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Vverhrflisch« Setteng, Marburg e. L, Sonnabend, den 19. Avril 1930
Nr. 92
Aus der Umgegend
Kreis KirWaln
Kirchhain, 18. April. Die Vorarbeiten für das vom 5. bis 7. Juli d. 3s. hier stattfindende 5 7. Eauturnfest des Gaues Hessen sind roetter fortgeschritten. Das turnerische Programm ist im Einvernehmen mit dem Gauoberturnwart festgelegt, ebenso sind die Ausmahe für den Turnplatz, der Raum für 1200 Freiübungsturner bietet, bestimmt. Für die am Sonnabendabend stattfindenden Meisterschafts- lämpfe wird eine besondere Tribüne errichtet. Für die nötigen Musikkapellen wird gesorgt und die Festwirtschaften sind bereits zur Vergebung ausgeschrieben. Neben der großen städtischen Festhalle wird noch ein etwa 1000 Personen fassendes Wirtschafts- und Kasse- zelt errichtet. Die Einladungen an die Gauvereine werden in nächster Zeit in das Land gehen und aller Voraussicht nach wird mit einem sehr starken Besuch der grohen turnerischen Veranstaltung gerechnet werden können.
Kreis Frankevverg
Kreistag des Kreises Frankenberg.
Frankenberg, 17. April. 3n derKveis- tagsfitzung würbe beschlossen, die im Orts beringe Frankenberg gelegene Strecke des Landweges Frankenberg — Oberholzhausen von Station 0,0 bis 1,1 und 80 aus dem Land- wegeverband auszuscheiden und der Stadt Frankenberg für d e Lebernahme dieser Wegstrecke eine einmalige Entschädigung zu gewähren. Das Gesellschaftskapital, mit dem der Kress an ter „Hessischen Heimstätte" beteiligt ist, tour5: von 12000 auf 15 000 Mk. erhöht. Die Iahresrechnung wurde geprüft. Dies Kreiskommunalkassc hat eine Einnahme von 1 443 285,84 Mk. und eine Ausgabe von 1 436 061.94 Mk., mithin einen Bestand von 7.223,90 Mk. Die Voranschläge wurden genehmigt und beschlossen, die Kreis steuern wie in den Vorjahren in Form eines 80prvzentigen Zuschlages zu ■ den Einkommen- und Körperschafts-Keberweisungen und eine- 80- prvzentigen Zuschlages zu der Gewerbe- und Grundvermögenssteuer zu erheben. — Inzwischen war auch der Regierungspräsident Dr. Friedensburg erschienen, welcher von idem Herrn Landrat begrüßt wurde, wobei er für das große Interesse dankte und auf idie guten Beziehungen des Kreises zur Kom- munäkaüfsichtsbehörbe einging. Er wies hin auf die immer wieder austauchenden Gerüchte von einer Auflösung des Kreises und bat um Aufschluß in dieser Sache. Dr. Friedensburg erwiderte,' daß neuerdings keine Verhandlungen darüber geführt seien und in Zukunft wohl keine Gefahr drohe. Etwas anderes sei es mit der Beseitigung der Enclaven. Er sprach sich scharf gegen die Abtrennung des Böhler Bezirkes <nt8. Zu dem Anträge betr. llebernahme de« Fort- bildungsschulwesens aus "txxt Kreis nahm Schulrat Dr. Clößner das Wort, bas auf fruchtbaren Boden fiel. Es wurde be- schlcssen:: 1. die vvrgelegie Kreissatzung für die Fortbildungs- und Berufsschulen des Kreises Frankenberg anzunehmen. 2. einen Schulbeitrag von jährlich 4 Mark für den
Foribildungsschüler festzusehen und 8. die entstehenden Kosten, soweit sie durch Schul» beiträge und durch Staats-, Kreis- oder sonstige Zuschüsse nicht gedeckt werden, im Wege der Mehrbelastung auf die von brr Regelung betroffenen Gemeinden umzulegen. Zur Ausführung von Avtstandsarbei- tcn soll ein Darlehen von 80 000 Mark ausgenommen werden.
Kreis Viedenkovt
Biedenkopf, 18. April. Der Bezirksausschuß in Wiesbaden hat beschlossen, den Schluß der Schonzeit für Rehböcke im Regierungsbezirk Wiesbaden auf den 29. Mai d. 3s. zu oetlegen. Der erste 3agdtag ist somit der 30. Mai. Für Fasanenhähne endet die Schonzeit am 29. September d. 3s. Birkhähne dürfen in der Zeit vom 1. April bis 15. Mai geschossen werden, während das Haselhuhn das ganze 3ahr zu schonen ist.
SBalTon, 18. April. Nach längeren Der- Handlungen mit dem Kommunalverband hat die Gemeindevertretung dank der
Gegen bte KrammLrkte.
Hünfe ld (Rhön), 18. April. Die Stadtverordnetenversammlung faßte einen Beschluß, der den Magistrat ersucht, beim Regierungspräsidenten auf eine Aufhebung der Krammärkte in Hünfeld hinzuwirken. Die Kram- märkte wären heute auch für die Käufer überflüssig: sie stellten «ine Schädigung der ortsansässigen Gewerbetreibenden dar, die die Steuern aufbringen mühten.
Der Kampf gegen die EcaM-Klubs. wird fortgesetzt.
Frankfurt a.M., 17. April. Zn der vergangenen Nacht wurden von der Kriminalpolizei zwei weitere EcaM-Klubs in der Kaiserstrahe und Schäfergaffe ausgehoben. Di« Spieletnrichtungen und Spielgelder wurden beschlagnahmt und sofort mittels Lastkraftwagens abtrans- portiert. Die anwesenden Personen (etwa 60) wurden eingehend durchsucht und die bei ihnen gefundenen Chips gleichfalls beschlagnahmt. Gegen die Unternehmer und deren Personal ist Strafanzeige wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels und gegen die Mitspieler wegen Glücksspiels bei der Staatsanwaltchaftschaft erstattet worden.
Eine Falschgeldfabrik aufgehoben.
Frankfurt a. M., 18. Mai. Der Frankfurter Kriminalpolizei gelang am Dienstag ein guter Fang. Ein etwa 30 Zahre alter Mann, der an einem Wasser- Häuschen zehn Zigaretten mit einem Fünfmarkstück bezahlte, wurde angehalten, da der Verdacht bestand, daß es sich um ein Falsifikat handelte. Tatsächlich fand
Jnitiattve einiger fortschrittlich veranlagter Gemeindevertreter gestern den Beschluß gefaßt, mit der Herstellung einer staub- freien Straße in diesem 3ahr beginnen zu lassen. Dieser Beschluß steht im Einklang zu dieser Entwicklung unseres aufwärts strebenden Dorfes und dürfte allgemein freudig begrüßt werden, da durch diese Maßnahme einem lästigen Uebelstand abgeholfen wird. Die Arbeiten werden teils in Teerarbeit, teils in Kleinpflaster ausgeführt und sollen in etwa zwei 3ahren beendet sein.
«US dem DlNkreiS
Sturz vo« elektrische« Mast.
Tringenstein, 18. April. Ein hiesiger Arbeiter, der bei Arbeiten an der elektrischen Leitung die Drähte von einem Mast lösen mußte, fiel, nachdem die Drähte gelöst waren, mit einem Mast um und zog sich eine erhebliche Fleischwunde im Gesicht, sowie Quetschungen an Btust und Schultern zu. Glücklicherweise kam der Verletzte bei dem Fall nicht unter den Mast zu liegen, was gewiß seinen Tod hätte zur Folge haben können.
die Kriminalpolizei, die sich sofort mit dem Mann zu befassen hatte, unter den Kleidern verborgen einige weitere Falschstücke und ermittelte in seiner Wohnung in der Bendergasse einen großen Koffer, der alles notwendige Material zur Herstellung von Falschgeld, u. a. auch Batterien und Säuren zur Galvanisierung der Stücke enthielt. Der Mann, der Eothe heißt, im Jahre 1899 in Wingen in Elsaß geboren ist und sich als Ingenieur bezeichnet, leugnete zunächst, gab aber schließlich zu, seit 1927 ungefähr 500 derartige Falschstücke hergestellt und in den Verkehr gebracht zu haben.
Erfolgreicher Turner gestorben.
Wiesbaden, 17. April. Der Turner Willi Schalles, dessen Namen in der gesamten deutschen Turnerschaft großes Ansehen genoß, ist heute im Alter von 47 Jahren an den Folgen einer Operation gestorben. Seine größten turnerischen Erfolge hatte Schalles noch vor zwei Jahren auf dem Deutschen Turnfest in Köln; dort konnte er den zweiten Sieg erringen.
Die llmwondlung der Wiesbadener Werke i« eine A.G. beschlossen.
Wiesbaden, 18. April. Die Umwandlung der städtischen Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke in eine kommunale Aktiengesellschaft ist heute abend von der Stadtverordnetenversammlung nach längerer Aussprache beschlossen worden, resp. die Gesellschaft!?- und Konzessionsvorträge sowie ein Ortsgesetz wurden angenommen. Dagegen wurde in der gehei
Seffen-Raffau und Rachbarsebiets
men Sitzung über den Darlehnsvortrag noch kein Beschluß gefaßt, da noch verschiedene Prüfungen vorgenommen werden sollen. Zum ersten vorläufigen Vorstand wurde Direktor Bücher bestellt. Das Grundkapital der neuen Aktiengesellschaft beträgt 20 Millionen Mark. Der Aufsichtsrat besteht aus mindestens 15 und höchstens 18 Mitgliedern. Davon sollen drei besoldete Magistratsmitglieder sein. Der Charakter einer kommunalen Aktiengesellschaft ist durch die Verträge gewährleistet.
Schluß des 67. Kommunallandtages.
Wiesbaden, 17. April. Der 67. Kommunallandtag hat heute endlich den Etat verabschiedet. Dieser schließt im ordentlichen Haushalt mit 54 und im außerordentlichen mit 9,2 Millionen R^i ab. Die Vezirksabgaben wurden auf 6,85 Prozent festgesetzt. Nach dem Dank des Präsidenten an das Haus und die Bezirks- verwaltting wurde der 67. Kommunallandtag, dessen Sitzungsverlauf zum Schluß wieder (aber eigentlich ohne Grund) sehr bewegt war, durch Regierungsvizepräsident Commer im Namen der Staatsregierung geschloffen.
Nach 41 Zähren zu seiner Familie zurück- gekehrt.
Lohr a. M., 17. April. Vor 41 Jahren verließ der frühere Landwirt Johann Sendelbach vorn benachbarten Karbach seine Ehefrau und drei Kinder und wanderte nach Amerika aus. Im Alter von 76 Jahren ist er nun zurückgekehrt. Von seiner Frau wurde er kaum noch gekannt, während er seinen Söhnen im Älter von 43 und 49 Jahren ganz unbekannt war.
Todessturz eines 90jährigen Greises aus de« Fenster.
Koblenz, 17. April. Ein neunzigjähriger Mann, der an ein Fenster des ersten Stockwerks eines Hauses in der Löhrgaffe getreten war, wurde plötzlich von einem Schwindelanfall bettoffen und stürzte aus dem Fenster heraus auf den Hof, wo er mit einem Schädelbruch und schweren Rückgratterletzungen liegen blieb. Er wurde sofort in das Krankenhaus gebracht, wo der Greis schon bald nach der Einlieferung seinen schweren Verletzungen erlag.
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Nachdruck verboten.
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Roman von Leontine von Winterfeld-Platen.
4. Fortsetzung.
Die stattliche Frau hatte sich ein wenig uurückgelehnt im Gestühl und die beiden sehr weißen, schlanken Hände wie zur Abwehr erhoben.
„Nicht doch, nicht doch, Klaus! Don diesen unliebsamen und kriegerischen Dingen wollte ich heute abend ganz gewiß nicht mit dir reden. Ich weiß ja leider genug über alle diese Zwistigkeiten und nruhen die fast ständig in der Luft liegen wie drohendes Ungewitter. Don ganz etwas anderem möchte ich heute abend mit dir sprechen."
Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und sah auf das angefangene Schreibwerk, das im Lichtschein der Leuchte auf dem schweren Eichentisch lag. Dann zwang er sich zur Ruhe und zur Höflichkeit und blieb vor dem Lehnstuhl stehen.
„Was hattet Ihr für ein Ansinnen an mich, Frau Mutter? Bedarf es so großer Eile, daß ich es heute abend noch hören muß?"
Die Ratsherrin nickte zweimal mit dem Kopf, daß ihre große, steife Haube knisterte.
„Freilich bedarf es der Eile, mein Sohn. Hattest du ganz vergessen, daß morgen der 12. August ist? Anno do- mini 1576?“
Wieder fuhr er sich mit der Hand über die Stirn und dachte einen Augenblick nach.
„Wartet, Frau Mutter“, sagte er, „ich werds wohl gleich haben. Es lastet jetzt etwas viel auf mir. Unser Schiff aus Drontheirn soll in diesen Tagen fällig sein m Neufahrwasser. Tann hat die St. Rernholdsbrüderschaft moraen eine Sitzung tm Artushof. Und —“
■x machte eine ungeduldige Bewegung Harch und schnitt ihm das •äsort ob.
”^cin, nein, Klaus, das meine ich alles ntdjt. Aber in zwei Tagen sollst du in Lauenburg fern in Pomerellen und dein
künftiges Eheweib in Empfang nehmen von ©untrem Borcke aus Leba."
Der Mann prallte zurück.
Eine dunkle Röte fuhr über fein kantiges Gesicht. Das war heißer, unbändiger Zorn, den er sekundenlang zu meistern verfuchte.
„grau Mutter, ich bitt' Euch, was fall' mir dies in all der Not unserer Stadt? Kann einer jetzt an Srautgeleite und Freien denken, wo in Danzig jeder Mann auf dem Posten fein muß?"
Sie zog eine Pergamentrolle aus den Falten ihres Tuchgewandes und rollte sie auseinander. Auf feiner Stirn grub sich die Falte tiefer, und er preßte die Lippen zufammen.
„Ich kenne den Inhalt genau, Frau Mutter. Machet Euch nimmer die Mühe, es mir noch einmal zu lesen. Nur das Datum war mir entfallen, daß es just in diesen Augusttagen sein sollte. Ich will morgen mit dem Frühsten einen reitenden Boten senden, daß man die ganze Sache verschiebt. Jetzt habe ich keine Zeit für dergleichen."
Sie sah ihn ruhig mit ihren großen, strengen Augen an.
„Ich habe bereits in letzter Woche an Guntram Borcke Botschaft geschickt, daß wir des vereinbarten Tages gedächten und du pünktlich zur Stelle sein würdest um die Braut in Empfang zu nehmen."
Klaus Veldeke ließ die verschränkten Hände sinken und ballte sie zur Faust. In seinem Gesicht arbeitet es.
„Warum habt Ihr mir fein Wort eher davon gesagt, Frau Mutter? Ihr wißt doch, was ich jetzt alles im Kopfe habe."
Mit großen Schritten durchmaß er von neuem den Raum, daß die Sporen auf dem Estrich flirrten.
Die Ratsherrin zuckte mit feiner Wimper und hob voll Ruhe ihr weißes Ee- sicht.
„Ich dachtt, du wußtest den Tag, mein Sohn. Haben wir doch oft davon gesprochen. Und wir dürfen nichts ändern an dem Wunsch und Willen deines seligen Vaters. Das weißt du. Dies Pergament ist heilig wie ein Testament, heilig wie ein Gesetz. Und unumstößlich. Guntram
Borcke und Matthias Veldefe haben es beide unterschrieben. Daran tarnt niemand etwas ändern."
„Ich will auch nichts daran ändern, Frau Mutter. Obschon es eine Grausamkeit ist, denkende Menschenkinder mit eigenem Willen chon in der Wiege miteinander zu versprechen. Ihr dürft mich nicht so zürnend ansehen, Fran Mutter. Aber es ist doch so. Und wenn Ihr einmal ernsthaft darüber nachdenkt, so werdet Ihr es selber finden. Aus Gehorsam verkauft man seine Seele."
Die Ratsherrin schüttelte mid>er den Kopf, daß die Haube knisterte.
„Du vergißt, mein Sohn, daß auch dein Vater und ich als unmündige Kinder miteinander versprochen wurden. Wo man sich gehorsam dem heiligen Willen Verstorbener beugt, da schlägt es auch zum Segen aus."
Klaus Veldeke war an das offene Fenster getreten und sah in die stille Nacht hinaus. Es ging ihm durch den Sinn wie gleichgültig Vater und Mutter so nebeneinander bergegangen waren. Sehr ehrbar und wohlerzogen, aber ohne jede herzliche Zuneigung.
Jetzt räusperte sich die Ratsherrin hinter ihm und sagte langsam:
„Ich hoffe, daß du nicht irgendwo schon eilte andere Liebschaft hast, mein Sohn. Und ich erwarte von dir, daß du morgen mit dem Frühesten gen Lauenburg reitest, um die Braut in Empfang zu nehmen."
Klaus Veldeke sah immer noch aus dem Fenster.
„Ganz abgesehen von den unsicheren Zeitläufen, Frau Mutter, die es jungen, wehrlosen Maiden verbieten, sich in die Gefahr einer solchen weiten Reise zu begeben, — ist es mit in diesen entscheidungsreichen Tagen einfach unmöglich, Danzig auch nur für Stunden zu verlassen. Wenn die Reise der Jungfrau Borcke dann nicht mehr abzuändern ist, so laßt sie wenigstens von einem anderen abholen, — mcht von mir."
Wieder knisterte die Ratsherrin mildem Pergament in ihrer weißen Hand.
„Du vergißt, mein Cohn, daß es hier ausdrücklich heißt, du sollst die Braut in Empfang nehmen. Und ich denke, was
dein Vater bestimmte —*
Heftiges Pochen an der Tür unterbrach sie jäh.
Der Hauptmann der Landsknechte, Klaus von Ungern, ftolperte über die Schwelle.
„Vergebet, wenn ich störe. Aber die Reinholdsbrüder schicken mich vom Artus- Hof, Ihr möchtet noch auf einen Abend- trunf herüberkommen, liebster Namensbruder. Wit hätten wichtiges zu beraten mit Euch."
Klaus Veldeke trat vom Fenster zurück und griff nach feiner Kappe. Dann schnallte et das Schwert um, das im Wehr- gehäng am Schreibstuhl lehnte.
Trat auf die Mutter zu und küßte ehrerbietig ihre Rechte. Die Ratsherrin hatte sich erhoben und wandte sich kurz an den Hauptmann.
„Ist wohl das Trinken alleweil die Hauptsache bei Euren wichtigen Besprechungen, wie? Daß über das Wohl der Stadt auch nut beim Humpen entschieden werden kann. Ist mein Sohn Berthold auch schon da?"
Der Hauptmann nicktt.
„Der Bertie ist schon lange drüben^ge- ehrte Frau. Er ist es just, der mich geschickt hat, den Bruder zu holen."
Die Ratsherrin huschte an ihnen vorüber aus der Tür.
Klaus Veldeke hatte gewartet, bis seine Mutter die Schwelle überschritten. Dann löschte er das Licht im schwingenden Fischweibchen und folgte Klaus von Ungern.
Ein lauer Sommerabend umfing die beiden Männer, als sie auf die Gaffe traten. Das Abendrot wat verglommen, und stille, lichte Sterne tauchten vereinzelt empor am dunkler werdenden Firmament. Gewaltig ragte der bereits, wuchtige Turm der Marienkirche über all die spitzgicbeli- gen Häuser und winkligen Dächer. Wie ein ehrwürdiger, steingewordener Wächter, ober wie ein Hirte, der Tag und Nacht Obacht gibt auf seine anvertraute Herde. Fast schwarz schienen die gewaltigen Umriffe jetzt in der späten Abendstunde, und dröhnend klangen elf schwingende Schläge vorn breiten Turm.
.Fortsetzung folgt