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Anzeiger Mr (bas frühere knrheMsche) Oberhessen
Anzeiger der amtliche« Betmnrtmachsnge« für Stadt «nd Kreis Marburg.
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Berlin, 16. April. Amtlich wird mit- xeteilt: Unter Borfitz des Reichskanzlers Dr. Brüning fand am hentigen Nachmittag in der Reichskanzlei die letzte Kadi n e t t « f i tz « n g vor der Ofterpaufe statt. Das Reichskabinett beschäftigte sich neben einer größeren Anzahl lausender Fragen in erster Linie mit de« heute vom Reichsrat verabschiedeten Haushaltsplan kür das Jahr 1930. Hinsichtlich der vom Reichsrat bewilligten eine Million Reichsmark für Kinderpeifung und der an Stelle anderer Ausgaben des Marineetats eingesetzten ersten Baurate für das Panzerschiff „8“ beschloß das Reichskabinett die Reichsratsbefchlüsie dem Reichstage als Grundlage feiner Beratungen zuzuleitea.
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Berlin, 16. April. Der Reichsrat beschäftigte sich am Mittwoch mittag mit üem Haushaltsvoranschlag für 1930. Den Bericht der Reichsratsausschüsie erstattete der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht. Er führte u. a. aus: Der Haushalt ist solide aufgestellt, aber große Ersparnisse bringt er nicht. Die Gesamtausgabe wächst für 1930 im Vergleich mit 1929 um 354,8 Millionen.
Mehrausgaben gegenüber 1929 entfallen u. a. aus:
Wehrmacht einschl Versorgung 47,9 Mill.
Landwirtschaft 24,1 „
Wasserstraßen 24,1 „
Finanzverwaltung einschl. Ver
sorgung 19,1 „ '
Wohnung und Siedlung 13,1 „
Luftfahrt 7,1 „
Läßt man bei den Mehrausgaben die besondere Schuldentilgung mit 450, die Rückkehr zur Vartilgung bei der Anleiheablösung mit 51,2 und die Mehrzahlungen an die Länder mit 119,3 Mill, außer Betracht, bei den Minderausgaben die Arbeitslosenversicherung mit 207,5 Mill., so ergibt sich
für 1930 zwar eine sachliche Ersparnis, aber nur von 58,8 Millionen Mark.
Das ist alles. Die gesamten Nettoausgaben betragen 11277,6 Mill. Erfreulich ist die Entlastung um 125 Millionen auf dem Gebiete der Liquidation des Krieges. Davon entfällt auf den Poungplan eine Erleichterung von rund 90 Mill., auf die Verwaltung der besetzten Gebiete rund 30 Mill., auf die Versorgung der Kriegsteilnehmer rund 24 Mill., während die Entschädigungen für die polnischen Liquidationen mit 27,4 Mill, neu hinzukommen.
Ausschußbeschlüsie.
Die Ausschüße haben die Auflösung des Ministeriums und der Vermögensverwaltung für die besetzten Gebiete spätestens bis zum 1. Oktober 1930 beschloßen, während die Regierungsvorlage keinen Endtermin vorsah. Bewilligt wurde ein Westfond von 10 Millionen rm Anschluß an die im März bewilligten noch nicht verausgabten Millionen, daneben für kulturelle Fürsorge noch zwei Millionen und für andere Zwecke 400 000 M. Ebenso wurde ein entsprechender Ostfond von 22 Millionen bewilligt, außerdem in weiterer Ausführung des vorjährigen Gesetzes für Ostpreußen 29,3 Millionen, für die östliche und nördliche Wohnungsnot 12 Millionen und zur Verhinderung des Ausfalles an Umschuldungskrediten 1 Milton. Der ostpreußische Siedlungsfond von l8 Millionen ist nicht wieder eingestellt. Ein Antrag, auch für die südöstlichen und dre nördlichen Grenzgebiete 6 Millionen Mlzustellen, wurde mit Rücksicht auf die Finanzlage abgelehnt.
Die größte Vermehrung weist die Wehrmacht ans.
Reben der Steigerung der Versorgung werden für Heer und Marine zusammen 40,1 Millionen mehr gefordert. Ueder Streichungen haben in den Ausschüßen heftige Kämpfe stattgefunden. Die Mehrheit hat Abstriche von rund 3,4 Millionen beschloßen. Anträge Preußens auf Abstriche von weiteren 1,5 Millionen im einzelnen und 10 Millionen Pauschal, zusammen 15 Millionen, wurden abgelehnt. Aus der Mitte des Reichsrates wurde die
Einsetzung einer ersten Rate für ein zweites Panzerschiff
Weimar, 16. April. Das thüringische Kabinett beschäftigte sich am Dienstag abermals mit den Auseinandersetzungen zwischen dem Reich und dem Lande Thüringen. Staatsmrnister Baum erstattete Bericht über seine Berliner Verhandlungen. Das Kabinett beschloß nach längerer Aussprache, einen Brief nach Berlin abzusenden, der den Standpunkt der Landesregierung zu den beiden wichtigsten Stteitpuntten, dem Thüringischen Ermächtigungsgesetz und den Verhältnissen in der Landespolizei darlegt. Der Brief ist am Mittwoch veröffentlicht worden. Die Landesregierung hält darin das thüringische Ermächtigungsgesetz durchaus mit dem Reichsrecht vereinbar. Sie sei aber bereit, angesichts der zwischen dem Reich und dem Land Thüringen bestehenden Meinungsverschiedenheiten. die o
Entscheidung des Reichsgerichtshofes hierfür anzurufen und diesen Schritt auch gemeinsam mit der Reichsregierung zu tun. Nachdem jetzt bei der Besprechung zwischen dem Reichsinnenminister und dem Vorsitzenden des thüringischen Staatsministeriums von feiten Thüringens eingehend dargelegt worden sei, daß
bei der Landespolizei eine Verletzung der Bestimmungen für die Gewährung der ReichszuschLße für Polizeizwecke niemals ftattgefunden
habe, glaubt die Landesregierung Thüringen sich zu der Erwartung berechtigt, daß der Reichsinnenminister sich durch diese Darlegung für befriedigt erklären wird.
Sie spricht deshalb das Ersuchen aus, daß die in dem Schreiben des Reichsinnenministers vom 18. 3. 1930 ausgesprochene nicht begründete Sperre der Zuschüsse für Polizeizwecke an Thüringen alsbal.d nach Empfang des gegenwärtigen Schreibens aufgehoben werde, damit das Land Thüringen vor weiterem Schaden bewahtt bliebe. Ebenso müsse die Landesregierung Thüringen die be- stinnnte Bitte auswrechen, daß die in dem Schreiben des Reichsinnenministers vom 18. März 1930 weiter ausgesprochene einstweilige
wurde. Der Zuschuß für die Deutschen Werke in Kiel mit 2,5 Millionen wurde bewilligt. Die Laße des Arbeitsmarktes macht den Augenblrck zur Liquidatton ungeeignet.
Bei d-r Arbeitslosenversicherung beantragte Preußen, im Haushaltsgesetz, das ja den Reichstag erst im Juni passieren wird, eine Heraufsetzung des Beitrages um y, Prozent vorzuschlagen, und den Zuschuß auf 120 Millionen sden Norstock 200) oder 100 Millionen und 20 Millionen Darlehen herabsetzen. Die Mehrheit lehnte zur Zeit die 93eU
beantragt. Dieser Antrag erhielt in zweiter Lesung eine veränderte Bedeutung dadurch, daß die Reichsregierung — ohne den Antrag selbst zu übernehmen — erklärte, sie würde seine Annahme begrüßen, und fick für die Annahme mit Material und Gründen einsetzte. Die preußische Regierung sprach sich gegen den Anttag aus. Mit Rücksicht auf die neue Erklärung der Reichsregierung stimmte
die Mehrheit der Ausschüße für die Einsetzung der ersten Rate in Höhe von 2,9 Millionen
in der Weise, daß der gleiche Betrag bei den anderen Schiffsbauten gestrichen
Einstellung von HeberroeifnnWn aus Fondsmitteln des R eichs- innenministeriums an Thüringen zurückgezogen werde.
Bei Gelegenheit des Besuches des Staatssekretärs Zweigett wird die vom Reichs- innenminister gewünschte Hnterredung mit Minister Dr. Frick stattfinden können. Die Landesregierung Thüringen bedauere überdies lebhaft, daß neuerlich in der Preße dem bevorstehenden Besuch des Staatssekretärs Zweigert der Charakter einer amtlichen Kontrolle beigemessen werde.
Baums Erklärungen an Wirth.
Zu der vorstehenden Erklärung der thüringischen Regierung erfahren wir noch folgendes: Bei der Besprechung am 10. d. Mts. hat der Reichsinnenminister Dr. Wirth an den Vorsitzenden des thüringischen Staatsministeriums, Baum, wiederholt die Frage gerichtet, ob in der thüringischen Landespolizei irgendwelche Veränderungen vorgenommen worden seien, insbesondere, ob Nationaksozia- listen in die thüringische Landespolizei eingetreten seien. Staatsminister Baum hat darauf wiederholt die Erklärung abgegeben, für sich wie für bas thüringische Staatsministerium. daß in der thüringischen Landespolizei keine Veränderungen vorgenommen worden seien, mit alleiniger Ausnahme von solchen Anstellungen, die bereits vor dem Amtsantritt des Ministers Frick in Aussicht genommen waren. Insbesondere sei es
alsolut unrichtig, daß irgendein Nationalsozialist in der thüringischen Landespolizei
Aufnahme gefunden hätte.
Für diese Erklärung hat die thüringische Staatsregierung, wie der Vorsitzende des thüringischen Staatsministeriums wiederholt erklärt hat, jede Verantwortung übernommen. Bevor es zu der Besprechung vom 10. d. Mts. kam, hat die thüringische Regierung die Reichsregierung wissen lassen, daß sie hinter der bekannten Erklärung des Ministers Frick, Severing könne lange warten, bis er eine Antwort auf fein Schreiben erhalten werde", nicht gestanden habe und auch jetzt nicht stehe.
Ikragserhohung ab und stellte 150 Millionen Zuschuß ein.
, Für die Landwirtschaft enthält die Vorlage, und zwar noch in der Form der alten" Regierungsvorlage, wesentliche Mehreinstellungen.
Der fünfte neue Ansatz ist der für Schuldentilgung. Die Tilgung bedeutet jetzt nichts weiter als die verzögerte Deckung der beiden letzten Haushalte. Darüber hinaus bleiben ans 1929 etwa 65 Mill, zusätzlicher Fehlbetrag hängen. Die Ausschüsse haben die Schuldentilgung daher
l Fortsetzung lieh« Seite 2.)
LWlngens Antwort an das Reich
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In Ser „Kreuzzeitung- beschäfligt sich © ra f Westarp noch einmal mit den Ergebnissen der letzten Reichstagsabstim- mungen. ©ras Westarp führt u. a. aus, für die Deutschnationalen habe sich die Lage ergeben, daß sie nur durch Zustimmung zu den Steuervorlagen und zu den Junktim das Agrarprogramm hätten erreichen können. Er Hütt es für einen Irrtum, anzunehmen, daß das Agrarprogramm ohne die Steuervottagen zu haben gewesen wäre, und daß die en^egengesetzten Erklärungen der Regierung reiner Bluff gewesen seien. Um der Abwehr der landwirtschaftlichen Katastrophe willen hätte die Mehrheit der Reichstagsfraktion den Steuervvrlagen des jetzigen Kabinett« zugestimmt. Er habe es seit 22 Jahren niemals an Bemühungen fehlen lassen, die Landwittschast von Irrwegen rein berufsständischer Parteibildungen abzuhalten. Mft dieser Vergangenheit habe er es nicht vereinbar gehalten, einen Wahlkampf herbeizuführen, den die Deutschnationalen im wesentlichen ohne, ja gegen den Landbund hätten führen müssen. Er mühte eine derartige Entwicklung als ein schweres, auf lange Zeit nicht wieder gutzumachendes Unglück ansehen.
Für die Landwirtschaft selbst, nicht minder aber auch für die große Partei der Rechten, sei die Annahme der Steuervorlagen nur unter Zwang erfolgt. So könne sich das Verhältnis der Dentschnatio-- . nalen zu der gegenwärtigen Regierung umsoweniger bessern, als die Deutschnatio- nalen die Druckmittel, die das Kabinett Brüning unter Ausnutzung dieser Zwangslage angewendot habe, als sachlich unberechtigt und als Einfluß politischer ©egnerschast erkennen und empfinden mußte. Graf Westarp betonte dann, daß er in Opposition gegen dieses Kabinett bleibe, das zur Fortführung der Tributpolitik entschlossen sei und schon im Hinblick auf Preußen nicht im erforderlichen Maße unabhängig von der Sozialdemokratie sei.
lieber die parlamentarischen Tagesaufgaben solcher Opposition hinaus bleibe als eingehender Gesichtspunkt, der über die jetzigen Parteischwierigkeiten hinweghelfen mühte, auch für die Folge der Kampf gegen die Fremdherrschaft und gegen die Partei- Herrschaft bestchen. ©ras Westarp wendet sich endlich an die Landwirtschaft und hebt hervor, daß die Partei aus der Rot- wendigkeit heraus, der gegenwättigen Katastrophe der Landwirtschaft Einhalt zu gebieten, schwerste Opfer erwachsen seien. Run dürfe die Partei auch mahnen und fordern.
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Bekanntlich hat der polnische Gesandte Knoll im Auhenministettum eine Rote überreicht, in der seitens der polnischen Regierung Protestgegendieneuen deutschen Zölle erhoben wird. Polen Kbet seinem Einspruch zwei angeblich
.-schlagende Argumente an. Rach Ansicht der polnischen Regierung widersprechen zunächst die neuen Zölle den Genfer Vereinbarungen zur Herbeiführung des internationalen Zollfriedens. Demgegenüber ist festzustellen, daß in das angezogene Abkommen auf deutschen Wunsch ausdrücklich eift Passus ausgenommen worden ist, wonach Zollerhöhungen sehr Wohl möglich sind, wenn sie als „dringende Maßnahmenangesehen werden müßen. Dieser Fall ist augenblicklich gegeben, sodaß von einem Verstoß gegen die Genfer Bestimmungen nicht gesprochen werden kann.
Der zweite Punkt der panischen Beschwerde befaßt sich mit der angeblichen Veränderung der Grundlagen des deutsch- polnischen Wirtschaftsabkommens durch die neuen deutschen Zölle. Dazu ist zu sagen, daß Deutschland ohne Frage ein juristisch unbestreitbares Recht zu den vorgenommenen Zollerhöhungen hat, wenn diese auch von Polen als drückend empfunden werden. Die polnischen Argumente sind also durchaus unrichtig. Man geht nickst fehl in der