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Geschichte eingefädelt. Da wankt man nun mit seinem Schuh, karton voll Wäsche und die Zahnbürste in der Westentasche durch die Straßen, sucht die weihen oder roten Pappschilder Möbliertes Zimmer zu vermieten-, klettert Treppen und nochmal Treppen und läuft stch Dlutblasen und bildet sich ein, doch noch LaS .Richtige-, wie man eS als Haupt» bestandteil seiner Iunggesellenwünsche im Geiste sich auS- malt, zu finden. Hat gar keinen Zweck, denn im Prinzip sind sie alle gleich, ob daS nun bei Frau Kulicke vorn drei Treppen ist. oder bei Frau Krause hinten parterre. Schön daS eine Zimmer wirb durch eine deckenverzierte Plüschgarnitur ver» schönt, dafür ist dann in dem anderen, wo keine Plüschgarnitur steht, ein mächtiges Loch im Teppich.Hängen hier nur acht lehr» reiche brandgemalte Wandsprüch«, so ist dafür wo anders der riesige Spiegel ganz in rotem Samt eingerahmt. Aber daS ist ein für allemal und für ewige Zeiten der Stempel, mit dem so ein richtiges möbliertes Zimmer sozusagen amtlich geeicht ist: alle Schnörkel, die in vergangenen Jahrhunderten erdacht, gedrechselt, geschnitzt, gebeizt und poliert worden sind, feiern hier ein fröhliches Wiedersehen. An demDertiko au» der besten

,Da» will nun ein befferer Herr sein, stopft sich die Strümpfe alleine!'

.Ich habe doch schon so oft ge­sagt, Frau Maier, Sie möchten nicht immer den Kaffee und daS Rasierwaffer zusammen bringen, ich rasiere mich immer mit dem Kaffee und trinke nachher daS Rasierwaffer!-

.Bei mir brauchen Sie nicht» wegschliehen, junger Mann, ich rühre nichts an. Der vorige Herr hat sogar immer seine Liebesbriefe draußen liegen laffen: glauben Sie, ich hatte einen einzigen durchgelesen? And waS da manchmal für schöne Sachen bringestanden haben!'

,O, daS kann ich Ihnen nicht hoch genug anrechnen. Frau Krause, bah Sie die Flecken aus dem Anzug gemacht haben!" Ich Ihnen auch nicht, Herr Lemke!"

.Gin schönes Loch haben Sie mir da in die Tischdecke gebrannt, daS muffen Sie mir bezahlen!' .Aber das war doch schon drin!' .So. daS haben die Herren vor Ihnen auch schon gesagt, wer soll eS denn da gewesen sein?"

Sltesten Zeit, an dem Tisch, der sich immer dann schelmisch auf die Seite legt, wenn eine volle Kaffeetaffe auf ihm steht, und am Kleiderschrank, der noch Reifröcke und seidene Kniehosen beherbergt hat, ganz zu schweigen von den pompösen Plüschseffeln, die eine häßliche Lüge au daS gesamt« Polsterergewerbe darstellen. And in dieser ehrwürdigen Amgebung fristet so ein junger Mann sein anonymes Dasein als .möblierter Herr", gelegentlich von der grausamen 2ufl geschüttelt, das goldgerahmte Bild von Frau Krausens Opapa, das über dem Sofa hängt und der bevorzugte Weideplatz der Stubenfliegen ist, mit dem schönen bunten Öldruck Sngelsreigen um daS verlaufene Kalb' und der großen Gruppenaufnahme des gesamten LotterievereinS .Kümmelblättchen' zu einem riesigen Scheiterhaufen zu türmen, um auf ihm den alterschwachen Schaukelstuhl von seinem schwankenden Dasein zu erlösen. And über allem schwebt der Deist einer rührigen Frau Maier, Müller oder Krause, die immer da ist. mit einem milden Tadel auf den Lippen, wenn die Wafferkanne kaputt gegangen ist. wenn man gerade ganz zufällig mit beiden Füßen auf dem besten Stuhl steht oder ein Loch in die Tischdecke gebrannt hat. And die unauffindbar wie ein

Kragenknopf ist, wenn man dringend Rasier- waffer braucht, ober daS Licht nicht funktioniert, oder wieder einmal die Hausschuhe beim Auf­räumen versteckt worden sind. Voller Sanft­mut und Milde bewacht sie daS Erdenwallen ihresMöblierten-, paßt auf, wie lange er abends Licht brennt, kennt den Inhalt aller einlaufenden Briefe und kommt immer gerade dazu, wenn er mit den Stiefeln auf dem Sofa liegt. Sie bestopft, benäht und be­muttert ihn und vergißt auch nicht das kleinste gestopfte Loch im Strumpf, wenn eS pünkt- lich am Ersten heißt:Hände hoch! Zahlen oder---.*

Also, nur nicht verzagt, Töchter des Lande«, solange «S möblierte Zimmer gibt, werden sich die Junggesellen schon beizeiten bemühen unter einen passenden Pantoffel mit Zubehör zu kommen.

(><lso daS mutz man der Dvrsehung schon 4I laffen: Auch die Junggesellen sind so von ihr bedacht worden, daß sie nicht in den Himmel wachsen, sondern beizeiten unter den Töchtern des Landes eineAuS- wahl zwecks Gründung eine» frisch-fröh­lichen, bomben- und hagelsicheren Haus­standes treffen. And dazu find die möblierten Zimmer erfunden worden. Dicht gerade alle, aber immerhin doch soviel, um der Vorsehung noch ge­nügend Material siehe oben wie reife» Obst in den Schob wer­fen zu können. Verflixt fein ist di«

«uviertteidruck und Berlag der Otto Elsner Berlin S 42 Hauptichriitleiter: Ulrich v. Uechttitz, BerNmWilmersdori Verantwortliche Schrittleitung: Ch. Mückenderger. Berlin Zeblendorf 1930- 1«

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