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Äbechessffche
AlMuvetzer Zeitung LuAWWM
Anzeiger für (das frühere kur-hessische) Overhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt nnd Kreis Marburg.
Rach der Verhaftung res Führers
Klebersprechenbe Mltimsen fiter »le finge in Wien — Genugtuung In Regierungskreisen
Bombay. 5. Mai. Ja einer Kund
alle
Berlin. 6. Mai. Nach einer Meldung des Berliner Tageblattes aus Madrid hat der akademische Senat die Schlie- hung der Madrider Universität bis zur allgemeinen Beruhigung der Gemüter beschlossen.
Ratifizierung des youngplanes durch England «ud Italien »och in dieser Woche.
fk. Paris, 6. Mai. Gestern abend hietz es in Paris, wie die Ageatur Ha, oas berichtet, daß England und Italien den Poungplan Ende dieser Woche ratifiziere» würden, sodaß die Bank für Jnternattonalen Zahlungsausgleich anfang kommender Woche offiziell ins Leben treten könne.
tung der Ordnung mit Lastautos eingerichtet. Vis auf Weiteres wird
Gandhis Frau a» feiner Stelle de» Feldzug des zivile» Ungehorsams fortsetzen.
Versammlung von mehr als 100 000 Personen wurde heute abend in Bombay ab-
AnivsrWt Madrl- wieder geflossen
Mit Aachziegeln und Stemm gegen die Gendarmen
tju begehen. Die Devisen-, Baumwoll- und Saatbörsen wurden geschloffen. Auch die Hinduläden, sowie die Mehrzahl der mohammedanischen Geschäfte find zum Protest gegen die Verhaftung Gandhis geschloffen. Die Regierungsgebäude und die Post werden militärisch bewacht. Die Bombayer Regierung hat außerdem zwei Abteilungen eines englischen Infanterieregiments im Zentrum der Baumwollspinnereiindustrie und in der Nähe des Polizeihauptquartiers stationiert. Als weitere Vorsichtsmaßnahme wurde ein Freiwilligendienst für die Aufrechterhal-
vorstehende Verhaftung umgelaufen seien. Im allgemeinen hat die Verhaftung auf englischer Seite eine gewiffe Genugtuung ausgelöst, da eine untragbar gewordene Lage eine Aenderung gefunden habe und da die britische Verwaltung, wie immer die Folgen der Verhaftung sein mögen, innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage die weitere Entwickelung genau kennen werde. Man hofft, daß nach einem kurzen Sturm die Lage bald wieder normal sein wird.
In jedem Falle sei die
Verhaftung der bis dahi» vorhandene» Hochspaa«ung oorzuziehen,
die das Esschäftsleben in hohem Grade beeinttächttgte. In Kalkutta, Bombay, Madras haben die Behörden so zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen gettoffen, daß es bisher zu keinerlei Unruhen oder Kundgebungen gekommen ist.
Wie Havas aus Madrid berichtet, ereigneten sich die Zwischenfälle in der medizinischen Fakultät, als eine Gruppe von Studenten in das Gebäude eindrang, die rote Fahne hißte und Arbeiter, die mit der Pflasterung der Straße beschäftigt waren, zwangen, ihre Arbeit einzustellen. Der Oberstleutnant, der die Polizeikräfte befehligte, ließ die Studenten auseinandertreiben und sperrte das Gebäude der medizinischen Fakultät ab. Die Studenten, die sich im Fakultätsgebäude befanden, erkletterten das Dach, rißen Dachziegel ab und schleuderten sie gegen die Gendarmerie. Um zwei Uhr nachmittags verließen mehrere Gruppen von Studenten die Fakultät und bombardierten die Gendarmerie mit Steinen. Hierauf feuerten die Polizisten etwa 50 Schüsse auf die Studenten ab, die wieder in das Gebäude zurückflüchte-
Staatssekretär, die Polittk der Regierung, die indischen Führer zu einer Konferenz einzuladen, bleibe trotz allen Vorkomm- niffen die gleiche. Die Behörden in Peschawar seien Herren der Lage.
lleber das Verhalten gewiffer indischer Truppenteile in Peschawar sagte der Redner, die indische Negierung habe mitgeteilt, es habe sich außer den bekannten Vorkommniffen kein anderer Vorfall dieser Att in Indien ereignet. Das fragliche Bataillon sei durch ein Eurkhabataillon ersetzt worden.
Die Auffaffoag ia England.
Von einer der Regierung nahestehenden Seite wird in einem Bericht der „Time s“ aus Simla mit Befriedigung festgestellt, daß die Verhaftung unter einer alten Verfügung der Bombayer Regierung erfolgte. Dadurch werde in erster Linie die Notwendigkeit eines Gerichtsverfahrensvermieden das zu Kundgebungen Gelegenheit gegeben und vielleicht zu Zusammenstögen geführt hätte. Daneben empfindet man es angenehm, daß Gandhi nicht zu einem verurteilten Eefängnis- insassen abgestempelt, sondern lediglich für eine der Negierung genehme Zeit im Gefängnis festgehalten werde. Die Nachricht von der Verhaftung selbst sei in Simla ohne besondere Erregung ausgenommen worden, da in den letzten Tagen nicht nur in Regierungskreisen, sondern allgemein Gerüchte über die be
gefamg, die er vor seiner Festnahme skizzierte. fordert Gandhi seine Anhänger aaf, den Kampf fortzusetzen, denn es sei »«möglich, ohne Opfer die Unabhängigkeit p erreichen.
In Karatschi ist die Lage äußerst er«ft. Die wichttgen Gebäude »ad die Hauptstraße« werden von europäischen nnd indischem Militär bewacht. Polizeibeamte mit Maschinengewehren stehen an den strategisch wichttgen Punkten,
Die Gründe der Verhaftung Gandhis.
In einer amtlichen Erklärung zur Verhaftung Eandyis heißt es: Der Feldzug der Gehorsamsverweigerung hatte eine weitverbreitete Mißachtung von Recht und Ordnung und schwere Störungen des öffentlichen Friedesn in ganz Indien zur Folge. An und für sich die Gewaltanwendung verwerfend, führte er unvermeidlich S Gewalttätigkeiten. Je mehr diese um griffen, um so schwächer wurden die Proteste Gandhis gegen das Verhalten seiner unbotmäßigen Anhänger, und er war offenbar nicht mehr in der Lage, sie in der Hand zu behalten. In der Erklärung wird sodann auf den strengen gesellschaftlichen Boykott in einigen Distrikten hingewiesen, der sich bis zur Entziehung von Wahrung und Wasser steigerte und viele Ortsvorsteher zum Rückttitt veranlaßte, ferner auch Gandhis Aufforderung zur Nichtbezahlung der Landrenten und seine abgekündigte Absicht, das Salzwerk zu stürmen. Die Regierung so heißt es zum. Schluß, hat bisher eine Polittk äußerster Duldsamkeit befolgt/ aber die Ereignisse haben bewiesen, daß die Geschichte der früheren Noncooperations-Dewegung mit Blut und Feuer als Begleitumstände sich wiederholen würde, wenn man den Feldzug ungehindert seinen Fortgang nehmen ließen.
Wie Eanbhi verhaftet wurde.
lleber die näheren Umstände bei der Verhaftung Gandhis wird noch bekannt, daß diese mitten in der Nacht in seinem Lager in Karachi erfolgte. Der Distrikt- kommissar, der Leiter der Polizei und 20 bewaffnete Polizisten näherten sich im Schein einer elettttschen Laterne dem Bett, auf dem Gandhi schlief. Auf seinen Wunsch wurde ihm erlaubt, die rituelle Handlung des Mundspülens vorzunehmen. Bevor er den Kraftwagen bestieg, in dem er ins Gefängnis gebracht werden sollte, übergab er einem seiner Anhänger einen Bttef an den Vizekönig. Außerdem bat er diesen, die Hinduhymne vorzutragen. Darauf verabschiedete er sich innig von den Freiwilligen, nahm sein Spinnrad und folgte den Polizisten.
Bvlkstrauertag in Indre«.
Die Nachricht von Gandhis Verhaftung wurde in Bombay von Anhängern Gandhis mit Glockengeläut verbreitet. Das Publikum wurde aufgefordert, die Arbeit einzustellen und den heutigen wie auch den morgigen Tag als
gehalten. Die Redner forderten die Anwesenden auf weiterhin keine Gewalt anzuwenden und den Kampf fortzusetzen und beglückwünschten Gandhi zu seiner Verhaftung.
llnterhausanfrage über die Lage iu Indien.
Im Unterhaus erklärte der Staatssekretär für Indien auf die Anfrage ob Gandhi abgeurteilt werden wurde, dies werde nicht der Fall sein; man werde ihn aber aufgrund einer Verordnung vom Jahre 1827 inHaftbetzal- t e n. Auf die Anfrage, ob man angesichts der ernsten Lage in Indien die äußersten Bemühungen machen werde, zu einer Verständigung zu kommen, antwortete der
Sie erklärte in einem Interview, sie hoffe, daß Indien auf die ungerechtfertigte Tat der Regierung die rechte Antwort geben werde. Abbas Tyabji, den Gandhi zur Führung seiner Freiwilligen im Fl ~ seiner Verhaftung bestimmt hatte, hat seinen Posten angetreten. Aus Lahore wird gemeldet, daß auf die Nachricht der Verhaftung Gandhis hin alle Schulen geschlossen wurden. Eine Massen
ten. Auf einer in der Nähe gelegenen Unfallstation wurden mehrere Verwundete verbunden, darunter ein Polizeibeamter, drei Gendarmen und ein Arbeiter. Einige gleichfalls verletzte Studenten fanden in der medizinischen Fakultät die erste Hilfe. Elemente, die mit, Studenten nichts zu tun haben, hatten sich übrigens unter die Manifestanten während der Vorgänge am Vormittag gemengt. T>ie Kommission der Studierenden der tterärzt- lichen Hochschule, die eine Unterredung mit dem Minister erstrebte, erllärte, daß die Ereignisse nichts mit den Studenten zu tun hätten, die heute in die tterärztliche Hochschule eingedrungen und aus dem Fenster das Bild des Königs geworfen hatten. Sie erllätten weiter, daß die Urheber der Unruhen unbekannt, seien. Der Innenminister empfing um drei Uhr nachmittags Preffevettreter und erklärte, daß er den an den Manifestationen nicht Beteiligten empfehle, sich fernzuhalten, um zu vermeiden, daß die öffentliche Gewalt sie mit den aufrührerischen Elementen verwechseln könnte.^ Er fügte hinzu, daß während der Zwischenfälle vor der medizinischen Fakultät dem Befehlshaber der Polizeistreit- kräfte ein Stein an den Kopf geworfen worden fei.
Es ist bekannt, daß die polnische Re- gieru ng eine sehr rege Auslands» prvpaganda betreibt, deren Kernpunkt der polnischen Mentalität entsprechend selbstverständlich Deutschland ist. Welche Kosten und Aufwendungen dem polnischen Staat aus dieser propagandistischen Tätig- kett erwachst..!, hat sich jetzt durch die Indiskretton einiger dem polnischen Außenminister Zaleski wenig freundlich gesinnten Zeitungen ergeben. Bekanntlich hat der Sejm Herrn Zaleski von seinen Fonds für die Auslandspropaganda des Polentums rund 2 Millionen Zloty gestrichen. Dies gab der Zaleski feindlichen Presse Gelegenheit, sich eingehender mit dem Fonds des Außenministers zu beschäftigen. Die Mitteilungen der Presse zeigen, daß der Außenminister zunächst 12 Millionen Zloty für seine Propagandatättgkeit im Ausland gefordert hatte. Der Fonds trägt den nichtssagenden und harmlosen Titel „Fürsorge für die kulturellen Bedürfnisse der Auslandspolen". Reben dieser Positton verfügt Herr Zaleskt aber auch noch über einen persönlichen Dispositionsfonds in Höhe von 4,2 Millionen Zloty. Man sieht also, daß für das „arme“ Polen. wenn es sich um Propogandazwech
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MS Gandhi aufbrach, um das Sakz- monopol zu durchbrechen, wollte er nur eines: seine Verhaftung, um der aMndi- schen Bewegung einen Märtyrer zu schaffen. Die englische Regierung scheint diese Absicht von Anfang an klar erkannt zu haben, und es entwickelte sich schttttweise jenes aufregende Spiel, das nun mtt Gandhis Verhaftung plötzlich zu einem vorläufigen Abschluß gebracht wurde, gierst versuchte man. Gandhis Feldzug lächerlich zu machen. Es gelang nicht, Und hier scheint sich England getäuscht zu haben. Dann ließ es durch Verhaftungen von Anterführern und durch das Vortäuschen von Schwäche die Gandhibewegung vor- zeittg losbrechet. Immer noch blieb Gandhi frei- Erst als Lord Irvin die Sicherhett hatte, daß die indischen Gemüter genügend erhitzt waren, um für die gesamte Machtentfaltung Englands das genügende Verständnis aufzubttngen, hat er Gandhi seiner Bewegung entzogen. Sicher ist es nicht so. daß Gandhi jetzt tn Zuchthausmauern verschwinden wird. Im Gegenteil, es scheint sich vielmehr darum zu handeln, daß England seine alte Methode zur Anwendung bringt, die ihm in Süd- afttka den Erfolg bescheerte. Zuerst läßt man die Antiengland-Bewegung einmal ruhig gewähren und schüren. Man bringt sie vorzeittg zum Ausbruch und seht sie ins Unrecht. Dann beraubt man die Bewegung ihrer Führer und zeigt den auf die Straße getriebenen Anhängern die ganze Fülle der englischen Macht. So war es damals vor, während und nach dem Burenkrieg, so wird es heute in Indien sein. Pressegesetze werden die indischen Zeitung knebeln, eine Pressezensur wird jede Nachricht auf das peinlichste kontrollieren. Verhaftungen werden Führer beseitigen, deren Verschwinden noch keine Märtyrer schafft. Der Belagerungszustand wird mit der ganzen Schwere seiner Bestimmung auf das entfesselte Volk treffen, und überschattet wird das Ganze sein vom düsteren Hintergründe der Panzerwagen, der Bombengeschwader, der schweren Attillerie. Dos Volk wird die englische Macht erkennen und sich ihr beugen. Den moralischen Gewinn wird England für sich buchen. Wenn die Bewegung niedergeschlagen erscheint, so wird man eines Tages dem in milder Schutzhaft gehaltenen Gandhi seine Bedingungen stelle». Dies ist nicht der Weg, den sich manche Konservativen in England erhoff- ten, denen die Mittel des Lord Havelock von 1857 immer noch als einzig wirksam erscheinen, sondern der Versuch, die Loslösung Indiens durch eine mit gewissen Gewaltmaßnahmen - erzwungene „Versöhnung“ zu verhindern.