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Sonnabend, »m». Avril UM

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ErfSlkttttzsotl-Marburg.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhesse«

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marbui-g.

SWttbtMlaulel im DreimMe-Msmimii

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London, 18.April. Der Entwurf des Vertrages der Flottenkonferenz ist nunmehr fertigge stellt und den beteiligten Regierungen telegraphisch übermittelt worden. Nur für den Fall, daß auf Grund von Einwendungen der Regierung Abänderungen notwendig werden sollten, wird eine Verschiebung der auf Dienstag angesetzten Schlußsitz­ung stattfinden.

Ueber die Schutzklausel des Dreimächte- vertrages erklärte Snowden im Unter­haus, daß diese Klausel sich nicht auf eine bestimmte Nation beziehe und dement- ivrechend weder auf ein französisches Bauprogramm noch auf eine gemeinsame ^anzösisch-italienische Flottenkombina-

fk. London, 19. April. WieTimes" erfahren, ist die Arbeit der Revidierung des Flottenvsrtrages beendet. Er ist in ausführlicher Fassung nach Paris, Rom, Washington und Tokio übermittelt worden. Der Vertrag wird ein Doku­ment von 10 000 bis 15 000 Worten dar­stellen. Inhaltlich ist er zum größten Teil die Ausarbeitung der Ergebnisse, die vom Ersten Komitee in den bereits veröffent­lichten Berichten erzielt wurden. Der wichtigste noch nicht veröffentlichte Teil des Vertrages ist die Sicherheits- Klau f e l in dem Teil des Vertrags, der von Großbritannien, Amerika und Japan unterzeichnet werden wird.

Die Klausel gibt jeder der drei Mächte das Recht, ihr Bauprogramm nach an­gemessener Ankündigung zu erhöhen, wenn ihre Lage durch die Aktion einer vierten Macht begründet wird.

Die Tragweite dieser Klausel gibt die Besprechung der letzten Woche. Bevor die Ansichten der verschiedenen Regierun­gen über den vorgeschlagenen Vertrag eingegangen sind, kann nicht gesagt wer­den, ob die Plenarsitzung wie ursprüng­lich vorgesehen, am Dienstag vormittag 10.30 Uhr stattfinden kann. Nach dem diplomatischen Korrespondent desDaily Telegraph" erfolgt die offizielle Zustim­mung der amerikanischen Delegation zum britischen Entwurf der Sicherungsklausel in Gestalt einer Erklärung des Senators Robinson, worin es heißt:

Die sogenannte Sicherungsklausel wird im allgemeinen vorsehen, daß, wenn während der Dauer des Vertrages die Erfordernisse der nationalen Sicherheit einer der drei Mächte durch die Neubau­ten einer Nation berührt werden, deren Programm für H i l s s s ch i f fe nicht durch einen Vertrag beschränkt ist, die genannte Macht den anderen beiden das Maß und die Art der notwendigen Ver­mehrung ihrer Flotte mitteilen wird. Hierauf haben die anderen Mächte das Recht, eine entsprechende Ver­mehrung in derselben Kategorie oder in denselben Kategorien vorzunehmen.

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Kew LMmvtremem

Berlin, 18.April. Gegenüber den mannigfaltigen Ankündigungen, daß in der Osterzeit ein großer diploma­tischer Stellenwechsel zu erwar­ten sei, teilt derBorsen-Courier" mit,

daß weder der Reichskanzler noch der Reichsaußenminister an ein diplomati­sches Revirement vor der Erledigung des Etats denken. Die wichtigste Frage der Neubesetzung des Londoner Botschafter­postens ist bis zum Herbst vertagt, da der Botschafter Dr. Siham er sich bereit erklärt hat, bis zum Ablauf der Londo­ner Session auf seinem Posten zu bleiben.

AttM auf StntenlmnWtn

Berlin, 19. April. Der Reichsrat hat sich, wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, mit einem Gesetzentwurf zu be­schäftigen, der eine weitere Aktion der Reichsregierung zugunsten der Land­

wirtschaft darstellt. Diese soll fortan von der Zinszahlung für die Renten­bankgrundschuld befreit werden.

Der jetzige Gesetzentwurf bestimmt, daß die am 1. April 1930 und später gesetzlich fällig werdenden Zinsen nicht erhoben werden sollen. Infolge dieser Maßnahme werden die Rentenbankscheine nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, bereits im Jahr 1934, sondern erst Ende 1942 getilgt sein. Das Reich übernimmt den Zinsanteil der Reichsbank, der auf rund 70 Millionen anzunehmen ist, als Alleinschuldner. Die Reichsbank wird die Summe dem Reich zinslos bis zum 31. Dezember 1943 stun­den, und die Rückzahlung wird im Wege der Aufrechnung gegen den Anteil des Reiches am Reingewinn der Reichsbank erfolgen.

Gne furchtbare Nraudkataftrephe loo MnlKtn ums Leben gekommen

ft. Bukarest, 19. April .Die ganz aus Holz erbaute Kirch« der Gemeinde Co ft «sei ist gestern Abend währenddes Karfreitaggottesdienftes in Flammen aufgegangen.

Diesem furchtbaren Brandunglück fie­len 100 Menschen, Männer Frauen und Kinder zum Opfer.

Der Brand soll durch eine der brennenden Kerzen verursacht worden sein, die sämt­liche Gläubige während des Festgottes­dienstes in den Händen hielten.

Das hundertjährige Holzgebäude war in wenigen Augenblicken in Stammen gehüllt. Die sich nach innen öffnende Tür fiel zu und konnte infolge des Ansturmes der Flüchtenden nicht mehr geöffnet werden. Es spielten sich jetzt die entsetzlichsten Panikszenen ab. Die Priester im Ornat versuchten vergebens die tobenden Menschenmassen zur Beruhigung zurückzu­rufen, bis sie schließlich im Rauch erstickten und von den Flammen ergriffen wurden. Rur drei Personen vermochten sich zu ret­ten, um HÜfe herbeizuholen. Da die Kirche selbst außerhalb des Dorfes fiegt, war von der Katstrophe nichts bemerkt worden. Als Feuerwehr und Rettungsmannschaften aus der benachbarten Stadt Pitesc:'eintrafen, war die Kirche nur ein Meer rauchender Trümmerhaufen, unter denen 100 Men­schen begraben waren.

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Schweres SiugzeugunMck

Der Präsident des internationalen Luft- fahrtverbandes »ater den Opfern.

ft. Newyork, 19. April. Ein schwe­res Flugzeugunglück ereignete sich am Freitag in der Röhe von Newyork. Bei Jersey-Stadt stieg eia Berkehrs- flugzeng, ia dem sich vier Per­sonen befanden, aa eine Hoch­spannungsleitung und verbrannte. Die vier Znsasiea fandea dea Tod in den Flamme«.

Unter den Todesopfern des gemeldeten Flugzeugunglücks befindet sich auch der Präsident des internationalen LuftfahrtverbaadesErafdela Banlx.

ft. Zersy-City, 19. April. Ueber das Flugzeugunglück, über das berichtet

38 Personen bei einer Explosion getötet.

ff. Paris, 19. April. Nach einer Mel­dung aus der portugifischen Kolonie Macao ereignete sich am Freitag in einer Fabrik auf der Insel Tapia eine furcht­bare Explosion, die das ganze Ge­bäude in Asche legte. 38 Personen, zum größten Teils Frauen, kamen ums Leben. Außerdem erlitten zahlreiche Arbeiter zum Teil schwere Verletzungen.

wurde, glaubt man damit erklären zu kön­nen, daß der Flugzeugführer wegen des dichten Nebels die Orientierung verloren hatte. Nach Angaben von Augenzeugen suchte das Flugzeug etwa 10 Minuten offenbar nach dem Landungsplatz. Es vermochte gerade noch den Wasserturm zu vermeiden, an dem es unmittelbar zer­schellt wäre, geriet aber dann in die Drähte der Starkstromleitung. Man nimmt an, und die Behörden teilen diese Meinung, daß die 4 Insasien des Flug­zeuges, nämlich der Führer, und drei Fahrgäste, darunter eine Frau, bereits bei der Berührung mit dem Starkstrom den Tod gefunden haben. Das Flugzeug ging bann in Flammen auf und stürzte bren­nend ab. Die Insassen sind unkenntlich verbrannt. Eine Identifizierung war nur auf telegraphische Rückfrage in Albany möglich. Der Apparat war ein vier Per- sonen-Apparat und nicht ein acht Perso- nen-Apparat, wie zuerst gemeldet, und ge­hörte der Canadan Colonial Airways.

gtteteitifW ter Sertrtdw (enigt

ff. London, 19. April. Zwischen den Führern der beiden größten Chicagoer Verbecherorganisationen C a p o n e und Georges Woran ist am Freitag ein Abfommen unterzeichnet worden, in dem sich die beiden Organisationen ver­pflichten, den Kampf gegeneinander ein­zustellen. Die Führer sind der Auffassung, daß eine gegenseitige Bekämpfung unwirt­schaftlich und Chicago außerdem groß ge­nug sei, beiden Organisationen ein reiches und ausgiebiges Arbeitsfelds!) zu bieten. Trotz die­ses Abkommens wurde am Freitag ein Toter in den Straßen Chicagos aufgefun­den, wie man annimmt ein Alkohol- fchmuggler, dessen Körper von zahlreichen Maschinengewehrschüsse durchbohrt war.

An öle Mett!

Bon dem entscheidenden AbstimmungS- tag im Reichstag wird erzählt, daß ein großer Minister, der schon vorher stunden­lang mit kaum verborgener Anruhe in den Wandelhallen auf- und abgelaufen war, un­aufhörlich aus seiner Zigarre in der Spitze ä la Stresemann qualmend, der Auszäh­lung der Stimmen mit solcher Erregung beigewohnt habe, daß er sich den boHaf- ten Zuruf gefallen lassen nuchte:Herr 3E, haben Sie aber eine Angst I"

Das soll bei der Auszählung für und gegen die Tabaksteuer gewesen sein. Der denkwürdigere Augenblick aber ist ein we­nig später gewesen. Als die Urnen wan­derten, um die Stimmzettel für und gegen die Diersteuer aufzunehmen. Aus der höchst gelegenen Bank im Saal sitzt nämlich ein Mann mit toettergebräunten Zügen, der stolz die heimatliche bayerische Tracht und eine Breite Ahrkette an der Weste trägt. Er hatte bis dcchin mit zwei Landsleuten wacker für das Recht der Bayern auf den billigen Wcrßkrug gekämpft. Bei der Ab­stimmung über die Diersteuer aber hat er mit seinen beiden Parteigenossen die weiße Karte abgegeben und den Reichstag ge­rettet. Sein Heimatort Hutzenau sollte ihm ein Denkmal setzen.

Wir tun dem Reichstag nicht Anrecht, wenn wir zur Aufdeckung seiner seelischen Grundlagen dieser Situation von aller­höchster dramatischer Zuspitzung gedenken. Anrecht hat vielmehr der bekannte demo- krattsche Abgeordnete und Journalist, der den Sinn dieser Abstimmung dahin deutete, daß durch sie über Sein un& Richtsein des Parlaments entschieden wurde. Denn die Vertrauenskrise dieses Systems ist durch den Abgeordneten aus Hutzenau nicht etwa überwunden worden, sondern sie ist durch ihn erst recht deutlich geworden.

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Wir haben in den letzten fahren erlebt, wohin es führen muß, wenn der Sozial­demokratie bei der praktischen Führung des Staates in Regierung und Parlament der Gegenspieler fehlt. Die wahren Kräfte des Bürgertums konnten nur deswegen nicht in Erscheinung treten und wirksam werden, weil es niemals, in großen Gruppen zu- sammengefaßt, einheitlichen machtpolitischen Anspruch erfjob. Es soll, um jeder Ge­fahr einer Verkalkung vorzubeugen, auf dem sinken wie auf dem rechten Flügel re» volutivnäre Stoßtrupps geben, die ein Staat tn unserer Lage wohl verwerten kann. Aber die Masse des Bürgertums soll an der Führung des Staates beteiligt sein und nicht große Gruppen absvndern, die in un­bedingter Verneinung verharren und da­durch die Herrschaft des Sozialismus erst ermöglichen.

Der Sieg des Kabinetts Brüning ist des­wegen von so großer Bedeutung, weil die Arbeit der kommenden Monate ohne Aus­nahmebestimmungen, ohne eine verhüWe Diktatur zeigen muß, daß das Bürgertum unter starker und geschickter Führung wirk­lich die Kraft besitzt, positive Reformarbeit zu leisten. Wäre der Reichstag am Mon­tag nach Hause geschickt worden, so hätten wir nach den Enttäuschungen der letzten Jahre nicht eine Sammlung der staats­politischen Kräfte, sondern ihren verstärk­ten Zerfall und ein ungeheures Anschwel­len des Radikalismus erlebt. Bewährt sich jetzt diese Regierung, vermag sie die Auto­rität des Staates erneut aufzurichten, so schafft sie ein Vertrauen in die eigene Macht des Bürgertums, das ganz anders als theorettsche Wahlreformen eine Wand­lung zum Erstarken des schöpferischen bür­gerlichen Machtwillens ermöglicht.

Der Absttmmungssieg der Regierung ist also ein Anfang, eine Aufgabe und eine Möglichkeit. Er fordert nicht Verneinung, sondern Betonung der sozialen Gemein­schaft. Er fordett, nachdem vom Kanzler alle Möglichkeiten einer parlamentarischen Verständigung ausgeschöpft sind, daß endlich die Parteien sich toütiger unter die Staats-