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Freitag, den L. Mai mo

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhefsen

Kr.lA fiS.Mra. Marburg a.Latzn

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Anzeiger -er amtlichen Bekanntmachungen für Sta-t und Kreis Marburg.

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Die Maiseier der Kommunisten im Lustgarten

Die für 10.30 Uhr angesetzte Maifeier der Kommunisten im Lustgarten verzögerte sich sehr stark, da noch gegen 12 Uhr lange Kolonnen der aufmarschierenden Kommunisten dem Lustgarten zustrebten. Die Zugangs- stratzen zum Lustgarten und zum Schloßplatz waren um 12 Uhr völlig verstopft. Die Umgebung des Domes, des Alten Museums und die Schlotzrampe waren abgesperrt. Im übrigen hielt sich die Polizei sehr zurück und war kaum zu sehen. Die Veranstalter hat­ten alles aufgeboten, um die Kundgebung recht eindrucksvoll zu gestalten. Ein be­sonders aufreizend zusammengestellter Zug von Kriegsbeschädigten marschierte schon ge­gen 10 Uhr um den ganzen Lustgarten herum. Eine große Anzahl von Tafeln und roten Fahnen ragte über die Köpfe der Mas­sen empor. Nach dem gemeinsamen Gesang der Internationale sprachen die Abgeordne­ten Thälmann. Neumann und Preck sowie führende Arbeiterfunktionäre der Ber­liner Großbetriebe und der Revolutionären Eewerkschaftsopposition. Nach dem Fanfa­renmarsch, der von den mitgeführten Kapellen gespielt wurde, legten die Demonstranten ein Massengelöbnis ab, für den Kommunismus zu kämpfen.

Um 12 Uht wurde ein grober Teil der noch anmarschierenden Demonstrationszüge nach Neu-Kötln und nach dem Wedding um­geleitel. An der Demonstration hatten un­gefähr 50 000 Menschen teilgenommen, wäh­rend nur 32 000 der Polizei angesagt wor­den waren; der Rest bestand aus einzelnen Mitläufern aus allen Stadtteilen. Ein Zug von etwa 5000 Personen konnte an der Lustgattendemonstration nicht teilnehmen, da er nicht mehr rechtzeitig herangekommen wäre. Er blieb daher auf dem Michaclkirchplatz im Südosten der Stadt zurück.

Beim Abmarsch der Demonstrationen, die in zwei Haupftügen nach Neu-Kölln und zwei großen Zügen nach dem Norden zogen, wur­den Rot-Front-Rufe laut. Vor dem Alten Museum brachte die Menge ein dreifach Pfur Deibel!" auf Zörgiebel und die Schupo aus.

Die Maikundgebung der Berliner Sozial­demokraten.

Der Aufmarsch der sozialdemokratischen Or­ganisationen zur Maifeier im Lustgarten er­folgte in den ersten Stunden des Nachmittags gemäß dem vorher vereinbarten Programm, das eine möglichst weitgehende Trennung der kommunistischen und der sozialdemokratischen Kundgebung vorsah. Die Mitglieder der sozialdemokratischen Verbände hatten sich ab 10 Uhr vormittags in den 23 größten Sälen Berlins versammelt und setzten sich von dort aus allmählich in einzelnen Abteilungen in Marsch. Die Polizei beschränkte sich auf den Ordnungsdienst vor öffentlichen Gebäu­den und Monumenten und die Regelung des Verkehrs, die auf dem belebten Schloßplatz nicht unerhebliche Schwierigkeiten bot. So­bald ein Zug mit Musikkapellen und Fahnen den Schloßplatz passiert hatte, flutete von beiden Seiten die Woge der aufgestauten Autobusse, Kraftdroschken und Geschäftswa­gen über den Damm, um wieder angehalten zu werden, wenn ein neuer Zug der Demon­stranten erschien. Von der Rednertribüne vor dem Alten Museum aus sprach der Bundes­vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Ge­werkschaftsbundes, der Reichstagsabgeordnete Peter Graßmann, der gegen das Kabi­nett polemisierend u. a. eine Verkürzung der Arbeitszeit sowie den Ausbau der Arbeits­losenversicherung als notwendige Forderung bezeichnete. Der gesamte An- und Abmarsch, der mehrere Stunden in Anspruch nahm, verlief bis auf kleinere Zwischenfälle reibungs­los. Kurz nach 1 Uhr mußte am Bülow- platz die Polizei gegen kommunistische Grup­pen vorgehen, die einen sozialdemokratischen Demonstrationszug belästigten. Im Anschluß an die Kundgebung im Lustgarten veran- ?lallet die sozialdemokratische Partei Abend­eiern in zahlreichen großen Sälen Berlins.

Der 1. Mai in München.

München. 1. Mai. Ueber den Verlauf des 1. Mai in München wird berichtet: Mit­tags wurde im Osten der Stadt München ein kommunistischer Demonstrationszug durch die Polizei aufgelöst; vier Demonstranten wurden festgenommen. Auch im Bezirk München­

Land ist der Tag ahne ernstliche Störungen verlaufen. Im Vorort Feldmoching wurde ein Demonstrationszug von der Polizei angehai- ten. Die Teilnehmer zerstreuten sich, als polizeiliche Verstärkungen von München ein­trafen. Der kommunistische Landtagsabge­ordnete Dressel wurde festgenommen.

Ruhiger Verlauf des 1. Mai im Ruhrgebiet.

Nach den bisher vorliegenden Meldungen ist der 1. Mai im ganzen Ruhrgebiet ruhig verlaufen. Die Beteiligung an den Umzü­gen der beiden Linksparteien war nicht be­sonders zahlreich, zum Teil noch schwächer als im Vorjahre. In den Betrieben wurde f a st vollzählig gearbeitet. So fehlten u. a. bet der Firma Krupp in Essen 5,4 Pro­zent der Belegschaft, und im Ruhrbergbau feierten 12,07 Prozent der Belegschaft.

Der 1. Mai in Frankreich.

Der 1. Mar ist nach den bisherigen Be­richten in Paris und in der Provinz fast völlig ruhig verlaufen.

Keine der in Paris angekündigten Kundgebungen hat wegen Mangels an Beteiligung stattgefunden.

Demonstrationsversuche wurden durch die Po­lizei verhindert. Zu kleineren Zwischenfällen kam es in Pariser Vorort St. Denis, wo der kommunistische Bürgermeister und Abg. D o rio t eine Straßenkundgebung or­ganisieren wollte. Doriot und mehrere kom­munistische Gemeinderäte sind verhaftet wor­den. Die Gesamtzahl der Verhafteten in Paris und Umgegend beträgt 223, darunter 43 Ausländer. Die Verhaftungen erfolgten

Der Elnfpruch Graf Westarps eint »erMrstm« des Senflifts feil vermieden werden

An der Besprechung, die Graf Westarp für gestern abend einberufen hatte, haben etwa 25 Abgeordnete der deutschnationa- lejt Fraktion teilgenommen. Sie ging kurz nach 12 Uhr nachts zu Ende. Sie endete mit dem Beschluß, den bereits skizzierten Brief an die Partei- und an die Fraktionsleitung abzusenden.

annehmeu. daß der Brief das Recht auf die Gewissensfreiheit und damit zugleich die Gewissenspflicht des Abgeordneten unterstreichen wird. Er wird weiter dar­auf Hinweisen, daß namentlich die beiden letzten Sätze der Entschließung, die der deutschnationale Parteivorstand am Sonntag vor acht Tagen gefaßt hat, zu diesen Grundrechten und Pflichten des Abgeordneten in Gegensatz stehen. Wenn dieses Schreiben am heutigen Freitag der Parteiführung überreicht wird, so würde die Entscheidung über die Weiterentwick­lung innerhalb der deutschnationalen Reichstagsfraktion hei der Führung liegen.

Berlin^ 2. Mai. Gestern abend fand in einem Raum des Restaurants M i t - scher die Zusammenkunft statt, zu der Graf Westarp die Mitglieder der Reichstagsfraktion der Deutschnationalen Volkspartei eingeladen hatte, die bei der letzten Reichstagsabstimmung für die Vor­lagen des Kabinetts Brüning gestimmt, hatten. Die Besprechung, die um 8 Uhr" begonnen hatte, dauerte um 12 llhr noch an. Es ist anzunehmen, daß das Ergeb­nis der Aussprache ein Schreiben an den Parteiführer und den Fraktionsvorsitzen­den sein wird, in dem die Ileberzeugung dieser Mitglieder der deutschnationalen Reichstagsfraktion niedergelegt ist. Es kann kein Zweifel darüber sein, daß Graf Westarp als Einberufer der Aussprache das ernsthafteste Bestreben hat, alles zu vermeiden, was die Situation innerhalb der deutschnationalen Volkspartei ver­schärfen könnte. Deshalb wird der In­halt des Schreibens nicht eher bekannt Ä werden, als es in den Händen effaten ist. Man kann aber wohl

wegen unbefugten Waffentragens, Arbeits- behinöerung und Flugschriftenverteilung. In Lyon wurde ein Italiener wegen Vertei­lung von Flugschriften festgenommen. In St. Etienne sind 13, in Firminy 15 Verhaf­tungen vorgenommen worden. Unter den Verhafteten befinden sich ein Lehrer und eine Lehrerin. In Trappes wurde eine Rote Fahne vom Bürgermeisteramt trotz des Wi­derstandes des kommunistischen Bürgermeisters von der Polizei entfernt. In Paris und Um­gegend feiern 112 951 von insgesamt 587 460 Arbeitern.

Die Maifeiern in Belgien.

Brüssel, 1. Mai. Von einem kleinen Zwischenfall in Lüttich abgesehen, ist der 1. Mai in Belgien ruhig verlaufen. In den großen Städten wurden Umzüge ver­anstaltet, ohne daß es zu Zwischenfällen kam. In allen Bergwerken und in den großen Industrien des Borinagereoiers ruhte die Ar­beit. In den Steinbrüchen von Tournay war die Arbeitsruhe so gut wie allgemein. Im Hafen und in der Großindustrie von Gent wurde gleichfalls nicht gearbeitet. In Brüssel fand der herkömmliche sozialistische Umzug statt.

Ruhiger Verlauf der Maifeiern in England.

London, 1. Mai. Die Teilnehmer am Hungermarsch", von denen viele zu Fuß aus verschiedenen Teilen des Landes hierher gekommen waren, veranstalteten, von Polizei zu Fuß und zu Pferde begleitet, mit Fahnen Umzüge durch die Straßen der Stadt von den Themseufern zum Hydepark. Dort wurden Reden gehalten und eine Entschließung ange­nommen. in der der Kapitalismus der Ar­beiterpartei und der Regierung verurteilt wird, und die Arbeiter der Welt zum Kampf gegen die Kapitalisten aufgerufen werden.

Weder in London noch anderswo haben sich Zwischenfälle ereignet.

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Berlin, 1. Mai. Der Landtagsaus­schutz zur Vorberatung des Lrndwirtschasts- kammergesetzes setzte am Mittwoch die Einzel­beratung der Vorlage fort. Es fand ein Zen­trumsantrag Annahme, wonach die beiden Kammern in Wiesbaden und Kastel zu einer Landwirtschaftskammer für die Provinz Hes­sen-Nassau zusammenaelegt werden fallen. Zu § 5, der den Aufgabenkrets der Landwirt­schaftskammer umschretbt und grundsätzlich kaufmännische oder gewerbliche Un­ternehmen a u s s ch l i e tz t wurde ein Antrag des Zentrums angenom men, wonach die für eine Beteiligung an solch Gesellschastsunter- nehmungen erforderliche Genehmigung des Ministers festgelegt werden soll undsoweit eigene Unternehmungen der Landwirischafts- kammer zugelassen sind oder eine Beteiligung an Gesellschastsunternehmungen gestattet wor­den ist. der Vollversammlung der Kammer regelmäßig die Bilanzen und Geschäftsberichte vorzulegen sind". Zu § 7. der die Bildung der Wahlbezirke regelt, wurde auf sozialdemokrati­schen Antrag beschlossen, daß für die Gruppe der Betriebsinhaber jeder Regierungsbezirk einen Wahlbezirk bilden fall. Die Stadt Ber­lin soll einen eigenen Wahlbezirk bilden. Bei § 8, der die Wahlberecht-gung und die ^Wähl­barkeit regelt, wurde das Wablalter für die Wahlberechtigung auf 20 Jahre, für die Wähl­barkeit auf 25 Jahre festge-etzt. Die Wäblbar- keit der Arbeitgebersekretäre wurde mit 16 ge­gen 13 Stimmen angenommen Darauf wurde oie Weiterberatung des Gesetz-- auf Dienstag, dry 13. Mai vertagt.

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Wie ton erfahren, wird das Reichskäbi- nett in seiner heutigen Sitzung die laufen­den Angelegenheiten erledigen, die gestern noch nicht behandelt worden sind. Dagegen ist die Information eines Berliner Abend­blattes, wonach das Kabinett sich heute weiter mit der Osthilfe beschäftigen wird, nicht richtig. Es ist auch anzunehmen, daß dieses Problem vor Mitte nächster Woche nicht wieder aus die Tagesordnung des Kabinetts gesetzt werden wird. Der Grund dürfte darin liegen, daß die Osthilfe eine sehr schwierige und vielgestaltige Frage ist, für die noch weitere Vorbereitungen not­wendig sind, ehe das Kabinett die Weiter­beratung wieder aufnehmen kann. Bisher liegt nur der Referentenentwurf vor; es hat sich aber wohl gezeigt, daß er noch nicht zureicht. Inzwischen werden die Reichs­minister auch durch die Etatdebatte stark in Anspruch genommen sein, die ihre dau­ernde Anwesenheit im Reichstag erforder­lich macht. Anter diesen Amständen rechnet man in politischen Kreisen damit, daß die Erledigung des Gesetzes für die Osthilfe keineswegs so schnell möglich ist, wie in Anterschätzung der Schwierigkeit der Pro­bleme bisher vielfach geglaubt wurde. In politischen Kreisen wird betont, daß diese Verzögerung ganz natürlich sei, daß sie aber nichts an der festen Absicht der Reichsregierung ändere, dem Osten mit allen verfügbaren Kräften zu helfen. Ge­rade weil die Hilfe so stark wie nur möglich sein soll, beanspruche ihre Vorbereitung entsprechende. Zeit.

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Wie die Bewegungen und Strömungen innerhalb der Demokratischen Partei sich in Wirklichkeit darstellen, das wird man wahrscheinlich erst aus der Tagung des Parteiausschusses am 26. Mai erkennen können. Vorläufig gehen die Gerüchte, Erklärungen und Dementis noch wild durcheinander. Bezeichnend für die An­sicherheit ist die Tatsache, daß die Pattei- leitung die Mittellung von dem Aebertritt des Professors Hellpach zu den Volks- konservativen gutgläubig hinnahm und ihr kein Dementi entgegenzustellen wagte. Tat­sächlich ist aber diese Meldung den Tat­sachen vorausgeeilt. In Berliner politi­schen Kreisen will man allerdings wissen, daß Professor Hellpach in Verhandlungen mit den Dolkskonservativen gestanden hat, daß sie aber deshalb nicht zum Abschluß gelangen konnten, weil man im Lager der Volkskonservativen Befürchtungen in der Richtung hegt, daß man doch zu weit nach links abgedrängt werden könnte. Zumal, wenn Herrn Hellpach noch andere führende Demokraten nachfolgen würden.

Die Anzeichen über die Anzufriedenheit weiter demokratischer Wählermassen wegen der Beteiligung am Kabinett Brüning sucht die demokrattsche Patteileitung abzu­schwächen. Rach ihren Mitteilungen soll nur eine geringe Anzahl von Entschlie­ßungen, in denen die Anzufriedenheit zum Ausdruck kommt, eingelaufen sein. Die scharfe Oppositionserklärung einer Berliner Teilorganisation sucht man damit abzutun, daß sie nur von zehn Personen gefaßt worden sei. Demgegenüber steht aber doch wieder die recht seltsame Tatsache, daß eine Reihe demokratischer preußischer Landtags« abgeordneter den Geschäftsführer ihrer Fraktion ausgerechnet auf dem Weg über den sozialdemokratischen Pressedienst de­mentieren. Cs handelt sich um die Abge­ordneten Grzjmek, Ruschke, Major Hauff, Barteld-Hannover, Krehler-Barmen, Hart­mann-Berlin und Doktor Bohner, die sich als entschiedene Gegner der Regierung Brüning und damit der Beteiligung der demokrattschen Reichstagsfraktton an der gegenwärtigen Kvalitton erklären. Tat­sächlich scheint die große Mhrheit der preußischen demokratischen Landtagsabae- vrdneten die Stellungnahme der Reichs­tagsfraktion nicht zu billigen.

Im Rahmen der kommenden Etatver­handlungen im Reichstag wird ein weiteres