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u nehmen. Zur Gefrier- rage erklärte der Minister,er
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Nie Debatte vor der AWmumns Schieles Entwert an Sflftrth»
öbechMsche Zeitung
Dienstag, den 15. Anrii ISA)
päischen Länder zu ähnlichen Abwehrmaßnahmen, wie es das vorliegende deutsche Agrarprogramm enthält. Selbst das freihändlerische England befaßt sich mit solchen Maßnahmen. Schiele gab die Erklärung ab, daß die der Regierung zu gebende Ermächtigung auch die Möglichkeit einschließe, weiterhin den Zollsatz für Gerste zur Biehfütterung bei gleichzeitigem Bezug von eosiniertem Roggen auf 2 \M. herabzusetzen. Bei den Einfuhrscheinen sei nicht daran gedacht, dadurch die Reichskaffe stärker m An-
Die Berliner Presse nimmt zu dem Abstimmungsergebnis eingehend Stellung. Besondere Beachtung verdienen die Ausführungen der D. A. Z. Sie schreibt: „Mit stiller Freude nehmen wir übrigens zur Kenntnis, daß auf der linken Seite plötzlich eine Helle Begeisterung für die „Wirtschaft" und die Industrie, sogar für die „Schwerindustrie" ausgebrochen zu sein scheint. Sie werde schließlich die Kosten der Landwirtschaftshilfe des Herrn Ministers Schiele bezahlen muffen, es gehe doch unmöglich an, und die Wirtschaft selber werde es nicht wünschen können, daß ihre Produktivität beeinträchtigt und ihre Lasten vergrößert würden. Da sieh mal einer an: Wenn sich sonst jemand nach seiner Aeberzeugung erdreistete, em Wort für die Produktivnsstände zu sagen und ihre gerechte Beachtung im Rahmen der staatlichen Gesamtausgaben verfocht, so glt er in manchen Kreisen doch mindestens als „Scharfmacher" und Arbeiterfeind. Auf einmal aber bedrückt die gleiche Sorge den linken Blätterwald, und in schwerer Kümmernis stimmt man das Klagelied der notleidenden Wirtschaft dort an, wo sonst, wenigstens im politischen Teil, davon keine . Spur zu finden war. Das ist eine fröhliche Osterüberraschung. Hoffentlich verflüchtigt sie sich nicht zu schnell.
Was das Kabinett Brüning bisher geleistet hat, ist vorerst die Aufarbeitung eines Teiles der schandbaren Erbschaft, die es von seinem Vorgänger übernahm. Ein erster, allererster Arffana nur. El» wird
zabe nicht die Absicht, der bedürftigen Bevölkerung den Genuß von Fleisch zu erschwinglichen Preisen unmöglich zu machen, er sei vielmehr entschlossen, der wirklich minderbemittelten Bevölkerung den bisherigen Fleischverbrauch zu ermöglichen, allerdings auf einem Wege, der auch den Bedürfnissen der Landwirtschaft gerecht wird.
Abg. Dr. Dessauer fZtr.sst Wir erkennen an, daß Deutschland auf einen Exportüberschuß angewiesen ist. Trotzdem machen wir das Agrarprogramm mit
zur Körperschaftssteuer herangezogen wird. Die Regierung muß die Ablehnung des Antrages Remmele verlangen, weil eine Annahme des Antrages eine schwere Einbuße an dem finanziellen Ertrag des Deckungsvroaramms berbeifübren würde.
SogcWceei
Die gestrige Reichtagssitzung war von einer Spannung erfüllt, wie sie seit langer Zeit nicht zu verzeichnen war. Dies lag daran, daß alle Parteien die letzten Reserven herangeführt hatten, sodaß die die Entscheidung von ganz wenigen Stimmen abhing. In der Tat betrug die Mehrheit bei der entscheidenden Schlußabstimmung über Bier- und Umsatzsteuer nur vier Stimmen. Die Mehrheiten wären jedenfalls nicht zustandegekommen, wenn nicht weitere drei Deutschnationale und der Bauernbund.mit sechs Stimmen positiv gestimmt hätten. Die weihen Sttmmzettel dieser Abgeordneten haben den Ausschlag gegeben. Der Iunkttm-Paragraph trat bet der Abstimmung übrigens vollkommen in den Hintergrund, und zwar durch ein Versehen, das große Heiterkeit auslöste. Das immer als Paragraph la angesprvchene Junktim hat nämlich die Bezeichnung Absatz 1 des Artikels 5 der Benzolvvrlage erhalten, was anscheinend den meisten Abgeordneten entgangen ist. Daß das Junktim angenommen war, bemerkte man erst nach der Abstimmung, bei der auch die Rationalsozialisten und Dr. Hilgenberg mit Ja gestimmt hatten. Erst eine Rückfrage beim Reichstagspräsidenten Löbe ergab, daß auch das Iunkttm 'mitangenommen worden war. Bei den letzten Abstimmungen, die sich auf die Finanzreform und die Arbeitslosenversicherung bezogen, waren die Mehrheiten wieder erheblich größer. Damit war die Arbeit vollbracht, und der Reichstag konnte erleichtert in die Ferien gehen.
In parlamentarischen Kreisen wird dieser Ausgang als ein starker Erfolg des Kabinetts und namentlich des Kanzlers Dr. Brüning bewertet. Die Auswirkungen sieht man vor allem in der Konsolidierung des Kabinetts, das nun nach Aeberwindung der parlamentarischen Schwierigkeiten an die praktische Arbeit gehen wird. Wenn der Reichstag nach der Osterpause am 2. Mai wieder zusammentritt, wird er zunächst den Reichshaushalt in Verbindung mit dem Ostprogramm zu verabschieden haben, für das die Gesetzesvorlage inzwischen vom Reichsinnenministerium ausgearbeitet wird. In Kreisen der Regierungsparteien rechnet man damit, daß die Mchrheit bei Erledigung dieser Aufgabe größer sein wird, sodaß ernsthafte Schwierigkeiten nicht befürchtet werden und der Bestand des Kabinetts zunächst bis zum Herbst als gesichert gilt.
Anzeiger für (das frühere knrhessische) Oberhesfen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Nie Abstimmungen im Reichstag ggrat« lmd DtckimMrvMmm in dritter Lesung angenommen - Dir Auslösung des AeuWages vermieden
betrifft, wurde ein Antrag der Regierungsparteien angenommen, der Makler und Handelsagenten bis zu einem Einkommen von 18 000 Mark von der llm- iatzsteuer befreit. Ein sozialdemokratischer Antrag, der auch die freien Berufe von der Umsatzsteuer befreien will, wurde abgelehnt. Zur gestaffelten Umsatzsteuer, der sog. „Warenhaussteuer", wurde ein
sozialdemokratischer Antrag auf Herausnahme der Konsumvereine aus der Steuerpflicht mit 262 gegen 192 Stimmen abgelehnt.
Die namentliche Schlußabstimmuug über die Brersteueroorlaze, mit der auch Umsatzsteuer und Warenhaussteuer verbunden sind, ergab die Annahme der Vorlage mit 229 gegen 224 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten, Nationalsozialisten und der Minderheit der Deutschnationale» Fraktion.
Die Aenderungen zum Branntweinmonopol wurden angenommen. Die M i n e - ralwassersteuer wurde mit 229 gegen 225 Stimmen bei einer Stimmenthaltung angenommen. Angenommen wurde auch die Aufbringungsumlage unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages auf Erhebung eines Notopfers. In einfacher Abstimmung wurde weiter die Hinausschiebung der Bindung der Länder und Gemeinden an die Reichseinheitswerte beschlossen.
Arbeitslosenrrform «ud Sparprogramm.
Beim Gesetz zur Vorbereitung der Finanzreform wurden die sozialdemokratischen Aenderungsanträge zur Sanierung der Arbeitslosenversi-
Jn der gestrigen Aussprache trat nach dem Abg. Mumm
Reichsernährungsminister Schiele
den Ausführungen des Abg. Dr. Hilfer- ding entgegen mit dem Hinweis auf den Abstand, in dem sich der Index der Preise für Agrarprodukte von dem viel höheren Industrieindex befindet. Der Sinn des vorliegenden Agrarprogramms liegt gerade darin,
einen gesunden Ausgleich zwischen Industrie und Landwirtschaft herbeizuführen. Die große Arbeitslosigkeit spricht nicht dafür, daß unsere roirt= schastlichen Verhältnisse gesund sind. Auch hier schwingt mit die Krankheitserscheinung, die sich bei der Landwirtschaft bemerkbar macht in der zu niedrigen Preisgestaltung ihrer Produkte. Die Ansammlung ungeheuerer Weizenpools in den überseeischen Ländern nötigt alle euro-
ch e r u n g abgelehnt. Artikel 2, der die Zuweisungen für die Invalidenversicherung von 40 auf 20 Millionen herabgesetzt, wurde in namentlicher Abstimmung mit 249 gegen 204 Stimmen angenommen. Der Artikel 3 über Steuersenkung und Aufgabenersparnis wurde in einfacher Abstimmung angenommen, ebenso das ganze Gesetz zur Vorbereitung der Finanzreform in der Schlußabstimmung. Damit waren
alle Deckungsvorlagen in dritter Beratung endgültig angenommen.
In namentlicher Abstimmung wurde noch ein kommunistischer Antrag auf Aufhebung der Lohnsteuer mit 388 gegen 62 Stimmen der Kommunisten und Nationalsozialisten ab gelehnt. Gegen Sozialdemokraten und Kommunisten wurde eine Entschließung der Deutschnationalen angenommen, in der ausreichende Zollsätze für den Weinbau, Obst- und Gemüsebau ge- wünscht werden. Eine sozialdemokratische Entschließung auf Herabsetzung der Zölle für Futtergerste wurde abgelchnt.
Um 5.45 Uhr
vertagte sich der Reichstag a»f Freitag, 2. Mai,
2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Etats für 1930.
und sehen darin keinen Bruch mit unserem weltwirtschaftlichen Programm, das sich gegen den Protektionismus richtet. Man darf dabei nicht vergeffen, daß es sich hier um einen akuten Notstand handelt, dem abgeholfen werden soll. Die Vorlage erhält ja eine Ermächtigung gerade zu dem Zweck, daß die Zollerhöhungen nur in dem Umfange durchgesllhrt werden, rote es zur Erreichung stabiler Preise notroendig ist. Bleibt die Regierung bestehen, so kann sie die Durchführung des Programms kontrollieren. Wird der Reichstag aufgelöst, so kann das Agrarprogramm auch mit Hilfe des Artikels 48 nicht durchgeführt werden.
Damit war die Aussprache über das Agrarprogramm beendet. Zur Vorlage über die gestaffelte
Umsatzsteuer
begründete Abg. Dr. Remmel e-Baöen (Soz.) einen Antrag, wonach von der Steuer die Konsumvereine und Wirt-
' aftsgenoffenschaften, deren Geschäftsbetrieb sich auf die Mitglieder beschränkt, frei bleiben sollen.
Reichsfinanzminister Dr. Molstentzauer:
Im Namen der Reichsreaierung habe ich Sie um Ablehnung des Antrages Remmele zu ersuchen. Es ist durchaus nicht die Absicht der Vorlage, Irgendwie die Entwicklung der Konsumvereine zu schädigen ober eine Sondersteuer gegen die Verbraucher einzuführen. (Rufe b. den Soz.: „Das ist aber die Wirkung!") Es handelt sich nur darum, $etriebe mit einer bestimmten Umsatzhöhe steuerlich zu ersoffen ohne Rücksicht darauf, ob der Bettieb genossenschaftlich oder privatwirtschastlich aufgebaut ist. Der Konsumverein hat dabei noch gegenüber dem gleichgroßen
Im Reichstage begannen gestern nachmittag kurz nach 14 Ühr die entscheidenden Abstimmungen zur dritten Lesung des Agrar- und Finanzprogramms. Zum Gesetz über Zolländerungen, das die Mineralzölle und
das Agrarprogramm
enthält, wurden zunächst verschiedene sozialdemokratische und kommunistische Aenderungsanträge abgelehnt. Die M i - neralzolle und die ersten Artikel des Agrarprogramms werden in einfacher Abstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, der Nationalsozialisten und bei einigen Arttkeln gegen einen Teil der Deutschnationalen angenommen, darunter
auch die sog. Iunktimbestimmung, wonach die Agrarvorlage nur in Kraft treten kann, wenn auch sämtliche Deckungsvorlagen angenommen sind. — Dieser Abstimmung, die auch im Reichstage von den Abgeordneten kaum beachtet wurde, kam keine entscheidende Bedeutung zu; die Entscheidung lag erst in der namentlichen Schlußabstimmung. Die erste namentliche Abstimmung wurde vorgenommen bei der Roggenposition der Agrarvorlage. Hierbei wurde ein komuuistischer Aende- rungsantrag mit 261 gegen 193 Stimmen abgelehnt. Auch alle weiteren Aenderungs- anrräge wurden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt. Das Agrar Programm wurde in der Fassung der zweiten Lesung angenommen.
Za der namentlichen Schlußabstimmung wurde das Gesetz über Zolländerungen, enthaltend Mineralölzölle, Zunttim und Agrarvorlage, mit 250 gegen 204 Stimmen angenommen. Dagegen haben die Sozialdemokraten, Kommunisten und Nattonal- fozialisteu. dafür mit den übrigen Parteien auch die Deutschnationalen gestimmt.
Die Änderungen des Tabak- und des Zuckersteuergesetzes wurden in namentlicher Abstimmung mit 230 gegen 224 Stimmen angenommen. Gegen die Vorlage stimmten mit den Sozialdemokraten. Kommunisten und Nationalsozialisten auch 20 Abgeordnete der deutschnationalen Fraktion. Die dann folgende namentliche Abstimmung über den Artikel 1 der Vorlage über die Erhöhung der
Bierstener
vollzog sich unter Lärm und Gelächter. Der Bayrische Bauernbund bildete hier das Zünglein an der Waage. Der Nattonal- sozialist Dr. Goebels stellte sich in der Nähe dieser Gruppe auf und schwentte eine rote Neinkarte. Als aber bet Stimmkartensammler mit der Urne kam, warfen die Bauernbündler weiße Ja- Karten ein unter Pfuirufen der Nationalsozialisten und Beifallsklatschen der Nachbarn aus den Mittelparetten. Mit den Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten stimmten auch einige Deutschnationale gegen die Vorlage. Ar- ttkel 1, der die neue Biersteuerftaffelung enthäht, wurde mit 232 gegen 223 Stimmen angenommen. (Pfuirufe.) Zum Artikel 7, der die