MiNw-M, den M. April 1930
®i* »Sbrrhrssisch« Sritimg" et- s<h«int sechsmal «vichrntlich. Bezugspreis monatlich 2.20 SM.aus- schlteßl. Zustellungsgebühr, durch di« Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt oder ele» mentet Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersatz qe» teistet. Verlag Dr. 5. Hitzervth. Druck der Unib.-Buchdruckerei Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. n. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit 'et Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (bas frühere kurhessische) Oberhessen
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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Was geht bet den Demokraten vor?
NorftmiWnMng am Montag - Parole: Austritt aus Nr Regierung Brüning
für 1930 in erster Lesung zu erledigen. Die Beratung beginnt mit einer großen Rede des Reichsfinanzminister Dr. Mol- denhauer. Nach Beendigung der Aussprache soll dann am Sonnabend der Etat dem Haushaltsausschuß überwiesen werden, der bereits am Montag seine Arbeiten beginnt. Das Reichstagsplennm wird sich am Sonnabend, um dem Ausschutz Zeit für seine Arbeit zu lassen, nochmals für eine Woche vertagen.
Bereits am Donnerstag halt der Reichsrat eine Sitzung ab. Am Dienstag, 6. Mai. nachmittags 1 Uhr, nimmt der preutzische Landtag seine Arbeiten wieder auf. Auf der Tagesordnung steht die Einzelberatung der noch ausstehenden Etats.
Re Sttervaufe ist beendet
Nach der Osterpause tritt der Reichstag am Freitag dieser Woche 3 Uhr nachmittags wieder zusammen, um den Etat
NKerheWrMn im Mkervun-
Ser SttherbettSuuMich logt fn Senf
und damit in künftigen Verhandlungen des Abrüstungsausschusses eine geeignete Plattform für die weiteren Abrüstungsverhandlungen zu gewinnen. Die allgemeine Aussprache über die grundsätzlichen Fragen der Sicherheitsfrage wird nunmehr am Mittwoch vormittag stattfinden.
Die Sicherstellung der Flugverbindungen des Völkerbundes
in Krisenzeiten gab gestern im Sicherheitskomitee Anlatz zu einer kurzen aber inter- effanten Aussprache über die Frage, ob der Völkerbund eines Tages eine eigene Luftflotte haben soll. Zn dem Entschlietzungs- entwurf, der dem Sicherheitskomitee vom Verkehrsausschuh vorgelegt worden ist, sind Wendungen enthalten, in denen der Fall berücksichtigt wird, dah der Völkerbund eine ständige eigene Luftflotte hat. Diese Wendungen veranlassen den deutschen Vertreter Eöppert zu der Erklärung, datz
die Haltung einer Luftflotte aus technischen und finanziellen Gründen «n- zweckmätzig ist
und datz der Völkerbund in Krisenzeiten, in denen allein seine Flugverbindungen zu sichern seien, Flugzeuge chartern müsie, denen im voraus unter bestimmten Bedingungen und auf. bestimmten Flugwegen das llebersliegen fremden Gebietes gestattet wird. Autzerdem betonte er die Notwendigkeit von Ausnahmebestimmungen für jene Staaten, die infolge der Friedens-Verträge keine eigene Luftflotte haben und die die Möglichkeit einer genauen Kontrolle der im Dienste des Völkerbundes verkehrenden Flugzeuge erhalten müssen.
Die .^dreuzzeitung" zu den Planen Graf Westarps.
Zu 8er Nachricht, Graf Westarp beabsichtige fein Mandat niederzulegen und aus dem politischen Leben auszuscheiden, hat sich Graf Westarp, wie die ,^rerrzzeitung" mitteilt, noch nicht geäußert. Wie sie zu wissen glaubt, ist er entschlossen, auf seinem Posten zu verirren, solange es ihm möglich ist, im Sinne einer Politik zu wirken, die seiner Auffassung entspricht.
Zu der weiteren durch die Presse gehenden Nachricht, daß am Donnerstag die deutschnationalen Fraktionsmitglieder, die den Steuergesetzen zugestimmt haben, Su einer Besprechung geladen sind, schreibt
Der Entschlietzungsentwurf fand vorbehaltlich der Äbänderungswünsche allgemeine Zustimmung.
ScheSer bei Briant
Paris, 29. April. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schober hatte heute mittag eine lange Unterredung mit Minister des Aeuhern Briand.
,llebcr die Unterredung gibt das Autzen- minssterium ein (Kommunique aus, in dem es heißt: Dr. Schober hatte Gelegenheit, Briand über dir gegenwärtige Augen- und Innenpolitik Oesterreichs sowie über dessen Wirtschaftslage zu informieren. Er erinnerte ihn vor allem an die Verpflichtungen, die Oesterreich durch seine geographische Lage in Mitteleuropa auferlegt werden, wo es ein Element der Ordnung im Dienste des europäischen Friedens bilde. Briand gab Dr. Schober die Versicherung, dah Frankreich weiterhin in seinen Beziehungen zu Oesterreich die gleiche wohlwollende Einstellung wie in der Vergangenheit zeigen werde.
Der Vorstand der Demokratischen Partei Berlin-Mitte hat folgenden Beschluß gefaßt:
„Der Dorstand der Demokratischen Partei Berlin-Mitte hat mit Bedauern und Befremden von den Vorkommnissen Kenntnis genommen, die sich bei der Bildung des Kabinetts Brüning abgespielt haben. Er erblickt in der Unterstützung dieser Regierung durch die Demokratische Partei einen Mangel an zielbewußter Führung und einen Bruch mit den Grundsätzen und Forderungen der Partei sowie eine Gefahr für ihren Fortbestand. Er ersucht den Berliner Parteitag, die sofortige Einberufung eines außerordentlichen Reichsparteitages zu fordern mit der Parole,
die Beziehungen der Partei zu der Regierung zu lösen.
Diese Forderung ist das Gebot der Stunde."
Der demokratische Parteivorstand ist laut „Voss. Ztg." auf Montag einberufen worden. Voraussichtlich wird, wie das Blatt berichtet, an diesem Tag beschlossen werden, daß der Parteiausschuß am 24. Mai in Berlin Zusammentritt, um sich mit den inneren Auseiandersetzungen zu befassen, die in der jüngsten Zeit schärfere Formen angenommen und zu der Forderung der Einberufung eines außerordentlichen Parteitages geführt haben.
Demokratische Preußenfraktion für Reichspolitik.
Der Geschäftsführer der demokratischen Fraktion des preußischen Landtags erklärte dem demokratischen Zeitungsdienst, daß die Landtagsfraktion durchaus hinter dem Parteivorstand und der Reichstagsfraktion stehe. Mit ihnen erstrebe und begrüße die deutsche demokratische Landtagsfraktion jede Möglichkeit, den republikanischen Gedanken zu festigen und auszuarbeiten. Eine scharfe Oppositionsstellung gegen die Negierung und eine dadurch herbeigeführte, wenn auch unabsichtliche Unterstützung der Sozialdemokratie, die doch ganz allein den Anlaß zu der gegenwärtigen politischen Entwicklung gegeben habe, sei wegen der unausbleiblichen Rückwirkungen auf die anderen preußischen Koalitionsparteien nur geeignet, die bisherige feste republi- kanische Koalition in Preußen zu gefährden. Für die Deutsche demokratische Partei bestehe nicht der geringste Anlaß, durch unnötige Erregung besonderer Aufmerksamkeit die Auseinandersetzung zwischen Zentrum und Sozialdemokratie ab- guschwächen.
Gegen den Bau des Panzerschiffes B.
Darmstadt, 29. April. Die hessische demokratische Landtagsfraktion hat heute an die Reichstagsfraktion in Berlin das dringende Ersuchen gerichtet, gegen den Bau des Panzerkreuzers B. zu stimmen
Der Ausschuß hat am Dienstag die Beratungen über die Hauptfrage dieser Tagung, das Abkommen zur
Stärkung der kriegsverhütenden Maßnahmen des Völkerbundsrates begonnen. England legte ein kurzes Memorandum vor, das im wesentlichen fordert, datz in die Präambel des Abkommenentwurfs die Grundgedanken des Kellogg- paktes eingebaut werden. Ferner soll das bisher vorgesehene Teilabkommen des Völkerbundes in ein allgemeines Abkommen aller Staaten umgewandelt werden, das bereits nach der Ratifizierung durch zwei Mitgliederstaaten des Völkerbundes in Kraft treten soll. Die weiteren Weisungen für ihre Abordnung im Sicher- heitsausschutz behält sich die englische Regierung vor. Man erwartet, datz diese Weisungen grundsätzliche neue Vorschläge enthalten werden.
Lord Robert Cecil verlangte sofortigen Eintritt in die Einzelberatung des Abkommensentwurfes, da die grundsätzlichen Fragen bereits auf den vorhergehenden Tagungen hinreichend erörtert worden seien. Der französische Dertteter verlangte dagegen eine allgemeine grundsätzliche Aussprache über die politischen Seiten der Sicherheitsfrage. Diese französische Haltung wird hier allgemein so aufgefatzt, datz' die französische Regierung diese Tagung des Sicherheitsausschusses benützen will, um von neuem ihre hinlänglich bekannten Sicherheitsforderungen vorzubringen, die auf der Londoner Flottenkonferenz eine so grohe Rolle gespielt haben und um die bekannte französische Verbindung der Abrüstung mit bei Sicherheitsfrage sich erneut vom Sicherheitsausschutz bestätigen zu lassen.
Offenbar geht die franzöfische Taktik dahin, durch eine enge Verknüpfung der Sicherheits. und Abrüstuagsfrage aus den polittschen Gegensätzen in der Sicherheitsfrage Rückschlüsse für die Unmöglichkeit einer allgemeinen Ab- rüstnng ziehen zu können
das Blatt weiter, dies möge zutreffend fein, fei aber keine Sensation, die eine Indiskretion wert gewesen wäre. Vorbesprechungen dieser Art zwischen Fraktionsmitgliedern hätten schon häufiger stattgefunden. An dem Rätselraten über das Ergebnis dieser Besprechungen, über das besonders der „Vorwärts" aus durchsichtigen Gründen Einzelheiten bringen zu müssen glaubt, beteiligen wir uns nicht. Wir halten es für verfehlt, die Lage, die ernst und verantwortungsvoll ist, zu verschärfen. Wir warten den weiteren Verlauf ab.
rageWegel
Nachdem es unter unendlichen Mühen und unter starken Erschütterungen des Parteilebens gelungen ist, der Regierung durch Gewinnung von Stimmen auf der Rechten eine knappe parlamentarische Basis zu verschaffen, wird sie jetzt mit einem Mal auf ihrem linken Flügel wieder ernsthaft bedroht. Der Vorstand der Demokratischen Patter Berlin-Mitte fordett den sofortigen Abbruch der Beziehungen der Patter zu der Regierung und in ähnlicher Weise haben sich schon verfchiedenePatteiorganisa- ttonen im Lande geäußert. Angesichts dieser Stimmungszeichen wird nun kurz nach der deutschnationalen Parteivorstandssit- zung auch die Demokrattsche Partei ihren Vorstand zu einer entscheidungsvollen Sitzung auf den nächsten Montag einberufen. Man rechnet ferner mit einem Zusammentritt des Parteiausschusses am 24. Mai in 'Berlin, der sich mit den Auseinandersetzungen befassen soll, die zu der Forderung nach schneller Einberufung eines außerordentlichen Parteitages geführt haben. Man muß durchaus mit der Möglichkeit rechnen, daß nach diesen beiden demokratischen Tagungen die Reichstagsfraktion sich gezwungen sehen wird, den Forderungen der Regierung Brüning in vielen Fragen entschiedenen Widerstand zu leisten, wenn sie nicht überhaupt ihre Beteiligung an der Regierung zurückzieht. Die Wahrscheinlichkeit wird also größer, dah trotz der Spaltung im deutschnationalen Lager die Reichstagsauflösung und Reuwahlen in Kürze zu erwarten sind. Dann würde also auch die Frage wieder aktuell, über die der volksparteiliche Führer Scholz mit dem Demokraten Koch, mit dem Wirtschaftsparteiler Bredt und dem Volkskonservativen Treviranus vor kurzem schon Verhandlungen geführt hat und die die Bildung eines Wahlkartells für die Reichstagswahlen betrafen. Mit der Schicksalsfrage der Regierung drängt auch die Frage nach der Umgestaltung des deutschen Parteilebens zur Entscheidung.
Wie ton erfahren, erwägt man in Regierungskreisen den Gedanken, das Ge- setzfürdieO st Hilfe durch ein Junktim mit einer anderen Vorlage zu verbinden, deren Ablehnung vom Reichstag für ausgeschlossen gehalten wird. Dieser Gedanke ist verständlich, wenn man bedenkt, daß von der Durchdringung der Ostgesetze hn Reichstag die Hilfsmaßnahmen fiir die notleidende Landwirtschaft in hohem Maße abhängig sind. Man denkt in Regierungskreisen an eine Bindung zwischen Ausgabenetat und Osthilfegesetz. Da beide Materien innerlich verwandt find und auch sachlich ineinander übergreifen, wäre eine solche Verkoppelung sehr wohl möglich. In Regierungskreisen glaubt man, auf diese Weise eine größere Mehrheit, vor allen Dingen aber eine sichere, für die Gesetze zu erhalten. In diesem Zusammenhang muh man daran erinnern, dah sowohl in Kreisen der Demokraten als auch bei den Zentrumsgewerkschaftlern Bedenken gegen das Agrarprogramm der Regierung bestehen, die im Parlament eventuell zu einer Riederlage des Kabinetts führen könnten. Ein endgültiger Beschluß der Reichsregierung über ein solches neues Iunttim liegt bisher nicht vor und wird auch erst gefaßt werden, wenn sich die politische Situation nach dem Wiederzusammentritt des Reichstags klarer überschauen läßt.
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Alle Londoner Blätter veröffentlichen Auszüge aus dem sechsten Band der britischen Dokumente zur Entstehung des Krieges. „Times" sagen, die zum ersten Male veröffentlichten Dokumente sollten die Deutschen endlich davon überzeugen, daß Großbritannien an keinerlei macchiavellistischer Verschwörung gegen sie beteiligt war, und daß feine Bemühungen um eine Einigung gut gemeint, aber erfolglos waren. „Daily Herald", das Blatt der Arbeiterpartei, dagegen sieht in dem Inhall des Buches einen neuen