deren Veach utng bei öffentlichen Ausein­andersetzungen über Meinungsverschieden­heiten tu der eigenen Partei einem Abge­ordneten selbstverständlich sein mühte.

Sein Arttkel trug vielmehr den Charak­ter eines unsachlichen Angriffs, von dem. wie Herr Lind unbedingt wissen mußte, nur patteischädigende Wirkung ausgehen konnte. Besonders bedauerlich ist. daß Herr Lind in dieser Veröffentlichung sogar sowett ging, ins Einzelne gehende An­gaben über den angeblichen Verlauf Lie­ser Fraktionssitzung zu machen, obwohl ihm klar sein sollte, daß keine Fraktion polittsch akttonsfähig ist, wenn sie mit der Möglich­keit rechnen muß, daß ein Fraktionsmit­glied Ausführungen, die von anderen» gliedern innerhalb der Fraktton gemacht werden, in ttchttger oder in unrichtiger Form zur Veröffentlichung bttngt.

Durch dieses Verhalten, das gerade von allen, denen die politische Zusammenarbeit mit Hexrn Lind wertvoll und erwünscht war, aufs Höchste bedauett wird, war der deutschnationale Landesvorstand genötigt, HerrnLindvorzuladen.urnklar» zustellen. ob sein weiteres Ver­bleiben in der Deutschnationa­len Volkspartei noch möglich sein würde. Diese Klarstellung ist da­durch erfolgt, daß Herr Lind daraufhin aus der Deutschnattonalen Dolkspattei aus­getreten ist.

Landesvorstand und Landwittschastlicher Ausschuß der Deutschnattonalen Dolkspar­tei Hessen-Rassau-Wetzlar-Waldeck neh­men in gemeinsamer Beratung von der Tatsache des Ausscheidens des Herrn Lind Kenntnis. Sie bedauern, daß Herr Lind es nicht vermocht hat, den Austrag taktt- scher Meinungsverschiedenheiten der höhe­ren Pflicht unterzuordnen, die Geschlos­senheit der Kampffront um unserer grund­sätzlichen Ziele willen unter allen Amstän- den zu wahren.

Das Ausscheiden des Herrn Lind aus der Deutschnationalen Dolkspartei ist ein in persönlicher Hinsicht zu bedauernder Dorgang, der jedoch die gruirdsätzliche Ein­stellung der Deutschnationalen Dolkspattei zu allgemeinpolittschen Fragen, wie im Besonderen zu den Fragen der Landwitt- schaft nicht berühren kann. Llnsere Pattei benötigt keinen besonderen Aachweis ihrer uneingeschräntt landwirtschaftsfreundlichen Hallung. Dieser Nachweis liegt in ihrer gesamten politischen Arbeit. Ohne die Deutschnationale Volkspattei, die sich etwa nicht darauf beschränkt hat. die Landwirte selbst für die Dettretung ihrer Berufs­interessen mobll zu machen, sondern die stets das Kernproblem jeder Agrarpolitik dann gesehen hat, Millionen städtischer Konsumenten von der Aotweiwigkett des Eintretens für die Landwirtschaft zu über­zeugen, gab es noch nie eine Möglichkeit, Agrarforderungen mit Aussicht auf Erfolg aufzustellen. Ohne die Deutschnationale Dolkspattei wird es in Archetracht der ganzen polittschen Kräftevetteilung in Deutschland in Zukunst erst recht keine solche Möglichkeit geben.

Weder ein zielbewußter Kampf gegen die Dorherrschast des Marxismus im Staate und seine verderbliche Zersetzungs- arbeit aus kulturellem Gebiete, noch ein ernsthafter wirtschaftspolitischer Kampf für die Erhaltung einer gefunden Landwirt­schaft ist unserer Lieberzeugung nach mög­lich, wenn sich nicht nach wie vor in der Deutschnationalen Dolkspattei nationale und christliche Anschauungen vertretende Verbraucher und Erzeuger zusammenfin­den, die jede Gegensätzlichkeit der Begriffe »Stadt" und »Sanö bewußt ablehnen."

Turnen, Spiel und Sport

Messt erfchafisspiek hn Farrftball.

Unter Leitung des Eausoielwartes Sei­bert- Wetzlar fanden am Sonntag auf dem Kämpfrasen die Faustballspiel« um die Gau- meifterschast im Gau Hessen statt. Nachdem sich die Vereine Friedberg, Gießen 1846, A.T.V. Kurhessen-Marburg, Wetzlar. Franke­nau und Halgehausen für die Meisterschafts­spiel« qualifiziert hatten, mußten diese um den Meistertitel kämpfen. Die einzelnen Spiele gaben ein gutes Zeugnis von dem Können der einzelnen Mannschaften. A.T^ö. Kurhessen-Marburg scheint in seiner Stärke etwas geschwächt zu sein und verlor gleich das Spiel gegen Friedberg. Fttedberg stand bei den ganzen Spielen an der Spitze und auch dem sehr spielstarken Tv. 1846 Gießen gelang es nicht Friedberg einen Minuspunkt beizubringen. Fttedberg blieb von Anfang an an der Spitze und hat verdient die Eau- meisterschaft errungen.

Ergebnisse:

Gießen Frankenau 29:20 Friedberg Kurhessen 27:18 Halgenhausen Wetzlar 44:31 Frankenau Fttedberg 19:28 Kurhessen Halgehausen 33:30 Wetzlar Gießen 23:52 Gießen Kurhessen 45:23 Frankenau Halgehausen 27:25 Friedberg Wetzlar 46:20 Frankenau Wetzlar 28:20 Fttedberg Gießen 31:27 Kurhessen Wetzlar 25:28 Halgehausen Fttedberg 23:34 Gießen Halgehausen 4328 Frankenau Kurhessen 2521 Tv. Friedberg Gaumeister.

Tv. Friedberg 10 P., Tv. 46 Gießen 8 P., Tv. Frankenau 6 P., A.T.D. Kurhessen-Mar­burg 2 P., To. Halgehausen 2 P.. Tv. Weylar 2 Punkte. <5.

*

Zahlen des «ittelrhein-Turnkreises der TT.

Die letzte Bestanderhebuno gab für den Mittelrhein-Turnkreis der DT. folgend« Zah­len: 1557 gegen 1568 Verein« des Vorjahres, davon sind 43 große Vereine (mit über 500 steuerzahlenden Mitgliedern), 364 mittlere Vereine (100500), 9,1 kleine (unter 100) und 197 ganz kleine Vereine (20 und weniger). Der Kress hat 192 008 Vereinsangehörige oder 544 weniger als im Vorjahre. Davon sind 157 178 steuerpfllchtig; 34 830 sind Mitglieder der Schülerabteilungen unb 19 725 sind Tur­nerinnen. Die 5 größten Gaue sind: Rhein­hessen 24 513 (+ 851), Saar-Vlies 17 345 (+ 306), Hessen 15 669 (+ 22), Main-Taunus 14681 (4- 75). Main-Offenbach-Hanau 13 034 (113). Rob. Braun.

Fußball.

Aus dem Hinterland:

Anläßlich der Sportplatzeinweihung in Wallau hatte der dortige FV. 1913 einige interessante und lehrreiche Spiele zu ver­zeichnen.

Lim 11 Llhr begegneten sich schon di« Iugendmannschaften von Wallau und Wiesenbach. Die Wallauer Jungen liefer­ten ein technisch überlegenes Spiel, wo­gegen Wiesenbach großem Eifer bei der Sache war. Wallau blieb schließlich verdienter 2:0-Sieger.

Danach trafen sich die ersten Garnituren der gleichen Vereine. Den Wallauern war »Fottuna" nicht zur Seite; sie mußten ihr erstes Spiel knapp 3:4 verlieren. Wallau spielt ja bekanntlich immer noch nicht kom­plett. wogegen Wiesenbach seine beste Dettretung zur Stelle hatte. Der sonst schöne Kampf lüt gegen Ende etwas unter der drückenden Hitze, und hie und da be­kamen einige Spieler die bekannten »schwachen Minuten". Wallau erzielt das erste Tor. kurz darauf seicht Wiesenbach durch Elfmeter aus. Bis zur Pause er­zielt dann Wiesenbach noch ein Lieber« raschungstor. In der zweiten Hälfte kommt zunächst Wallau stark auf. aber ohne Er­folg. Eine lleine Schwächeperiode nutzte Wiesenbach geschickt aus und konnte kurz hintereinander zwei Tore erzielen. Wallau raffte sich dann auf, konnte noch zwei Er­folge buchen, der verdiente Ausgleichs­treffer blieb aus.

Der Höhepuntt war nun gekommen als nach der Begrüßungsansprache und Weihe­rede die ersten Mannschaften von DfB. 05-Knrhessen Marburg und Hessen 09 Kas­sel sich gegenüberstellten. Alle beide Mannschaften hinterließen einen recht net­ten Eindruck. Auf der einen Seite sah man schönes flaches Zusammenspiel der Marburger, auf der anderen Seite teil­weise gute Einzelleistungen der Kasselaner.

Das Spiel beginnt mit dem Anstoß der Kasseler, doch gelingt es den Marburger, den Angriff unschädlich zu machen. Beim Gegenangttff kommt Marburgs rechte Seite, von Wirckler unterstützt, gut vor, der Halb­linke kommt zum Schuß, setzt den Ball aber aus etwa 6 Meter über die Quettatte. Wieder geht Marburgs Stürmerreihe ge­schlossen vor, Winkler spielt den flink den­kenden Rechtsaußen frei und dieser lentt geschickt an dem herauSlaufenden Kasseler Hüter vorbei den Ball ins Retz. Marburg führt 1:0 und spielt augenblicklich aucy ruhiger und sicherer als sein Gegner. Aber trotzdem bringt der gut disponierende Kas­seler Mittelstürmer einen Angriff gelegent­

lich nach vorn. In diesem Augenblick macht ein Marburger unglücklich im Straf­raum Hand. Der zugesprochene Elfmeter wird glatt zum Ausgleich verwandelt. Kurz danach hat Kassel großes Glück, der Ball schlägt innen an den Pfosten, bleibt aber gerade auf der Linie Regen.

Die ersten Minuten nach Wiederbeginn gehören zunächst den Kasselaner, in der insbesondere der Mittelläufer und Mittel­stürmer eine gute Figur abgeben. Jetzt liegen die Marburger wieder im Angriff. Ein Strafstoß nahe der 16-Meter-Grenze geht haarscharf vorbei. Kurz darauf muß aber Wehand das Führungstor passteren lassen. Der Kasseler Halbrechte schießt plaziert in die rechte Ecke. Marburg drängt nun stark auf Ausgleich. Zehn Minuten vor Schluß sollte es auch gelingen. Wieder ist es der Rechtsaußen, der hoch einsendet. So richttg gefährlich wird es vor beiden Toren nun nicht mehr, der Kampf verlegt sich mehr auf Feldspiel. Als der Schlußpfiff ertönte, trennten sich zwei gleichwertige Gegner. Das überaus faire Spiel hat allenthalben Gefallen ge­funden und hoffen wir, daß noch mehr solche auf dem schönen Wallauer Platz ausgetragen werden.

In Breidenbach gastietten die Dillen­burger. Letztere mußten aber eine über­raschend hohe Medettage einstecken. Sie waren den Grasplatz der Dreidenbacher wohl nicht gewöhnt und dann befand sich auch der Breidenbacher Sturm in einer guten Schußlaune. Der Kampf mußte lei­der vorzeüig abgebrochen werden, ein des Platzes verwiesener Dillenburger Spieler wollte das Spielfeld nicht verlassen.

Dis Halbzeü fiihtte Breidenbach schon 3:0.

Die erste Mannschaft von Wetter trug ihr Rückspiel in Biedenkopf aus. Auch in .diesem Treffen konnte sich Wetter nicht durchsetzen und mußte Biedenkopf 5: 3 den Sieg lassen. Die Wetteraner kombi­nierten teilweise sehr gut, fanden aber die gute Biedenkopfer Hintermannschaft auf dem Posten.

Michelbach Jugend Unterrosphe komb. 3:0.

Für die am 1. Ium stattfindende Zwv- schenrunde um die deutsche Meisterschaft smd folgende Paarungen vorgesehen: In Köln: Sülz 07 - Dresdener ST. In Nürnberg: FT. Nürnberg Schalke 04. In Leipzig: Hertha BSC. Berlrn Ein­tracht Frankfurt.

In Hannover: Holstein Kiek Spvg. Fürth. Amtliche Bestättgung steht noch aus.

10. Rett' und Führttmtter in War

Fritzlar mit seinem Artillerieregiment lebt naturgemäß in der Luft des Reitsportes, so daß Turnierveranstaltungen hier einen Ort haben, gewissermaßen bodenständig sind. Der Reitsport teilt sich heute in verschiedene Klas­sen. Einmal in die der ländlichen Reiter- vereine, die mit Begeisterung aus ihrem immerhin beschränkten Material an Pferden als sich immer mehr schulende Retter heraus- zuholen verstehen, was nur irgend geht. Dann folgt die Reichswehr, für die Met Sport naturgemäß eine Art Prüfung für Roß und

Retter ist. deren Bedeutung zutage liegt. Dann folgen die großen Turnierställe sport­begeisterter Herren und in neuer Zeit immer mehr Damen, die die Turniere mit ausge­zeichneten von den besten Reitern zuaerittenen Pferden beschicken. Diese an sich geschlossenen Kreise gehen selten ineinander über, und sportbegeisterte Einzelleiter gehören eigentlich nicht in den Rahmen. Die Turniere sind da­durch eine ganz eng begrenzte Angelegenheit der großen Ställe unter sich oder der Reichs­wehr unter sich geworden, und nur die Damen, deren reiterische Energie sich immer mehr ent­wickelt, scheinen sich zu einet Klasse für sich auszubilden.

Bon dieser letzteren waren Frl. Pierling, Frl. Broscheck und Frl. Eeorgius in Fritzlar mit von der Partie, namentlich die erste mit ganz ausgezeichnetem reiterischem Geschick. Don bekannten Turnierreitern war Ober- leutnant Stein mtt seinem ganz vorzüg- lichen Kakadu dort, sonst war das Turnier oon auswärts schwach besucht. Das Pferde- matetial wurde hauptsächlich von den länd­lichen Reiterveteinen und bet Garnison ge- stellt, von edlen Pferden sahen wir nur drei bis vier, das übrige war gutes Kavalerie- pferd, aber keineswegs beachtenswerte Klasse. Die reiterischen Leistungen, namentlich auch der ländlichen Reitervereine, waren sehr gut. Eine starke Konkurrenz beim Springen zeigte, daß die Liebe zum Reitsport stark im Wachsen ist Das Unwetter brachte das Turnier, das bei feuchter Schwüle begonnen hatte, zu einem schnellen Ende. Der große Triesch wurde in einen Sumpf verwandelt, nachdem das Unwetter seine Wut an den Zelten, Men­schen und Tieren ausgelassen hatte.

Die Ergebnisse der «onkurreirzen.

Jagdspringen Kl. L. (Ländliche Reiter): 1. Siebert, Fritzlar, 0 Fehler; 2. Gasse, 3 Feh- ler; 3. Pfennig, 3 Fehler; 4. E. Neutze, 3 Feh- ler; 5. Wackerbarth, 5 Fehler.

Jagdspringen Kl. L. (öffentlich):!. Frl. Dierlmg; 2. Herb. Fick; 3. Oberltn. Schaeffer; 4. Wachtin. Meyer; 5. Feldwebel Kolanus; 6. Oberltn. v. Wedel' 7. Utw. Trenne; 8. Atl. Broscheck; 9. Frl. Eeorgius, sämtlich 0 Fehler.

Eignungsprüfung für Reitpferde: 1. Kakadu mit Oberltn. Stein; 2. Harro mtt Gefreiter Damm; 3. Helga mit Frau Hauptnn Forst; 4. Fidelio mit Wachtm. Meyer; 5. Euldenrmg mit Oberltn. Schaeffer; 6. Kreuzzug mtt Her- bett Fick.

Flachrennen: 1. Gass«; 2. Mauset; 3. Kranz; 4. H. Emde.

Meyer; 4. Rittm. Roesfina; 5. Oberltn. Graf von Rrttbetg; 6. Feldw. Brand.

Amazonenspringeu Kl. L.: 1. Frl. Eeorgius, 0 Fehler; 2. Frl. Broscheck, 3 Fehler; 3. Frl. Eeorgius, 3 Fehler; 4. Frl. Dierlmg, 5 Feh­ler; 5. Frl. Sterling, 5 Fehlet.

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