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Nr. 7

Marbuey, im Mai 1930

65. Aahrsans

Bekommen wir M in

eine Frnnennsrtei?

Es gibt Dinge, die liegen sozusagen in der Luft. Dazu gehört unter allen Um- I ständen die Bildung einer Frauenpartei. I Man fühlt, daß man sie braucht, daß man in diesem Fall also die Frauen ohne sie auf die Dauer nicht auskommt, aber der richtige Augenblick scheint noch nicht gekommen, an dem man sie ins Leben rufen will. Aeußerte sich doch bereits vor einigen Jahren, anläßlich einer Tagung desBundes deutscher Frauenvereine" die geniale Führerin, daß die Gründung einer solchen Organisation zu ihren Lieb­lingsplänen gehöre, daß aber der ge­gebene Zeitpunkt dafür noch abgewartet werden müsse.

Inzwischen ist uns Oesterreich mit gu­tem Beispiel vorangegangen. Ende vori­gen Jahres schuf Frau Marianne Hämisch, die Vorkämpferin der österreichischen Frauenbewegung, eine Frauenpartei, die sich zur Aufgabe macht, die parlamentari­schen Mißstände zu mildern und die Frauen für das öffentliche Leben vorzu­bereiten. Bei dieser bedeutsamen Grün­dung, die alle Frauen in dem gemein­samen Ziel ohne Unterschied ihrer sonsti­gen politischen Anschauungen einigen will, trat man mit folgendem Programm vor die Oeffentlichkeit: 1. Die öster­reichische Frauenpartei ist eine politisch arbeitende Organisation, die den inneren und äußeren Frieden, das materielle Wohl und die geistige Höherentwicklung des ge­samten Volkes anstrebt. 2. Sie will dem alles überwuchernden Parteiwesen, das jede gesunde Entwicklung hemmt, ent­gegentreten und unter Wahrung ihrer eigenen Unabhängigkeit zur Verständi­gung zwischen den Parteien beitragen. 3. Sie will der staatsgrundsätzlich ge­währleisteten Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied von Ge­schlecht und Konfession tatsächlich zum Recht verhelfen. 4. Sie strebt die Rei­nigung unseres Gesellschaftslebens an, die Erziehung der Kinder zur Redlichkeit, Sittenstrenge und Menschenliebe, die An­leitung der Frauen zu einfacher Lebens­führung und verlangt die vorbildliche Le­bensweise der politischen Führer. 5. Sie will die Frauen zu größerer Anteilnahme am öffentlichen Leben anregen und dem Fraueneinfluß die entsprechende Geltung daselbst verschaffen. 6. Die Frauenpartei will Einfluß nehmen auf die Wahl­programme und die Kandidaturen und wird nötigenfalls eigene Kandidaten auf­stellen.

Run ein Wort über die Anteilnahme der Frauen am politischen Leben m Deutschland. Die Kommunalwahlen, dre im November d. I. in Berlin stattfinden und bei denen zum ersten Mal für Män­ner und Frauen verschiedene Stimmzettel ausgegeben wurden, brachten ein getreues Bild von dem Wirken der Frau als Staatsbürgerin. Nach den Mitteilungen des städtischen Nachrichtendienstes waren im ganzen 3 300 000 Männer und Frauen wahlberechtigt, davon ein Mehr von 330 000 Frauen. Abgegeben wurden -2 300 00 gültige Stimmen. Es entfielen 1092 000 auf die Männer und 1200 000 auf die Frauen. Wie aus der Verteilung der Stimmen auf die verschiedenen Par­teien ersichtlich, unterstützen die Frauen hauptsächlich die Mittelparteien. Den extrem gerichteten Parteien mögen sie nun rechts oder links eingestellt sein sind sie im allgemeinen abgeneigt. Außer­dem werden von ihnen solche mit ren- giöser Bindung bevorzugt.

Wie deutsche politische Führerinnen das ProblemFrauenpartei" ansehen, dar­über brachte ein Vortrag im Rahmen der Lessing-Hochschule zu Berlin interessante Ausschlüffe. Die Rednerin des Abends ging davon aus, daß nach der Verfaffung von Weimar Mann imb Frau gleiches Recht zugesichert sei ein Zugeständnis, das im Bürgerlichen Gesetzbuch noch immer keinen Widerhall findet. Eine verheiratete Frau darf ohne Zustimmung ihres Mannes keinen notariellen Akt ab- fchließen, keinen Beruf ausüben, nicht fellfftändig über ihr eingebrachtes Ver­mögen verfügen. Der Mann ist Nutz­nießer ihres Vermögens, er bestimmt den Wohnsitz. Die Frau haftet für seine Schulden. Angesichts dieser Tatsachen könne man an einer Reform nicht länger

vorübergehen. Aus Voranschlag der Re­ferentin sollten die Frauen zunächst ver­suchen, durch einsichtsvolle Männer in der eigenen Partei ihre Forderungen für eine gerechtere Gesetzgebung in den Parla­menten durchzukämpfen. Sollten diese jedoch versagen, dann muffe zur Grün­dung einer Frauenpartei aufgerufen wer­den mit dem Ziel: nun wirkliches glei­ches Recht für alle zu schaffen l

Da Eichbäume niemals auf den ersten Hieb fallen, und die Psyche der Frau ja stets zu Konzessionen geneigt ist, würde sich nach Ansicht der Rednerin zunächst die Zwischenlösung empfehlen, daß bei den nächsten Wahlen einerlei ob für Parla­ment oder Kommune eine Aufstellung besonderer Frauenlisten erfolge. Im Hin­blick auf das Uebergewicht der weiblichen Stimmen wären diese so zu gestalten, daß mindestens zwanzig Frauen aus diesen Listen als Vertreterinnen der Frauen­interessen in die Parlamente einzögen.

Als allgemeine Frauenforderungen glaubte die Vortragende geltend machen zu muffen: Ablehnung jeglicher Partei­diktatur, dafür eine absolutistische Regie­rung. Lehrer, Geistliche und Richter sol­len über den Parteien stehen, also partei­los fein, um ihr Amt ohne jegliche Bin­dung nach irgendwelcher Seite ausüben zu können. Die Religion mutz unter allen Umständen erhalten bleiben, ebenso sollen sich die Frauen werbend für die Bekennt­

nisschulen einsetzen. Dem Freiheitsdrang der Jugend müsse Verständnis entgegen­gebracht werden, jede Verhetzung durch die Parteiorganisationen sei abzulehnen. Von der Staatswirffchaft wäre zu for- bem: geringere Lasten, damit eine Kapi­talbildung wieder möglich wird, eine ge­sunde Landwirtschaft und eine starke Privatwirtschaft, die allein einen Aufstieg gewährleisten. Hinsichtlich der Flaggen­frage müsse eine Einigung erzielt werden.

Verständnisvolle, weitblickende Män­ner werden der Ueberzeugung sein, daß das immer stärker werdende Verlangen der Frauen nach Zubilligung der ihnen durch die Verfaffung zugestandenen und bis jetzt noch immer vorenthaltenen Rechte durchaus kein unbilliges ist und sicherlich auf Mittel und Wege sinnen, um zu einer beide Teile befriedigenden Verständigung zu gelangen. Denn wie immer die Zu­sammensetzung einer Frauenpartei sich auch gestalten mag sie wird jedenfalls von dem ehrlichen Bestreben durchdrun­gen sein, nicht gegen den Mann, sondern mit ihm Schulter an Schulter zu kämpfen als Menschen, die ein gemeinsames Ziel haben: Nämlich den Aufstieg unseres Va­terlandes! Und wenn schon die nächsten Wahlen ein Anwachsen der Frauenkandi­daturen bringen, wird das der deutliche Beweis sein, daß man gewillt ist, an den Forderungen der Frauen nicht länger achtlos vorüberzugehen. P. Kaldewey.

Was wir noch nicht erreichten

Karrieren, die der Frau bis heute verschlossen sind

Soviel Erfolge auch der Frauenbewe- gung in den letzten Jahrzehnten beschieden waren, so gibt es doch noch mancherlei Gebiete, die den Frauen bisher verschlossen blieben, sei es. daß diese bestimmten Be- rufsgebiete sich in der ganzen Welt noch nicht der Frauenarbeit öffneten, sei es, daß bei uns in Deutschland ein Vorwättskom- men im Rahmen dieser Karriere unmög­lich ist.

Es scheint kaum ein Gebiet im Kuttur- und Wirtschaftsleben des modernen Staa­tes zu geben, das die eiserne Willenskraft der Frau noch nicht erobert hätte. Wir ha­ben heute weibliche Richter, weibliche Ar- chttekten, Ingenieure, 2lerzte und Chirur­gen, in letzter Zeit in einigen Städten auch weibliche Chauffeure. Ein Beruf, der den Frauen bis heute in Deutschland noch nicht zugänglich ist, ist z. B. die militärische Lauf­bahn. In Norwegen wird z. Z. über einen Gesetzentwurf verhandelt, der den Frauen die Möglichkeit militärischer Ausbildung und Karriere ermöglichen soll. In Deutsch­land sind wir noch nicht so. weit. Anders liegen die Dinge hinsichtlich der Polizei. Polizistinnen haben wir in Deutschland bis­her nur in wenigen Städten, so in Ham­burg und Köln. Die weibliche Polizei wurde in Köln während der Besatzungs­zeit eingerichtet, um dem Aeberhandneh- men der Geschlechtskrankheiten zu steuern, so arbeitete die deutsche weibliche Polizei Hand in Hand mit der englischen. Ham­burg hat fest 1927 eine weibliche Kriminal­polizei. In den meisten Städten Deutsch­lands ist die weibliche Polizei noch nicht eingeführt. Die Frau im kommunalen Leben ist heute keine Seltenheit mehr. Wir haben weibliche Stadtverordnete, weibliche Amtsrichter u.a.m. Der Pastorenberuf wird in Deutschland bisher noch von keiner Frau ausgeübr. Wir haben zwar heute die Gemeindehelferinnen, die dem Pastor zur ©eite stehen, einen ständig amtierenden weiblichen Pastor jedoch noch nicht. And das ist schade. Denn gerade dieser Be­ruf mit seiner idealen Aufgabe, die Men­schen seelisch aufzurichten, ist ein Berufs­gebiet, das für die Frau außerordentlich geeignet erscheint.

Dasjenige Gebiet, um das die Frauen wohl am schwersten gerungen haben, ist die Politik, ^oeifellos haben schon die Vor­kämpferinnen der Frauenbewegung hier wertvollste Arbeit geleistet und die Durch­setzung des Frauenstimmrechts und die da­mit erreichte Vollwertigkeit der Frau als Staatsbürgerin ist ein bedeutender Mark­stein der Frauenbeweguna. Die Völler-

bundstagungen wurden auch in den letz­ten Jahren vielfach mit weiblichen Dele­gierten beschickt und so mancher Äame von Frauen der verschiedensten Nationen hat von den Genfer Sitzungen her einen guten Klang. Anders ist es hingegen mit der eigentlichen diplomatischen Karriere. Hier haben fast alle großen Staaten die Frau bisher völlig ausgeschloffen. Es gibt in der ganzen Welt nur eine einzige Gesandte, und zwar Frau Alexandra Kollontah, die Vertreterin der Sowjetunion, die zuerst in Oslo und jetzt in Mexiko die Interessen ihres Landes vertritt.

Einige Heinere Staaten haben Frauen in untergeordneteren diplomatischen Stel­lungen eingestellt. So besitzt Finnland in Bern und in Rom je eine diplomatische Beamtin, Bulgarien beschäftigt ebenfalls zwei Damen im diplomatischen Dienst, und zwar eine in Rom und eine weitere in Washington als Gesandschaftssekretärin. In Amsterdam und in Valparaiso ist eine Vizekonsulin der Vereinigten Staaten tätig.

Es ist außerordentlich bedauerlich, daß gerade das Gebiet der Diplomcttie, was die einflußreichen Posten anbetrifft, sich den Frauen bisher noch nicht geöffnet hat. Man hat von Alters her der Frau, halb scherz­haft, besondere diplomattsche Fähigkeiten zugesprochen, Fähigkeiten, die sie heute im Zeitalter schwierigster politischer Bezie­hungen aufs beste ausbauen und auswetten könnte. Gerade die Nachkriegspolitik mit dem ausgesprochenen Willen, die Idee eines dauernden Völkerfriedens zu ver- tiefen und zu befestigen, hat gezeigt, wie wettvoll hier die Mitarbeit befähigter Frauen fein könnte, da ihnen ganz be­sonders die Gaba zu eigen ist, eine Ver­ständigungspolitik mit dem Ziel friedlicher internationaler Beziehungen zu betreiben.

Lore Engelhardt.

Zuviel verlangt. Der junge Mann hatte dem Ches des Warenhauses bei seinem Engagement versichert, er spreche neun fremde Sprachen. Neulich kommt der Chef dazu, wie er im Gespräch mit einem Kunden bedauernd den Kopf schüttelt. Schreit er:Ich denke. Sie sprechen neun fremde Sprachen?"Ja", sagt der junge Mann,aber nicht Kölsch!"

Gespräch. Junge:Du, Vater, kostet es auch Brückenzoll, wenn die Droschke leer ist?" Vater:Weiß ich nicht, ich bin noch nie in einer leeren Droschke gefah­ren"

M töten töt uns miztehen?

Bon Corinne Grisfeth.

Die weltberühmte Filmdiva, Co­rinne Griffith, die büdschSne Dar­stellerin der Lady Hamilton pkau- dett hier über das Geheimnis, sich anmutig anzuziehen.

Die Frau, die den Ruf hat, stets elegant angezogen zu sein» rotrb unweigerlich die große Bedeutung der Modellemigkeiten anerkennen. Sie versteht, daß ihre Schuhe, Handtasche, Handschuhe, Taschentuch und falls sie diese Kostbarkeiten hat Schmuck und Pelze zu ihrem Kleide passen müssen. Deshalb ist sie genau so wählerisch, wenn es sich um die Auswahl dieser scheinbaren Bagatellen han­delt, wie sie bet der Auswahl der großen Kleidung -selbst ist. Ich hatte vor kurzem in Paris Gelegenheit, die Kleidung der fran­zösischen Frauen bei dm Rennen in Long- champs, bet den 5-llhr-Tees im Bois de Boulogne, sowie in den großm Restaurmts, in Nachtlokalm und auf dm Boulevards zu beobachten. Das Publikum sieht oft das Ideal der gutm Kleidung in der Aufmachung des Filmstars auf der Leinwand. Ich mutz aber sagen, datz die Französin offene Augen für Kleinigkeiten hat, während Filmstars im täglichen Lebm geneigt sind, die Details der Kleidung weniger zu beachten, wahrscheinlich weil sie ein Lebm ewiger Unruhe führen.

Zwei höchst bedeutungsvolle Attribute der Erscheinung sind Schuhwerk und Hut. Die Wirkung eines Sttaßmanzuges kann z. B. vollständig vernichtet werden durch ein Paar Abendschuhe oder durch eine unpasfende Farbe der Schuhe, die zu den ruhigen Linim des Sttatzenanzuges in krassem Widerspruch steht. Auf dieselbe Art kann ein Nachmittags- ober Abenbkkeid seinen ganzen Reiz verlierm, falls die Schuhe sowohl in Material wie in Fa?on unb Farbe nicht genau auf bas Kleid ab­gestimmt sind. Die kommmde Saison bringt allerdings wenig Veränderung in den Schuhen. Der sehr hohe Absatz ist immer noch modem. Braun, schwarz unb dunkel­blau sind die . Farben, die man am meisten am Tage trägt. Es ist dringend zu raten, Strümpfe zusammen mit dm Schuhen zu kaufen, um sicher zu sein, datz sie zusammen passen. Rauch-farbene unb mauve-farbene Strümpfe sinb bie große Mode. Schwarze Abendschuhe werben mit großen Spangen aus Similisteinen geschmückt, was zu den langen Kleidern vortrefflich patzt. Farbige Abendschuhe aus Seide werden meistens aus Crepe de Chine, Satin oder Moire herge- stellt. Die aufsehenerregendsten Schuhe, die ich während meiner Reise in Paris gesehen habe, waren aus weinrotem Antikopenleder unb sahen fabelhaft aus.

Taschen sinb ein großes Problem: benn es ist nicht leicht, eine Handtasche zu finden, die elegant wirkt unb zugleich praktisch ist. In Paris werben enizückenbe pastell-blaue Brokat-Taschen mit eingewebten Silber- unb ©olbgarnituren getragen. Fächer sinb wieder modern geworben unb werben aus leicht ge­steiftem Chiffon, in zwei Farbtönen gehal­ten, hergesteltt. Diese Fächer sehen viel schö­ner aus als bie allen, bedeutend teureren Straußenfeberfächer. Als Schmucksachen wer­ben immer noch Ketten aus Glassteinen ge­tragen, echte Ketten sieht man selten. Mit Ringen wird gleichfalls gespart. Man trägt, wenn man kann, einen besonderen Ring zu jedem Kleid. Es ist nicht immer notwendig, einen kostbaren Ring zu tragen, sondern es ist besser, einen solchen, dessen Stein in der Farbe zum Kleide paßt, anzulegen. Lange schlanke Finger vertragen gut moderne Ringe mit großen Steinen. Bei kurzen Fingern ist es immer ratsam, größere Steine zu meiden.

Zum Schluß noch ein paar Worte über den Hut, der auf der Sttatze beinahe das Wichtigste ist. Denn ein schlecht gewählter Hut kann bas elegante Aeußere mehr als irgend ein anderer Toiletten-Gegenstand be­einträchtigen. Man sollte niemals bei der Wahl des Hutes sich ausschließlich an die Mode halten. Das Wesentliche ist, datz der Hut zu der Persönlichkeit paßt. Am besten ist der Hut, der sich der Kopfform anschmiegt. Selbstverständlich soll die Mode soweit rote möglich berücksichtigt werden, jedoch soll nie- mals die Persönlichkeitsnote der Mode ge­opfert werden. Der Hut sitzt im Nacken unb läßt bie Stirn frei. Damen, die ihr Gesicht nicht allzukühn der Krllik barbieten wollen, tragen zweckmäßig einen kleinen kurzen Schleier, burch den bie Augen umso geheim­nisvoller hinburchblitzen werben.

Schönsein will gelernt sein! Es ist bas»; wichtigste Studium für bie Frau und füch sie selbst gewiß das interessanteste.