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Mittwoch,

dm 23. Avril 1930

DK »Lcherhrssischr Zeitung" er­scheint sechsmal wichentlich. Be­zugspreismonatlich 2.20 GM.aus- schikßl. Zustellungsgebühr, durch die Post 2.45 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefekt »der ele« mentest Erelgnlst« ausfallende Niumner» wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag Dr. §. Hitzeroth. Druck der Unib.-Bnchdruckeret Zoh. Aug. Koch, Markt 21/23 Fernsprecher: Rr. 54. u. Rr. 55. Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. Sprechzeit er Redaktion bon 1011 und

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Marburger ZageßaWiger

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Der AbWO brr UMenkonferW

eint Einigung mit grnntteüb und Stallen ist nicht zustande gekommen Echem Reben AM Abschluß

London, 22. April. Im Gegensatz zur Eröffnung der Konferenz vor drei Mo­naten, die im dichtesten Londoner Nebel er­folgte, strömte heute Heller Sonnenschein durch die Fenster des berühmten Oueen-Anne- Salons im St. Iames-Palast. Die Schluß- sitzung machte einen sehr feierlichen Ein­druck. Alle Delegierten erschienen im Geh­rock und im Zylinder. Als erster traf M a c - donald ein. Wohl zum ersten Male in ihrer Geschichte sahen die Staatsgemücher des St. James-Palastes Vorkehrungen zur Aufnahme von Lichtbildern und Sprechfilmen.

Pünktlich um 10.30 Uhr erhob sich Mac- donald. Er verkündete, daß

die nächste Flottenkonferenz im Jahr« 1935 stattfinden werde,

anher wenn besonders glückliche Ereignisse eintreten, die sie nicht notwendig machen. Er erklärte weiter: Die Delegationshäupter ha­ben erwogen, welches der passendste Titel sein könnte, unter dem die Konferenz bekannt sein soll. Ich mache den Vorschlag, daß sie be­kannt sein soll unter dem NamenLondoner Flottenkonferenz und Vertrag vom Jahre 1930. Die Konferenz stimmte dem zu. Macdonald sagte weiter, wir sind so weit gegangen, wie wir augenblicklich gehen konn­ten, und wir sind zusammengekommen, um unsere Punkte, in denen wir Uebereinstim- mung erzielten, zusammenzustellen und sie in einem Vertrag niederzulegen. Verglichen mit Washington oder Genf sind wir weit fortgeschritten, verglichen mit unseren Wünschen, sind wir noch im Rück- Sand. Dies ist nur eine weitere Phase, und ie Arbeit wird fortgesetzt werden müssen.

Wir werden die Probleme in Angriff neh­men. die sich bisher nicht lösen ließen. Wir müssen uns jedoch zu dem Erreichten beglück­wünschen, weil immer und immer wieder ein falsches Wort eine Lage hätte erzeugen kön­nen, die nicht leicht zu beschwichtigen ist. Wir trennen uns heute in einem Geist aktiven Wohlwollens, und wir wollen alle M i t t el benutzen, um einen Fünfmächtevertragzur Wirklichkeit zu machen.

Nach Macdonals ergriff Stimson das Wort, um unter anderem zu erklären, der Vertrag setzt unsere Flottenbeziehungen zu dem britischen Reich auf gerechter, dauer­hafter Grundlage fest und stellt mit unseren japanischen Nachbarn Beziehungen her, die eine wachsende Freundschaft mit diesem großen Lande, das wir als einen Faktor der Ruhe und des Fortschritts in Ostasien be­trachten, verbürgt.

Erfreulicherweise setzten Frankreich «nd Italien ihre Verhandlungen fort in der Hoffnung, «in Fönfmächteahkommen über di« Einschränkung btt Flottenrüstungen her- zustellen.

Amerika glaubt, daß die Rüstungsbegrenzung durch gegensettige Vereinbarung die wirk­samste Methode ist, um das Vertrauen der Nationen auf den gegenseitigen Fnedenswil- len zu stärken. Die F l o t t e n b e sch r ä n - jung ist der beste Gradmesser des Glaubens der Wett an die Möglichkeit einer Regelung der internationalen Fragen durch friedliche Mittel.

Sodann erklärte B r i a n d, Frankreich sei den Ideen treu geblieben, die stets ferne friedlichen Handlungen geleitet, insbesondere denen der Verbindung der Arbeit der Konferenz und derjenigen der Genf er Vorbereitenden Kommission, die von neuem den Grundsatz der gegenseitigen Abhängigkeit der Rüstungen hervortteten lasse. Trotz des zeitweiligen Rückschlages m Genf in der rationellen Organisation, der Sicherheit und seiner schweren militärischen Verantwortlichkeiten in verschiedenen Ueber- seegebieten habe Frankreich nicht gezögett, vor dem Abschluß einer allgemeinen Kon­vention ferne Rüstungen soweit zu verhindern, vis es für vereinbar mit seiner eigenen Sicher­heit und den Notwendigkeiten seiner inter­nationalen Verpflichtungen erachtete. Bttand sprach sein tiefes Bedauern darüber aus, daß der Dreimächtevertrag keine größere Aus­dehnung gefunden habe.

Die französisch« Regierung werde iedoch alle Anstrengungen unternehmen, um bk letzte« Schwierigkeiten zu überwinden. Sie tonne nicht daran glauben, daß zwei große

befreundete Nationen nicht in der Lag« seien, ein freundschaftliches Abkommen zu treffen.

Der italienische Delegierte Siri an ni er­klärte, die faschistische Auffassung des Pro­blems habe stets die Herabsetzung der Rüstungen auf den niedrigst möglichen Stand befürwortet. Italien wolle nur rein defeni'ive Rüstungen. Italien sehe mit Vergnügen dem Augenblick entgegen, an dem die Verhandlungen mit dem befreunde­ten Nachbarland mit dem besten Willen zum Erfolg wieder ausgenommen werden, um zu einem den Dreimächtepaft ergänzenden Ab­kommen zu führen.

Am 12.40 Uhr wurde der Vertrag von den Delegierten unterzeichnet.

Die Rückkehr Rauschers.

Berlin, 22. April. Eine Zeitung bringt die Meldung, der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, sei tele­graphisch von seinem Urlaub aus Nizza zurückgerufen und nach 24stündigem Auf­enthalt in Berlin nach Warschau zurück­gekehrt. Wie wir von zuständiger Stelle hören, ist davon nur richtig, daß Rauscher nach Warschau zurückgekehrt ist, weil sein Urlaub abgelaufen ist. Die Annahme, daß Gesandter Rauscher nach Warschau zurück­kehre, um über die Protestnote Polens und über die Zollerhöhungen zu verhan­deln, beruht aus Kombinationen.

Luesrm Direktor der B.F.8.

VttwaltungSptättdsnt Rm Snmch

tu. B a s e l. 22. April. In der heutigen konstituierenden Sitzung des Verwal­tungsrates'der Banlk für interna­tionale Zahlungen. die unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde Direktar Pierre Ques- naq von der Banque de France mit allengegen die deut scheStimme zum Direktor der B. I. Z. ge­wählt. Im Namen der deutschen Ab­ordnung hatte bereits vorher Reichsbank­präsident Dr. Luther eine besondere Er­klärung abgegeben, in der die deutsche Delegation sich gegen die Wahl eines Franzosen zum Generaldirektor aus­sprach. Dr. Luther betonte, daß diese Stel­lungnahme eine prinzipielle sei und sich nicht gegen die Person des Direktors Pierre Qursnaqs von der Bank von Frankreich richte. Ferner wurde einstim­mig zum Verwaltungspräsidenten der Bank, wie vorgesehen, der Amerikaner MaeGarrah von der Neuqorker Fede­ral Reservebank ernannt.

Luthers Protesterklärung.

Die motivierte Erklärung, die Reichs- bankprüsident Dr. Luther in der Sit­zung des Verwaltungsrates der BIZ. bei der Aussprache über die Wahl des Gene­raldirektors abgab, hatte, wie von der Reichsbank mitgeteilt wird, folgenden Wortlaut:

Wir wünschen alles für uns Mögliche zu tun, um den Präsidenten in der Füh­rung der Bank zu unterstützen. Wir wür­den es auch begrüßen, wenn der General­direktor einstimmig gewählt werden könnte. Es handelt sich indessen für uns um die grundsätzliche Frage des Charakters der Bank, womit die Stellung Deutschlands innerhalb der Bank unlöslich verbunden ist. Auf dem Wege, der zur Entstehung der Bank ge­führt hat, ist

bet Grundsatz der Parität zwischen Deutschland als dem einzigen Schuld­nerland und Frankreich als dem hauptsächlichen Gläubigerland zum deutlichen Ausdruck gekommen. Bei­den Ländern weisen der Aoungplan und die Statuten der Bank eine bevorzugte, aber gleichberechtigte Stelle in der Bank zu. Gerade auch auf diesen Grundsatz der Parität hat das deutsche Volk in seiner dem Doungplan zustim­menden Mehrheit die Erwartung gegrün­det, daß die neue Bank ein nutzbringen­des Instrument nicht nur der Weltwirt­

schaft im allgemeinen, sondern namentlich auch der Zusammenarbeit zwischen Frank­reich und Deutschland sein würde. Die drei deutschen Mitglieder des Verwal­tungsrates geben unter keinen Umständen die Bemühungen auf, die neue Bank in dem eben genannten Sinne zu entwickeln. Im Einklang 'mit der Anschauung des deutschen Volkes müssen wir jedoch unsere Auffassung aussprechen dahin, daß

die Wahl des Herrn Pierre Quesnay zum Generaldirektor dem vorerwähn­ten Grundsatz der Parität nicht ent­sprechen würde.

Wir sehen uns daher zu unserem Be­dauern aus ernsten und grundsätzlichen Erwägungen gezwungen, gegen die Wahl des Herrn Pierre Quesnay zum General­direktor zu stimmen.

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aebtriail auf Minister Stilette

Stuttgart, 22. April. (WTB.) Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Der württembergische Iustizminister Dr. Bey­erls wurde heute nachmittag zwischen 5 und 6 Ahr in seinem Arbeitszimmer von dem 45 Jahre alten verheirateten Händler Karl Stängler aus Stuttgart, den er wegen seines Gnadengesuches für die in der Strafanstalt befindliche Frau Stängler empfangen hatte, mit einem Stilett­messer angefallen und bei der Ab­wehr an der linken Hand verletzt. Aach den bisherigen Feststellungen ist die Verletzung glücklicherweise nicht gefährlich. Der Minister wird sich aber voraussichtlich einige Zeit Schonung auferlegen müssen. Auch der zu Hilfe eilende Ministerialhaus- inspektor Hagele wurde an der Hand leicht verletzt. Der Täter konnte entkom­men. Die Polizei hat sofort die notwen­digen Schritte zur Ergreifung des Täters eingeleitet.

Motorrabungknck.

Plauen, 22. April. Ein schweres Ver­kehrsunglück ereignete sich am ersten Oster- feiertag auf der Mühltroffer Höhe zwischen Obcrnick und Mühltroff. Auf der Anhöhe stand ein schwer beladener Lastkraftwagen mit Anhänger, der mit der Vorderachse in den Straßengraben, geraten war, während der Anhänger auf der Straße stand. Abends gegen 9 Uhr fuhr, während dichter Nebel über dem Gelände lag, ein Motorrad, gegen den Anhänger. Der Fahrer und sem auf dem Soziussitz mittahrender Freund wurden vom Rade geschleudert und blreben ichwer- verletzt liegen. Beide wurden ms Kranken­haus nach Plauen gebracht, wo sie noch in der Nacht ihren schweren Verletzungen er­lagen

Meßsptegti

Die Arteile der Blätter über die gestern in London unterzeichneten Flott e na b» kommen sind recht geteilt Von einigen Pariser Blättern wird erklätt, daß der ver­hängnisvolle Rüstungswettbewerb zum Stillstand gebracht wurde und die Soli­darität aller Völler und die Notwendigkeit einer gemeinsamen Bemühung um den Frieden gründlicher wie bisher zum Aus­druck gekommen sei. Die Haltung Ameri­kas wird als Annäherung an den Geist von Genf und Locarno aufgefaßt. Man er­wartet daß London und Washington auf Rom dauernd einen Druck ausüben wer­den, damft das gestern unterzeichnete Ab­kommen Gültigkeit behalte. Die Tattik der französischen Delegation wird als geschickt und erfolgreich bezeichnet. Nicht so zu­versichtlich ist derAvenir-. Er hebt hervor, daß die gestrigen Erklärungen des italienischen Vertreters äußerst kühl gewe­sen seien und keineswegs eine besondere Anerkennung für Briands entgegenkom­menden Wvtte enthalten hätten.Ami du Peuple" spricht von einem Fiasko für die europäischen Mächte. England und die Vereinigten Staaten könnten jetzt nach Belieben materiell und industtiell die euro­päischen Stalen aushungern.

Figaro- erklärt, die allgemeine Ab­rüstung beginne mit der Aufrüstung der wohlhabendsten und reichsten Äatton. Ganz unzufrieden mit dem Verlauf der Dinge ist das Blatt der Radikalen sowie das sozia- listtsche Organ.

Von den englischen Blättern wird der Abschluß des Vertrages der Londoner Flottenkonferenz mit Befriedigung ausge­nommen. DieTimes- sagen, der Miß­erfolg des Versuches zum Abschluß eines Fünf-Mächte-Vertrages und die lange Verhandlungsdauer hätten den Ausblick für die Gröhe der geleisteten Arbeit etwas in den Hintergrund treten lassen. Obwohl der Abschluß des Drei-Wächte-Abkommens die hervorragendste Leistung der Konferenz bleibt, würde es ein Fehler sein, die Wich­tigkeit der Vereinbarungen zu unterschätzen, die alle fünf Mächte unterzeichnen konnten. Für die künfttgen Verhandlungen zwischen % Frankreich und Italien sehen dieTimeS" in den gestrigen Schlußettlärungen von Briand und Admiral Sirianni ein günsttges Vorzeichen.

ImDaily Telegraph- heißt es, nirgendswo könnte ernstlich bezweifelt wer­den, daß der Londoner Vertrag einen be­deutsamen Fortschritt auf dem Gebiet der Herabsetzung der Flottenrüstungen der europäischen Mächte darstelle.

Die konservativeMorning Post- meint, die Schwierigkeiten würden erst in Genf kommen, wenn alle Mächte mit Ausnahme der Vereinigten Staaten ihre Kämpfe erneut ausfechten würden. Im Zusammenhang dürfe man sagen, daß Lon­don Washington verbessett habe. Es müsse natürlich zugegeben werden, daß die Schutz­klausel des Drei-Mächte-Vertrages ihn zu einem Pakt machen könne, der kein Patt mehr sei.

Die einzige scharfe Krittk übt der sMa- listtscheDaily Herald-. Begrenzung sei keine Herabsetzung, so sagt das Blatt, und noch viel weniger stelle der Vertrag, in irgend einem Sinne eine Weltabrüsttmg dar.

Reben der Anterzeichnung der Londoner Flottenabkommen bildet die erste Sitzung d esDerwaltungsratesderBIZ. das Hauptereignis des gestrigen Tages. Die Pariser Morgenpresse zeigt sich natur­gemäß hoch erfreut über die Wahl Ques- neys zum Generaldirektor und bedauert, daß diese Ernennung nicht einstimmig er­folgte. DerPetit P a r i s i e n" betont, die Haltung der deutschen Abordnung, die aus der Mihsttmmung gegen die Ernen­nung eines Franzosen zum Generaldirek­tor der Bank geboren sei, sei nicht das beste Zeichen für die kommende Zusammenarbeit zwischen Gläubiger und Schuldner. ES sei