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Oderhesfisch« Marburg a. L. Frektag. den 2. Mai 1930
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Kinder müssen arbeiten!
/ Ein nachdenkttches Kapitel sozialer Notlage.
Private Verbände haben in der letzten Zeit den Versuch gemacht, festzustellen, wieviel schulpflichtige Kinder in Deutschland durch die allgemeine wirtschaftliche Notlage ge- Kungen sind, außerhalb der Schul- nden Geld zu verdienen. Obwohl zuverlässige Zahlen nicht ermittelt werden konnten, da viele Kinder ihre Erwerbstätigkeit verschwiegen, steht doch fest, dah fast ein Fünftel aller schulpflichtigen Kinder durch körperliche Arbeit Geld verdienen müssen, ein Prozentsatz, der erschreckend hoch ist, da die Erwerbstätigkeit in so jungem Alter leicht ernste Folgen für die körperliche und geistige Weiterentwicklung der Heranwachsenden deutschen Jugend haben kann.
deutsche Kind hat «in Recht ans Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit!«,
so lauten die Eingangsworte des am 9. Juli 1922 in Kraft getreten Jugendwohl^ fahrLgesetzes. In ihm wird dem minder- jährigen Dolksteil Erziehung und Belehrung, aber auch Schutz vor zu schwerer Arbeit und Ausbeutung zugesagt.
Der Gesetzgeber ging dabei davon aus, daß die körperliche und geistige Ertüchtigung nicht durchführbar sein kann, wenn die Kräfte der Kinder, die schon durch den Unterricht und den Sport bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit angespannt werden, auch noch nach der Schulzeit in den Dienst der Wirtschaft und des Geldverdienens gestellt werden. Trotzdem hat er sich zu einem grundsätzlichen Verbot der Kinderarbeit nicht entschließen können, da besonders in den Großstädten viele Familien stark mit dem Verdienst auch der schulpflichtigen Kinder rechnen müssen und seinen Ausfall nur schwer ertragen könnten. Auch in dem Entwurf des neuen Reichsarbeitsgesetzes, das zurzeit im Reichs- arbeitsministerium ausgearbeitet wird, soll ein solches Verbot der Kinderarbeit mit Rücksicht auf die schlechten Derdienstmöglichkeiten Erwachsener nicht ausgesprochen werden, obwohl weite Kreise sich mit scharfen Protesten gegen diese Unterlassung gewandt haben, da sie in der Erwerbstätigkeit die Gefahr schwerer gesundheitlicher und geistiger Schädigungen für die Jugendlichen sehen.
Der Ingendarzt Dr. Walter Siewert erklärte auf unsere Anfrage, datz mindestens 30 Prozent der erwerbstätigen Schulkinder bis m 15 Jahren durch die Berufsarbeit körperlichen, geistigen oder sittlichen Schaden genommen haben. „Bei fast allen außerhalb der Schule m festem Arbeitsverhältnis stehenden Kindern habe ich die Beobachtung gemacht, daß sie keine regelmäßige und ausreichende Ernährung hatten, da die Zeit zwischen Schule und Arbeit meistens so kurz ist, daß sie kaum dazu kommen, hastig ein paar Bissen im Stehen herunterzuschlingen. Müde und hungrig eilen sie zu ihrer Arbeitsstelle, erfüllen unlustig und fahrig ihre Aufgaben, fühlen sich elend und abgespannt und lernen durch die ewige Hetze, den Hunger und die Unzufriedenheit ungeduldiger Vorgesetzter (die ja käum etwas aus dem Privatleben ihrer jugendlichen Angestellten wissen) die Arbeit und den Beruf hassen! Aus ihren Kreisen rekruttert sich dann später die Armee der Unzufriedenen, die eine Besierung der Verhältniffe nur in der Zerschlagung der bestehenden Staatsform und Gesellschaftsordnung sehen zu können glauben."
Die vorübergehende kostenlose Unterbringung durch Erwerbstättgkeit körperlich geschädigter Kinder in Jugenderholung s- Heimen kann natürlich nur einen sehr kleinen Teil des durch Iugendarbett angerichteten Schadens gutmachen. Die finanzielle Loge
der Gemeinden (die für die Unterhaltungskosten erholungsbedürftiger Jugendlicher aufkommen müssen) i st fast ausnahmslos so, daß nur ein Bruchteil der Kinder verschickt werden kann, die es unbedingt notwendig haben, einmal gründlich auszuspannen. „Außerdem aber gehört zur Wiedergutmachung ernsterer Schäden, wie Senkfuß (besonders häufig bei Laufburschen), Gelenkzerrungen, Rückgratverkrümmungen usw. eine langwierige ärztliche Behandlung, für die leider ebenfalls meistens kein Geld vorhanden ist."
Die Ste’b fagtttbpflegerht Charlotte Wiese
hat im Laufe der Jahre 1926/29 sehr umfangreiches und lehrreiches Material über die Kinderarbeit zusammengetragen, das zur Beutteilung dieser Frage von besonderer Bedeutung werden kann. Ihre Feststellungen fußen in erster Linie auf den vierteljährlichen Berichten der preußischen Eemeindeschulen, die ausführlich über Arbeitsart, Arbeitsdauer und Arbeitszeit Auskunft geben. Nach ihrer Statistik — die aber nicht als vollständig angesprochen werden kann — waren um die Jahreswende 1929/30 erwerbstätig: in Berlin 8800 Kinder, in Hamburg 3200, in München 2400, in Köln 2100, in Stettin 1200, in Bremen 2700, in Leipzig 1900, in- Düsseldorf 1200, in Breslau 1100. Nicht erfaßt sind in dieser Statistik die zahllosen Kinder, die in der Landwirtschaft erwerbstätig sind. Nach Ansicht von Frau Wiese und der von uns befragten Aerzte übt jedoch diese Tättgkeit nur wenig schädigenden Einfluß auf Gesundheit und geisttge Entwicklung des Kindes aus, da sie fast durchweg im Freien ausgeübt wird, außerdem die Jugendlichen fast von der Geburt ok mit ihr vollkommen vettraut sind.
45 Prozent der erfaßten erwerbstättgen Schulkinder im Alter von 9—15 Jahren müssen bis zu 3 Stunden täglich arbeiten
(davon 7 Prozent schon vor Beginn der Schulstunden!), 18 Prozent bis zu 4 Stunden, 11 Prozent bis zu 5, 10 Prozent bis zu 6 und 5 Prozentmehrals6 Stunden täglich! Trotz des gesetzlichen Verbots waren etwa 9 Prozent der erwerbstättgen Jugendlichen in Fabriken tätig.
Eine alte Vorkämpferin für den Schutz der Jugend vor allzu großer körperlicher und geistiger Ueberanstrengung mit bezahlter Arbeit ist
die Reichstagsabgeordnete Fra» Clara Me«de,
die sich besonders dafür eingesetzt hat, daß durch ein Gesetz die schulpflichtigen Kinder bei Filmaufnahmen nur unter bestimmten Bedingungen mitwirken dürfen, daß sie auf Bühnen nur auftreten dürfen, wenn die Erziehungsberechtigten zur Stelle sind und daß sie von der erwerbsmäßigen Tätigkeit auf Rummelplätzen und Jahrmärkten ausgeschlossen bleiben.
Aber das alles ist ja nur ein Anfang! Gewiß möchte man jedem Kinde für die Jahre, die für die geistige und körperliche Entwicklung entscheidend sind, eine „sorglose Jugend" wünschen und die Fernhaltung aller Sorgen um den Broterwerb. Das Ideal aber ist von der rauhen Wirklichkeit nur allzuweit entfernt. Zehntausende von Kindern müssen unter Ansttengung aller ihrer Kräfte neben der Schule noch arbeiten, da sie unter den heutigen Verhältnissen, besonders in der Großstadt, bisweilen die Haupternährer der Familie sind, wenn der Vater arbeitslos und die Mutter krank ist. Es ist stattsttsch festgelegt, daß unzählige Familien auf das Mitverdienen ihrer minderjährigen Kinder bis zu 15 Iahren ang>- roieTen sind.
Trotzdem ist es außerordentlich schwer zu entscheiden, ob «in generelles Verbot der
Die Eröffnung der größten Schleuse der Welt
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Das Motorschiff „Sohan var Oldenbarnrvetdt"
mit Königin Wilhelmine an Bord, fährt als erstes in die neue Schleuse von Bmuiden ein. Im Vordergrund ein sich öffnendes Tor. Jedes dieser Tore hat ein Gewicht von 1184 Tonnen und wird nicht aufgeklapp, sondern in neuartiger Weise ein- und ausgeschoben.
In Dmuiden, dem Vorhafen von Amsterdam, wurde die größte Schleuse der Welt eröffnet. Die Abmessungen der neuen Schleuse
die Amsterdam mit der Nordsee verbindet, sind 400 Meter Länge, 50 Meter Brette und 15 Meter Tiefe. Damit übertrifft sie die Dimensionen der Schleusen des Panama- und des Kieler Kanals und wird den größten Schiffen der Welt Durchfahrmöglichkeit geben. Die Gesamtkosten des bereits im Jahre 1919 begonnenen Baus belaufen sich auf 32 Millionen Matt.
Kinderarbeit (das zahlreiche Familien in eine noch größere Not stürzen würde) das größere oder das kleinere Hebel ist. Oder ob nicht doch Mittel und Wege gefunden werden können, den Raubbau an den Kräften des Kindes zu verhindern, während Millionen Arbeitslose vergeblich Arbett suchen.
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WM das MlitMt Esperanto
Das riesige chinestsche Reich mit seiner 300-Millionen-Bevölkerung ist auch ein Land der vielen Sprachen. Gewiß, überall wird chinesisch gesprochen, aber bei den großen Entfernungen und der Schwierigkeit der Verbindung haben sich in den einzelnen Gebieten die Dialekte deratt auseinander enwickelt, daß eine Verständigung zwischen ihren Bewohnern häufig unmöglich ist. Man zählt mehrere hundert solcher abweichenden Sprachen und das Gewerbe der Dolmetscher blüht daher in China.
Allerdings stößt diese Verständigung nur auf lautliche Schwierigkeiten denn die chinesische Schrift als Zeichenschrift, die für jeden Begriff ein besonderes Zeichen hat, ist in allen Teilen Chinas gleich. Jetzt versucht man, in logischer Verfolgung der chinesischen Einheitsbestrebungen eine einheitliche Sprache für das gesamte Reich der Mitte zu schaffen. Namhafte chinesische Sprachleiter sind bereits am Werke und man hat der neuen Einheitssprache den Namen „P ei-Hua" gegeben, sie soll berufen feiir das Esperanto des polittsch und wittschaftnch geeinten Chinas zu werden.
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Mancher Langschläfer, der des Morgens nicht aus den Federn finden kann, beneidet sicher die unlängst in Eedar Rapids im Staate Iowa tm Mer von 75 Iahren verstorbene Frau Mary Wickham, welche die letzte« vier Jahrzehnte ihres Lebens im Bette liegend Angebracht hat. Und zwar nicht, well fie vielleicht durch Siechtum oder Krankheit dazu gezwungen gewesen wäre, sondern vöMg freiwillig, infolge einer im Jahre 1890 abgeschlossenen Wette. Diese hat Frau Wickham ja mm glänzend gewonnen, aber man fragt sich doch kopfschüttelnd, was fie von ihrem Siege nun eigentlich gehabt hat. — Langjähriger Aufenthalt im Bett scheint übrigens für ein langes Leben recht zuträglich zu sein, wenigstens wenn man nach den beiden Schwestern des bekannten französischen Feinschmeckers Bttllat-Savattn schließen darf. Dur einmal alljährlich, wenn ihr Bruder zu Besuch kam, erhoben sie sich für einige Tage, um das Haus in Stand zu setzen. Bei seiner Abreise hieß es dann regttmätzig: „Auf Wiedersehen über's Iochr, Adolf. Wtt gehen jetzt wieder ins Bett." Diese Lebensweise schlug bei beiden so gut an, daß die eine 99, die andere nur ein Geringes weniger ate wurde.
Das Kind mit den Fingern an den Zehen.
Einer lettländischen Bäuerin wurde ein merkwürdiges Kind geboren. Es hat die Finger an den Füßen und die Zehen dagegen befinden sich an den Fingergliedern. Die medizinische Wissenschaft kennt kaum einen Fall, der diesem Kuriosum gleichkommt. Eine genaue Untersuchung des verbildeten Kindes läßt vermuten, daß die geistigen Funkttonen, nach der Form des Kopfes zu urteile«, sich normal zu entwickeln versprechen.
M im» Wisienschaft
— Trompeter-Jubiläum. Wenn ein Trompeter 75 Jahre alt wird — und sei er selbst ein Stabstrompeter —, pflegt man nicht viel Aufhebens zu machen. Aber den Geburtstag des berühmtesten aller Trompeter feiert eine ganze Stadt, ja ein ganzes Land. Er ist auch msofern eine Eigentümlichkeit, als er, obwohl ein Einzelwesen, doch in vielen Hunderttausend von Exemplaren existtert. Er trägt einen adligen Namen, er nennt sich nach seiner Heimatstadt „von Säckingen". und sein Vater war ein hochberühmter Mann: Joseph Victor von Scheffel. Zwckr war er ein arger Pessimist — fast möchte man glauben, er hätte die Zeiten von 1930 vorausgeahnt — denn er sang und trompetete: „Es ist im Leben häßlich eingerichtet", und tausende, besonders junge Mädchen, di« das Leben doch sicher nicht häßlich fanden, Sngen es ihm nach! Zu den Feierlichkeiten, e zum Pfingstfest in Säckingen stattfinden sollen werden auch der letzte Nachkomme Ludwig llhlands, der als Apotheker in Waldenbuch lebt, und die berühmte Lindenwirtin vom Rhein, das Ännchen von Godesberg, erwartet. Auch wir gratulieren dem Geburtstagskind een Herzen.
— Schulmusiktagung in Kassel. Wie amtlich bestätigt roirb, veranstaltet nun doch das Zentralinstitut für Erziehung und Unterricht in Verbindung mit der Stadt Kassel, dem Mitteldeutschen Sängerbund, dem Arbeitersängerbund Gau Kurhessen-Siidhannover und dem Mitteldeutschen Chormeisterverband vom 31. Mai bis zum 4. Juni eine schulmusikalische Tagung in Kassel im Anschluß an das Sängerbundesfest. Den Teilnehmern wird Gelegenheit gegeben, btt Konzert des Sängerbundes- Mstes zu besuchen. In den Vorträgen und Hebungen werden zeitgemäße und stark in die Thoepraxts eingreifende Fragen behandelt.
= Ein Ottafienfilm von Walther Stötzuer. Walther Stötzner, der im vorigen Jahre von einer zweijährigen Forschungsreise zu den So- lonen, einem aussterbenden tungufischen Jägervolk im Amurbogen, zurückgekehrt ist, hat eine Reihe Filmstreifen mit heimgebracht. Sie zeigen seme Dschunkenfahrt auf dem Nonni- strom, seinen Zug durch die zeitweilig versumpfte Steppe, seinen Abstecher in ein chinesisches Eoldgriiberlager, die Lebensweise der Solonen und ihre seltsamen Schamanentänze, ferner Bilder aus der Großstadt Charbin. Das umfangreiche Matettal wird zurzeit vom Wiehr-Film^ Dresden gesichtet und geordnet. Walther Stötzner hofft, in diesen Tagen seinen Film, der unter dem Titel „Drachengold und Opium" erscheint, der Öffentlichkeit vorführen zu können.
= Ein erfolgreiches Volksstück. Das Bamberger Stadttheater brachte gegen Ende der Spielzeit noch eine Uraufführung heraus und zwar das Volksstück in 4 Akten „Die Heite r e i t e i“ von P. Wall-Neumann. Der Dichter hat den Stoff zu diesem Stück der gleichnamigen Novelle von Otto Ludwig entnommen. Der Dichter hat es ausgezeichnet verstanden, die Figur des immer heiteren Mädchens mit feinem psychologischen Verständnis zu zeichnen. Das Werk, für dessen Regie Dr. Walter Best verantwortlich zeichnete, hatte einen unbestrittenen Erfolg.
— Theaterfreudiges Madrid. In Spanien scheint man keine Theaterttisen zu kennen, denn nicht weniger als sechs neue Theater sollen in allernächster Zeit in Madrid eröffnet werden. Es handelt sich um Bühnen verschiedensten Genres, die sämtlich von der Jnitiattve pttvater Theaterdirektoren ausgehen und ohne staatliche Unterstützung arbeiten werden.
— Ein Bergwerk unter Denkmalsschutz. Am Spitzberg bei Gera sind die Reste eines in den Jahre 1779 bis 1780 angelegten Bergwerks
aufgedeckt worden. Es ist ein 50 Meter langer Stollen, der dem ersten Anthrazit-Bergwerk Deutschlands angehörte, zu einer Zeit allerdings, als man den Heizwert des Anthrazits noch nicht erkannt hatte. Der Stollen bleibt in seiner gegenwärtigen Verfasiung erhalten und wird unter Denkmalsschutz gestellt.
— Die russische Revolution als Oratorium. Im Rahmen der Veranstaltung „Neue Musik", die früher in Baden-Baden und Donaueschingen stattfand und in diesem Jahre zum ersten Male während der KunstwoLen in Berlin abgehalten wird, findet auch Die Uraufführung eines großen Chorwerkes von Hanns Eisler statt, es heißt „Geschichte der russischen Revolution" und ist vor allem bemerkenswert durch die Verwendung des Chors, der in enger Anlehnung an den antiken Chor als Kontrollinstanz bei einer Gerichtsverhandlung verwandt wird. Die Aufführung findet am 21. Juni in der Hochschule für Musik unter der Mitwirkung des Chores der Krolloper statt
— Der Komponist Eotthcls gestorben. In Dresden ist der Komponist Dr. Felix Gotthelf im Alter von 73 Jahren gestorben. Gotthelf hat sich vor allem durch feine Lieder einen Namen gemacht. Er hatte zunächst die ärztliche Laufbahn eingeschlagen, widmete sich später aber der Komponistenlaufbahn. Seine musikalische Ausbildung hat er bei von Draeseke erhalten.
— Ueberraschende Funde aus der llrzett des Menschen. Professor Dr. K. Absolon von der Prager Universität hat in Mähren an verschiedenen Plätzen, so besonders bei Wifternitz (halbwegs zwischen Wien und Brünn) unter 10 wohlabgesetzten, im ganzen 10 Meter hohen Schichten, deren Eesamtablagerungszeit er auf rund 100 000 Jahre schätzt, eine Unmenge von Knochen und Geräten gefunden. Sie beweisen, daß die Menschen vom Aurignactyp, die hier lebten, Mammutjäger waren und — nach bet
ungeheuren Zahl bet Knochen zu schließen — furchtbar unter ben gewaltigen Dickhäutern aufgeräumt haben müssen. Die Jagd wurde in der Weise ausgeübt, daß man die in Fallgruben gelockten Tiere von oben her mit einem mächtigen an Seilen befestigten Stein so lange bearbeitete, bis sie verendeten.
MfMuMfiten
x Den Privatdozenten an der Hambur- gischen Universität: in der rnedizinischep Fakultät Dr. Hermann Hensen (Augen Heilkunde), Dr. Hans Türkheim (Zahn- Heilkunde), Abteilungsleiter am Zahnärztlichen Universitäts-Institut, Dr. Walter Griesbach (Pharmakologie), Dr. Hermann Kümmel (Chirurgie), Sekundärarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik, Dr. Hermann I o s e p h y (Psychiattie), Abtei- lungsarjt an der Staatskrankenanstalt Frie- drichsberg, Dr. Hermann Runge (Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde), Sekundärant der Universitäts-Ohrenklinik und Dr. Siegfried Gräff (Allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie), Prosettor des Allgemeinen Krankenhauses Barmbeck, ferner in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät Dr. Konstantin von Haffner (Zoologie), Kustos am Zoologischen Staatsinstitut und Zoologischen Museum, ist die Amtsbezeichnung Professor verliehen worden.
x In Münster i. W. ist am 26. April der Komponist intb Musiklehrer Adolf Stierlin tm Alter von 71 Jahren gestorben.
X In der medizinischen Fakultät der Universität Köln rst der Privatdozent für Hygiene und Bakteriologie und Oberarzt am Hygienischen Institut Dr. Karl Pesch zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt worden.