' _ Bazartag
in Sarajewo. — Man sieht auf dem Bilde die einzelnen Stadien der Verschleierung
-
F
t
* *
. 11 s
11
L
R.
'tiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiimimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinHiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiHHiiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiimHiiiiiiiiiwmiiiiiiiiiy
Bettlerin in Sarajewo. — Die Kinder sind oft eigens für dasBetteln dressiert
und gelegentlich höchst persönlich nach dem Rechten sah.
Text und Photos von Heinz Hell
/'"•*> eit Kemal Paschas erfolgreich durchgeführten Reformen gilt die Türkei, einst der Inbegriff orientalischen SeinS, fast als Abendland. Der mystische Zauber des streng von der Außenwelt abgeschloflenen Frauen» gemachS ist dem Emanzipationsdrang der jungen Muselmanin gewichen, die hölzernen Gitter vor den Fenstern sind gefallen und ein immer noch anhaltender Sturm der Neuerungen wird bald den letzten Rest von dem fortgeblasen haben, was für unS so märchenhaft und fchön war. Doch trösten wir uns, noch lebt, wenn auch erheblich nördlicher und darum __ —Ä
unvermutet, ein Stückchen jenes alten Orients, Len wir aus Büchern kennen, ein Land.
komplex mit Städten und Dörfern N L i
Larin, deren Menschen die alten *
Tradittonen in Ehren halten,
ja, sie zum Dogma erhoben 4 %
haben. Jteh -Jl
Die Bosnischen Slaven, MW» , /, / 'M •'9J
deS Schleiers zutage treten.
Vorläufig aber noch lebt, wie gesagt, der Orient hier in seiner ganzen Originalität. Sarajewo, die Hauptstadt Bosniens, gleicht in seinem mohammedanischen Vierteln einem Märchen aus Tausendundeiner Dacht mit Moscheen und Dazarstrahen, in denen geklopft und gehämmert wird, voll Fezträgern und mehr oder weniger verschleierten Frauen, voll HvdjaS und Mekkapilgern, die sinnend am Brunnen im Hof des Gotteshauses sitzen oder ihre vielfachen rituellen Waschungen abhalten, getreu dem Gebote Mohammeds. Wirklich verwirrend jedoch ist das Getriebe erst an Markttagen, wenn vom Lande die Dauern und Bäuerinnen mit ihren Erzeugniffen hereinkommen, wenn die Eselkarawanen gemächlich inmitten all deS Gedränge» ihren Weg sich bahnen, wenn die ganze Schönheit an Heimkunst und Geweben, an Gemüsen und herrlichsten Früchten vor dem Beschauer hingebreitet ist. Dann vergißt man völlig, dah man sich im Herzen des Balkans befindet und träumt sich weit zurück in jene längst verklungenen Zeiten, da der Kalif Harun al Raschid noch auf Erden wandelte
Bosnische • * ’ Mohammedanerinnen lief verschleiert auf dem Marft in Sarajewo, wo fie ihre ländlichen Erzeugnisse feklbteten
Am Brunnen der großen Moschee in Sarajewo. — Die Gläubigen halten am Brunnen ihre rituellen Waschungen ab
einst, vor Iahrhunder- J 1 |
ten orthodoxen Glau- Ur #
bens, der Sekte der Dogumilen äuge- J
hörig, nahmen nach ” '■J der Besetzung ihres Landes durch die * ‘
osmanischen Gr» oberer vielfach d eren Religion an und halten fest an ihr bis ^1
zum heutigen Tag. So *,
kommt eS, daß dieser Land» __
strich, übrigens einer der schönsten dieser Erde, vor« wiegend orientalisches Gepräge zeigt, daß an Stelle von Kuppel und Kreuz das schlanke Minaret sich auf- reckt, daß Sitten und Bräuche, unbeeinflußt von den türkischen Bestrebungen, sich fast unverändert erhalten haben. Wohlgemerkt, nicht um waschechte Türken handelt eS sich in Bosnien,
sondern umreinraffigeSlaven, deren Charakter
eigenschaften im Beharrungsvermögen liegen, einem Beharrungsvermögen, das sogar die demokrattsche Religion des Islam zu wandeln vermochte. Denn niemals waren beispielsweise in der Türkei Dinge, wie die Verschleierung der Frau, daS Verbot des EffenS von Schweinefleisch dogmatisch; erst in Bosnien unter den mohammedanischen Slaven wurden fie zum Gesetz, das zu übertreten verbrecherisch im religiösen Sinne ist. Allerdings machen sich in allerletzter Zeit auch hier schwache Anzeichen einer Modernisierung bemerkbar, doch liegt deren Ursprung nicht, wie in der Türkei, in den Anregungen des Mutterlandes Iugoslavien, das weit davon entfernt ist, sich in solche Privatangelegenheiten zu mischen, sondern sie kommen auS dem Herzen deS Volke» selbst, das die neue Epoche spürt und so ganz von selbst eine Änderung der allzu strengen Bräuche anstrebt. Daneben freilich lebt noch die Partei der Konservativen, der alle» Reue zuwider ist. Immerhin hat sich aber bereits der Reif-ul-Alema, daS Haupt der slavifchen Mohammedaner, der Reformation angeschloffen, so daß in absehbarer geil sich wohl äußerlich auch mehr Anzeichen in dieser Hinsicht bemerkbar machen werden, als sie heute schon in der Handhabung
iiiiiiHiiimiiHiimiimmiiiiiimniiHiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimniiimimiiimin
Bb
Kupfertiefdruck und Verlag der Otto Elsner K.-G., Berlin S 42 — Hauptschriftleiter: Ulrich v. Uechtritz, Berlin-Wilmersdorf — Verantwortliche Schriftleitung: Ch. Miickenberger, Berlin-Zehlendorf 1930—20