SvnmrM, ttn 24. Mil 1930
^LE-rhessisch« Zeitung" et- scheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2.20 GM^lUs- schiießl. Zerstellungsgebühr, durch dl» Post 2.45 SM. Für etwa durch Streik, Maschtnendefekt oder elementare Ereignisse ausfallende Nummern wird kein Ersah geleistet. Verlag Dr. §. Hitzervth. Druck der Unid.-Buchdruckerek Job- Aug- Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Nr. 54. tu Nr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 und
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Anzeiger für (das frühere kurheffifche) Oberhessen Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
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Trier, 23. April. Heute vormittag «m 11.45 Uhr wurde Trier plötzlich durch eine« gewaltigen Schlag erschüttert. Die Häuser zitterten, die Fensterscheiben klirrten. Bald darauf wurde bekannt, daß die französische Besatzung auf dem Exerzierplatz Erüneberg angeblich eine Sprengung von Munition vorgenommen habe. Die genaue Ursache konnte noch nicht festgestellt werden. Auf der von der Spreng- ftelle 250 Meter Luftlinie entfernt gelegene Domäne Avelsbach wurden durch den Luftdruck an drei Doppelhäusern die Dächer abgedeckt bezw. schwer beschädigt. Zm Inneren der Gebäude wurden Stuck uud Verputz abgerissen, die Türen aus den Angeln geworfen und Fensterscheiben zertrümmert. Ein auf dem Dach mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigter alter Mann wurde ins Innere des Hauses geschleudert, blieb unverletzt. Auch sonst sind dort Personen nicht verletzt worden. Der Luftdruck war so stark, tag im Tal spielende Kinder von ihm umgewor- fen wurden. Die Bewohner der Domäne waren von der Sprengung nicht vorher in Kenntnis gesetzt worden. Auch auf dem Exerzierplatz selbst sollen Schuppen beschädigt worden sein, doch war näheres nicht festzustellen, da der Platz durch Soldaten streng abgesperrt gehalten wird.
Die Aktien der B. 8.8.
Sr. Me StellwrtkM des Smer-IdireNvrs
der ersten Sprengung liefen die Be- dem Posten und
In einiger Entfernung war ein Posten ausgestellt. der die Leute mit der Warnung zu- rückhiclt, drüben werde zweimal gesprengt.
nachrichtigen, damit die zweite Sprengung nicht vorgenommen werde. Dies geschah denn auch. Heute nachmittag haben bereits eine Kommission der deutschen Behörden und der französischen Besatzungsbehörden die Schäden im einzelnen festgsstellt.
Manöver in Lothringen.
Dem „Matin" wird aus Nancy gemeldet, datz im Herbst dieses Jahres Lothringen der Schauplatz grosser Manöver sein werde. Diese Manöver würden 10 Tage dauern und in der Gegend zwischen Meurthe und Saar während der ersten Hälfte des
wohner der Domäne zu dem Posten und forderten ihn auf, den kommandierenden Offizier von dem entstandenen Schaden zu be-
seiu Stellvertreter Fräsen allein unterschriftsberechtigt sind, während alle übrigen ' Unterschriften durch Gegenzeichnung zu erfolgen haben.
In gewissen Kreisen der BIZ-Leitnng hegt man die leise Befürchtung, datz durch die starke Nachfrage nach den BIZ-Ak- tien das Interesse für die deutschen Obligationen, deren Mobilisierung speziell im Jahre 1930 die Hauptaufgabe der Bank sein wird, beeinträchtigt werden könnte.
Uebereinstimmend herrschte jedoch die Ansicht, datz vorerst die Aktien begeben werden sollen, und zwar soll der Emissionspreis, ob nun die Aktien freigegeben werden oder ob sie von Syndikaten unter Umgehung der öffentlichen Zeichnung übernommen werden, so festgesetzt werden, datz die Emissionskosten gedeckt werden. Die Schweizer Nationalbank wird voraussichtlich zirka 6000 Titel übernehmen, die größtenteils ohne öffentliche Zeichnung an das Kartell der Schweizer Banken gehen, wenn es die Nationalbank nicht vorzieht, selbst ein großes Paket der Aktien zu behalten. Der Zinsfutz der Obligationen der Reparationsanleihe, der bekanntlich auf 6 Prozent festgesetzt ist, dürste angesichts der auf den Finanzmäkrten herrschenden Baisse dazu angetan sein, eine relastv rasche Unterbringung der ersten Tranche der 300 Mill. Dollar Reparationsanleihe zu sichern.
lleber die bereits gemeldete Munitionssprengung ist noch zu berichten: Die französische Besatzung hatte eine Anzahl Fässer mit Sprengstoffen, die aus Geschossen stammten, nach dem ehemaligen, von ihr belchtagnahm- ten deutschen Ererzierplatz auf dem Erüneberg fahren lassen, wo die Sprengstoffe vernichtet werden sollten. Der kommandierende Offizier ließ eine Grube graben und in diese die Sprengstoffe schütten.
Di« Sprengung ritz «inen Trichter von vier bis fünf Meter Tiefe und zehn bis zwölf Meter Durchmesser am oberen
Rande.
Die Erplosion wurde viele Kilometer weit gehört, brachte die Häuser zum Erschüttern und die Fensterscheiben zum Klirren. Auher den sechs Häusern der staatlichen Domäne Avelsbach wurde auch an einem auf dem Ererzierplatz selbst stehenden Wistschastshaus schwerer Schaden angerichtet. Die Fenster wurden zertrümmert, die Türen beschädigt, die Gesimse teilweise herausgenssen, im Innern Möbel und Geschirr beidjäbtgt. Viele Bewohner wurden an die Wand geschleudert, ohne datz jedoch jemand verletzt wurde. Schwer gelitten hat auch das Vorwerk des Gutes Grünhaus. Hier wurden mehrere Decken durchbrochen, die Fensterscheiben zertrümmert und Schaden an Model und Geschirr angerichtet. Ein Knecht des Vorwerks, der sich auf dem Heimweg befand, wurde
tarch die Erplosion vom Pferd geworfen «nd blieb schwer verletzt liegen.
In verschiedenen Orten der umliegenden Täler wurde Schaden an Fensterscheiben und Schornsteinen angerichtet. 3n der Kirche von Ruwer fiel ein Teil des Verputzes von der Decke. Die Kommunionskinder, die gerade vom Pfarrer unterrichtet wurden, verliehen, von Panik ergriffen, die Kirche ffuchtartig. Die Besatzung haste den deutschen Behörden von der beabsichtigten Sprengung keinerlei Mitteilung gemacht, so datz diese nicht m der Lage waren, irgendwelche Vorkehrungen zu treffen. 3n einem gewissen Umkreis um die Sprengstelle waren allerdings einzelne Posten ausgestellt, die die Leute von dem Betreten der Wege abhielten.
Auch die Domäne Avelsbach «ar nicht benachrichtigt worden.
SieMbmiktinktor Wie
Der in der heutigen Sitzung des Verwaltungsrats der BIZ. zum ^Stellvertreter der Eeneraldirektion gewählte Reichsbankdirektor Ernst H u e l s e, geboren 1881, steht seit 1906 im Dienste der Reichsbank. Nach längerer Tätigkeit im Provinzdienst kam er 1918 in die Statistische Abteilung der Reichsbank. Er wurde 1925 von hier nach Hamburg versetzt als zweiter Vorstandsbeamter der Reichsbankhauptstelle daselbst und 1926 nach Berlin an die Stelle eines Referenten beim Reichsbankdirektorium zurückberufen. Er hat hier insbesondere die Reichsbank in der Beratungsstelle für Auslandskredite beim Reichsfinanzministerium vertreten, allgemeine kreditpolitische Fragen bearbeitet und an der Pflege der Zusammenarbeit der Zentralnotenbanken grösseren Anteil genommen. Zn Baden-Baden und im Harz hat er an den vorbereitenden. Verhandlungen für die BIZ. teilaenommen.
Monats November unter der Leitung des Militärgouverneurs von Stratzburg, General Bröcard, abgehalten werden. Attive und Reservisten würden daran teilnehmen. Nutzer 3nfanterie-, Artillerie- und Kavallerie-Divisionen würden auch Tankwagenabteilungen und Luftgeschwader mitwirken. — Auherdem werden in der Gegend von Metz unter dem Oberbefehl des Militärgouverneurs von Metz General Lac av eile Manöver mit der besonderen Aufgabe stattfinden, die Verteidigung dieser Gegend durch Luftgeschwader zu studieren.
Zwei Kinder durch eine Gasgranate getötet.
Paris, 23. April. 3n Münchhausen /Departement Oberrhein) fanden am Ostersonntag drei Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren eine Gasgranate, die, während sie mit ihr spielten, erplodierte. Zwei der Kinder sind infolge der Gasoergfftung gestorben.
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MunittonMenglmg bei Trier — AerbünMvvHe Folgen — Keinerlei Mitteilung an die Anwobner
wtb. Basel, 23. April. Die heutige Sitzung des Verwaltungsrates der BIZ. begann kurz vor 11 Uhr und ging um 13.30 Uhr zu Ende. Wie der Vertreter der Schweizerischen Depeschenagentur erfährt, genehmigte der Verwaltungrat drei Berichte: Einen Bericht über die Besoldungsfragen, den Reichsbankpräsident Dr. Luther erstattete, einen weiteren von Mac Earrah erstatteten Bericht über die Fragen der inneren Organisation und schließlich einen Bericht über die Fragen der Emission der Aksten der BIZ. Berichterstatter über diese Fragen war der Amerikaner Fraser.
Es wurde beschlossen,
die Aktien der Bank acht Tage nach der vollständigen Ratifikation des Poungplanes durch alle Staaten zu emitieren, und zwar zu pari.
Weiter wurde beschlossen, mit der Tschechoslowakei, Ungarn und Bulgarien ein gleiches Trust-Agreement abzuschließen, wie dies bereits mit den sieben Gründermächten der BIZ. besteht, sobald die Ost- reparationsfragen in Paris erledigt sind.
Zn dem Vestcht über die innere Orga- nisaston und zur Vesoldungsfrage wurde festgestellt, daß gegenüber den Kosten zur Durchführung des Dawesplanes, die jährlich 1,5 Millionen Dollar betrugen, erhebliche Ersparnisse erzielt werden können. Der Reparationsagent Praker Gilbert hatte in Berlin ein Büro, das 130 Personen beschäftigte. Dazu kamen noch 50 Personen der Reparationskommission in Paris. Die Bank will ihre Tätigkeit nunmehr mit einem Personal von u n - gefähr 50 Leuten aufnehmen.
Im weiteren Verlaufe wurden einige Wahlen vorgenommen, und zwar wurde
zum Vorsteher des eigentlichen Bank- departements «nd Stellvertreter des Eeveraldirektors der Deutsche Dr.
Huelse gewählt.
Zum Generalsekretär der Bank wurde der Italiener P i l o t t i ernannt. Die Abteilung für Emission und Znvestitionsfra- gen wurde dem Belgier Marcal van Zeeland übertragen; die Abteilung für die Beziehungen zwischen der BZZ. und den verschiedenen nationalen Emissionsbanken bleibt vorläufig unbesetzt und wird interimistisch von Generaldirektor Pierrö Quesnay verwaltet. Für die Abteilung Devisen und Währungsfragen wurde ein Japaner bestellt. Was die Frage der Unterschriftsberech- tigung betrifft, so wurde diese dahin geregelt, daß Präsident Mac Earrah und
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Die Wahl des Franzosen Quesnah zum Generaldirektor der B.I.Z. wird in Deutschland allgemein mit Erbitterung ausgenommen und als eine Brüskierung empfunden. Die „D. A.Z." bezeichnet den Auftakt der B. als unerfreulich. Die Amerikaner würden in hohem Maße die Verantwortung dafür übernehmen müssen, ob die zukünftige Geschäftsführung der Bank einseitig werde oder nicht. Die „Germania" sagt, die erste Sitzung habe durch die Wahl Ques- nahs für Deutschland bereits eine schwere Enttäuschung gebracht. Dadurch habe das neue Institut sein Ansehen und feine Autorität in Deutschland zweifellos nicht be- festigtt Die „Börsenzeitung" schreibt, man könne nur mit Empörung und Erbitterung von der Wahl Quesnays Kenntnis nehmen. Sie spreche nicht nur dem ganzen Sinn des Boungplans, der doch eine „wirtschaftliche" und keine politische Neuregelung der Reparationsfrage bringen sollte,' sie bedeute auch einen schweren Affront Deutschlands, über dessen gute Gründe man sich in Basel achselzuckend hinweggesetzt habe. Der „Börsen- Eourier" bedauert diese Entscheidung, die man als ein ungünstiges Omen für die internationale Zusammenarbeit in der Bank ansehen müsse. Die „Deutsche Tageszeitung" sagt, die WahlQues- nahs bedeute einen Schlag nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen alle diejenigen, die in der zukünftigen Bank für Internationale Zahlungen noch so etwas wie ein Instrument rein sachlicher und aus internationalem Ausgleich bedachter Reparationspolitik hätten erblicken wollen. Rach dem „Tag" ist die Wahl Quesnays nur ein Beweis mehr dafür, daß die Haager Abmachungen em politisches Instrument seien und die „Bank für den internationalen Zahlungsausgleich" nur em kaufmännischer Ersatz für den, Reparationsagenten sei, in dem bisher das deutsche Volk seinen Fronvogt sah.
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In den letzten Tagen beschäftigt sich die Presse wieder stark mit den A g r a r f t a • gen. Die Erhöhung der Zölle für Getreide und Futtergerste sei, so heißt es in einigen Pressekommentaren, nicht gerecht fertigt und entspreche auch nicht dem Beschluß des Reichstages, wonach ein Richtpreis von 260 Mark für Weizen festgesetzt sei. Demgegenüber wird von zuständiger! Stelle darauf aufmerksam gemacht, dahi der Weizenrichtpreis ebenso wie der Roggenrichtpreis in Höhe von 230 Mark auf Grund eines Beschlusses der im vorigen Jahr eingesetzten Kommission zur Rachprüfung der auf dem Gebiete der Getreidewirtschaft notwendigen Maßnahmen festgesetzt wurde. Man hat damals unter ausdrücklicher Zustimmung der Vertreter der Verbraucher für Roggen 220 bis 240 Mark und für Weizen 250 bis 270 Mark als angemessenen Preis festgesetzt. Später bet der Gesamtregelung hat man fesfftehende Durchschnittspreise für Weizen und Ringen, und zwar für Roggen 230 und für Weizen 260 Mark festgesetzt. Auf diesen Durchschnittspreis hat man auch bei der letzten Beratung der Agrarvorlage im Reichstag wieder zurückgegriffen. Man hat gesagt, daß der Preis ein Druchschmtts- preis sei, aber ausdrücklich betont, daß er einen Durchschnittspreis für das ganze Jahr darstellt, daß die Marktpreise al, o, wenn sie zeitweilig unter den 9^1^:613 gingen, auch vorübergehend über den Richtpreis steigen müßten, damit der Charakter des Durchschnittspreises gewahrt sei.
Gestern sind ferner Nachrichten über die Erhöhung der Einfuhrscheine in die Presse gelangt Der Reichsernährungs- minister habe im Kabinett in der Frag« der Cinfuhrscheine neue Forderungen gestellt. Auch hier wird, wie wir von zuständiger Stelle erfahren, Richtiges mit falschen Kombinationen in Zusammenhang gebracht. Im übrigen ist die Beratung dieser Frage eben erst begonnen worden.